Geht nicht

 

Auf dem Becher stand „coffee to go“, aber der Kaffee ging überhaupt nicht!

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Ein hartes Urteil

Es war nicht der Europäische Gerichtshof, es war nur das Gericht der Europäischen Union (EuG) in Luxemburg, das heute eine Entscheidung des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) bestätigte. Das EU-Amt ält den Filmtitel „Fack ju Göhte“ für eine „anstößige Beleidigung, die einen hoch angesehenen Schriftsteller posthum beleidigt“. Das Gericht geht einen Schritt weiter oder einen zurück, wie man das auch sehen mag. Es sieht, jedenfalls lese ich die Begründungen, die bisher veröffentlicht wurden, nicht Goethe als den Beleidigten, sondern uns, wir, die wir uns möglicherweise den Film angesehen haben und das, obwohl wir vom Titel schockiert waren.

Ja, wen und was muss man den heutzutage alles verteidigen? Muss man sich jetzt schon für die Freiheit einer Filmproduktionsgesellschaft einsetzen, ihre Filme, die ich nicht gesehen habe, mit einem aufmerksamkeitsheischenden Namen zu versehen und diesen dann auch schützen zu lassen? Nein, es ist nicht der Betriebswirt in mir, der hier für die Freiheit der Märkte eintritt, es ist eher das seltsame Gefühl, dass hier etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wir sind offenbar nicht geschockt über den Einsatz deutscher Panzer in Syrien, nicht über das Schreddern von Küken, nicht über unsere Waffenexporte oder den Klimawandel, wohl aber über den Filmtitel „Fack you Göthe“.

Hä?

Dachte ich mir. Aber dann kam die Einsicht. Es ist ganz genauso. Ein x-beliebiger Film schockt uns tatsächlich eher und weit mehr, als alle anderen Ereignisse. Das Gericht der Europäischen Union hat nicht nur Recht gesprochen, es hat uns komplett richtig eingeschätzt. So sind wir halt.

Schmerig grau Arten

Collage: Manfred Voita

Snirtjebraa, Grünkohl mit Pinkel, up drögt Bohnen, Blutwurst mit Sirup, Kohlwurst, Kassler, schmerig grau Arten, Bratkartoffeln, Rotkohl, frische Mettwürste, Bauchspeck; Salzkartoffeln, Grützwurst, Mehlpütt mit Vanillesoße… den Rest habe ich vergessen. Oder gegessen.

Nein, ich bin kein entschiedener Fleischesser. Ich komme inzwischen ziemlich gut ohne Fleisch aus, auch wenn ich mich nicht bewusst vegetarisch ernähre. Wir haben im vergangenen Jahr nicht gegrillt. Zugegeben, wir hatten es vor, es hat nicht geklappt. Große Mengen Fleisch stoßen mich eher ab, genau wie große Mengen Fisch. Überhaupt große Weiterlesen

Letterdoek (2)

Foto: Manfred Voita

Die Bezeichnung Letterdoek für die Stickarbeit der Everdiena Bielefeld zeigt die engen Beziehungen zwischen der Graftschaft Bentheim und den Niederlanden. In anderen Gegenden Deutschlands sind diese Arbeiten unter dem Namen Modeltuch oder Namentücher bekannt geworden. Die Benennung als Merklappen, wie sie in Holland auch gebräuchlich war, zeigt den ursprünglichen Zweck der Stickereien. „Modeltuch wird bey der Nähterei von den Frauenzimmern dasjenige Tuch genannt, worin sie Buchstaben, allerley Figuren, Muster und so fort nach denen gar unterschiedenen Arten deren Stiche… sauber und mit bunter Seiden zu nähen pflegen, die sie sich hernach bey vorkommenden Bedürfnis zu einem Muster dienen lassen, sofern ihnen eine und das andere davon etwa aus dem Gedächtnis entschwunden wäre.“ (Zedlers Universallexikon von 1739, Band 21, Spalte 715)

Sticken war also ein wichtiges Element der Mädchenbildung, denn jedes Mädchen sollte dafür vorbereitet werden, einen ordentlichen Haushalt zu führen. Dazu gehörte es, die Wäsche mit einem Monogramm zu versehen, damit sie nach dem Bleichen auf den Gemeidewiesen wiedergefunden werden konnte. Häufig ging es mit acht Jahren los und mit 14 oder 15 hatte jedes Mädchen mindestens einen Merklappen gestickt.

Spätestens bis zur Heirat war die Aussteuer dann mit den entsprechenden Monogrammen versehen. Das Letterdoek, das Everdiena Bielefeld stickte, ist in diesem Sinne auch kein Merklappen, die aus dem Niederländischen übersetzte Bezeichnung für eine derartige größere Arbeit wäre Prunktuch.

Bei der Beschreibung des Tuchs orientiere ich mich am Heimatkalender Weiterlesen

Das letterdook der Everdiena Bielefeld

Foto: Manfred Voita

Manche Familien besitzen Ländereien, Fabriken, Häuser, Aktien, Goldbarren, Schmuck, Gemälde und vererben das alles natürlich an ihre Nachkommen. Wir besitzen ein Letterdook. Man kann es schön finden, man muss nicht. Es ist aber inzwischen gleich mehrfach Teil der Familiengeschichte meiner Frau, also ist es, falls es nicht schön sein sollte, immerhin ein Gegenstand, über den man sich unterhält und das seit mittlerweile 117 Jahren.

Im Jahre 1901 wurde das Letterdook von Everdiena Bielefeld, der Großmutter meiner Frau, in Heesterkante gestickt.  Everdiena Bielefeld wurde am 11.03.1887 geboren, war also 14 Jahre alt, als sie das Tuch anfertigte.

Das Tuch erzählt uns etwas über ihre Familie, die Familie erzählt uns aber noch mehr über das Tuch.

Everdiena, die ich nicht mehr kennenlernen durfte, sie starb ein Jahr, bevor ich meiner Frau begegnete, hatte frühzeitig beschlossen, das Tuch ihrer Enkelin, eben meiner Frau, zu hinterlassen. Everdiena Bielefeld war eine schmale kleine Frau, die einer stattlichen Zahl Kinder das Leben schenkte, ein hartes, von ihrem strengen calvinistischen Glauben geprägtes Weiterlesen

Lichtsicht in Bad Rothenfelde

Gradierwerk (1)

Bad Rothenfelde ist ein Kurort, der südlich von Osnabrück gerade noch in Niedersachsen liegt. Über Kurorte kann man vermutlich alles Mögliche erzählen, von Kurschatten und Fango und Tango, von Bäderärzten und Kurkliniken. Ich bin da völlig ahnungslos, habe nur gehört, dass es eine Krise der deutschen Kurorte gab, vielleicht auch noch gibt, weil Kuren nicht mehr so leicht bewilligt werden. Eigentlich kenne ich auch nur Menschen, die zur Reha fahren, niemanden, der eine Kur macht, wie das einst mein Vater noch getan hat. Oder hieß das damals nur Kur und heißt heute Reha? Egal.

Bad Rothenfelde, das auf mich nicht gerade einen betriebsamen Eindruck macht, was ein Kurort vielleicht auch nicht machen sollte, verfügt über eine bemerkenswerte Besonderheit, eine, die man allerdings nur alle zwei Jahre und dann auch nur in der dunklen Jahreszeit bestaunen kann: Eine Biennale, die unter dem Namen Lichtsicht internationalen Künstlern Projektionsflächen für ihre Projektionen bietet.

Und das geht so: Im Kurbereich des Ortes stehen das alte und das neue Gradierwerk. Das sind hohe hölzerne Konstruktionen, die mit Schwarzdorn vollgesteckt werden und über die Salzwasser läuft und verdunstet. Deshalb ist es durchaus gesund, die Gradierwerke entlang zu spazieren und die salzhaltige Luft einzuatmen. Raum genug ist dafür vorhanden, denn das alte Gradierwerk ist 420 Meter lang. Diese langen und hohen Flächen werden alle zwei Jahre zur Projektionsfläche, auf denen mit Hilfe diverser Projektoren Filme und andere Lichtkunstwerke gezeigt werden.

Gradierwerk (2)

2016 und 2018 haben wir uns die Lichtsicht angesehen, die jetzt noch bis zum 28.01.2018 stattfindet.

An einem Dienstagabend waren nicht gerade viele Menschen unterwegs. Es war kalt und es war dunkel. Kalt war jetzt nicht so schön, aber die dunkle Nacht trug dazu bei, dass die gezeigten Werke besonders gut zur Geltung kamen. Einige verfügen auch über Ton, also Musik oder Geräuscheffekte.

Die Wirkung ist nur schwer zu beschreiben. In Teilen wirkt es auf mich so, als würde ich an einer endlos langen Leinwand vorbeigehen, auf der ein Film läuft, der mir rätselhaft bleibt, weil ich immer nur Teile der Geschichte verfolgen kann, selbst wenn ich stehenbleibe, denn dann passiert wieder weiter vorn oder weiter hinten etwas, das sich meinem Blick entzieht. Macht aber nichts, es gibt ja auch Führungen, die etwas zu diesen Werken erklären.

Durch die Projektion auf die Schwarzdornflächen, die durch die ständige Berieselung wie von Eiskristallen überzogen aussehen, ergibt sich ein grobkörniges Bild, eine ganz eigene Struktur.

Gradierwerk (3)

Neben den Gradierwerken gibt es auch noch drei andere Lichtinstallationen im Ort. Einmal ein Gebäude, das unter großem akustischen Aufwand in seine einzelnen Steine zerlegt zu werden scheint, einen See, in dem ein PKW zu versinken droht, dessen auf die Scheiben projizierten Insassen um ihr Leben kämpfen und eine Wasserfontäne, auf der nacheinander drei verschiedene Projektionen gezeigt werden. Einmal sind es Porträtfotos, dann ein explosives Farbspektakel

Fotos: Manfred Voita

und schließlich der Waterdancer. Bei dieser Projektion wird zu Musik ein Tänzer in die Fontäne projiziert, der mal mehr, mal weniger deutlich in den Wassermassen zu erkennen ist und offensichtlich zu den Publikumsfavoriten gehört.

Fotos können zum einen wegen der Dimensionen der Originale, zum anderen aber wegen der fehlenden Bewegung nur andeuten, was da in Bad Rothenfelde zu sehen ist.