Bargfeld

arno 2

Foto: Elfie Voita

Er kann sich ja nicht mehr dagegen wehren, dass Menschen durch seinen Garten laufen, sein Haus betreten und schließlich sogar in seinem Arbeitszimmer stehen. Gemocht hätte er es nicht, ach was, er hätte es schlicht nicht zugelassen. Aber er kann es nicht mehr verhindern, er liegt draußen im Garten unter einem Findling, gemeinsam mit seiner Frau Alice. ARNO SCHMIDT. Anders dürfte man diesen Namen gar nicht schreiben. Jedes Mal, wenn ich eines seiner Bücher lese, wieder lese, erwischt er mich. Diese Sprache, dieser Humor, auch diese Haltung, letztlich aber doch die Sprache: Was für Sätze, was für Wörter. Ein Künstler, der sich seiner Kunst sehr wohl bewusst war. Und dessen Kunst doch fast schon vergessen ist. Nicht bei uns Alten, jedenfalls nicht bei denen, die ich kenne. Dafür sorge ich schon. Die Jungen hingegen? Vorwerfen kann man es ihnen nicht. Es ist nicht ihre Zeit, Weiterlesen

Robert B. Parker: Spenser

By Manchester (N.H.) Library [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0) or CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Was ist eigentlich so toll an Serien, frage ich mich, denn ich schaue mir keine an. Das ist ein hinreichender Grund, keine eigene Antwort auf diese meine Frage formulieren zu können. Andererseits bin ich durchaus Serienjunkie, allerdings geht es dabei um literarische Serien. Gut, ich wäre bereit, hier einen etwas erweiterten Literaturbegriff zu gestehen, denn meist geht es bei den Serienautoren dann doch um Krimis.

Das Tolle an diesen Serien ist, für mich zumindest, die Vertrautheit mit dem Personal, mit literarischen Figuren, denen man wie alten Bekannten begegnet, die eine neue Geschichte zu erzählen haben. Wie bei anderen Bekannten, die gerade etwas erlebt haben, hat es wenig Sinn, aus dem eigenen Alltag zu plaudern, sie hören eh nicht zu.

Außerdem entlastet es natürlich ganz erheblich, wenn man Autoren gefunden hat, die einen Nerv treffen, statt auf die Nerven zu gehen. Deshalb ist es eine große, nicht akzeptable Schweinerei, wenn solche Menschen sterben. Auch wenn sie nach ihrem Tod offenbar weiterhin aktiv bleiben, wie das bei Robert B. Parker der Fall zu sein scheint. Die Krimi-Couch berichtet jedenfalls über ihn: „1956 heiratete er Joan Hall; die Ehe, aus der zwei Söhne hervorging, hält trotz diverser Schwierigkeiten (die Eingang in Parkers Romanwerk fanden) bis heute.“

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Der Boss lässt sprechen

Von Helge Øverås – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3474124

Ja, ich weiß, ich hätte es ja nicht hören müssen. Aber nun ist es zu spät für gute Ratschläge. Ach so, was ich da gehört habe? Born to run, die Bruce-Springsteen-Autobiografie, gelesen von Thees Uhlmann.

Ich mag Thees Uhlmann, weiß nicht, wieso. Vielleicht ist es das Norddeutsche, das Eckige, das Unglamouröse. Ja, bestimmt sogar, denn von seiner Musik bin ich meistens ein kleines bisschen enttäuscht. In einem Kulturmagazin erzählte er, wie begeistert er davon war, Springsteen für das Hörbuch lesen zu dürfen. Schön, dass wenigstens er Spaß daran hatte. Oh, er macht das nicht schlecht, jedenfalls wenn man das Norddeutsche, Eckige und Unglamouröse mag.

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass man mehr aus den Texten rausholen kann, dass man mit breiter Brust und großer Klappe antritt, um dann an den entsprechenden Passagen auch mal weinerlich zu werden. Denn das ist Springsteen eben auch alles. Großkotzig, moralisch, religiös, Selfmademan, Millionär, Sohn, Vater, Ehemann. Ach ja, Rockstar hätte ich fast vergessen. Weiterlesen

Klaus Mann, Hendrik Höfgen und Gustav Gründgens

By United States 5th Army (Handschriftenabteilung der Stadtbibliothek München) [Public domain], via Wikimedia Commons

By United States 5th Army (Handschriftenabteilung der Stadtbibliothek München) [Public domain], via Wikimedia Commons

„Alle Personen dieses Buches stellen Typen dar, nicht Porträts.“ K.M.

Wohl selten hat ein Autor so nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die handelnden Personen seines Romans nicht mit konkreten Menschen gleichgesetzt werden dürfen. Von Klaus Mann stammt nicht nur das oben wiedergegebene Zitat, sondern auch noch eine Richtigstellung an die Presse, die den Roman vorab druckte. Natürlich nicht in Deutschland, denn jeder, aber auch wirklich jeder, erkannte die Personen dieses Buches, das 1936 im Amsterdamer Querido Verlag erschien. Und derartige Unbotmäßigkeiten waren 1936 in Deutschland völlig undenkbar. Der Führer, der Propagandaminister und der Ministerpräsident, immer wieder auch als der General oder der Dicke tituliert: Wir verstehen sogleich, dass es um Hitler, Goebbles und Göring geht.

Aber es sind nicht Hitler, Göring und Goebbels, von denen Mephisto handelt. Es ist Hendrik Höfgen, dessen Karriere während der Weimarer Republik, also in den zwanziger Jahren, und vor allem in den ersten Jahren der NS-Diktatur geschildert wird. Dieser Hendrik Höfgen steht ganz zweifellos für Gustav Gründgens, dem es als Schauspieler und Theaterintendant gelang, von 1922 bis 1963, dem Jahr seines Todes, das deutsche Theater zu prägen. Ein Schauspieler, der sein Talent unter gleich welchen Bedingungen zu nutzen verstand, ein Mensch, der Karriere machte, dem es vielleicht gleichgültig war, Weiterlesen