Es grünt so grün

Foto: Elfie Voita

Ich habe ja nun mehr Zeit. Oh nein, die Frage ist nicht, wie ich diese Zeit füllen könnte. Da habe ich schon ein paar Ideen. Wenn man im Alter von sechs Jahren eingeschult wurde und bis zum Alter von 66,5 Jahren nur gelegentlich Ferien oder später dann Urlaub bekommen hat, sollten sich ein paar Dinge angesammelt haben, die erledigt werden wollen.

Das Problem besteht eher darin, dass, wenn man theoretisch Zeit haben müsste, bei anderen Menschen Erwartungen entstehen, was in dieser Zeit geschehen könnte. Sollte. Müsste. Muss. Und ja, meine Frau hat Recht. Wenn ich schon mal hier bin, dann kann ich ja auch ein paar Sachen erledigen.

Haushalt und Garten zum Beispiel. Also gehe ich in den Garten, den man sich jetzt nicht als verkappte Landwirtschaft vorstellen darf, mehr eine Grün-, na, doch eher eine Braunfläche, begrenzt durch zwei Hecken rechts und links und einen Graben, den wir der Natur überlassen haben und die uns das dankt, indem sie nun versucht, auch den Rest des Gartens noch zu übernehmen.

Ich widme mich also dem, was wir nicht absichtlich gepflanzt oder gesät haben, manche sprechen von Unkraut, andere von spontaner Vegetation. Mir ist das egal, ich soll es rupfen. Nein, ich habe mir selbst die Aufgabe gestellt.

Nachdem ich schon wieder mal zu viel Zeit vor dem PC verbracht habe, gehe ich also in den Garten. Schon nach kurzer Zeit fällt mir auf, dass ich die angemessene Arbeitsbekleidung vergessen habe. Ich stehe in Schlappen und meiner besten Hose – die zweitbeste wäre die angemessene Arbeitsbekleidung gewesen, die drittbeste ist zurzeit an eine Vogelscheuche verliehen – zwischen jämmerlichen Grasbüscheln und erfreulich kräftigen Unkräutern aller Art. Ich kenne keine einzige Art, erkenne den Unterschied zwischen Gras und Unkraut aber sofort. Intuitiv. Was grün ist kann weg. Außerdem kann jeder Depp zwischen einem Grashalm und… nun, etwas anderem eben unterscheiden. Also ich auch.

Ich rupfe im Stehen, meine Knie erlauben es mir nicht, mich zum Unkraut hinabzulassen. Fast sofort bemerke ich, dass Unkraut sich auf eine unheimliche Art vermehrt. Zielgerichtet schreitet man über die Fläche, rupft, hebt den Kopf und da ist doch gleich wieder eine Pflanze. Dreht sich um und drei andere erheben trotzig den Stängel. Manche scheinen zu wachsen, hervorzuschießen, während man sich wegdreht. Geht das, ist das so vorgesehen in der Bauanweisung von Mutter Natur?

Ich bin zwar längst nicht fertig damit, alles was grün ist auszureißen, aber ich muss schnell wieder an den PC. Meine neuesten Erkenntnisse festhalten.

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Heiß

Bild: Manfred Voita

Es ist heiß. Ein Gewitter kündigt sich an, ist eigentlich auch längst angekündigt. Aber die Wetter-App liegt schon seit Tagen daneben. Vielleicht sind es auch die Gewitter, die danebenliegen. Hier kommt nichts an. In Münster Blitz und  Donner, auf dem Weg hierher gießt es, hier: Null.

Gelbes Licht, dichtes grünes Laub vor tiefdunklem Himmel. Dramatisches Wolkenspiel. Großartige Ouvertüre, dann fernes Grummeln und ein paar Regentropfen. Die Vorstellung ist abgesagt.

Kurze Nächte mit wenig Schlaf. Erst zu warm, um einzuschlafen, dann zu laut, um auszuschlafen.  Singvögel? Schreihälse! Woher holen diese kleinen Krakeeler eigentlich die Töne? Die Lautstärke! Da ist doch kaum Körper, kaum Klangkörper. Okay Google?  Also es sind Luftsäcke im Vogelkörper. Deshalb singt und atmet das Tier gleichzeitig und kann ordentlich Druck machen. Bis es erschöpft ist. Dann geht es zum Feierabend wieder weiter.

Alles nur Sopranistinnen und Countertenöre. Weiterlesen

Gefurcht & gefürchtet

Eigenes Foto

Besuch. Ein Fremder. Nicht vor der Tür, nein, auf der Tür.

Ein gefurchter Dickmaulrüssler. Habe ich natürlich nicht gleich erkannt, aber wenn man ihn googelt…ja, das geht, auch wenn man seinen Namen noch nicht kennt. Käfer. Deutschland. Lange Kopffühler, dann muss man nur noch einige Dutzend Käfer betrachten und ist dann recht zügig beim gefurchten Dickmaulrüssler.

Das geht deshalb so zügig, weil es reichlich Seiten gibt, die vor ihm warnen. Nein, er frisst die Tür nicht weg. Er ist ohnehin kein er sondern eine sie. Immer. Der gefurchte Dickmaulrüssler ist immer die gefurchte Dickmaulrüsslerin. Wer gibt denn einer Dame bitte einen solchen Namen? Obwohl, ich hätte darauf kommen können, also nicht auf den Namen, sondern darauf, dass es sich um ein Weibchen handelt, denn die Natur schafft oft prächtige Herren Weiterlesen

Gartengast

Foto: Elfie Voita

Einer der schöneren Tage der Woche, nachmittags. Eine Tasse Kaffee auf der Terrasse. Also zwei Tassen, genaugenommen. Und Plätzchen. Selbstgebackene. Nicht von mir. Auf dem Kissen eine fette Fliege, die ich mit einem kurzen Klopfen auf das Kissen verscheuche. Nun sitzt sie auf dem Boden – und nur deshalb bemerken wir das grüne Insekt, das sich gerade zielstrebig – sage ich so, keine Ahnung, ob es ein Ziel hatte – am Tisch vorbei bewegt.

Wie an anderer Stelle schon berichtet, erhöht so ein Blog die Aufmerksamkeit auch für Kleinigkeiten, lässt uns genauer hinschauen und einfach mehr sehen. So auch diesmal, das grüne Wesen will allerdings nicht so recht fotografiert werden, ist richtig schnell, verdächtig schnell, fürchtet vielleicht die Identifizierung. Dann gelingt es doch, erst im Schatten, dann im Sonnenlicht. Und erst vergrößert auf dem Display zeigt sich, was für eine Schönheit wir da getroffen haben. Weiterlesen

Eine Augenweide

Ich gehöre zu den Menschen mit einem grünen Daumen.

Immer wieder mal und es ist mir keineswegs recht, denn dieser grüne Daumen ist ein sichtbarer Beweis meiner handwerklichen Ungeschicklichkeit. Ebenso wie mein schwarzer Handballen, mein gelber Mittelfinger oder mein roter Zeigefinger. Magenta, nicht rot. Steht auf der Packung. Deshalb soll ich Einmalhandschuhe tragen, wenn ich die Tintenpatronen meines Druckers auswechseln muss. Nützt nichts, ich bekleckere mich  dann eben, wenn ich die Handschuhe ausziehe.

Mein Drucker und seine Tinten haben in diesem Text allerdings nichts verloren, denn 1. wird er nicht gedruckt, sondern lediglich hochgeladen und 2. geht es nicht um Grün als Farbe sondern Grün als Naturprodukt. Produkt? Wie das Denken in betriebswirtschaftlichen Kategorien sich doch auch einschleicht, wenn BWL überhaupt nicht Thema ist. Ein Baum ist kein Naturprodukt, er ist eine Pflanze. Oder ist das eigentlich bedeutungslos? Ist es egal, Weiterlesen

Maulen

von Florian-Zet (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

von Florian-Zet (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Manche haben Haustiere: Hunde, Katzen, Fische, Vögel oder was sonst des Menschen Begehren sein mag . Mehr oder weniger zahm. Andere haben Ungeziefer, also Tiere, die nicht als Opfer geeignet sind, was diesen Lebewesen wiederum wenig nützt, denn auch wenn sie ihr Leben auf keinem Altar lassen, so fallen sie in großer Zahl unserem Unwillen zum Opfer, unserem Abscheu, unserer Angst: Fliegen, Mücken, Spinnen, Flöhe, Läuse, Kakerlaken – Heuschrecken. Biblische Plagen!

Da können wir nicht mithalten. Wir haben kein Haustier, gut, unser Quantum Ungeziefer teilt sich Haus und Garten mit uns, aber was uns unterscheidet, abhebt von unserer Nachbarschaft, ist der Maulwurf.  Wir haben einen Maulwurf.  Das stimmt so nicht, einen Maulwurf hat man nicht… oder vielleicht doch? Man sagt ja auch, man habe die Grippe, dabei hat einen die Grippe. Den Maulwurf haben wir, um diese Hürde zu überwinden, im Garten. Und ich neige dazu, zu schreiben: in seinem Garten. Unserer ist er nur noch im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des Grundbuchs, aber längst haben wir alle Kontrolle, jede Macht über diesen Garten verloren.

Einen Garten, Weiterlesen

Spinne am Morgen

Foto: Leonie Voita

Foto: Leonie Voita

„Das Sprichwort Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen,Spinne am Abend erquickend und labend bezieht sich nicht, wie meist irrtümlich angenommen, auf die Spinnen, mit denen die Menschen teilweise ihr Zuhause teilen, sondern auf die schöpferische Tätigkeit des Spinnens. Die Vermutung, dass also eine des Morgens gesehene Spinne Unglück bringe, ist reiner Aberglaube und geht auf eine Fehlinterpretation zurück.“ Wikipedia

Das Exemplar auf dem Foto, übrigens von beeindruckender Größe, sahen wir heute morgen im Carport. Obwohl wir nicht einmal drei Kilometer entfernt von unserem ehemaligen Haus in Warendorf leben, finden wir hier eine deutlich veränderte Fauna vor. Die Insekten sind größer und der Maulwurf in unserem Garten schreckt vor nichts zurück.