Wisch und nicht weg

By Secondo Bianchi / user:Rainer Zenz (scan) (Eigener Scan) [Public domain], via Wikimedia Commons

Das ist jetzt der dritte Anlauf für diesen Text, und das, obwohl ich noch nicht einmal genau weiß, wie er nach dem ersten Satz weitergehen wird. Einfach nur anfangen und schreiben, das war mal. Zwei Töchter, eine davon gerade im Studium, da wird gegendert – und diese Form der Sprachkritik schlägt inzwischen selbst dann zu, wenn keine der beiden jungen Damen in der Nähe ist. Bevor ich aber erkläre, welche Textvarianten gerade rausgeflogen sind – wo bleiben eigentlich gelöschte Texte, entfernte Buchstaben? Gibt es ein Jenseits für verworfene Ideen?

Ich meine natürlich nicht verworfen im Sinne von verworfen. Solche Ideen habe ich nicht, bestimmt nicht, nein, sondern im Sinne von… jetzt, wo man es braucht, ist das Wort weg. Versteckt sich hinter all den anderen irgendwo in der Tastatur. Aber genau darauf wollte ich mich ja auch nicht einlassen, irgendwelche anderen Wörter, die ich benutzt hätte, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, etwas ganz anderes zu schreiben. Genug damit.

Wir waren Eis essen.

Darum geht es hier.

Ganz simpel, also nicht auf die Hand, in einer Waffel oder im Becher, der sich, wenn man ihn später mit Cognac füllt, auflöst, das aber nur am Rande, also er löst sich nicht nur am Rande, sondern ganz auf, das nur am Rande angemerkt, sondern im Sitzen, am Tischchen und im Becher. Ich glaube, die haben in dem Eiscafe bzw. der Eisdiele für jede ihrer verschiedenen Eiskompositionen einen besonderen Becher. Größere, kleinere, verschiedene Materialien, Formen und Farben.

Aber: Alle Eisdielen in Deutschland verwenden die gleichen Papierservietten. Behaupte ich. Diese schmalen, rechteckigen Teile, aus einem eigenartigen Material hergestellt, das die Saugkraft einer Plastiktüte hat. Sie liegen unter dem Eisbecher auf dem Metalltablett. So gehört sich das: Metalltablett, Papierserviette, Eisbecher.

Nur: Weiterlesen

Operation gelungen…

„Einer Wortwahl unternehmerisches Versagen ect. mag ich mich allerdings nicht anschließen“

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG bei der Pressekonferenz am 2.8.17 im Anschluss an den sogenannten Dieselgipfel in Berlin

Nicht etwa auf Nachfragen, nein, gleich im zweiten oder dritten Satz seines Beitrags zur Pressekonferenz stellt Herr Müller fest, dass es kein unternehmerisches Versagen gab. Und der Mann hat Recht. Es ist doch kein unternehmerisches Versagen, wenn Angestellte, und das sind Vorstandschefs nun mal auch, Fehlentscheidungen treffen.

Ach, so haben Sie das nicht gemeint, Herr Müller?  Vorstandschefs könnten schon unternehmerisch versagen? So? Hätten sie aber nicht, also in diesem Fall nicht? Das war alles so gewollt? Von den Manipulationen bei VW bis zu den weit überhöhten Werten bei Millionen von Autos auf deutschen Straßen?

Nein, das haben Sie nicht gemeint, da bin ich mir sicher, das ist kein Weiterlesen

Architektur: mal als Klotz, mal als Detail

 

 

By Luekk (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Wort Einschüchterungsarchitektur hat mir schon immer gut gefallen, weil man sich sofort vorstellen kann, was damit gemeint ist. In Düsseldorf habe ich jetzt ein geradezu vollkommenes Beispiel dafür gefunden: den Stahlhof. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ der Stahlwerksverband sich diese Zentrale bauen, eine wahre Kathedrale des Kapitalismus, in der die mächtigen Stahlbarone ihr Stahlsyndikat unterbrachten. Thyssen, Krupp und wer auch immer noch dabei war, zeigten ihre Bedeutung, ihre Weiterlesen

Erst Ruhe, dann Stille, dann wieder Ruhe

Foto: Elfie Voita

Holzhäuser, wie man sie in Schweden erwartet. Rot, blau, gelb. Hügel, Flachland, Wald, Wiesen, Dörfer, Städte, menschenleere Gegenden, dann wieder ein Radweg neben dem Kanal. Ein Hof am Horizont. „We dicided it’s a piggery“. Die Engländer haben es auch gerochen. Man kann den Betrieb besser riechen als sehen, obwohl: besser?

Manchmal regnet es, manchmal weht der Wind ziemlich frisch. Macht nichts. Auf dem Brückendeck sitzt man unter einer Kunststoffdecke wie auf einem Ausflugsdampfer. Bestimmt gibt es ein seemännisches Fachwort für dieses Partyzelt, so wie Brückendeck ja auch nur sagt, dass dieser Teil des Schiffs eben hinter der Brücke liegt, dem kleinen Zimmerchen, in dem über das Wohl und Wehe des Schiffs entschieden wird. Falls das nicht doch die Küche ist.

Nichts ist los, aber auch überhaupt nichts. Nur Ruhe und eine undramatische Landschaft. Selbst die Schären in den Seen oder in der Ostsee sind einfach nur schön. Wie bitte soll man denn über so etwas schreiben? Weiterlesen

Tiefdruckgebiete

Eigenes Bild

Grau. Dahinter noch mehr grau. Aber das kann man nicht so gut sehen, weil zwischen dem Grau im Vordergrund und dem im Hintergrund so viel Bewegung ist. Wasser. Es schüttet, plästert, gießt. Noch viel mehr. Offenbar haben Menschen in unseren Breiten lange vor dem Fenster gestanden, unter einem Baum, einem Türvorsprung oder was auch immer sie geschützt haben mag, und dabei darüber nachgedacht, wie sie das, was da prasselt, nennen könnten.

Regen, nee, Mairegen bringt Segen und so, das passt nicht, wenn es richtig nass wird, wenn vom Himmel fällt, als würde es nie wieder aufhören. Wolkenbruch. Kann ich mir nicht vorstellen. Aus dem Naschkramfachgeschäft kenne ich Nussbruch. Es klappert an den Fenstern, knackt. Tropfen, die von irgendwelchen Überständen fallen, auf Metall treffen. Klack.

Es gurgelt, staut sich, dreht sich vor dem Abfluss auf der Straße, ein Bächlein, Weiterlesen

Kirchen, Kunst & Köttbullar

Foto: Elfie Voita

Zu einer Reise, auch wenn sie nicht als Bildungsreise angelegt ist, gehört notwendig die Besichtigung von Kirchen und Schlössern. Bei einer Schiffsreise ist das nicht anders, besonders dann natürlich, wenn es eine Reise ist, die, nach einem kurzen Anlauf an der schwedischen Ostseeküste, in den Götakanal einmündet und dann, munter zwischen Kanal und Seen wechselnd, Südschweden in westlicher Richtung durchquert.

Kirchen sind vermutlich Pflichtprogramm, um verlorenen Seelen die Chance auf Umkehr einzuräumen, hartnäckigen Leugnern ihre sämtlichen Vorurteile zu bestätigen und kirchen- und kunsthistorisch Interessierten zu zeigen, was sie noch nicht gesehen haben und vermutlich auch nicht unbedingt sehen müssten.

Ich persönlich kann romanisch zuverlässig von romantisch, Barock von Rock’n Roll unterscheiden, bin aber sofort für jede Führung zu haben. Leider muss ich gestehen, dass ich zu diesem nervigen Typ von Gästen gehöre, die Fragen stellen. Bei jeder Führung ist mindestens einer davon dabei. Eine sehr gute Frage, höre ich dann meistens und anschließend wird mir ein kleiner Weg gezeigt, der im Regelfall zu nichts führt. Außer dazu, dass ich Stunden brauche, um die Gruppe wiederzufinden. Weiterlesen