Grenzerfahrung

Eigenes Foto

Im Literaturmuseum Haus Nottbeck läuft eine Ausstellung unter dem Titel „Go east“. Zu dieser Ausstellung ruft das Museum dazu auf, Reisetexte zur Verfügung zu stellen. Die Bedingungen stehen auf der Seite des Museums. Mein kleiner Text ist schon dabei.

Grenzerfahrung

Als ich zum ersten Mal im Ausland war, war ich überhaupt nicht im Ausland. Nur im Sauerland, mit der Zündapp meines Vaters und eine Zündapp ist keine App für das  Smartphone, sondern ein Moped. Ich war total begeistert, im Ausland zu sein, machte mir aber zugleich Sorgen, weil wir kein sauerländisches Geld dabei hatten. Mein Vater, der vor mir saß, natürlich ohne Helm, lachte und erklärte mir, dass wir nur ein paar Kilometer von zuhause entfernt waren. Zuhause, das war Hagen, vielleicht sogar noch Hohenlimburg, das war Rauch und ein metallischer Geruch in der Luft, blinde Fenster in hohen, staubigen Gebäuden und Gleise, die über die Straße liefen.

Es dauerte noch zehn Jahre oder mehr, bis  ich die holländische Grenze erstmals überschritt, aber das zählte nicht, weil mein Onkel Weiterlesen

Berlinbesuch

Foto: Elfie Voita

Es gibt, habe ich gehört, Städte, die man liebt, weil sie so schön sind. Amsterdam zum Beispiel. Es gibt auch die Stadt, die man um seiner selbst willen liebt, weil sie Heimat ist und so vertraut wie die eigene Haut, die man, auch wenn sie mal Pickel oder Wunden hat, doch nicht verlässt. Das wäre ja mal eine ganz neue Definition von Reisen: aus der Haut fahren!

Dann sind da noch die Städte, die man gar nicht richtig sehen, nicht richtig spüren kann, weil sie so aufgeladen sind mit Geschichte, mit Erinnerungen, mit Bildern, die sich über die reale Stadt legen und sie fast unsichtbar machen. Städte, in denen man nicht zuhause ist und nicht zuhause sein kann, weil es sie überhaupt nicht gibt, weil es sie so, wie man sie im Kopf hat, nicht gibt und vielleicht auch nie gegeben hat.

Berlin ist so eine Stadt. Amsterdam nicht. Nicht, weil Amsterdam nur eine schöne Oberfläche, ein touristisches Gesicht besäße und keine Tiefe, oh doch, und ein bisschen davon weiß ich und kenne ich, aber es ist so schön, dass das allein schon reicht, dass ich immer wieder nur hinsehen muss, stehenbleiben muss und gucken und mich umdrehen und schau mal da und sieh mal dort sagen und fotografieren muss.

Berlin, da muss ich eigentlich überhaupt nicht hin. Das kenne ich schon, kannte ich, bevor ich da war und, obwohl ich nichts finde und überhaupt nicht weiß, was eigentlich wo ist, denke ich, so wird es sein und dann ist es auch so. Dagegen kann die Stadt überhaupt nicht an. Klar, sie kann mich begeistern, aber das Weiterlesen

Rad, Ruhr, Ruhe

Eigenes Foto

Mit dem Fahrrad auf dem Ruhrtalradweg unterwegs. Nur ein Stück, denn der Weg ist lang, länger, als wir an einem Tag fahren wollen bzw. können. Von Warendorf aus mit dem Auto nach Wickede (Ruhr). Erst durch das vertraute Münsterland, dann ein Stückchen Soester Börde und dann Wickede, ein Industriestädtchen, für uns an diesem Tag der Anfang des Ruhrgebiets.

Ein Maitag mit Sonne und Wolken. Viele, aber erträglich viele Radfahrer*innen auf der Strecke. Immer wieder führt der Weg über die Ruhr oder begleitet sie ein Stück.

Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen. In Hohenlimburg geboren und in Hagen zur Schule gegangen. 14 Jahre meines Lebens war mir nicht klar, dass wir im Ruhrgebiet lebten, weil Hagen mit dem Slogan „Tor zum Sauerland“ warb. Hätte ich wissen müssen, dass wir vor dem Tor lagen? Draußen, im schmuddeligen Ruhrgebiet? Schreckliche Wahrheiten bringt man seinen Kindern vielleicht so spät wie möglich bei. Ich habe es nebenbei bemerkt nicht als schrecklich erlebt. Als laut und grau, als staubig und Weiterlesen

Umrundetes Essen

Von Elkawe – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10985278

Die Sonne schien, es war warm und für den folgenden Tag war Regen angekündigt. Wir luden die Räder auf den Fahrradträger. Wie leicht sich dieser Satz schreiben lässt. Na, irgendwann waren wir damit fertig und fuhren nach Bad Essen. Beim Frühstück war das noch nicht klar, da stand nur fest, dass es nicht einfach nach Telgte oder Beelen gehen sollte. Osnabrücker Land, hatte ich vorgeschlagen und dann nach geeigneten Rundstrecken geguckt. BE 3 – rund um Bad Essen schien zu passen. Gut 60 Kilometer mit dem Auto, dann gut 40 Kilometer mit dem Rad.

Auf dem Weg nach Bad Essen hörten wir Joachim Meyerhoff. Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke. Falls jemand die autobiografischen Texte Meyerhoffs nicht kennt: Ja, es gibt die melancholischen und schmerzhaften Stellen, aber es ist auch urkomisch. Meyerhoff liest seine eigenen Texte vor Publikum und er kann lesen und schreiben. Nicht im Sinne der Beherrschung von Kulturtechniken, sondern der Mann ist ein toller Erzähler, der eigentlich Schauspieler ist.

Gut, wir fuhren nach Bad Essen. Um das ungefähr zu verorten: Wiehengebirge, Teutoburger Wald, Mittellandkanal, Hase, Hunte. Zu kleinteilig? Niedersachsen. Norddeutschland. Deutschland. Europa.

Viel schönes Fachwerk mit markanten Türen, Toren eher, die ein wenig an die Form eines Apfels denken lassen. Bei Gelegenheit sollte ich die mal fotografieren. Schlösser und blühende Rapsfelder rechts und links des Weges, der recht gut markiert war. Trotzdem schafften wir es, uns einmal ordentlich zu verfahren und die Strecke um gut 10 Kilometer zu verlängern. Google half uns zurück auf den richtigen Weg. Kleine Pause in Wimmer. Da gibt es eine hübsche

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Muscheln auf der Fensterbank

Eigenes Foto

Ich denke ans Meer.

An diesen Moment, wenn man über die Dünen schauen kann, wenn erst das Wasser da ist, dann der Wind und das Rauschen der Wellen. Die Weite, die man nicht in Worte fassen kann, nicht einfach nur von hier bis da. Ja, ich weiß, hinter dem Horizont geht es weiter, da liegt was, vielleicht nicht gleich da, wo es unscharf wird, sondern weiter weg. So fühlt es sich aber nicht an. Muscheln knirschen unter den Schuhen und ich ignoriere den Einwegrasierer, der aus einem der Container stammen muss, die von der MSC Zoe Anfang 2019 verloren worden waren.

Laut ist es und salzig, Möwen scheinen über der Gischt in der Luft zu stehen und feiner Sand fliegt. Ein Hund jagt einem Stock hinterher, stürzt sich in die Nordsee und ist schon wieder zurück. Wenige Menschen, manche mit ihren Schuhen in der Hand. Ein paar Regentropfen und gleich wieder Sonne. Schnell geht das an der Küste. Erinnerungen an andere Küsten, andere Inseln, andere Seen. Andere Zeiten. Andere Menschen. Sommer und Bälle und Eis und Sonnenbrand. Handtücher und Decken, Zigarettenkippen im Sand. Bücher, Ferien und Kinder. Der Geruch feuchter Badesachen.

Die See ist da. Der Strand ist da. Der Wind weht. Aber ich bin nicht da.

Insellos

Eigener Entwurf

Natürlich haben wir uns gefragt, ob wir fahren sollten. Dann sind wir gefahren. Wie viele andere auch. Freitag kamen wir auf Juist an, hatten einen schönen Abend und zwei schöne Tage mit ausgedehnten Spaziergängen am Strand und dem Gefühl, weit weg zu sein, in einem anderen, gesünderen Land. Selbstverständlich immer nur, bis die nächsten Meldungen kamen, Italien, Spanien, Frankreich. Schulschließungen, Absage der Geisterspiele, dann die Mitteilung, dass Schleswig-Holstein die Inseln sperrt. Da war klar, dass wir vielleicht auf einer Insel der Seligen wären, die Seligen aber ohne uns noch seliger sein würden. Niedersachsen zog nach: Die ostfriesischen Inseln sollten ab Montag gesperrt werden. Damit war unsere Abreise um einen Tag vorgezogen worden.

Meine Oma und meine Mutter waren aus Ostpreußen vertrieben worden, wir nun aus Ostfriesland. Niemand warf mit Steinen nach uns, alle waren nett, die Abreise gut organisiert und völlig problemlos. Trotzdem schade. Man muss uns offenbar erst verbieten, was wir selbst längst eingesehen haben und trotzdem nicht lassen.

Ein Niederländer in Münster

Vor einiger Zeit hat ein Freund mir ein Buch geschenkt. Nun habe ich in meinem letzten Beitrag darüber berichtet, dass es mir schwerfällt, mich von Büchern zu trennen, bei Sachbüchern ließe ich aber mit mir reden. Okay, das wäre ein Selbstgespräch, nennen wir es lieber einen inneren Dialog. Das Geschenk war, wie inzwischen klar sein dürfte, ein Sachbuch. Begegnungen mit der deutschen Kultur. Niederländische – deutsche Beziehungen zwischen 1780 und 1920 von Meindert Evers. Wer bitte soll den sowas lesen?

Ich.

Das Buch stand rum und wartete auf seinen Einsatz. Der Krimi war durch, spannend aber sicher nicht von bleibendem Wert. Auf einem Regal im Arbeitszimmer, auch wenn ich Rentner bin, gönne ich mir ein Arbeitszimmer, Rentnerzimmer klänge blöd, stehen Bücher, die ich noch nicht oder noch nicht zu Ende gelesen habe. Evers stand da und war dran. Nach einem kurzen Abriss der niederländischen Geschichte/Kulturgeschichte geht es in sechs Kapiteln um Niederländer, die auf jeweils eigene Art Deutschland für sich entdeckten. Der erste in dieser Reihe ist Christiaan Winand Staring,  24 01.1767 bis 18.08.1840, von dem ich noch nie gehört hatte.

Staring hat in Göttingen studiert und später in Vorden in der niederländischen Provinz Gelderland gelebt. Vorden? Das liegt doch bei Ruurlo. Weiterlesen

Antwerpen (2)

Peter Paul Rubens
Selbstporträt
Foto: Elfie Voita

Habe ich erwähnt, dass Peter Paul Rubens aus Antwerpen stammt? Die Niederländer und die Flamen sagen Rübens und das klingt ein wenig despektierlich, vermindert praktisch sofort den Abstand zum Künstler. Und er stammt nicht aus Antwerpen, er ist in Deutschland geboren worden, worauf wir uns etwas einbilden könnten, ich weiß spontan zwar nicht was, aber wir könnten es ja mal versuchen. Er hätte uns gutgetan. Antwerpen hat er gutgetan.

Der Mann hat am Wapper, so heißt die Straße, ein Haus gekauft und umgebaut, wie es ein Malermeister, Entschuldigung, Meistermaler brauchte. Auch wenn das Haus im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut wurde, hat man doch versucht, es in einen Zustand zu versetzen, der dem Original nahekommt. Außerdem ist es mit vielen Gemälden ausgestattet.

Nicht jeder mag die Malerei dieser Zeit, aber das eine oder andere Bild hätte ich ganz unabhängig von seinem Marktwert schon gern mitgenommen. Da hängen auch ein paar Werke von Jan Brueghel dem Älteren, der mit dem kleinen Pinsel sowas von fein und detailliert malen konnte und ein Selbstporträt, das Rubens als jungen Mann zeigt und das mich fasziniert. Dieser Maler, der 1640 starb, hat sich so lebhaft, so wach dargestellt, wie es kein Foto hätte leisten können. Rubens nahm Aufträge an, Weiterlesen

Antwerpen (1)

Foto: Elfie Voita

Bis zur Autobahn ist es nicht so weit, dann ein Stück durch Deutschland, ein längeres Stück durch die Niederlande, ein bisschen durch Belgien, runter von der Autobahn, im Kreisverkehr die zweite Ausfahrt, etwas seltsam ausgeschildert, aber da ist er schon: der P+R-Parkplatz vor Antwerpen. Es ist genau ein Stellplatz frei.

Mit Koffer und Taschen zur Tramstation gleich in der Nähe. Die Straßenbahn, ein ziemlich altes Modell, wartet schon oder noch, bis wir eingestiegen sind. Tickets gibt es beim Fahrer und los. Durch ziemlich langweilige Vororte, die ein bisschen runter sind, wie sich das für langweilige Vororte gehört. Dann steigt der Fahrer aus, ein langes Werkzeug in der Hand, das wir als eine Art Schraubenschlüssel identifizieren. Er stellt etwas um, nehmen wir jedenfalls an, dann steigt er wieder ein und wir fahren nicht weiter geradeaus, er hat also wohl eine Weiche manuell bedient, es geht jetzt hinab in den Untergrund. Aus unserer Straßenbahn ist eine U-Bahn geworden. Dunkelheit, die Bahn quietscht und kreischt in den Kurven, der Tunnel sieht aus wie ein Stollen, der notdürftig in den Berg gehauen wurde, Bergleute sind allerdings keine zu sehen. Beleuchtete Haltestellen, manche sind wegen Bauarbeiten stillgelegt. Dann geht es wieder hoch ans Tageslicht.

Langsam sollten wir doch am Bahnhof sein. Eine sehr breite Straße, wenig Verkehr. Ab und zu öffnen sich Ausblicke auf prächtige Bauten, auf große Weiterlesen

Ausweglos

 

„Das Wunder von Wolbeck“ hieß ein Münster-Tatort. Der Münster-Tatort, den die Münsteraner vermutlich am wenigsten mochten, weil Wolbeck sich dort nicht wiedererkannte. Eine rheinische Kneipe, irgendein Großbetrieb, Kraftwerk oder was auch immer, der am Ortsrand liegt. Egal, ich, wir haben das Wunder von Wolbeck erfahren. Gestern.

Mit den Rädern waren wir von Everswinkel aus auf dem Weg nach Münster. Ab Alverskirchen geht es durch die münsterländer Parklandschaft. Flach, grün, schöne Höfe, Schafe, Ziegen, Kühe, Kornbrennereien, Kutschen, viele Radfahrer und nur wenige Autos. Die Sonne scheint, Rehe stehen auf einer Wiese am Wegesrand. Obstbäume säumen die schmale Straße, es duftet nach Äpfeln. Dann ein kurzes Stück entlang der Hauptstraße. Segelflugzeuge am Himmel, ein Bauer wirbelt eine Menge Staub auf, wir überqueren die Bundesstraße und sind in Wolbeck.

Wolbeck ist, wie inzwischen klar sein dürfte, ein ehemals ländlicher Stadtteil von Münster. Wir sind noch am Ortsrand. Nicht, dass wir uns hier nicht auskennen Weiterlesen

Danke, reicht!

Foto: Elfriede Voita

Zwei Sätze, die ich in Zukunft vermeiden werde: „Schau mal, ein Reiher!“ und „Da, zwei Schwäne!“

Der Fischreiher oder Graureiher heißt in den Niederlanden übrigens blauwe reiger, obwohl er die gleiche Farbe hat. Was für die einen grau ist, ist für die anderen blau. Wer weiß, welche Farbe nächtliche Katzen für unsere westlichen Nachbarn haben. – Sie sind dort auch grau, hab ich gerade nachgesehen. Also nicht, ob in Holland die Katzen bei Nacht grau sind. Nur die Redensart.

Reiher sind zu groß, um von Katzen gefressen zu werden… obwohl: Als ich gerade auf dem Weg in die Stadt war, sah ich, wie eine Katze einem Pferd auflauerte. Vermutlich fragte sie sich nicht, ob sie das Biest reißen, sondern nur, ob sie es anschließend wegschleppen könnte.

Das Pferd war nicht grau, das heißt, ich weiß nicht wirklich, welche Farbe es hatte, ich will nur zurück zum Graureiher. Den es in den Niederlanden in wirklich beeindruckender Häufigkeit gibt. An einem Graben stand einer dieser Vögel und beaufsichtigte seine nächste Mahlzeit, als wir an ihm vorbeiradelten, anhielten und uns vorsichtig zurückbewegten, um ihn fotografieren zu können. Wir interessierten ihn nicht. Okay, als Mahlzeit kamen wir nicht in Frage, aber wir schienen auch nicht als mögliche Bedrohung eingestuft zu werden. Wir Weiterlesen

Westkapelle

Westkapelle ist ein Dorf auf Walcheren. Walcheren ist eine der Inseln, die zu Zeeland gehören. Zeeland, so sagt man in den Niederlanden, ist gefühlt weit weg. Von uns aus ist es weit weg. Zeeland und Walcheren jedenfalls. Westkapelle war dann nicht so weit weg, was allerdings nur daran lag, dass wir schon in Domburg waren. Domburg liegt natürlich auch in Zeeland und auf Walcheren, direkt an der Küste, gleich hinter den Dünen. Wir wohnten dort für ein paar Tage in einem Hotel. Preiswert, Frühstück inbegriffen. Mit Gemeinschaftsbad und WC auf dem Flur. Also schon zur getrennten Benutzung, aber eben nicht im eigenen Zimmer. Obwohl: Das möchte ich jetzt auch nicht, Bad und WC im eigenen Zimmer. Eine separate Nasszelle, die hätte ich gern. Das weiß ich jetzt auch noch bestimmter. Trotzdem haben wir auf Terschelling wieder ein Hotel gebucht, in dem wir die gleiche Situation vorfinden werden. Aber mit Zeesicht, also Meerblick. Da konnte ich nicht wiederstehen.

Von Domburg aus war es jedenfalls, und darum ging es ja gerade, nicht weit nach Westkapelle. Man kann es bequem mit dem Fahrrad erreichen. Bequem war es jetzt nicht, es regnete und wir wollten auch nicht nach Westkapelle. Dennoch waren wir dann froh, als wir dort angekommen waren. Wegen des Regens. Der Leuchtturm ist schon von weitem zu sehen und fällt besonders auf, weil es eigentlich der Kirchturm der Willibrorduskirche war. Willibrord gilt als Apostel der Friesen. Und ist Schutzheiliger der Messdiener Luxemburgs. Falls das jemand wissen möchte. Westkapelle liegt nicht in Friesland und Willibrord hat nicht mal auf die ihm geweihte Kirche aufgepasst. Hoffen wir, dass er sich besser um die Messdiener Luxemburgs kümmert.

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Juist (2)

Foto: Manfred Voita

Neunzig Minuten dauert es, bis die Fähre von Norddeich aus den Anleger erreicht. Juist. Pferdekutschen stehen bereit, um die Ankömmlinge aufzunehmen. Wir haben es nicht weit, sagt das Handy. Also ziehen wir unsere Koffer. Damit sind wir nicht allein. Mein erster Eindruck der Insel: Laut! Aber das legt sich schnell wieder. Noch ein paar Kutschen, hier und da ein verirrter Tourist, dann ist wieder Ruhe.

Mit Straßennamen ist man zurückhaltend, nein, falsch, nur mit der Beschilderung. Schön, dass das Handy funktioniert, so ist unsere Unterkunft schnell gefunden. Der Ort ist, wie die Insel, nicht groß aber lang. Vom Hafen aus sind es gerade ein paar hundert Meter bis zu dem Haus, in dem wir eine Ferienwohnung gemietet haben.

Was sofort auffällt: Die Straßen, nicht alle, aber viele Seitenstraßen, sind nicht befestigt und entsprechend sehen sie aus. Wie umgepflügt, aufgewühlt von den täglich passierenden Pferdewagen, mit denen hier die Waren angeliefert werden, das Baumaterial oder auch der Müll abgeholt wird. Weiterlesen

Juist (1)

Foto: Manfred Voita

Ich mag Inseln, besonders solche, die keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass ich mich auf einer Insel befinde. Juist ist so eine Insel. Sie misst an ihrer breitesten Stelle gerade mal 800 Meter.

Die Redensart „auf Sand gebaut“ trifft für Juist zu 100 Prozent zu, es ist nicht mehr als Sand, was da bei Wind und Wetter der Nordsee trotzt und oft genug hat die See sich ein Stück der Insel geholt. Ein großes Stück. Eine ganze Reihe von Sturmfluten hat die heutige Form der Insel geprägt und jede ganz normale Flut nimmt im Westen Sand mit, um ihn im Osten wieder anzuspülen.

Das passiert auf vielen Inseln, auf Juist sieht man es, wenn man nur weit genug nach Westen wandert. Irgendwann hören die Wege auf und der Strand wird schmal. Dünen sehen wie angebissen aus, Wurzeln finden keinen Halt mehr, der Strand ist übersät mit Brocken und Bröckchen, die wie Steine, wie gepresster Torf, wie Holz aussehen und nichts anderes sind als Teile der Insel. Ein Puzzle, das im Osten wieder zusammengesetzt wird. Gut, das Bild ist zu romantisch, was Weiterlesen

Damenprogramm (3)

Foto: Manfred Voita

Nach der Stadtführung, die etwa 135 Minuten gedauert hatte, keine Minute zu viel übrigens, blieb nur wenig Zeit, bis die Führung im Magdeburger Dom begann. Eine Führerin, zwei Besucher, die sich führen ließen. Die zweite männliche Nebenrolle war allerdings neu vergeben worden. Nein, ich verzichte jetzt darauf, die Details des Doms zu beschreiben, obwohl das natürlich leicht komisch wirken muss, wenn ich ausgerechnet zu den Toiletten etwas schreibe.

Die Toiletten sind gut, ich habe in anderen Kirchen schon viel schlechtere gesehen, in vielen sogar keine. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich in Kirchen grundsätzlich die Toiletten besuche. Man muss jetzt also nicht wegen des Domklos nach Magdeburg. Bemerkenswert für mich war aber, wie hier zwei Zeiten nebeneinander existieren. Man verlässt den Dom und betritt Weiterlesen

Damenprogramm (2)

Foto: Manfred Voita

Das erste Geheimnis ist von Jules in einem Kommentar schon gelüftet worden. Ja, mit dem Damenprogamm spielte ich darauf an, dass bei großen politischen Veranstaltungen die mit angereisten Damen mit Kultur und Sozialem bespaßt wurden.

Nun reisen heute auch Regierungschefinnen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin an und so ist das Damenprogramm inzwischen keine rein weibliche Veranstaltung mehr. In Magdeburg nahm meine Frau an einer Tagung teil, mein Damenprogramm bastelte ich mir selbst.

Aber ein virtuelle Stadtführung? Nein, damit meinte ich nicht, dass die Führung am Rechner oder sonstwie medial vermittelt stattfand. Unser Führer… ich kann das Wort nicht schreiben, ohne nach einem Synonym zu suchen, ob das jungen Menschen auch so geht? Also der Stadtführer führte uns ganz real, persönlich und gemessenen Schrittes durch die Innenstadt Magdeburgs.

Virtuell war die Führung in dem Sinn, dass er uns mehr zeigte, auf mehr hinwies, als in Magdeburg zu sehen ist, noch zu sehen ist. Die Stadt hat unter dem dreißigjährigen Krieg gelitten, sie ist im zweiten Weltkrieg Weiterlesen