Schon schön

Foto: Manfred Voita

Sechs Tage in Mecklenburg-Vorpommern. Norden, aber auch Osten. Zur polnischen Grenze ist es nicht mehr sehr weit. Ostsee und Bodden. Strand und Wald. Backsteingotik. Weltkulturerbe.

Schöne Städte, die im Laufe der Zeit immer schöner geworden sind. Bildhübsche Badeorte bieten, was bildhübsche Badeorte eben bieten sollen. Fischland, Darß, Zingst. Die berühmten bunten Türen, Räucherfisch, der manchmal aus der Region stammt. Wismar und Stralsund haben sich herausgeputzt. Mittelalterliche Stadtbilder locken Touristen aus der ganzen Welt.

Ab und zu steht da noch eines dieser grauen Häuser, übrig geblieben aus einer Zeit, in der dieses Grau landestypisch war. Es gibt immer weniger von ihnen, die Geschichte, die erzählt werden soll, ist die ruhmreicher Hansestädte und großer Schlachten des dreißigjährigen Krieges.

Die Geschichte der DDR ist für den Touristen kaum noch ablesbar, für den Weiterlesen

Advertisements

Naturfotografie

Die Natur hat neben vielen Vorteilen, die mir jetzt nicht so schnell einfallen, auch eine Menge Nachteile. Sie ist ungeduldig. Gut, das gilt jetzt mehr für die belebte Natur und um es gleich noch weiter einzugrenzen, für die Fauna. Also die Tierwelt, um hier keine Verwechslungen mit der griechischen Götterwelt aufkommen zu lassen. Von wegen Faune und so.

Ja, ich weiß auch, dass nicht gleich die ganze Welt der Tiere ununterbrochen herum hüpft. Faultiere, Schildkröten und Schnecken sind vermutlich nicht allein mit ihrem Schongang. Aber gestern in, nein, um Deventer herum war die Fauna schon recht hektisch. Wir hatten uns eine Radtour ausgesucht, die Landgoederen fietsroute Deventer-Olst. Rittergüter und Herrenhäuser in reizvoller Landschaft. Wenn man weitgehend flaches Grünland für reizvoll hält.

Ich tue der Region damit unrecht, soweit man eine Landschaft beleidigen kann, die Weiterlesen

Wehrlos

Foto: Elfie Voita

 

Unterwegs, um Abschied zu nehmen. Ein schwerer Gang, wie man so sagt. Umsteigen in der kleinen Stadt, in der ich meine Jugend verbracht habe. Eine halbe Stunde Aufenthalt. Ich schaue mich um, habe das Gefühl, mich hier auszukennen, wohl nur noch ein Gefühl, was weiß ich denn vom Leben in der Stadt, von den Menschen in der Stadt.

Dabei habe ich hier gelernt, wie sich Heimat anfühlt. Nein, nicht damals, sondern erst viel später, wenn ich als Besucher zurückkehrte. Für ein paar Tage, ein paar Stunden. Liebe geht angeblich durch den Magen, Heimat möglicherweise auch, ich spüre sie im Bauch. Nein, ich könnte den Punkt jetzt nicht benennen, nicht darauf zeigen, aber er ist da, reagiert sofort. Mein kleines, warmes Heimatgefühl, vielleicht so wie, nein, ganz anders, an einer anderen Stelle als das Glück, Weiterlesen

Abgefüllt

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arthur_Szyk_(1894-1951)._Arabian_Nights_Entertainments,_The_Husband_and_the_Parrot_(1948),_New_Canaan,_CT.jpg

Die Lichter der Stadt verloschen, schon blickte der Mond gütig hinab auf Gläubige und Ungläubige und die Sterne funkelten am Firmament. Die Hitze des Tages war einer angenehmen Kühle gewichen und aus den vielen Zimmern des Palastes waren noch Musik und Lachen zu vernehmen, doch langsam kehrte Ruhe ein, legte sich wie eine weiche Decke auf die Stadt.

„Dieser Stress, auf Anhieb kreativ sein zu müssen, ich halte das nicht mehr aus. Nacht für Nacht eine neue Geschichte.“ Scheherazade saß in ihren prächtigen Nachtgewändern schluchzend auf dem geräumigen Bett, während Schahrayâr, der König von Persien, gerade im Bad seinen Bart bürstete. Dinharazade aber, ihre Schwester, die treu an ihrer Seite ausgeharrt und mehr mitbekommen hatte, als eine Schwester, und sei es auch eine Lieblingsschwester, je mitbekommen sollte, kniete vor ihr, umschlang die Zitternde mit ihren Armen, tröstete und beruhigte sie und bat sie schließlich, wie sie es seit x-Nächten getan hatte, um eine Geschichte.

„In der Zeit des Herrschers Harun al Raschid“, so begann Scheherazade, „lebte in Bagdad ein Mann, der besaß das zweite Gesicht. In jenen fernen Tagen verstand man darunter nicht, dass er wie Silvio Berlusconi geliftet worden war, sondern dass ihm der Schöpfer die Macht gegeben hatte, die Zukunft zu schauen.

Der Mann, ein kleiner Kaufmann, der in seinem Viertel mit Datteln, Feigen, Granatäpfeln und Rohöl handelte und den jeder Achmed nannte, bewahrte in einem kunstvoll geschnitzten und reich verzierten Ebenholzschränkchen zwei Flaschen auf. In der einen befand sich Gin, den er von seinen Reisen an die Enden der Welt mitgebracht hatte, die andere aber hatte er einst von seinem alten Vater erhalten, der ihm den heiligen Eid abnahm, die Flasche nur in allergrößter Not zu öffnen.

Nun trug es sich zu, dass Achmed den Abschluss eines großen Liefervertrages mit einem russischen Investor feiern durfte. Es wurde aufgetragen, was Keller und Küche hergaben, schöne Frauen tanzten und sangen und weise Männer führten ernsthafte Gespräche, jedenfalls wenn die schönen Frauen nicht gerade tanzten.

Zu später Stunde, als alle anderen Gäste bereits gegangen waren und sein trinkfester Gast die letzten edlen Flaschen geleert hatte, die noch im Keller zu finden waren, erinnerte sich Achmed an die beiden Flaschen in dem Ebenholzschränkchen und da er selbst schon lange keine Macht mehr über seine Beine besaß, bat er seinen Gast, den Gin zu holen und beschrieb ihm die Flasche sehr genau. Ausdrücklich aber verbot er ihm, die andere Flasche auch nur anzurühren.

Der Ungläubige aber, dessen Neugier durch Achmeds Warnungen nur angestachelt worden war, Weiterlesen

An allen Enden: Emden

Foto: Elfie Voita

Emden ist eine Hafenstadt. Fertig.

So, wie auch Hamburg eine Hafenstadt ist.

Das sind Informationen, die man im Lexikon nachschlagen kann, wenn man denn noch eins hat, aber Wikipedia weiß das auch, und Wikipedia muss ich nicht erst finden, um anschließend darin zu suchen.

Außerdem: Warum sollte ich Emden im Lexikon nachschlagen? Ich habe da mal gelebt. Als die Stadt noch rau und schmuddelig war.

Das sagt sich leicht, wenn man nur noch ab und zu als Tourist durch die Stadt geht Weiterlesen

Rainer Strobelt: weltmeister sind eigentlich geldgeister

weltmeister sind eigentlich geldgeister

 

als die 54er das wort weltmeister erschufen

grummelten am horizont der ballsicheren zukunft

schon einige 18er indem sie insistierten

sie würden sich ja wohl einen reichhaltigeren reim

auf die dinge gemacht haben mit dem wort

geldgeister

 

(Rainer Strobelt für den Voita-Blog, Juni 2018)