Klaus Mann, Hendrik Höfgen und Gustav Gründgens

By United States 5th Army (Handschriftenabteilung der Stadtbibliothek München) [Public domain], via Wikimedia Commons

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„Alle Personen dieses Buches stellen Typen dar, nicht Porträts.“ K.M.

Wohl selten hat ein Autor so nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die handelnden Personen seines Romans nicht mit konkreten Menschen gleichgesetzt werden dürfen. Von Klaus Mann stammt nicht nur das oben wiedergegebene Zitat, sondern auch noch eine Richtigstellung an die Presse, die den Roman vorab druckte. Natürlich nicht in Deutschland, denn jeder, aber auch wirklich jeder, erkannte die Personen dieses Buches, das 1936 im Amsterdamer Querido Verlag erschien. Und derartige Unbotmäßigkeiten waren 1936 in Deutschland völlig undenkbar. Der Führer, der Propagandaminister und der Ministerpräsident, immer wieder auch als der General oder der Dicke tituliert: Wir verstehen sogleich, dass es um Hitler, Goebbles und Göring geht.

Aber es sind nicht Hitler, Göring und Goebbels, von denen Mephisto handelt. Es ist Hendrik Höfgen, dessen Karriere während der Weimarer Republik, also in den zwanziger Jahren, und vor allem in den ersten Jahren der NS-Diktatur geschildert wird. Dieser Hendrik Höfgen steht ganz zweifellos für Gustav Gründgens, dem es als Schauspieler und Theaterintendant gelang, von 1922 bis 1963, dem Jahr seines Todes, das deutsche Theater zu prägen. Ein Schauspieler, der sein Talent unter gleich welchen Bedingungen zu nutzen verstand, ein Mensch, der Karriere machte, dem es vielleicht gleichgültig war, Weiterlesen

Tumbas

Von Hpschaefer www.reserv-art.de - File:Nooteboom,-Cees Koeln 170311.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21981457

Von Hpschaefer http://www.reserv-art.de – File:Nooteboom,-Cees Koeln 170311.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21981457

„Die meisten Toten schweigen. Sie sagen nichts mehr. Sie haben – buchstäblich – alles gesagt. Das gilt nicht für Dichter.“

Cees Nooteboom

Promis gucken auf dem Friedhof? Klingt, wenn man es so formuliert, nach einer seltsamen Marotte. Einer, zu der ich mich auf diesen Seiten schon mehrfach bekannt habe. Nun habe ich festgestellt, dass ich mich da in guter Gesellschaft befinde. Cees Nooteboom, ein auch in Deutschland nicht unbekannter niederländischer Lyriker und Reiseschriftsteller, war mit der Fotografin Simone Sassen unterwegs zu den letzten Ruhestätten vieler Geistesgrößen. Ich nenne nur mal Borges, Dante, Flaubert und Goethe.

115 Schwarzweißfotos zeigen Grabsteine, Inschriften, manchmal eine Gruft. Mag sein, dass Schwarzweißfotos künstlerisch oft interessanter sind, mag auch sein, dass es dem Gegenstand geschuldet ist. Nooteboom stellt die Großen manchmal nur mit einem kurzen Auszug aus ihrem Werk vor, ein anderes Mal trägt er ein eigenes Gedicht bei Weiterlesen

Rainer Strobelt: Der Zauber hält an, Erika!

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By Hajotthu (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Rainer Strobelt hat mir einen Text zum Thema „Der Zauber hält an, Erika!“ zur Verfügung gestellt. Hier ist er:

florentinerin beinah schon verBargt

geh nur in die heide
richtung Arno
und leide
mit

Schmidt

(Rainer Strobelt, 25.1.17)
Da ich Rainer heute noch sehen werde, sprechen wir bestimmt über diesen Text. Ich bin auch auch sehr neugierig darauf, wie die Millionen Leser, die sich hier regelmäßig tummeln, diesen Text verstehen.

Eiche an der Ems

Foto: Leonie Voita

Foto: Leonie Voita

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Joseph von Eichendorff: Winternacht

Ja. Ein echter Eichendorff. Winterlich, der Baum im Feld, der vom Frühling träumt. Der Wind, der die Wipfel rüttelt. Alles gut. Aber das passt überhaupt nicht zu dieser optimistischen Eiche, die da stolz an der Ems steht. An einem wunderschön klaren und kalten Wintertag, an dem ich gern noch etwas auf den Frühling warten kann. Ein paar Stunden wenigstens.

Mit aller Gewalt

Vor der Tür liegt Schnee, auf meinem Schreibtisch Neonregen. Ging nicht anders, musste ich einfach mitnehmen. Neonregen ist der Titel eines Kriminalromans von James Lee Burke. Es ist der erste aus einer Reihe von mittlerweile zwanzig Bänden, die allerdings nicht alle auf Deutsch erschienen sind.

Der Bielefelder Pandragon Verlag hat sich dieser Reihe angenommen. Warum er allerdings die Bücher nicht in der Reihenfolge des Erscheinens veröffentlicht, ist mir ein Rätsel. Band 2 liegt auch vor, dann tut sich eine Lücke auf. Ich mag Reihen, ich mag es aber auch, die Reihenfolge einzuhalten.

Genug gemeckert. Neonregen hat mir gefallen. Ein düsterer Krimi, der in den Südstaaten angesiedelt ist, genauer in New Orleans. Ich war noch nicht dort, streichen wir das noch, ich will ja eigentlich auch nicht hin. Burke beschreibt das Leben dort so anschaulich, dass mir beim Lesen heiß wird und ich einen Dr. Pepper bestellen möchte. Und schmutzigen Reis. Ich bedauere es allerdings, dass ich nachgeschaut habe, was das ist.

Egal. Es gibt eine Menge Gewalt in diesem Buch, niemand ist so richtig gut, Weiterlesen

Unbestritten: Strittig

Rainer Strobelt (c) Marie Strobelt

Rainer Strobelt
(c) Marie Strobelt

 

 

1.1.2017, 00:01 Uhr, der nörgler sucht schon

das neue jahr

ist so dermaßen jung

es herrscht jungfräuliche frühe

 

da findet er einfach noch kein haar

in dessen ungetrübter bouillon

wie er sie hasst eine jede klare brühe

 

Rainer Strobelt („Strittig“)
Heute morgen fand ich diesen Text von Rainer in meinem Mail-Account und dachte mir, das sei eine gute Gelegenheit, gleich sein neues Buch hier vorzustellen:

Warum schreibt einer keine Regionalkrimis, wenn er schon schreiben muss? Und schreiben muss Rainer Strobelt. Seit vielen Jahren notiert er, sammelt Eindrücke, Gedanken, Worte. Reist, ist aber auch mit Bus und Bahn in der Region unterwegs, gern auch mit dem Fahrrad. Betreibt quasi Feldforschung, saugt sich voll mit Bildern und Notaten und nimmt sich dann die Zeit, die es braucht, Abstand zu gewinnen, zu überdenken und schließlich zu formulieren. Reduziert und konzentriert sind seine Texte. Weiterlesen