Ausweglos

 

„Das Wunder von Wolbeck“ hieß ein Münster-Tatort. Der Münster-Tatort, den die Münsteraner vermutlich am wenigsten mochten, weil Wolbeck sich dort nicht wiedererkannte. Eine rheinische Kneipe, irgendein Großbetrieb, Kraftwerk oder was auch immer, der am Ortsrand liegt. Egal, ich, wir haben das Wunder von Wolbeck erfahren. Gestern.

Mit den Rädern waren wir von Everswinkel aus auf dem Weg nach Münster. Ab Alverskirchen geht es durch die münsterländer Parklandschaft. Flach, grün, schöne Höfe, Schafe, Ziegen, Kühe, Kornbrennereien, Kutschen, viele Radfahrer und nur wenige Autos. Die Sonne scheint, Rehe stehen auf einer Wiese am Wegesrand. Obstbäume säumen die schmale Straße, es duftet nach Äpfeln. Dann ein kurzes Stück entlang der Hauptstraße. Segelflugzeuge am Himmel, ein Bauer wirbelt eine Menge Staub auf, wir überqueren die Bundesstraße und sind in Wolbeck.

Wolbeck ist, wie inzwischen klar sein dürfte, ein ehemals ländlicher Stadtteil von Münster. Wir sind noch am Ortsrand. Nicht, dass wir uns hier nicht auskennen Weiterlesen

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Danke, reicht!

Foto: Elfriede Voita

Zwei Sätze, die ich in Zukunft vermeiden werde: „Schau mal, ein Reiher!“ und „Da, zwei Schwäne!“

Der Fischreiher oder Graureiher heißt in den Niederlanden übrigens blauwe reiger, obwohl er die gleiche Farbe hat. Was für die einen grau ist, ist für die anderen blau. Wer weiß, welche Farbe nächtliche Katzen für unsere westlichen Nachbarn haben. – Sie sind dort auch grau, hab ich gerade nachgesehen. Also nicht, ob in Holland die Katzen bei Nacht grau sind. Nur die Redensart.

Reiher sind zu groß, um von Katzen gefressen zu werden… obwohl: Als ich gerade auf dem Weg in die Stadt war, sah ich, wie eine Katze einem Pferd auflauerte. Vermutlich fragte sie sich nicht, ob sie das Biest reißen, sondern nur, ob sie es anschließend wegschleppen könnte.

Das Pferd war nicht grau, das heißt, ich weiß nicht wirklich, welche Farbe es hatte, ich will nur zurück zum Graureiher. Den es in den Niederlanden in wirklich beeindruckender Häufigkeit gibt. An einem Graben stand einer dieser Vögel und beaufsichtigte seine nächste Mahlzeit, als wir an ihm vorbeiradelten, anhielten und uns vorsichtig zurückbewegten, um ihn fotografieren zu können. Wir interessierten ihn nicht. Okay, als Mahlzeit kamen wir nicht in Frage, aber wir schienen auch nicht als mögliche Bedrohung eingestuft zu werden. Wir Weiterlesen

Westkapelle

Westkapelle ist ein Dorf auf Walcheren. Walcheren ist eine der Inseln, die zu Zeeland gehören. Zeeland, so sagt man in den Niederlanden, ist gefühlt weit weg. Von uns aus ist es weit weg. Zeeland und Walcheren jedenfalls. Westkapelle war dann nicht so weit weg, was allerdings nur daran lag, dass wir schon in Domburg waren. Domburg liegt natürlich auch in Zeeland und auf Walcheren, direkt an der Küste, gleich hinter den Dünen. Wir wohnten dort für ein paar Tage in einem Hotel. Preiswert, Frühstück inbegriffen. Mit Gemeinschaftsbad und WC auf dem Flur. Also schon zur getrennten Benutzung, aber eben nicht im eigenen Zimmer. Obwohl: Das möchte ich jetzt auch nicht, Bad und WC im eigenen Zimmer. Eine separate Nasszelle, die hätte ich gern. Das weiß ich jetzt auch noch bestimmter. Trotzdem haben wir auf Terschelling wieder ein Hotel gebucht, in dem wir die gleiche Situation vorfinden werden. Aber mit Zeesicht, also Meerblick. Da konnte ich nicht wiederstehen.

Von Domburg aus war es jedenfalls, und darum ging es ja gerade, nicht weit nach Westkapelle. Man kann es bequem mit dem Fahrrad erreichen. Bequem war es jetzt nicht, es regnete und wir wollten auch nicht nach Westkapelle. Dennoch waren wir dann froh, als wir dort angekommen waren. Wegen des Regens. Der Leuchtturm ist schon von weitem zu sehen und fällt besonders auf, weil es eigentlich der Kirchturm der Willibrorduskirche war. Willibrord gilt als Apostel der Friesen. Und ist Schutzheiliger der Messdiener Luxemburgs. Falls das jemand wissen möchte. Westkapelle liegt nicht in Friesland und Willibrord hat nicht mal auf die ihm geweihte Kirche aufgepasst. Hoffen wir, dass er sich besser um die Messdiener Luxemburgs kümmert.

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Juist (2)

Foto: Manfred Voita

Neunzig Minuten dauert es, bis die Fähre von Norddeich aus den Anleger erreicht. Juist. Pferdekutschen stehen bereit, um die Ankömmlinge aufzunehmen. Wir haben es nicht weit, sagt das Handy. Also ziehen wir unsere Koffer. Damit sind wir nicht allein. Mein erster Eindruck der Insel: Laut! Aber das legt sich schnell wieder. Noch ein paar Kutschen, hier und da ein verirrter Tourist, dann ist wieder Ruhe.

Mit Straßennamen ist man zurückhaltend, nein, falsch, nur mit der Beschilderung. Schön, dass das Handy funktioniert, so ist unsere Unterkunft schnell gefunden. Der Ort ist, wie die Insel, nicht groß aber lang. Vom Hafen aus sind es gerade ein paar hundert Meter bis zu dem Haus, in dem wir eine Ferienwohnung gemietet haben.

Was sofort auffällt: Die Straßen, nicht alle, aber viele Seitenstraßen, sind nicht befestigt und entsprechend sehen sie aus. Wie umgepflügt, aufgewühlt von den täglich passierenden Pferdewagen, mit denen hier die Waren angeliefert werden, das Baumaterial oder auch der Müll abgeholt wird. Weiterlesen

Juist (1)

Foto: Manfred Voita

Ich mag Inseln, besonders solche, die keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass ich mich auf einer Insel befinde. Juist ist so eine Insel. Sie misst an ihrer breitesten Stelle gerade mal 800 Meter.

Die Redensart „auf Sand gebaut“ trifft für Juist zu 100 Prozent zu, es ist nicht mehr als Sand, was da bei Wind und Wetter der Nordsee trotzt und oft genug hat die See sich ein Stück der Insel geholt. Ein großes Stück. Eine ganze Reihe von Sturmfluten hat die heutige Form der Insel geprägt und jede ganz normale Flut nimmt im Westen Sand mit, um ihn im Osten wieder anzuspülen.

Das passiert auf vielen Inseln, auf Juist sieht man es, wenn man nur weit genug nach Westen wandert. Irgendwann hören die Wege auf und der Strand wird schmal. Dünen sehen wie angebissen aus, Wurzeln finden keinen Halt mehr, der Strand ist übersät mit Brocken und Bröckchen, die wie Steine, wie gepresster Torf, wie Holz aussehen und nichts anderes sind als Teile der Insel. Ein Puzzle, das im Osten wieder zusammengesetzt wird. Gut, das Bild ist zu romantisch, was Weiterlesen

Damenprogramm (3)

Foto: Manfred Voita

Nach der Stadtführung, die etwa 135 Minuten gedauert hatte, keine Minute zu viel übrigens, blieb nur wenig Zeit, bis die Führung im Magdeburger Dom begann. Eine Führerin, zwei Besucher, die sich führen ließen. Die zweite männliche Nebenrolle war allerdings neu vergeben worden. Nein, ich verzichte jetzt darauf, die Details des Doms zu beschreiben, obwohl das natürlich leicht komisch wirken muss, wenn ich ausgerechnet zu den Toiletten etwas schreibe.

Die Toiletten sind gut, ich habe in anderen Kirchen schon viel schlechtere gesehen, in vielen sogar keine. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich in Kirchen grundsätzlich die Toiletten besuche. Man muss jetzt also nicht wegen des Domklos nach Magdeburg. Bemerkenswert für mich war aber, wie hier zwei Zeiten nebeneinander existieren. Man verlässt den Dom und betritt Weiterlesen

Damenprogramm (2)

Foto: Manfred Voita

Das erste Geheimnis ist von Jules in einem Kommentar schon gelüftet worden. Ja, mit dem Damenprogamm spielte ich darauf an, dass bei großen politischen Veranstaltungen die mit angereisten Damen mit Kultur und Sozialem bespaßt wurden.

Nun reisen heute auch Regierungschefinnen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin an und so ist das Damenprogramm inzwischen keine rein weibliche Veranstaltung mehr. In Magdeburg nahm meine Frau an einer Tagung teil, mein Damenprogramm bastelte ich mir selbst.

Aber ein virtuelle Stadtführung? Nein, damit meinte ich nicht, dass die Führung am Rechner oder sonstwie medial vermittelt stattfand. Unser Führer… ich kann das Wort nicht schreiben, ohne nach einem Synonym zu suchen, ob das jungen Menschen auch so geht? Also der Stadtführer führte uns ganz real, persönlich und gemessenen Schrittes durch die Innenstadt Magdeburgs.

Virtuell war die Führung in dem Sinn, dass er uns mehr zeigte, auf mehr hinwies, als in Magdeburg zu sehen ist, noch zu sehen ist. Die Stadt hat unter dem dreißigjährigen Krieg gelitten, sie ist im zweiten Weltkrieg Weiterlesen