Weihnachten

Foto: Manfred Voita

Vorfreude auf Weihnachten

Ein Kind – von einem Schiefertafel-Schwämmchen

Umhüpft – rennt froh durch mein Gemüt.

Bald ist es Weihnacht! – Wenn der Christbaum blüht,

Dann blüht er Flämmchen.

Und Flämmchen heizen. Und die Wärme stimmt

Uns mild. – Es werden Lieder, Düfte fächeln. –

Wer nicht mehr Flämmchen hat, wem nur noch Fünkchen glimmt,

Wird dann doch gütig lächeln.

Wenn wir im Traume eines ewigen Traumes

Alle unfeindlich sind – einmal im Jahr! –

Uns alle Kinder fühlen eines Baumes.

Wie es sein soll, wie’s allen einmal war.

Joachim Ringelnatz

Ich wünsche schöne, ruhige, lebendige, fröhliche, besinnliche oder jede andere Art von Weihnachten, die sich jemand wünschen mag.

Manfred

Advertisements

Praktische Theorie

 

 

Advent. Lassen wir die Hektik des Alltags, das Gedränge des Weihnachtsgeschäfts und die Weihnachtsmärkte mit den glühweinberauschten Minderjährigen doch einfach einmal draußen vor der Tür. Advent: Sonnige Vormittage und dunkle Nachmittage, klare Kälte und warme Jacken, festlich geschmückte Häuser und Lichter in der Nacht. Glocken läuten und Schnee liegt in der Luft. Da ist es gut, daheim zu sein, bei seinen Lieben. Im Kamin knistert ein wärmendes Feuer, vom Adventskranz strahlen die Kerzen und nur Ebenezer Scrooge könnte sich der Magie solcher Tage entziehen.

„Du bist jetzt acht Jahre alt, Tobi. Das Thema Weihnachtsmann…“

„Weißt du was, Papa. Ich glaube, mit dem Weihnachtsmann ist es wie mit dem Sex. Wir reden in der Klasse ständig drüber, aber dann passiert wieder ganz lange überhaupt nichts.“

„Aber Tobi…“

„Schon gut, Papa, mach dir keine Sorgen. War nur ein Scherz. Wir reden natürlich überhaupt nicht über den Weihnachtsmann. Eigentlich glaubt bei uns niemand mehr an den Weihnachtsmann.“ Weiterlesen

Feuerlichkeiten (2)

von Rainer Halama (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

zu Teil 1

Teil 2 und Schluß

Weil es vielleicht keine Alternative gab, weil es vielleicht nur ein einziges Fernsehprogramm gab?

Der Kirchgang bildete die nächste Etappe auf dem Weg zur ersehnten Bescherung.  Der religiösen Dimension des Festgottesdienstes will ich gar nicht weiter nachspüren, zumal ich mich an keines der gesprochenen Worte erinnern kann. Dafür  weiß ich noch genau, dass gleich links an der Eingangstür um Spenden für die armen Negerkinder gebeten wurde. Auf dem Kästchen, in das die Spendengroschen fielen, saß ein „Mohrenkind“ – Nickneger genannt – und neigte bei jedem Münzeinwurf das lockige Köpfchen.

Die Kirche war voll, eng und warm. Vorn standen der Pfarrer und der Weihnachtsbaum. Mit Hilfe eines langen Stabes, an dessen Spitze wohl ebenfalls eine Kerze brannte,  entzündete der Küster die Kerzen an diesem hohen Baum, dann konnte der feierliche Teil beginnen. Der erhabene Klang der Orgel, der einstimmende Chor, der etwas schleppende, aber wuchtige Gesang der Gemeinde und die triumphierenden Blechbläser: Diesem geballten Gefühlsangriff weihnachtlicher Stimmungsmusik konnte wohl niemand standhalten. Irgendwann aber steuerte die Liturgie auf die Predigt hin, es wurde leiser, schließlich stand der Pfarrer auf der Kanzel und sagte, was von ihm erwartet wurde, während meine Gedanken zunächst abdrifteten.

Säulen, Balken, Fenster wurden gezählt, die Quersumme der Nummern der angeschlagenen Gesänge gebildet, bis mein Blick am Weihnachtsbaum hängen blieb. Immer, egal in welchem Jahr oder in welcher Kirche, gab es eine Kerze, die viel kürzer war, die viel schräger hing als alle anderen und deren Flamme bedrohlich nach dem nächstbesten Zweig leckte. Sofort war es Weiterlesen

Frohes Fest!

Viggo Johansen [Public domain], via Wikimedia Commons

Viggo Johansen [Public domain], via Wikimedia Commons

Also dieser Baum ist der schönste, definitiv.

Fröhliche Weihnachten übrigens.

Ärger mit dem Baum gehört zum Fest. Vielleicht nicht in allen Familien, bei uns schon. Mein Vater war jemand, der seinen Keller in eine Werkstatt umgebaut hatte und jeder, der diese Werkstatt sah, wusste, dass mein Vater mit viel Begeisterung und Erfindungsreichtum bei der Sache war. Was ihm fehlte, war handwerkliches Geschick. Und so sahen seine Lösungen dann auch aus. Der Weihnachtsbaum wurde über eine komplizierte Seilkonstruktion gerade gehalten, jedenfalls kurzzeitig, so dass dann neben dem schiefen Baum auch noch ein paar durchhängende Bindfäden zu sehen waren.

Das handwerkliche Geschick meines Vaters habe ich geerbt, seine Begeisterung für alles Handwerkliche geht mir allerdings ab. Weiterlesen

Süß

perenoel1875-1

Anfang Dezember. Ein Hochdruckgebiet über Skandinavien beschert uns eine klare, kalte Nacht. Falls man 18 Uhr als Nacht bezeichnen kann. Die Straßenbeleuchtung in der Siedlung reicht gerade aus, damit man nicht gegen die Laternenmasten läuft.  Immerhin kommt die mehr oder weniger aufwändige Weihnachtsbeleuchtung der Nachbarn so besser zur Geltung.

Lange Schlange an der Kasse im Supermarkt. Endlich fast geschafft. Ganz vorn ein Kind, vermutlich im schulpflichtigen Alter. Für uns Rentner sehen die ja alle gleich aus. Ohne Einkaufswagen oder Korb, nur einen Schokoladenweihnachtsmann im Arm. Wenn dem mal nicht zu warm wird, wenn der mal nicht zum Schokoldadenschweißnassmann wird.

Zweineunundneunzig, sagt die Kassiererin. Und guten Abend. Weiterlesen

Jahresendzeitstimmung

Es war kalt und weil die Dunkelheit früh einsetzte, machte es auch kaum etwas aus, dass kein Schnee lag. Wer brauchte schon Schnee, wenn die rote Nase, die tränenden Augen und der quälende Husten doch als Indikatoren für die Jahreszeit ausreichten? Andere hatten Ziegenpeter, ich hatte Winter. Und das alles für das bisschen Weihnachten!

Ohne Ochs und Esel

„Wir kommen wegen der Wohnung.“
Der Mann maß sie mit Blicken und es war nicht schwer zu erkennen, zu welchem Ergebnis er kam. Aus dem Haus erklang leise ein Weihnachtslied.
„Sie sind nicht von hier, oder?“
„Wenn ich jetzt ja sage, dann sagen Sie, das die Wohnung schon weg ist, oder?“ fragte der junge Mann, der einen Arm schützend um seine Begleiterin gelegt hatte.
„Nun werden Sie mal nicht gleich frech! Das ist ein freies Land und ich kann meine Wohnungen immer noch vermieten an wen ich will.“
„Maria – das ist meine Frau – sie… wir erwarten ein Kind.“

Wortlos verschwand der Mann in der Wohnung und knallte die Tür hinter sich zu. Das Pärchen starrte ihm nach und während dicke Schneeflocken vom Himmel zu fallen begannen, rollte eine Träne über die Wange der jungen Frau.
„Stopp! So geht das nicht!“
Die Tür öffnete sich, mürrisch trat der Vermieter wieder heraus.

Weiterlesen