Müller meldet sich ab

Müller meldet sich ab

Meier.

Ja, hallo Herr Meier. Müller hier.

Tag Herr Müller. Was gibt’s denn?

Tja, tut mir Leid, Herr Müller. Ich muss mich abmelden für heute. Geht mir überhaupt nicht gut.

Oh, hoffentlich geht es ihnen bald besser.

Fieber, Kopfschmerzen.

Corona?

Na hoffentlich nicht. Ich lasse mich gleich mal testen. Falls ja…

Dann wären Sie… 10 Tage raus? Richtig?

Ja, falls ich mich nicht nach 5 Tagen freitesten kann. Aber vielleicht ist es ja nur ein einfacher grippaler Infekt.

Ja. Gerade jetzt, ist schon sehr viel zu tun.

Tut mir Leid, auch für die Kollegen.

Na, wenn Sie krank sind, dann machen Sie sich darüber mal keine Gedanken. Wir schaffen das schon.

Her Meier? Sind sie noch da?

Ja sicher. Ich höre Sie gut. Hören Sie mich?

Herr Meier? Komisch, plötzlich weg.

Nein, ich bin hier. Ich kann Sie gut verstehen, Herr Müller. Hören Sie mich jetzt?

Na, egal. Ich hab ja gesagt, was ich sagen wollte. Jetzt ist er irgendwie weg. Ob er mir das abgekauft hat? Die Idee mit Corona, die hatte ich noch nicht. 10 Tage. Das ist ein richtiger kleiner Urlaub. Okay, wegfahren ist nicht.

Müller? Nehmen Sie mich jetzt auf den Arm?

Irgendwas ist da noch in der Leitung. So ein Krächzen. Vermutlich eine atmosphärische Störung. Gibt es sowas überhaupt bei Voice over IP? Der Idiot hat mir auch noch die Ausrede geliefert. Als ob ich nicht wüsste, was da gerade ansteht. Ich mach doch nicht aus Jux und Dollerei blau.

Das ist ein Kündigungsgrund, Müller. Für eine fristlose Kündigung. Ich habe auf laut gestellt, die Schneider aus der Buchhaltung ist Zeugin.

Nee, die Leitung ist tot. Ich leg mal auf. So einen Coronatest lässt sich doch locker fälschen, oder?

Bild: Creator:Wiktorya Goriniska, Public domain, via Wikimedia Commons

Fleischlos (4)

Fleischlos (4)

Ben will rauf auf den Turm und einer darf mit oder soll, aber auch nur einer, weil es doof wäre, wenn einer allein unten warten müsste. Langweilig wäre das. Sie würfeln und Luis geht mit. Er fühlt sich nicht so, als hätte er beim Würfeln gewonnen, aber einfach unten bleiben kann er ja auch nicht.

Der Turm ist eigentlich fest verschlossen, praktisch uneinnehmbar, aber wenn ein Satz schon mit eigentlich anfängt… Luis sieht das Schlüsselloch, in das bestimmt ein riesengroßer schwarzer Schlüssel passen würde, den sie aber leider nicht dabei haben. Ben drückt trotzdem die Klinke herunter und siehe da, nichts rührt sich. Ben ist fast so erleichtert wie Luis, aber er rüttelt doch dran und plötzlich geht die Tür auf, einfach so. Die beiden Jungen können ja nicht wissen, dass die Tür sehr wohl verschlossen war, aber das gerade in dem Moment, in dem Ben zum zweiten Mal die Tür zu öffnen versuchte, ein Mondstrahl, der nur zu einer bestimmten Minute, ach was, einer Sekunde im Jahr durch eine Ritze in der Wand des Turms fällt und das auch nur dann, wenn nicht gerade eine Wolke den Mond verdeckt, dass dann dieser Mondstrahl genau durch das Schlüsselloch hindurchgeht. Mehr braucht es nicht, aber das ist schon eine ziemlich sichere Art, einen Turm abzuschließen, denn wer mag schon darauf warten, dass – pling – ein kleines bisschen blasses Licht durch das Schlüsselloch fällt?

Die Tür ist offen und das fühlt sich jetzt ziemlich komisch an, so, als würde etwas ganz Kaltes durch seinen Hals laufen, aber Ben zieht die Tür auf, die knarrt, als wäre sie extra dafür gemacht worden, wie in einem Horrorfilm und dann fällt ein bisschen Licht in den Turm und sie können den Anfang der Treppe sehen. Aber wenn sie die Treppe hoch wollen, müssen sie die Tür schon wieder loslassen und dann ist das kleine bisschen Licht auch wieder weg. Zum Glück haben sie ja ihre Taschenlampen und machen gleich beide an, es ist nämlich nicht einfach dunkel im Turm, es ist wie so eine staubige schwarze Nacht, die Luft steht und riecht nach Fledermauspisse, das meint jedenfalls Luis und irgendwo oben flattert auch etwas. Ben will da auch überhaupt nicht mehr hoch, aber was soll er machen, wenn die anderen jetzt draußen stehen und warten?

Ben ist keiner, der schnell aufgibt und Angst zeigen, das geht schon mal gar nicht. Also mit der Handytaschenlampe die Treppe rauf. Erst sind es breite Steinstufen, nicht gerade in gutem Zustand, da ist wohl auch schon mal ein Ritter in voller Rüstung raufgelaufen und hat dabei was zerbröselt. Dann, nach einem Stück, es wird der erste Stock gewesen sein, sind es nur noch Holzstufen und die knarren und klingen überhaupt nicht gut. Manche haben tiefe Risse, bei anderen fehlt ein ganzes Stück.

Dann wird auch noch Bens Taschenlampe schwächer. Licht an lassen und gleich keinen Akku mehr haben, um Bilder zu machen oder, aber das denkt Ben nur, das sagt er nicht: Hilfe zu rufen? Luis hat noch mehr Akku und leuchtet auch ein bisschen die Treppe hoch, aber er will das Handy nicht aus der Hand geben und vorne laufen will er auch nicht.

Von draußen kommt kein bisschen Licht, die Fenster sind zugemauert oder verrammelt. Hier soll keiner rein-, vielleicht aber auch keine rauskommen. Es wird eng im Treppenhaus und dann, zack, ist der Akku alle. Blöd, denkt Ben, hätte er besser aufpassen müssen. Luis will nicht weiter, aber allein mitten im Turm warten will er auch nicht. Ben ist sich nicht ganz sicher, ob es schlau ist, jetzt noch weiterzugehen, aber Netz haben sie hier auch nicht, das hat Luis schon probiert, also rauf, von da können sie wenigstens schreiben oder anrufen. Runter wäre natürlich logischer, aber in solchen Situationen machen die Leute ja immer genau die falschen Sachen.

Eben noch war das Licht von Luis Lampe hinter Ben, plötzlich ist es auch weg und Luis schimpft und klingt ziemlich weinerlich und kommt schnell, Ben hört das, die Stufen hoch und ist gleich hinter ihm, schiebt seine Hand in Bens und im Dunklen steigen sie weiter die Treppe hinauf.

Man spürt das, wenn der Raum plötzlich enger wird, auch wenn man fast nichts sehen kann und Ben spürt das auch. Eine enge Stelle im Treppenhaus und Luis ist fast neben ihm, das ist viel zu eng für sie beide und es gibt ein richtiges Gedrängel. Da knackst es und ein Stück Stufe, hoffentlich nur ein Stück, bricht ab und fällt in die Dunkelheit und es dauert ganz schön lange, bis sie hören, wie es irgendwo aufprallt. Gleich nochmal, wieder bricht etwas ab und Luis lässt los, Ben stellt sich an die Seite, fest an die Wand gedrückt, während neben ihm oder unter ihm ein Getöse ist, ein Bersten und Brechen, das man bestimmt auch draußen hört. Vielleicht auch nicht, sind ja so dicke Wände hier. Aber der Staub, den das alles aufwirbelt, der quillt unter der Tür hindurch nach draußen und das sieht überhaupt nicht gut aus im Mondlicht.

Ben tastet mit einem Fuß nach unten, aber da ist nichts. Nach oben, da fühlt er ein Stück Holz, keine ganze Stufe, mehr so ein Rest, der aus der Wand ragt. Er setzt den Fuß darauf, probiert, ob das Holz ihn trägt und zieht dann den andern Fuß nach. Aber er rutscht ab, verliert fast, was heißt hier fast, den Halt und… zum Glück greift die Hand von oben nach, fast sein Handgelenk, zieht ihn wieder auf die Treppe und sein Herz schlägt wild, so hat er es noch nie gespürt. Dabei ist es so still geworden im Turm.

Dann endlich macht die Treppe einen Bogen, etwas fahles Mondlicht fällt auf die oberste Stuf. Da öffnet sich ein Raum, kahl und staubig. Ben sieht einen Schatten, das ist doch Luis, der da schon wieder in das Treppenhaus verschwindet, auf die enge Wendeltreppe, die nach oben bis zur Zinnen bewehrten Turmspitze führt. Warte, ruft Ben und gleich antwortet Luis, aber die Stimme kommt von unten, von dort, wo Luis hinter Ben im Treppenhaus war und offensichtlich auch geblieben ist.  Aber wenn das da unten Luis ist, der nicht weiter kann, weil die Treppe weggebrochen ist, wer ist das dann da vorn, wer hat Ben gehalten und hochgezogen? Noch während er grübelt, greift eine kühle Hand die seine, fest und entschlossen.

Luis ist schon wieder unten. Finn und Leon wollen gleich die Treppe rauf, aber Luis erklärt ihnen, dass das keinen Sinn hat. Die Holztreppe ist fast vollständig zusammengebrochen. Im Licht ihrer Taschenlampen sehen sie den Staub und die Splitter, die es bis ganz unten geschafft haben. Aber was nun? Hilfe holen und sich dem Ärger aussetzen, hier einge-drungen zu sein? Oder abhauen und anonym Alarm schlagen? Finn hat Netz und während die anderen noch diskutieren, hat er Ricardo schon angerufen.

Die Nacht ist jetzt ausgesperrt, Masten mit Scheinwerfern hat die Feuerwehr rund um den Turm aufgebaut und Retter mit Spezialgerät versuchen, sich einen Weg durch das Treppenhaus zu bahnen. Der große Leiterwagen, mit dem man auch die oberen Stockwerke erreichen könnte, kann nicht bis hier zur Burgruine gebracht werden, aber Höhenretter sind schon vor Ort und für die ist das eine der einfacheren Übungen. Als sie den obersten Raum betreten, den, dessen Wände noch immer schwarz sind, sehen sie an der Wand zwei Schattenrisse. Eine Frau und einen Jungen – Hand in Hand.

Ende

Bild: Georg Adam, Public domain, via Wikimedia Commons

Fleischlos (3)

Fleischlos (3)

Ist immer so, man kennt einen, der einen kennt, der dabei gewesen ist. Aber Gruselgeschichten müssen ja nicht auf gerichtsverwertbaren Tatsachen beruhen. Jedenfalls macht Ricardo wieder eine Pause und ein paar von den Kleineren rutschen unruhig hin und her auf der Bank, aber Ben kichert nur.

„Und dann?“ fragt Ina, als ob sie nicht genau wüsste, wie es weitergeht.

„Zum Glück hat man ihn lebend gefunden, allein im Wald noch in der Nacht. Aber er sprach nicht mehr und weigerte sich, auch nur in der Nähe des Turms zu bleiben.“

Ricardo macht schon wieder eine Pause und diesmal sind wirklich alle gespannt, wie es weiterging, damals.

„Ach ja, da gibt es noch etwas für alle, die noch Beweise brauchen. Leute aus dem Dorf sagen nämlich, dass man manchmal oben im Turm, ihr wisst schon in welchem Zimmer, ein trauriges Gesicht am Fenster sehen soll.“

Ob der Junge irgendwann wieder gesprochen hat und was er dann erzählt hat, davon will Ricardo erst am nächsten Abend berichten. Wenn das Wetter mitspielt, sonst eben im nächsten Jahr im Ferienlager an der Nordsee. Cliffhanger.

Proteste und Buhrufe. Leise Buhrufe, spät abends im Wald weckt man ja lieber nichts, was vielleicht schon schlafen könnte und dann schlechte Laune bekommt und brummt oder kreischt. Die Kids räumen noch auf,  packen weg, was über Nacht wegzupacken ist und Timo löscht das Feuer. Ricardo tut so, als ob er Ben noch einen Gute-Nacht-Kuss geben will und schon ist Ben in seinem Zelt.

Vom hohen Baum aus sähe man jetzt nur noch das Leitungsteam, das sich in den Kleinbus verzieht und eine Flasche Rotwein aufmacht und hörte, wenn man so gut hörte, wie die Eule sieht, das Getuschel in den Zelten und wie es dann bei den Kleinen schnell still wird, während bei Ben noch diskutiert wird. Hingen Sprechblasen über dem Zelt, dann könnten wir dort jetzt „Quatsch“ lesen und „Babygeschichte“. Etwas später allerdings, ganz vorsichtig, leise, leise, geht der Reißverschluss wieder auf und jemand lugt raus, guckt, ob da jemand guckt und ist dann ganz schnell draußen und auf der Seite des Zeltes verschwunden, die man von den Autos aus nicht sehen kann. Noch ein bisschen, dann sind vier der sechs, die in dem Zelt wohnen, unterwegs zum Turm. 

Ben weiß die Richtung. Ist auch kein Kunststück, weil es einen Wanderweg gibt und wenn man sein Handy dabei hat und die Taschenlampe anmacht und das geht ja nun wirklich bei jedem Handy, dann kann man die Wegweiser auch lesen. Es ist dann auch nicht ganz so dunkel im Wald. Nicht, dass die vier, Ben, Leon, Finn und Luis, das Wort Angst auch nur kennen würden, aber manchmal ragen da Wurzeln in den Weg und dann könnte man fallen und da sind auch so komische Bäume, die aussehen, als stünde da einer, dem man bei Nacht nicht begegnen möchte.

Es ist auch nicht so weit, sie haben es ziemlich bald geschafft.

Der Turm steht da auf seiner eigenen kleinen Lichtung und leuchtet. Also das sieht nur aus, als ob er leuchten würde, das merken die Vier auch gleich. Liegt natürlich nur an den Steinen und dem Mondlicht. Hätte man Angst, könnte man denken, dass die Mondsichel wie die Klinge von so einem Karambitmesser aussieht. So einem, das man von Counter Strike kennt, wenn man sich traut, das zu spielen, auch wenn man das noch nicht darf. Den Friedhof hat sich Ricardo nur ausgedacht. Oder vielleicht doch nicht. Ein paar Grabsteine stehen da, aber da liegen bestimmt nicht mal mehr Knochen drin, aber wenn, dann solche mit zertrümmerten Schädeln oder ohne Kopf und jetzt ist es doch ein bisschen unheimlich hier im Wald.

Fortsetzung folgt

Fleischlos (2)

Fleischlos (2)

Teil 2

Ricardo machte es sich auf dem Baumstamm, der ihm als Bank dient, bequem, so gut das eben auf einem Baumstamm geht und erzählt.

„Der Turm, von dem ich erzählen will, der soll da schon seit ewigen Zeiten stehen. Er ist der Rest einer alten Burg, ein Bergfried, so heißt das wohl. Die Burg wurde bei einer Fehde zwischen verfeindeten  Rittern eingenommen, der Turm nie. In diesem Turm überlebte eine Frau, die Freifrau von Altenstein aus uraltem Adel, die mitansehen musste, wie alles, was ihr lieb und teuer war, ermordet oder verschleppt wurde und wie die Burg, auf der sie zuhause war, niedergebrannt wurde. Sie blieb am Fenster stehen wie angewachsen und konnte den Blick nicht abwenden. Der Rauch und die Hitze, die von überall aufstiegen, auch von den Feuern, die am Fuße des Turms entzündet worden waren, um die letzten, die im Turm Zuflucht gesucht hatten, zur Aufgabe zu zwingen, umgaben sie, aber sie harrte aus ohne Aussicht auf Hilfe.

Die glühend heißen Flammen hatten die schweren, gusseisernen Beschläge der Tür zum Glühen gebracht und schließlich die Beschläge und das  Eisen des Rahmens miteinander verschmelzen lassen.“

Sofie muss mal und solange ist Pause. Nur am Feuer ist es nicht dunkel, Funken fliegen und es ist schön und warm. Emma und Felix, das Pärchen der Truppe, sitzen fast eng nebeneinander. Ina lächelt und meint, dass der Turm bestimm nicht mit so einem kleinen Vorhängeschloss gesichert wird wie mit dem, das Emma und Felix heute an der Brücke über den Waldbach festgemacht haben und die beiden werden ein bisschen rot, weil sie nicht gemerkt haben, dass Ina das gesehen hat. Dann ist auf Sofie auch schon zurück und Ricardo erzählt weiter.

„Durch das Feuer war es also unmöglich geworden, den Turm zu verlassen oder zu betreten, bis Jahrhunderte später Räuber und Plünderer mit modernem Werkzeug den Zugang wieder öffneten, den Turm aber total leer fanden. Nur im obersten Raum, dem, der den Blick freigab auf die nach all der Zeit schon malerischen Ruinen der Burg, einem Raum, der Ruß geschwärzt war, fanden sie die Umrisse eines Menschen an der Wand. Sie ahnten nicht, dass es der Schattenriss der Freifrau von Altenstein war, der entstanden war, als sie dort am Fenster die Katastrophe mit ansah, die ihre Familie erleiden musste.

Doch während die Eindringlinge nach Gold suchten, nach Schätzen oder wenigstens etwas von historischem Wert, das ihnen bei einem Sammler ein paar Münzen hätte einbringen können, löste sich der Schatten von der Wand, der Raum verdunkelte sich und wer nicht augenblicklich den Turm verlassen hatte, verließ ihn nie mehr, denn die Freifrau von Altenstein oder das, was aus ihr geworden oder von ihr geblieben war, verteidigte, so wie sie das auch seitdem tut, den Turm gegen jeden und alles. Erst kamen noch Neugierige und Wagemutige, aber im Laufe der Zeit wurde der Turm vergessen und auch die Geschichte kennen nur noch wenige.“

„Aber du kennst sie und man hat auch nie einen Möbelwagen gesehen hat, für den Umzug der Freifrau von Altenstein. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann wohnt sie da noch heute“, mischte sich Ben ein, bevor Ricardo seine Erzählung zu Ende bringen konnte.

„Die Geschichte steht im Handbuch für Ferienfreizeiten mit lästigen Kindern und unmöglichen Jugendlichen“, schaltete sich nun auch Ina ein und Ricardo lachte.

„Ich habe sie gelesen, in einem alten Buch in der Uni. Irgendwas mit Heimat und Sagen, ich weiß den Titel nicht mehr, deshalb habe ich es wohl auch nicht wiedergefunden, nachdem…“

Ricardo wurde still und alle wurden still. „Bei einer Freizeit ist nämlich einer heimlich abgehauen und zum Turm und irgendwie ist er da auch reingekommen. Keiner weiß, wie er das gemacht hat. Der Turm ist gut gesichert.“

Fortsetzung folgt

Fleischlos

Fleischlos

Teil 1

Eine Wiese auf einer Lichtung. Ein paar große Laubbäume, Eichen und Buchen, die, wie alle alten Bäume, viel zu erzählen hätten, wenn sie denn könnten. Allerdings ginge es ihnen dann vermutlich wie den alten Menschen, die auch viel zu erzählen hätten, hörte man ihnen denn zu. Im Schutz der Bäume sind sechs grüne Gruppenzelte und ein Küchenzelt zu sehen. In einem Pavillon stehen lange Tische. Am Rande der Lichtung parken mehrere Autos. Es klappert, jemand wäscht Geschirr ab, eine Elster schimpft und die Mücken machen sich bereit für ihren allabendlichen Einsatz. Im Dickicht ist es schon sehr schummerig und nicht mehr lange, dann wird die Sonne untergehen.

Von einem der höheren Bäume aus ist das Dorf zu sehen, gerade weit genug entfernt, um ungestört zu sein, gerade nah genug, um schnell mal ein neues Paket Heftpflaster oder Kartoffeln für die Lagerküche zu besorgen. Zur anderen Seite sieht man einen Turm. Ben hat das gesehen, obwohl das Leitungsteam der Ferienfreizeit der Martinsgemeinde, wir lassen an dieser Stelle offen, ob es der Martin war, der seinen Mantel teilte oder jener, der gleich die ganze Christenheit teilte, also das Leitungsteam der Martinsgemeinde hatte ausdrücklich und in recht scharfem Ton untersagt, die Bäume zu besteigen, weil das von der Gemeindeunfallversicherung nicht abgedeckt sei.

Fragen zum Turm könnten deshalb eigentlich nicht gestellt werden, denn, hat man ihn nicht gesehen, kann man doch auch keine Fragen dazu stellen, oder? Aber wer sich auf den Baum traut, traut sich auch zu fragen.

Am Lagerfeuer, wenn Timo, der sich durch alle Ferienlager der Gemeinde hochgedient hat und jetzt als Betreuer dabei ist, endlich seine Gitarre zur Seite legt und alle noch einen Moment in das prasselnde Feuer starren, bevor es in die Zelte und ins Bett geht, fragt Ben und es wird noch stiller auf der Lichtung. Der Waldkauz auf dem vom Blitz gespaltenen Stumpf einer alten Rotbuche dreht seinen Kopf, als wolle er nicht hören, was nun kommen muss. Vielleicht will er das ja auch wirklich nicht, weil er die Geschichten jedes Jahr aufs Neue gehört hat. Ricardo, der mit der Basecap, auf der Chef steht, blickt in die Gesichter der Mädchen und Jungen, die ihm anvertraut sind. „Es gibt da eine Geschichte, aber ich glaube, die ist noch nichts für euch.“

Klar, die übliche Gruselgeschichte, die man den Kurzen erzählt, mit dem üblichen Brimborium, den Warnungen, der vorgetäuschten Sorge, funktioniert immer, wenn die Fledermäuse tieffliegen, Zweige brechen und wenn es dann gleich ins Zelt geht und keiner das Licht im Flur anlässt.

„Das ist nämlich nicht irgendein Turm! Der ist mit einem Fluch belegt und tagsüber würdet ihr nichts davonmerken, da kann man auf der Treppe picknicken und ein Selfie für Insta machen. Aber sobald die Sonne untergeht“, Ricardo legt eine Pause ein und Ina, die Soziale Arbeit studiert, macht kleine Augen, als wäre sie sehr besorgt, wie das wohl weitergehen wird, „da, zack, richten sich die Gräber um den Turm, da ist nämlich ein alter, aufgegebener Friedhof, wie von einem Magneten angezogen auf den Turm aus. Wie eine Windrose mit dem Turm in der Mitte sieht das dann aus.“

Alte, aufgegebene Friedhöfe mit umgekippten und geborstenen Grabsteinen passen hervorragend in Gruselgeschichten. Muss man nämlich erst über den Friedhof – und das auch noch bei Nacht – um zu dem Turm zu gelangen, bei dem man ja eigentlich um keinen Preis sein möchte, nur, wenn einer davon erzählt, dann ist das noch mal viel mehr Horror. „Wenn jetzt aber einer den Turm betritt und da sogar noch hochsteigt, der ist verloren.“

Fortsetzung folgt

Bild: Max Josef Wagenbauer, Public domain, via Wikimedia Commons

Schwein

ich sitze ein

warum

stellte dir ein bein

du sitzt beim wein

warum

dir schenkt man ein

darf das so sein

wieso

der hats und die kein schwein

Rainer Strobelt

26.10.22

Und nun der Werbeblock:

Als Rainer Strobelts neues Buch „Strittig die dritte: Frische Kurzprosa vom kolossalen Minimalisten“ erschien, habe ich dazu die folgende Rezension verfasst:

Bereits zum dritten Mal lässt Rainer Strobelt sein Alter Ego zu Wort kommen. Strittlinge nennt er seine Kurzprosa, seine Einwürfe, Widersprüche und Gedankenblitze. „Sich mit Worten auseinandersetzen“ findet sich als eine mögliche Erklärung des Wortes strittig und schon gehen die Auffassungen auseinander, denn statt der Auseinandersetzung mit einem Gegenüber, dem Streit also, setzt Strittig sich mit den Worten auseinander.

Nicht selten kann und will er, was er hört, liest oder erlebt, auch was er denkt, nicht einfach hinnehmen, traut den Wörtern nicht und weiß doch genau, dass es keine anderen, zumindest keine besseren Mittel gibt, um sich mit der Mehrdeutigkeit oder, schlimmer noch, mit der Eindeutigkeit der Welt auseinanderzusetzen. Strittig erklärt uns nicht die Welt, Strittig leidet mit uns, für uns an ihr, doch bewahrt er sich bei aller Weltklugheit auch seine Naivität, denn da ist immer auch das Lachen, der Spott und vor allem das Staunen, das Staunsyndrom, wie es im Strittling 212 heißt.

Strittig ist aber nicht der Elefant im Elfenbeinturm, keiner, der seinen Platz in der Ruhmeshalle der Dichter und Denker schon mal mit einem Handtuch reservieren würde, nein, Strittig bleibt angenehm selbstironisch, wie im Strittling 405: „Strittig klimpert eine Melodie. Meint La Traviata zu geben, wo doch die Kinder hinter der Hecke Alle meine Entchen mitträllern.“ Mit „Strittig die dritte“ macht Rainer Strobelt es wieder kurz, kein Strittling ist mehr als ein paar Zeilen lang und wer mag, ist schnell damit durch. Kurzprosa eben. Fürs gleiche Geld darf man aber auch verweilen, hin und her blättern, Entdeckungen machen, staunen, lächeln und verständnislos die Schultern zucken. So soll es sein: Strittig

Eines Morgens im Deutsch-LK

Eines Morgens im Deutsch-LK

„Okay, Annette, jetzt du.“
„Ich hab ein…“
„Etwas lauter bitte. Nein, nicht ihr. Annette, nicht ganz so leise, ja!“
„Ein Gedicht, ich habe ein Gedicht geschrieben.“
„Klar, typisch so ein Mädchending. Love, love, love und Sonnenuntergang in Pink und…“
„Danke Ben. Offenbar kennst du den Text ja schon. Kleine Kooperation zwischen euch?“
„Ich? Mit der? Niemals!“
„Dann warten wir doch einfach mal ab und geben Annette anschließend ein konstruktives Feedback, okay?“

„Darf ich bitte raus? Ich hab ein Attest. Lyrik verklebt nämlich meine Synapsen.“
„Na klar, Ole. Nimm dann bitte das Arbeitsblatt zur Wahrscheinlichkeitsrechnung mit. Das trainiert deine Synapsen.“
„Das verstößt aber so was von gegen die Menschenrechte.“
„Es gibt kein Menschenrecht auf Unfug.“

„Der Knabe…“
„Was? Annette, das ist Ole. Nicht der Knabe.“
„So heißt mein Gedicht.“
„Der Knabe?“
„Nein. Der Knabe im Moor.“
„In welchem Moor? Venner Moor?“
„Im Moor. Einem Moor oder dem Moor, wie Sie wollen. Wenn es Ihrer Phantasie hilft, es zu lokalisieren, dann gern auch das Venner Moor. Aber etwas mooriger. Kann ich jetzt?“
„Nicht so zickig, Annette. So ein „von“ im Namen ist kein Freibrief für Schroffheit.“
„Entschuldigung. Kann ich jetzt?“
„Dann mal los. Und Ruhe bitte.“

Der Knabe im Moor

O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt! –
O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

„Das war schön, Annette. Also mein erster Eindruck. Das Reimschema..“
„Ich bin noch nicht fertig. Darf ich weitermachen?“
„Bitte.“

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind –
Was raschelt drüben am Hage?“

„Das ist der Erlkönig, der da raschelt.“
„Ben, das ist jetzt nicht nett, obwohl ich die Assoziation auch hatte. Annette, ist dir die Ähnlichkeit nicht aufgefallen?“

„Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind.“

„Klar, das ist auch eine Ballade. Bei Goethe säuselt und bei mir sauset der Wind. Falls das reicht, bekenne ich mich des Plagiats schuldig. Aber vielleicht darf ich erstmal fertig lesen?“
„Na, ich hoffe mal, dass das jetzt nicht ein Erlkönig 2.0 wird!“
„We want Moor!“
„Ist ja gut, Ben. Hast du einen Farbwunsch für den Eintrag ins Klassenbuch?“
„Also. Kann ich?“

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind –
Was raschelt drüben am Hage?“
Das ist der gespenstische Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.

„Wird das noch heftiger, so ein Horror-Ding? Das ist ganz schön harter Stoff. Ich weiß nicht, ob wir da nicht Ärger mit der Klassenpflegschaft bekommen. Na, lies mal weiter. Wir müssen ja langsam fertig werden.“

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnenlenor’,
Die den Haspel dreht im Geröhre!

„Starke Bilder und diese Sprache… Dylan Thomas trifft Edgar Allan Poe. Ja, Ole?“
„Spinnen-Lenor? Ist das Product-Placement? Waschmittelwerbung? Kriegen wir gleich noch  Hummel-Persil? Und den Haspel im Geröhre, den würde ich auch gern mal drehen, wenn sich’s machen ließe.“
„Darüber müsst ihr gar nicht albern kichern. Das war ziemlich billig. Annette?“

Voran, voran! Nur immer im Lauf,
Voran, als woll es ihn holen!
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen,
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigemann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!

„Zombies! Das ist ne echte Zoombienummer von unserem Annettchen, hätte ich ihr überhaupt nicht zugetraut mit ihren Spitzenkragen und Perlenketten. Der diebische Fiedler Knauf… Fiedler Knauf… das war bestimmt ein Hipster.“
„Alle noch wohlauf? Wird das auch nicht zu viel für euch? Falls jemand das nicht mag, ich zwinge hier keinen, sich Gruselgeschichten anzuhören und anschließend eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln.“
„Annette, ab jetzt aber nur noch unter Vorbehalt. Ich hoffe, du kennst die Grenzen dessen, was während des Unterrichts geht.“

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
„Ho, ho, meine arme Seele!“

„Wer ist denn jetzt wieder diese Margret? Mir schwirrt schon der Kopf. Alles Moorleichen und Gespenster?“

Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

„Bleichende Knöchelchen? Was stimmt denn nicht mit deiner Fantasie? Das ist morbide! Und Moorgeschwele – darunter kann mich mir beim besten Willen nichts vorstellen.“

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war’s fürchterlich,
O schaurig war’s in der Heide.

„Aus? Du bist durch mit deinem Text? Okay, danke Annette. Ihr dürft auch mal klopfen. Das war ja schon eine Leistung, ein starkes Stück, hätte ich fast gesagt. Nein, Ben, kein Stück Torf. Schaurig, sicher, schauderhaft nicht. Natürlich bist du keine Goethin. Aber nett, dass du den Knaben überleben lässt, sonst hätte der Direx sicher deine Eltern einbestellt und Pfarrer Große Wegkamp einen Exorzismus durchgeführt.

Jetzt ist auch gleich Pause, aber wenn du noch schnell meine Meinung hören willst: Der Knabe im Sumpf… entschuldige, im Moor, der hat schon was. Das ist alles sehr anschaulich, man kriegt beim Zuhören richtig nasse Füße und macht sich Sorgen um den Jungen, gerade weil wir ja wissen, wie es beim Erlkönig ausgegangen ist. Ich würde es nicht gleich beim Literarischen Quartett versuchen, aber für die Schülerzeitschrift reicht es. Voll umfänglich. So, und ihr, raus jetzt, Pause. Voran, voran! Nur immer im Lauf, wie Annette es sagen würde.“

Die Ballade Der Knabe im Moor von Annette von Droste-Hülshoff ist zuerst am 16. Februar 1842 erschienen. Annette soll neben einem scharfen Verstand und einem außergewöhnlichen literarischen Talent auch Humor besessen haben.

Falsche Zähne

Falsche Zähne

Meine Oma war alt. Schon immer. Immerhin war sie 53 Jahre älter als ich. Alte Menschen kleideten sich dunkel, trugen eine Brille und hatten keine eigenen Zähne mehr. Aber meine Oma hatte Söhne und Töchter, die sich darum kümmerten, dass sie ein Gebiss bekam. So eins, dass man abends in ein Glas mit Wasser stellte. Doch meine Oma ließ es dort auch den ganzen Tag über, weil es nicht passte.

Ich weiß nicht, ob es ihr nicht passte oder ob ihr einfach nicht passte, dass sie ein Gebiss tragen sollte. Alte Menschen sind da komisch, ich weiß, wovon ich spreche. Also redete die Familie ihr gut zu. Mit den künstlichen  Zähnen könne sie doch besser kauen, deutlicher sprechen und freundlicher lächeln. Doch statt der Welt die Zähne zu zeigen, vergrub meine Oma ihre neuen Zähne im Garten. Kiefern zu pflanzen, wäre billiger gewesen, aber in welchem anderen Garten gab es ganzjährig etwas zu beißen?

Bild: Garten des Architekten Henry van der Velde in Weimar (Villa Hohe Pappeln). Um 1909.

Roll another one

Roll another one

Wir waren mit Freunden nach Amsterdam gefahren. Die niederländische Drogenpolitik war seit dem Ende der siebziger Jahre liberaler als in Deutschland, dennoch lag in unserem Hotel nur ein Täfelchen Schokolade auf dem Kopfkissen. Der Freund, dessen Namen ich nicht nennen werde und dem ich deshalb die gesamte Verantwortung zuschieben kann, meinte, dass wir uns für die Dauer unseres Aufenthalts doch etwas Dope besorgen könnten. Ich widersetzte mich nur andeutungsweise.

Wenig später standen wir in einem Café mit lauter Rockmusik und passenden Gästen. Wir waren richtig, das konnten wir sogar erschnuppern. Das war allerdings auch kein Kunststück, denn in Deutschland wäre die Luft in dem Laden schon unter das Betäubungsmittelgesetz gefallen. Ich weiß nicht mehr, wie wir einen potenziellen Dealer ausfindig machten, vielleicht war auch einfach jeder dort bereit und in der Lage, uns ein paar Gramm zu verkaufen. Jedenfalls zahlten wir, nachdem wir die Waren gesehen und die Menge vereinbart hatten und erwarteten nun, dass uns der grüne Türke oder rote Libanese auch übergeben würde. Der sehr entspannte Händler baute jedoch zunächst noch einen Joint, natürlich mit unserem Stoff, zündete ihn an und rauchte ihn, ohne uns wenigstens einmal schnuppern zu lassen. Mit dem kläglichen Rest verließen wir zügig den Laden.

Es wäre sicher wünschenswert, dass der Drogenbeauftrage der Bundesregierung bei der Ausreise in die Niederlande Flugblätter mit dem weisen Rat „Erst die Ware, dann das Geld“ verteilen ließe. Obwohl ich das Gefühl habe, dass ich das mit dem Drogenbeauftragen irgendwie falsch verstanden haben könnte.

Foto: Max47, CC0, via Wikimedia Commons

Wie verhext

Wie verhext

Auch als ich noch klein war, war ich schon ganz schön groß. Das führte manchmal dazu, dass ich überfordert wurde. Vielleicht lag es daran, dass mein erster Kinobesuch zu einem Desaster wurde, von dem ich allerdings nur aus Erzählungen weiß. Mein Vater hatte mich mitgenommen, es wurde ein Märchenfilm gezeigt: Hänsel und Gretel. 1954 waren gleich drei Verfilmungen dieses Stoffes erschienen, deshalb weiß ich nicht, welchen dieser Filme wir gesehen haben.

Alles ging gut, bis Gretel die böse Hexe in den Backofen schubste. Ob für mich die Hexe die positive Heldin dieses Filmes war oder ob ich ganz allgemein nichts davon hielt, Menschen in einen Backofen zu stoßen, keine Ahnung. Ich soll jedenfalls so erbärmlich gebrüllte haben, dass mein Vater mit mir das Kino verlassen musste. Inzwischen ist mir klar, dass die Hexe nicht wirklich verbrannte. Ich habe sogar verstanden, dass es nicht einmal eine Hexe war, die dort in den Ofen musste.

Vielleicht ist dieses Erlebnis der Grund dafür, dass ich zwar gerne koche, aber nicht backen mag.

Bild: MikeAlex13, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Der Nasenfaktor

Der Nasenfaktor

Nicht nur Geräteturnen, Völkerball oder Fußball, der Sportlehrer meiner neuen Klasse, ich will mich nicht an seinen Namen erinnern, war offen für andere Sportarten. Ich mochte während meiner Schulzeit nicht einmal die Sportarten, die ich später noch lieben lernte würde. Allerdings unter der Voraussetzung, dass andere sie ausübten.

Dass man außerhalb hochbezahlter Profikreise boxen konnte, hatte ich mir bis dahin nicht einmal vorstellen können, jetzt lagen da zwei Paar Boxhandschuhe und vier Stühle markierten die Grenzen des Ringes. Friedhelm sollte mein Gegner sein, einen Kopf kleiner als ich und eher hager.

Ich wusste nicht, dass Absprachen zwischen den Kontrahenten unzulässig waren und erklärte Friedhelm, dass ich sehr schnell Nasenbluten bekäme. Friedhelm nickte verständnisvoll und traf mit seinem ersten wohlgezielten Schlag meine Nase. Wenn man schon Goliath ist, sollte man David nicht auch noch den Stein für die Schleuder in die Hand drücken.

Bild: Athletics and manly sport (1890) von Internet Archive Book Images – https://commons.wikimedia.org

Nicht mal Bahnhof verstanden

<strong>Nicht mal Bahnhof verstanden</strong>

Wir waren erst vor wenigen Wochen nach Ostfriesland umgezogen. Ich kannte den Weg zur Schule und den in die Stadt, ansonsten wachte ich jeden Morgen in einem mir noch fremden Landstrich auf. Aber obwohl für mich alles neu war, hielt die Welt nicht inne und wartete, bis ich soweit war. Meine neuen Mitschüler hatten sich längst einen Praktikumsbetrieb für das Schulpraktikum gesucht, als ich noch nicht einmal ahnte, dass auch ich ins Praktikum gehen sollte. Die Landwirtschaftskammer nimmt dich, sagte mein Klassenlehrer, also ging ich hin und saß fortan täglich in einem Büro und kolorierte mit Buntstiften irgendwelche Messtischblätter. Ich hätte sicher genauso gut Servietten falten oder Kugelschreiberfedern nachspannen können.

Den Höhepunkt meines Praktikums sollte die Teilnahme an einer Außenaktivität der Kammer bilden. Ich bekam eine Fahrkarte in die Hand gedrückt und sollte am folgenden Morgen mit dem Zug von Leer nach Borssum fahren. Aber der Zug hielt nicht nur in Borssum, sondern vorher auch in Oldersum und die ganzen Sums verwirrten mich so, dass ich in Oldersum ausstieg. Mitten auf dem platten ostfriesischen Land. Allein auf dem Bahnsteig. Niemand, der mich abholte, niemand der wusste, wo ich war oder wo ich hinsollte. Nicht einmal eine Telefonnummer, die ich hätte anrufen können. Der Wind pfiff, es war kalt und ich war so falsch am Platz, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Ich fuhr wieder zurück und ging nachhause. Das war der beste Tag des gesamten Praktikums.

Bild: SuzanneBrandkamp, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Bewusstseinsschmerzen

Bewusstseinsschmerzen

Ich habe bei anderer Gelegenheit schon berichtet, dass ich seit vielen Jahren in der Schreibwerkstatt Seitenweisee hier in Warendorf aktiv bin. Im vergangenen Semester habe ich mich mit einem Projekt beschäftigt, bei dem es um historische Geschichten ging. Ich habe mir Warendorf um das Jahr 1900 ausgesucht und eine ganze Reihe von Texten um einen Kohlenträger namens Bernhard produziert. Um der Zeit und den Personen halbwegs gerecht zu werden, habe ich das Kreisarchiv genutzt und intensiv in den Tageszeitungen jeder Zeit nach passenden Informationen gesucht. Es gibt da tatsächlich eine Menge zu finden! So, nachdem ich jetzt hoffentlich Erwartungen geweckt habe, will ich die auch gleich wieder enttäuschen. Diese Texte sind zu lang, um sie in diesem Rahmen vorzustellen. In diesem Semester allerdings sind bereits ein paar kleine Texte entstanden, die unter der gemeinsamen Überschrift „Anekdoten“ stehen sollen. Ein paar davon möchte ich hier veröffentlichen. Viel Spaß damit.

Bewusstseinsschmerzen

Ich war gerade erst eingeschult worden und der Jüngste und Größte in der Klasse. Mit Hirnforschung und Psychologie kenne ich mich nicht aus, aber wie jeder weiß auch ich, dass ein Kind irgendwann beginnt, sich selbst zu erkennen und früher oder später auch ein Bewusstsein seiner selbst entwickelt.

Tatsächlich erinnere ich mich daran, dass ich auf dem Schulweg immer wieder einmal Momente erlebte, in denen dieses Selbstbewusstsein wie von einem Bewegungsmelder ausgelöst aufleuchtete und wieder verschwand. Da war ich und ich war auf dem Weg zur Schule und die Sonne schien und es war schön. Bis auf den Spitz, der vorn an dem Wäldchen wohnte.

So ähnlich war das und zack, da lief mir schon das Blut über das Gesicht, aber nicht, weil mich der Hund gebissen hatte, dafür war er doch zu klein und ich zu groß, nein, ich war gegen einen LKW geprallt und ich mag es fast nicht erzählen, gegen einen, der am Straßenrand geparkt worden war.

Was nützt es dem, der sich selbst erkennt, wenn er dabei die ganze Welt übersieht, hätte Frau Hensel, meine Klassenlehrerin sagen sollen, aber nein, sie schickte mich einfach nur nachhause.

Das Land wollte offensichtlich mein Blut nicht, also habe ich später den Wehrdienst verweigert.

Bild: Mecder, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Einmal Baltrum

Einmal Baltrum

Ferien auf Saltkrokan, mindestens. Darauf haben wir doch wohl ein Recht. Ich meine, ich habe das Buch nicht gelesen und auch die Fernsehserie nicht gesehen, damals, zu den Zeiten, als wöchentlich eine Folge ausgestrahlt wurde und  man die Hälfte der Sendezeit brauchte, um zu beschreiben, was bisher geschehen war. Ein großer Hund war dabei. Und natürlich spielte es in Schweden, da war ich auch schon. Also nicht auf Saltkrokan, das übrigens klingt, als sei es von Ikea erfunden worden und beschreibe irgendetwas Knuspriges mit Salz.

Aber Schweden und Sommer, das passt überraschenderweise richtig gut zusammen. Das schwedische Fremdenverkehrsamt, falls es sowas gibt, hat da saubere Arbeit geleistet, denn wo bitte gibt es weniger Sommer als in Schweden? Okay, in Finnland vielleicht. Oder in Norwegen. Die fahren Ski, das ganze Jahr über und es ist dunkel und kalt. Rentiere knabbern das Kostüm des Weihnachtsmanns an und betrunkene Kobolde machen Jagd auf Walfische. Genug davon, mir gehen gerade die Klischees aus.

In Wahrheit fallen mir sofort die Schären ein, eine betörend stille Ostsee, bunt gestrichene Holzhäuser, überall Fahnen und Boote und Kinder mit einem Eis in der Hand und es riecht nach trockenem Holz und nassen Badesachen, nach Erdbeeren und natürlich nach nassem Hund. Oh, die Klischees waren doch noch nicht alle.

Aber so muss doch Urlaub sein. Nein, so müssen Ferien sein. Schon die Umbenennung in Urlaub macht was kaputt. Ferien waren sechs Wochen lang und die kamen, ob man sie buchte oder nicht. Buchen mussten wir Baltrum. Drei Tage. Also wir mussten nicht, wir wollten schon. Und es war nicht Juli, auch nicht August, sondern schon Anfang September. Baltrum ist eine kleine Insel, eine ziemlich kleine. Verglichen mit den Schären ist sie vermutlich ein Kontinent. Wenn man morgens rechtzeitig losgeht, hat man mittags die Insel umrundet. Soweit man darf, da gibt es ein Naturschutzgebiet. Die Häuser sind nicht bunt, sondern norddeutsch sachliche rote Klinkerbauten. Hier wird Urlaub gearbeitet.

Die Seeseite der Insel ist dort, wo das Westdorf liegt, eine Festung gegen die Gewalten der Nordsee. Wenn Abschreckung gegen Sturmfluten helfen würde, schon die nächste Flut würde ausfallen! Aber wenn ich hinter dem Deich leben müsste oder wollte, mir könnten die Steine auch nicht groß genug sein, die Mauern nicht hoch genug. Die Touristen stört das nicht, die sitzen abends auf und zwischen den Betonklötzen, einen Aperol Spritz oder ein Bier in der Hand und erwarten den Sonnenuntergang. Und wenn es keinen grandiosen Sonnenuntergang gibt, war zumindest der Alkohol nicht umsonst. Man isst und trinkt gut auf Baltrum.

Das Personal kommt aus Osteuropa, für die Insulaner macht das keinen großen Unterschied, denke ich. In den Jahren, die ich in Ostfriesland gelebt habe, war es so, dass jeder, der nicht von der Insel kam, zu den potenziellen Feinden gehörte. Das hat sich inzwischen sicher geändert, aber bei den Touristenmassen bestimmt nicht verbessert. Immerhin erzeugt das wunderschöne Situationen. Der polnische Kellner und die Gäste aus dem Ruhrgebiet begrüßen sich mit Moin. Natürlich den ganzen Tag über, so gehört sich das in Ostfriesland.

Baltrum wird geliebt, das spürt man überall. Überall stehen Bänke, die Anhänglichkeit und Dankbarkeit langjähriger Gäste macht es möglich. Sowas gibt es sonst nur in Bad Sassendorf, einem Kurort, der bei Senioren eine übermäßige Popularität genießt. Auf Baltrum sieht man auch mehr Rollatoren als Surfbretter und das ist ja auch gut so. Irgendwo müssen wir ja hin, wir Babyboomer, die wir uns die Inseln leisten können, auch wenn die Mieten und die Heizkosten steigen. Mit Kurt Vonnegut ließe sich sagen, dass alles schön war und nichts wehtat. Es war schön auf Baltrum und wir fahren bestimmt nicht wieder hin. Warum nicht? Vielleicht, weil es einfach nicht Schweden war, nicht die Ferien unserer Kindheit. Leider bietet Baltrum keine Zeitreisen an.

Sie ist wieder da

Sie ist wieder da

Sie ist wieder da. Natürlich nicht dieselbe, obwohl ich das nicht einmal überprüfen kann, aber es ist schon hinreichend seltsam, dass es die gleiche Single ist, die wir seit ein paar Tagen wieder im Haus haben. 1968 lebte ich schon in Leer in Ostfriesland, ließ meine Haare wachsen, was ja ein Prozess war, der viel Zeit und Aufmerksamkeit benötigte, damit nichts schief ging und für den konzentriertes Musikhören sehr förderlich war. Beat, so nannte sich, was wir da hörten, bis mir ein Kumpel sagte, dass es ab sofort Rock hieße. Warum die einzige geschmackssichere und unersetzliche Musiksendung im bundesweit zu empfangenden Fernsehen bis zu ihrem Ende weiterhin Beat-Club heißen durfte, hat sich mir bisher nicht erschlossen. Egal.

Ich hörte also Beat. Aber mein musikalischer Geschmack war mehr vom deutschen Schlager, als vom amerikanischen Rock’n Roll geprägt worden. Freddy, Gitte und Rex und was da noch lief, neben den beliebtesten Operettenmelodien. Damit war ich, damit waren viele meiner Generation nicht gefeit gegen den Angriff der Musikindustrie, die zügig erkannt hatte, dass das Phänomen Popmusik sich doch recht gut eignete, Kasse zu machen. Natürlich wurden schnell Bands gecastet und Hits von erfahrenen Teams produziert. Die Hitparaden waren voll von dem Zeug, Massenware für die schnelle Mark im Plattenladen. Qualitätskriterien hatte ich zunächst überhaupt nicht.

Mir gefiel, was ich hörte, wenn es nur englisch war und die Leute lange Haare hatten. Ja, manches in meiner Plattensammlung ist leider nicht anders zu erklären. Schon bald kam aber ein drittes Kriterium hinzu: Gut war, was meine Freunde auch mochten. Später war auch gut, was manche Leute nicht mochten. Inzwischen haben sich meine Ohren an den Klang der Welt gewöhnt und ich kann nicht mehr erklären, warum mein Geschmack ist, wie er ist und warum ich die Musik, die ich eigentlich mag, so gut wie überhaupt nicht höre und stattdessen ständig irgendein Zeug höre, dass ich definitiv nicht mag. Das wäre mir 1968 nicht passiert.

Oder doch, denn darum geht es hier. Als großstadterprobter Beatfan kaufte ich in Leer meine Schallplatten nicht, wie noch in Hagen, in einem kleinen, dunklen Radio-Fernseh-Laden, in der Mitte des Raumes ein paar Tische, ich weiß nicht, wie diese Teile hießen, die wie ein nach oben offenes Regal, genau, ein horizontales, nach oben offenes Regal aussahen. Da standen die LPs von Künstlern, die ich nicht kannte oder nicht mochte. Und dann gab es noch kleinere Kästen mit Singles, dem täglichen Brot des beatsüchtigen Teens. In Leer führte der zuständige Händler auch Kühlschränke, Waschmaschinen und alles, was sich die Welt des Jahres 1968 unter weißer und brauner Ware vorstellte. Mit fünf Mark in der Tasche, Geld, das zu Musik werden sollte, stand ich also in einem profanen Geschäft, das meine Kaufentscheidung für eine Nummer 1 der Hitparaden mit der für eine Wäscheschleuder gleichsetzte, nein, sie weit hinter dieser Entscheidung einordnete.

Vielleicht erklärt das, warum ich eines Tages mit der aktuellen Single der Bee Gees nachhause kam, mit World. Wie gesagt, im Radio lief Popmusik nur unter Sicherheitsvorkehrungen und mit Warnhinweisen, im Fernsehen einmal im Monat. Ich kannte manche Stücke aus der Hitparade, wenn die nicht gerade am Samstag zur familiären Badezeit lief, manche kannte ich nicht, bevor ich sie auf meinen Plattenteller legte. Wie gesagt: englisch und lange Haare. Diese Voraussetzungen erfüllten die Bee Gees. Dann hörte ich mir den Song an und er war nicht kompatibel mit den Small Faces, mit den Byrds oder mit der Spencer Davis Group. Also verschenkte ich die Single an Michael, ich weiß seinen Nachnamen nicht mehr, ein Typ in meiner Klasse mit einem Lockenkopf wie Art Garfunkel. Also der junge Art Gurfunkel. Und mit mehr Haaren. Er war glücklich, eine Platte umsonst zu bekommen, ich war froh, dass Ding los zu sein. Jetzt ist sie wieder da. Ein Kreis schließt sich. Könnte man sagen, aber weshalb sollte man?

Foto: Von NCRV – 68411162-7 pos.png Beeld en Geluidwiki – Gallery: TwienBeeGee’s bij Twien (NCRV, 1968). Archief Beeld en Geluid, catalogusnummer 68411162, fotonummer 7, CC BY-SA 3.0 nl, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9801882

Manni, kein Nobelpreis, ein Hafen und der Kaiser

Es goss und wir saßen mit unseren selbstgedrehten Zigaretten in einem der Salons der Fähre nach Terschelling. Manni und ich, Ende der sechziger Jahre. Ich war ein umgezogner Jugendlicher. Wenige Jahre zuvor waren meine Eltern nach Leer umgezogen und ich war mit umgezogen worden. Aus Hagen, einer Großstadt, so fühlte sich die Stadt jedenfalls in der Erinnerung an, in ein ostfriesisches Kleinstädtchen mit plattdeutschem Umland und touristischem Potenzial. Ein Schuljahr später war ich angekommen, fühlte mich zwar immer noch wie der Großstädter unter Landeiern, wusste in Wahrheit aber über das Großstadtleben genauso wenig wie über das Erwachsenwerden.

Ob es der ewige ostfriesische Wind war oder das völlig grundlose, aber zweifellos vorhandene Gefühl einer Überlegenheit: Ich hob plötzlich die Nase aus dem schulischen Sumpf, tat, was ich konnte und sah, dass es gut war, wählte meinen eigenen Weg und der führte zur Handelsschule.

Ja, ich weiß. Nichts klingt weniger nach Befreiung und Revolte als die zweijährige kaufmännische Handelsschule, aber dort fingen wir alle gemeinsam neu an, ich war nicht mehr der Neue, ich war einer von den Neuen und plötzlich saß ich nicht mehr allein in meinem Zimmer und hörte  Lutz Ackermann in „Musik für junge Leute“ auf NDR 2, sah aus dem Fenster und hoffte, dass es anfangen würde, irgendwas, was auch immer, keine Ahnung. Plötzlich gab es  Leute, die auch ihre Haare wachsen ließen, mit denen ich zur Schule fuhr, mit denen ich in der Pause auf dem Schulhof stand und mit denen ich nach der Schule in der Stadt eine Cola trank und eine Runde flipperte, in einem Eiscafé, dessen Chef wir Charly nannten und duzten, einen Erwachsenen!

Plötzlich gab es auch Mädchen, ich weiß nicht, wo die sich bis dahin versteckt hatten, aber jetzt waren sie nicht mehr zu übersehen und legten mir im Gespräch eine Hand auf den Unterarm oder wollten von mir zur Weiterlesen