Wortmeldung

Von Sandro Botticelli – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=148170

„Bevor wir anfangen, hätte ich noch eine Frage. Wir werden einander auch eigene Texte vorlesen, nicht wahr?“
Nicken. Zustimmendes Gemurmel.
„Zu diesen Texten wird es dann Anmerkungen geben. Lob aber auch Kritik. Deshalb sind wir ja hier.“
Der Blick in die Runde zeigt, bisher alles im grünen Bereich.
„Die Kritik wird konstruktiv sein…“
„Natürlich!“ sagt jemand. Weiterlesen

Bild und Ton

Foto: Elfie Voita

Bild: Elfie Voita

Im Hauptbahnhof Lummerland, den Räumlichkeiten, die alltäglich von einer Initiative örtlicher Tagesmütter genutzt werden, begann am Freitag eine Ausstellung, die heute – am Sonntag – um 17:00 Uhr endete. Eine Warendorfer Malerin – Chris Dargel Kleman und zwei Künstlerkollegen – Klaus Feidicker und Swen Maximiliandt Bäumker- stellten ihre Bilder aus und hatten uns, die Schreibwerkstatt der Volkshochschule Warendorf, dazu eingeladen. Damit stellten sie sich in die Tradition einer leider eingeschlafenen Veranstaltungsreihe. Bis vor wenigen Jahren gab es in Warendorf nämlich die Kulturey, ein Forum für die örtliche Kunstszene, das alljährlich einen Kultursommer organisierte. Musik, Malerei, Schauspiel, Tanz und Literatur: Wer wollte, konnte sich mit einer selbst organisierten Veranstaltung einbringen. Es war schön, vielfältig und bunt, fand im Garten oder Wohnzimmer statt, im Hinterhof oder auf der Straße, vor hundert Zuschauern oder fünf. Es war wohl der Erfolg, der die Kulturey dann an ihre Grenzen brachte.
Ich versuche mal, als am Rande Beteiligter, zu beschreiben und zu interpretieren, was da passiert ist. Die Veranstaltungen wurden größer und es reichte nicht mehr, dass jeder seinen eigenen Beitrag organisierte. Jemand musste die gesamte Reihe im Blick behalten, Termine koordinieren, Plakate drucken lassen und was auch immer an zeitraubenden und vermutlich nervigen Aufgaben zu erledigen war. Umsonst war auch nur die eigene Arbeit… und an einem bestimmten Punkt reichte es den Hauptverantwortlichen: Aus. Das ist schade, aber verständlich. Es war wohl nie geplant, ein Festival professionell zu planen und durchzuführen – plötzlich wurde es aber erwartet, auch wenn diese Erwartungen vielleicht nicht so ausgesprochen wurden.
Früher hatten wir also die Kulturey – jetzt haben wir eine Lücke. Und genau deshalb war es gut, dass es am Wochenende diesen kleinen Ableger der Kulturey gab. Es hat Spaß gemacht, die Räume der Volkshochschule und den eigenen Schreibtisch zu verlassen und mit der Malerin und den Malern ins Gespräch zu kommen, den Besuchern der Ausstellung unsere Texte zu präsentieren und sich als Teil einer offenen, vielfältigen Kulturszene zu erleben.

Schreibwerkstatt: Läuft!

Das VHS-Semester läuft und es ist schön, dass wir neue Schreiberinnen in der Gruppe haben. Es macht einfach mehr Spaß, wenn mehr Leute ihre Geschichten vorlesen und damit natürlich auch mehr Kritiker in der Runde sitzen.

Ich schreibe natürlich wieder mehr, denn es gibt Hausaufgaben. Vermutlich geht es mir da so wie vielen anderen auch: Sobald es einen Termin und eine Aufgabe gibt, ist es viel leichter, sich an den Schreibtisch zu setzen und etwas zu tun.

Niemand verlangt einen Text von mir, aber schließlich bezahle ich den Kurs, da will ich doch auch was für mein Geld haben. Irgendwas stimmt da nicht mit meiner Logik, ich weiß, und ich werde auch noch dahinter kommen! Aber bis dahin klappt es.

Lesungen

Lesung Brigitta Brand mittel

Foto: Thomas Esche

 

Vor einiger Zeit fand die angekündigte Lesung im Mehrwerk in Telgte statt. Eingeladen hatte Brigitta Brand. Unter

http://querzeit.org/kulturvisite/das-mehrwerk-in-telgte

ist ein Bericht mit vielen sehr gelungenen Fotos zu finden. Deshalb schreibe ich jetzt auch nicht über diese Lesung, sondern darüber, wie wir Textarbeiter auf ein Publikum treffen.

Schreibt man für Leser oder Zuhörer? Als ich meine ersten Texte verfasste, machte ich mir keine Gedanken über die Frage, wer auf welche Weise diese Texte konsumieren könnte. Ich dachte nicht einmal an die Möglichkeit, dass jemand meine Texte zur Kenntnis nehmen würde – und behielt Recht. Daraus lässt sich nicht auf prophetische Fähigkeiten oder Hellsichtigkeit schließen: Wer die Schublade ordentlich geschlossen hält, gerät nicht in die Verlegenheit, Kontakt zum Publikum zu bekommen.

Das änderte sich in den achtziger Jahren, als ich einige Sketche für die Musik- und Comedyserie Bananas des WDR schrieb. Menschen sahen, was ich mir ausgedacht hatte – allerdings von professionellen Schauspielern dargestellt.

Erst als ich mich an der Schreibwerkstatt beteiligte, zeigte sich, dass meine Texte vorgetragen werden mussten, entweder dem kleinen Kreis der Mitschreiberinnen und Mitschreiber oder dem – manchmal – etwas größeren bei Lesungen. Ich schrieb und schreibe nach wie vor Lese- und nicht Vorlesetexte, aber inzwischen ist mir der Unterschied sehr klar. Nicht alles, was sich gut liest, lässt sich auch gut vorlesen.

Jedenfalls nicht von mir. Es gibt Leute, die hervorragende Interpreten ihrer eigenen oder auch fremder Texte sind, ich gebe mir Mühe. Lauter, deutlicher, langsamer, mit mehr Betonung, mit der richtigen Betonung, mit ein wenig schauspielerischem Talent…, nein, so weit geht es dann doch nicht.

Manchmal lege ich einen vorgetragenen Text aus der Hand und bin zufrieden, weil das Publikum reagiert hat. Es ist nämlich seltsam, wenn man ins Nichts hinein vorträgt. Hallo, ist da jemand? Hört jemand zu? Versteht mich jemand? Applaus ist nett, ich will totale Begeisterung, frenetischen Jubel, Hochrufe. Nicht, dass ich damit rechnen würde, aber den Antrag kann ich doch trotzdem mal stellen, oder?