Stürenburg

Mechthild Großmann

 

Mechthild Großmann, Bild: Daniel Sadrowski

Mit Manfred Voita nach Nottbeck
Wir fahren zu einer Arno-Schmidt-Lesung.
Auf flachem Land.
Dort ragen die Wörter so.
Rainer Strobelt

 

Haus Nottbeck, das Museum für Westfälische Literatur, bietet zur Zeit die Sonderausstellung ‚Ich kann doch denken, was ich will!!!‘, die sich Arno Schmidt und Hans Wollschläger widmet, also gleich zwei großen Unbekannten. Die Arno-Schmidt-Stiftung, Bargfeld, fördert die Ausstellung und auch das Begleitprogramm. Irgendwer muss sich ja darum kümmern, dass Schmidt nicht vergessen wird, ich kann schließlich nicht alles alleine machen!

Nachdem ich die Eröffnungsveranstaltung mit Bernd Rauschenbach und Joachim Kersten verpasst hatte, nein, wir haben sie nicht gemeinsam verpasst, sondern ich habe die Veranstaltung verpasst, in der Rauschenbach und Kersten rezitierten, und Rainer Strobelt mich gefragt hatte, ob ich Lust auf die Lesung in Nottebeck hätte, stellte ich fest, dass genau das der Fall war.

Wie schon gesagt. Stürenburg. Das ist nicht die gewohnt expressionistische Sprache Schmidts, das sind nicht seine wütenden Attacken auf die Adenauer-Republik, das ist auch nicht sein avantgardistischer Umgang mit den Möglichkeiten der deutschen Sprache. Es sind kurze Texte. Vermessungsrat a.D. Friedrich Stürenburg, Mitte Siebzig, erzählt seinen Gästen kleine Anekdoten. Unspektakulär. Haus Nottbeck hat sich aber Mühe gegeben und Mechthild Großmann verpflichtet, die alle als Staatsanwältin aus dem Tatort Münster kennen. Wie das so ist mit dem Fernsehen, jeder kennt sie in dieser Rolle, eine Karriere außerhalb des Mediums wird kaum wahrgenommen.

Der Saal ist gut gefüllt, diesmal ist es der große Saal, nicht das Gartenhaus wie bei Jägersberg. Das liegt wohl eher an Frau Großmann als an den Herren Schmidt und Stürenburg, soll mir aber Recht sein. Walter Gödden, der wissenschaftliche Leiter des Hauses, im Hauptberuf Universitätsprofessor und Chef der Literaturkommission für Westfalen, nennt Schmidt einen der bedeutendsten deutschen Nachkriegsschriftsteller. Das musste auch mal gesagt werden, aber ich verkneife mir frenetischen Beifall. Frau Großmann beginnt zu lesen und es ist sofort klar, dass sie nicht nur eine markante Stimme besitzt, sondern eben auch, was heißt hier auch, Schauspielerin ist. Die Texte leben. Stürenburg wird lebendig und auch Hagemann, das Faktotum, kommt norddeutsch daher. Das Publikum ist amüsiert. Auch ich entdecke die Stürenburg-Geschichten neu für mich, habe extra darauf verzichtet, zuhause noch einmal in meine Ausgabe zu schauen. Natürlich gibt es Weiterlesen

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Haus Nottbeck: Otto Jägersberg

Otto Jägersberg

Foto: Elfie Voita

Otto Jägersberg war im Kulturgut Haus Nottbeck und nicht nur das, er hat dort auch gelesen. Jägersberg? Ja, zugegeben, nicht gerade ein Vertreter der Popkultur… oder vielleicht doch? Pop fängt ja nicht 2015 an und Jägersberg debütierte 1964 als Zweiundzwanzigjähriger mit seinem Coming-of-Age-Roman „Weihrauch und Pumpernickel – Ein westphälisches Sittenbild“, von großen Kollegen gelobt und von der Literaturkritik gefeiert.

Nicht gelesen? Ich schon, allerdings stammt mein Exemplar aus dem Jahr 1975 und seither habe ich nicht wieder reingeschaut. Das werde ich jetzt nachholen, denn Otto Jägersberg hat mich mit seinem Humor überzeugt. Weihrauch und Pumpernickel ist übrigens gerade wieder aufgelegt worden, aber jetzt bleibe ich bei meiner Ausgabe.

Jägersberg ist keine Zweiundzwanzig mehr, plaudert entspannt und amüsant, liest mal ein paar Gedichte, dann eine Kurzgeschichte. Formal? Keine Ahnung, ich bin kein Literaturwissenschaftler und kann zur formalen Qualität seiner Gedichte nichts sagen. Halt… das war jetzt nicht so gemeint, dass ich nichts davon halte, sich auch formal mit Gedichten auseinanderzusetzten, ja? Nur ich, ich kann das nicht.

Inhaltlich? Jägersberg beschäftigt sich in seinem Buch „Keine zehn Pferde“ mit alltäglichen Begebenheiten und den Unbilden des Alltags, da geht es mal um das Sein und das Dasein und dann wieder um sein vierzig Jahre altes Fahrrad, das ihm gestohlen worden ist.  Da kann ich mitreden, mir ist auch schon ein Fahrrad gestohlen worden, an dem ich sehr hing. Ich kann aber nicht so darüber schreiben.

Zum Schluss: Otto Jägersberg erzählt, dass er mit seinem Lyrik-Band „Keine zehn Pferde“ auf der Bestseller-Liste der größten Buchhandlung Freiburgs an dritter Stelle steht. Allerdings bei den Pferdebüchern.

Größenwahn

Im Größenwahn-Verlag, Frankfurt, ist gestern die „Nordrhein-Westfälische Einladung“ erschienen, herausgegeben von Michalis Patentalis und Pamela Granderath (ISBN : 978-3-95771-063-5).
Das Buch kann über den Verlag, aber auch über die üblichen anderen Wege bezogen werden. Es sind natürlich auch ganz viele andere Bücher veröffentlicht worden, aber nur in der „Nordrhein-Westfälischen Einladung“ ist mein Text „Hand drauf“ zu finden. In der Anthologie geht es – wie kaum anders zu erwarten – um das Bundesland NRW, dessen Städte und Regionen. Ich bin in Hohenlimburg zur Welt gekommen und deshalb geht es in meinem Text um das Schloss Hohenlimburg.

In den nächsten Tagen soll nun auch die lang erwartete Anthologie des A. Fritz Verlags „Karma-Express“ erscheinen. Auch dieser Verlag hat seinen Sitz in Frankfurt. Zunächst wird es das E-Book geben, einige Wochen später dann auch das Buch. Ob E-Book oder in Papierform: Mein Text „The last train“ ist dabei. Beide Verlage veröffentlichen bereits das zweite Mal einen meiner Texte, haben es also nicht geschafft, durch Megaumsätze dem Elend des Büchermarkts zu entkommen.

„The last train“ ist in Verbindung mit einer Anthologie, in der es um die Bahn geht, auch nicht wirklich überraschend, die Namenswahl hat auch damit zu tun, dass mein Beitrag für die erste Anthologie des A. Fritz Verlags „Hot House Blues“ hieß, da schien es mir geboten, einfach bei einem englischen Titel zu bleiben und Rock- / Bluesbezüge zu heucheln, die es überhaupt nicht gibt. Schade, das habe ich jetzt verraten. Sobald die konkreten Termine feststehen, wird mich nichts davon abhalten, sie hier auch in die Welt hinaus zu posaunen.

Da ich nun schon mal dabei bin, die Werbetrommel zu rühren, weise ich noch einmal auf „Text & Talk“ hin, die NRW-Messe der unabhängigen Buchverlage: Sonntag, 13. September, 11 bis 18 Uhr auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde, das auch das Museum für Westfälische Literatur beherbergt.
Für alle, denen Frankfurt zu hektisch und Leipzig zu sächsisch ist. Und für alle, die Frankfurt und Leipzig mögen, aber gerade noch eine Lücke in ihrem Terminkalender haben. Außerdem ist eine meiner beiden Töchter in die Vorbereitungen eingebunden, also muss das jetzt bitte auch ein Erfolg werden.