Der Friedhof von Prag, Eco und die Protokolle der Weisen von Zion

Foto: Elfie Voita

Die Protokolle der Weisen von Zion. Nie davon gehört? Das wäre ja mal ein gutes Zeichen.

Vermutlich gab es zu jeder Zeit Versuche, irgendwem die Schuld für den ganzen Schlamassel aufzudrücken. Der Homo Sapiens Sapiens, der erstmals einen Bezugsschein für eine Höhle ausfüllen musste, gab die Schuld dafür sicher dem Neandertaler, dem blöden Höhlenmenschen. Später wurden die, zu deren Religion oder Tradition der Sündenbock gehörte und die sich das Wort Schlamassel ausgedacht haben, zum Premiumfeind, zum Universalübel. Übrigens habe ich bis gerade nie darüber nachgedacht, dass in Schlamassel ja auch der Massel steckt, Schlamassel also einfach kein Massel ist. Manchmal hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech hinzu, wie es mal ein Bundesligaprofi formuliert hat.

Weil die Welt aber immer komplizierter wurde und immer mehr Menschen nicht verstanden, warum gerade sie nicht reich und berühmt wurden, dafür aber den Kopf für alles hinzuhalten hatten und anschließend auch noch einen Tritt in den Allerwertesten bekamen, bedurfte es einer Erklärung. Nein, nicht die von Herrn Marx. Die war auch kompliziert und hätte unangenehme Folgen für das Zusammenleben in der Gesellschaft gehabt. Weiterlesen

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Abendlicht & 1 Gedicht

Bild: Manfred Voita

Wir gehen am Meer im tiefen Sand

Wir gehen am Meer im tiefen Sand,
Die Schritte schwer und Hand in Hand.
Das Meer geht ungeheuer mit,
Wir werden kleiner mit jedem Schritt.
Wir werden endlich winzig klein
Und treten in eine Muschel ein.
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn,
Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.

Max Dauthendey (1867 – 1918)

Die Mühlen der Ebene mahlen langsam

Eine Tageszeitung muss sein. Worüber sonst sollte man sich am frühen Morgen schon aufregen?

Zeitungen hatten lange Zeit das Privileg, Nachrichten zu transportieren. Von der ursprünglichen Bedeutung her war die Zeitung ja auch nichts anderes als der Bericht, das mittelhochdeutsch zîtûnge geht wohl auf das mittelniederdeutsche tidinge zurück, das für Geschehen bzw. Ereignis stand. Die Nachricht begleitete bald der Kommentar und eine deutsche Zeitung, ein deutsches Nachrichtenmagazin kommt kaum noch aus ohne den Zusatz „meinungsstark“. Für den Fall, dass ich gerade mal keine eigene Meinung zur Hand habe, ist immer jemand da, der mir seine andient. Wie nett und wie uneigennützig.

Jetzt hätte ich doch fast den Anlass meiner morgendlichen Begeisterung vergessen: Es ging um den Herrn Macron, Emmanuel Macron, von Beruf Präsident. Herr Macron war, so ist jedenfalls anzunehmen, nicht um seiner selbst willen gewählt worden, sondern weil viele Frau LePen nicht so gern als Chefin gesehen hätten. Weiterlesen

Lesbare Stadt: Enschede

Und wieder ein Mauergedicht aus Enschede, gut, diesmal nicht tatsächlich auf einer Mauer.

Ich versuche mal eine Übersetzung, für Korrekturen bin ich dankbar!

Packerei

Ein gewöhnlicher Dienstagabend und

betrunken schreitet es heimwärts:

– die Zukunft –

lässt von sich hören

Wir kümmern uns auch um persönliche

Entwicklung

– meine Dame –

Auf dem Boden eines jeden Glases

ein Plan

 

und da ist wieder ein Wackelkontakt

Überprüfung Jacke und Schlips

 

Die Zukunft

bewegt sich wohl schwankend.

In nächster Instanz: Landgericht

Landgericht, der Roman von Ursula Krechel, hat es als Zweiteiler ins Fernsehen geschafft, bevor ich ihn gelesen habe. Gelesen stimmt nur zum Teil. Ich hatte Buch gekauft, die ersten Seiten gelesen, dann blieb es bei meiner Tochter liegen und als ich es zurückbekam, hatte ich längst mit einem anderen Buch begonnen. Es blieb liegen, bis ich die Hörbuchfassung in der Stadtbücherei sah, sie mitnahm und tatsächlich hörte. Bis auf den Schluss, da kamen mir die Ferien dazwischen.

Hörbücher bleiben bei mir dem ÖPNV vorbehalten, also hätte ich bis nach den Ferien warten müssen, zu lange für das bisschen Resttext. Also habe ich den Schluss gelesen. Die Fernsehfassung habe ich mir nicht angeschaut, eine Wiederholung würde ich mir vermutlich ansehen.

Als Anmerkungen zum Buch mag das einigen noch ein wenig dünn erscheinen, aber all dem ist ja schon zu entnehmen, dass ich es geschafft habe, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe. Das tue ich nicht immer, nicht mehr. Ich erlaube mir, bei Büchern, die mich nicht mitnehmen, sie auch nicht mehr mitzunehmen.

Krechel hat mich also nicht enttäuscht. Möglicherweise muss ich noch mehr von ihr lesen, denn ein Hörbuch funktioniert ja anders, selbst dann, wenn es um eine ungekürzte Lesung gehen sollte. Weiterlesen

Deutschland – Stockholm

Eigenes Bild

Stockholm kann ich nicht besuchen, ohne daran zu denken, dass auch diese Stadt wichtig für das deutsche Exil während der NS-Zeit war. Gottfried Bermann-Fischer, als Geschäftsführer des S. Fischer-Verlags eine Größe des deutschen Literaturgeschäfts, hatte einen Teil des Verlags nach Wien, dann nach Stockholm und später in die USA ausgelagert, immer auf der Flucht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten oder, wie das in Schweden schließlich der Fall war, einer Veränderung des gesellschaftlichen Klimas.

Deutsche Truppen waren in Dänemark und Norwegen einmarschiert. Deutschland hatte Transitrechte für seine Truppen durchgesetzt und Schweden fürchtete, trotz seiner Neutralität ebenfalls angegriffen und besetzt zu werden. Da waren Vertreter des deutschen Widerstands oder der Exilliteratur keine gern gesehenen Gäste. Stureplan 19 war die Anschrift des Verlages, damals wohl auch schon eine sehr gute Adresse, heute ein Ort der Schönen und Reichen oder zumindest ganz schön Reichen.

Sturegatan 60, etwa 800 Meter entfernt vom Verlag, lag das Hotel Jernberg, Weiterlesen