Gurkentruppe

 

Wir haben einen Garten, das habe ich gelegentlich schon erwähnt. Keinen Nutzgarten, was natürlich nicht heißen soll, dass unser Garten nutzlos ist. Wir nutzen ihn nur nicht zum Anbau von Obst und Gemüse. Oder doch, schon, aber eher als Randnutzung. Also im räumlichen Sinne, an den Rändern versuchen wir, unseren Garten dazu anzuregen, uns Pflaumen, Gurken, Minze und Rosmarin zu liefern. Eigentlich auch Äpfel, aber wir finden das Bäumchen nicht wieder. Rosmarin schon. Minze ist ein Problem für sich, nein, eher für andere, denn sie verhält sich recht aggressiv und manches Pflänzchen, das sein Auskommen im aufgegebenen Graben gefunden hatte, versucht nun, sich auf den Rasen zu retten.

Es ist schön, einen Garten zu haben. Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz einmal schreiben würde, aber es war recht einfach. Also diesen Satz zu schreiben. Es ist nicht einfach, einen Garten zu haben. Ob es schön ist… das hängt von vielen Faktoren ab. Vom Wetter, von der Jahreszeit, von Fauna und Flora, von meiner Tagesform, davon, ob die Wunden vom letzten Versuch, Unkraut zu bekämpfen, soweit abgeheilt sind, dass ich mir gefahrlos neue zuziehen darf. Es gibt aber gute Tage, Weiterlesen

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Erbaulich

Ich lese gerade mal wieder Zeitung. Wir waren in Utrecht und da bringe ich mir gern mal eine niederländische Tages- oder Wochenzeitung mit. De Groene Amsterdammer zum Beispiel. Seit 1877 gibt es diese, na, ich würde eher sagen Zeitschrift. Sie erscheint im Format A4+ und die Ausgaben bis 1940 sind, so steht es bei Wikipedia, kostenlos als Faksimile im Netz verfügbar. Eine linksliberale Zeitschrift und das „liberale“ hat aber auch überhaupt nichts mit neoliberal am Hut. Die Artikel sind lang, da mutet man, nein, traut man der Leserschaft etwas zu. Ich lese nicht regelmäßig, nicht einmal unregelmäßig, bin aber im Netz immer wieder mal dabei. Ich habe mit de Groene, was übrigens keine ökologische oder politische Zuordnung ist, nicht gekauft, ich schwärme nur gerade etwas vor mich hin. Ich habe mir den Volkskrant mitgebracht. Ich schwärme jetzt mal nicht. Könnte ich aber. Es geht mir hier aber nicht um Zeitungen oder Zeitschriften. Gut, hat bisher sicher niemand gemerkt.

Es geht mir um Sozialwohnungen, um den Wohnungsmarkt in Deutschland. Um das Totalversagen dieses Marktes, der kein Markt sein sollte, denn Wohnen ist ein Grundbedürfnis, eine Notwendigkeit und wer nicht die Mittel hat, sich eine anständige Wohnung zu leisten, sollte auf öffentlich geförderte, besser im öffentlichen Besitz befindliche Wohnungen zurückgreifen können. Ich habe überhaupt nichts gegen privates Wohneigentum, darum geht es hier auch nicht. Es geht darum, wie private Weiterlesen

Ausgezählt

Aus. Vorbei. Das war’s.

Mein letzter Arbeitstag liegt hinter mir. Ein frei gewählter Abschied. Nein, es fällt keine Last von mir ab, meine Arbeit habe ich selten als Mühe empfunden, oft hat sie sogar Spaß gemacht. Dennoch: Es ist gut so. Jetzt will ich tun, was ich tun will, meinen Wecker stellen, weil ich aufstehen will und ein Buch zu Ende lesen, auch wenn es spät wird.

Noch fühlt es sich wie Urlaub an.

Seltsam war es schon, Dinge ein letztes Mal zu tun. Den letzten Eintrag im Klassenbuch vornehmen, das letzte Mal die Tafel putzen, letzte Fotokopien machen. Das letzte Mal den Weg zur Bahnhaltestelle Münster-Zentrum-Nord gehen. Wehmut? Nein. Keine Spur. Ferien für immer. Ach, bei der Gelegenheit habe ich auch gleich das Rauchen aufgegeben. War so geplant. Letzter Arbeitstag, letzte Zigarette.

Ich gehe einkaufen. Nein, das gehört Weiterlesen

Unwohl und Wehe!

Ich bin krank. Sehr krank, sonst hätte ich das hier nicht publik gemacht. Ist ja eher Privatsache. Aber weil das hier ohnehin fast keiner liest, bleibt es ja privat. Eine Diagnose steht noch aus. Also eine ärztliche, aber wer braucht die schon? Man weiß ja, wie es um einen steht. Und Google weiß mindestens, wenn nicht mehr als der Doktor. Der ja oft genug nicht mal Doktor ist. Oder wenn, dann hat er seine Doktorarbeit abgekupfert. Was natürlich eher beruhigend ist, denn wer will sich schon von einem Theoretiker behandeln lassen!

Wieso fällt mir gerade Frau Giffey ein? Bis gerade wusste ich nicht mal, wie die geschrieben wird, jetzt weiß ganz Deutschland, dass sie abgeschrieben hat. Vielleicht. Ich mach mir nicht die Mühe, mich mit ihrem Studium zu beschäftigen, ich will ja nicht von Frau Giffey behandelt werden.

Jetzt ließe sich einwenden, dass es nicht so schlimm um mich stehen kann, wenn ich am Rechner sitze und Text produziere. Ich bin mir auch noch nicht ganz sicher, ob das Teil der Therapie ist. Obwohl: Was soll mir noch helfen? Ich habe Weiterlesen

Meinungsstark und faktenschwach

Cooper–Hewitt, Smithsonian Design Museum [Public domain]

Ich kannte mal eine Frau, die Geschichten erzählte und sich wunderte, wenn Menschen sich später bei ihr beschwerten, weil manches nicht so war, wie sie es erzählt hatte. Dabei hatte sie sich überhaupt nichts Böses dabei gedacht, wenn sie ihre Geschichten erzählte. Sie log nicht, sie dachte sich auch nichts aus, sie erzählte einfach, was sie für wahr hielt, also ihre Interpretation dessen, was sie sah, hörte und erlebte. Ihr Problem mit ihren Mitmenschen löste sich in Wohlgefallen auf, als ihr jemand vorschlug, sie solle doch einfach in Zukunft ihre Geschichten mit „Ich denke“ oder „Meiner Meinung nach“ beginnen.

Wenn ich gerade in freundlicher Stimmung bin, dann denke ich, dass unseren Medien damit auch schon geholfen sein könnte. Natürlich sind Journalisten davon überzeugt, dass wir als Publikum im Schnitt ahnungslos sind und Nachrichten nicht verstehen können, wenn man uns nicht gleich dazu sagt, wie man eine Nachricht einzuordnen hat. Wenn man Weiterlesen

Klar, aber diese Woche nicht mehr

Ich habe nichts gegen Handwerker. Ich hätte sogar gern welche. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es Handwerker in der Realität überhaupt gibt, oder ob sie wie der Yeti eine Legende sind. Die gelegentlichen Berichte über das Auftauchen von Handwerkern scheinen mir zumindest ebenso zweifelhaft, wie die Sichtungen des Ungeheuers von Loch Ness. Ich jedenfalls glaube, dass es ein großes Callcenter irgendwo in Fernost gibt, in Indien zum Beispiel, an das alle Anrufe bei vorgeblichen Handwerksunternehmen weitergeleitet werden.  Von den Schlüsseldiensten wissen wir ja, dass die Anrufe per Weiterschaltung immer an einen Betrieb weitergeleitet werden, der am denkbar entferntesten Ort ansässig ist.

Ich weiß, dieses Beispiel scheint meiner Grundannahme, dass es Handwerker überhaupt nicht gibt, zu widersprechen. Aber wer glaubt, dass Schlüsseldienste Handwerker schicken, glaubt auch noch an faire Preise. Stellenangebote jedenfalls fordern lediglich ein gewisses handwerkliches Interesse. Soweit könnte sogar ich dem Anforderungsprofil entsprechen.

Nein, es reicht auch nicht als Existenzbeweis, dass in praktisch jedermanns Umfeld Weiterlesen

Sieben:Dreizehn

                   Eigene Tasche – eigens Foto

6:00 Uhr. Zeitung… zum Glück da. Nicht geklaut oder vom Boten vergessen. Passiert seiner Vertretung in den Ferien gern mal. Frühstücken, Zähne putzen, rasieren. Tasche auf Vollständigkeit checken: Brillenputztuch, Taschenrechner, MP3-Player, Wasserflasche 0,5 Liter. Stifte, Block, Übungsaufgaben.

Okay.

Gut zwei Stunden früher wartet der Disponent der Eurobahn ungeduldig auf den Anruf des Triebwagenführers, der  um 5:08 Uhr in Rahden  die Regionalbahn RB 71 übernehmen soll. Der Stellvertreter hat sich bereits krank gemeldet.

6: 45 Uhr. Fenster wegen der Wohnungseinbrüche in letzter Zeit kontrollieren. Alle geschlossen. Fahrradschlüssel liegt im Flur bereit. Hausschlüssel? Ist da. Licht aus, Haus abschließen, Fahrrad aufschließen, Hausschlüssel einstecken. Reifendruck etwas mau, hält aber hoffentlich noch.

Straße auf Raureif prüfen. Geringes Sturzrisiko, aber seit zweiundzwanzig Jahren nicht mehr bei Glätte gestürzt. Durch eigene Unachtsamkeit schon, also volle Konzentration auf den Weg, auch wegen der unübersichtlichen Ecke, kann schon mal jemand von rechts kommen.

Echt zu wenig Luft auf dem Vorderreifen, an den Bordsteinkanten wird es kriminell.

Der Triebwagenführer hat sich doch noch gemeldet, die Regionalbahn ist unterwegs. Pünktlich.

Das Ladegerät des Handys hängt entgegen den Empfehlungen des Herstellers immer noch am Netz. Das würde nur zu unnötigem Energieverbrauch führen, leider glüht ein Draht im Gerät, der nicht glühen sollte. Neben dem Billigladegerät, das recht sicher und harmlos auf einer Granitarbeitsplatte ruht, liegt dummerweise die Monatskarte. Papier und Plastik, alles, was es für ein kleines Feuerchen braucht.

Haustürschlüssel? Ja. Fahrkarte…?  Liegt noch in der Küche!

Nochmal zurück? Könnte reichen.

Jetzt schnell. Ins Haus, mit einem Griff die Karte gefischt, blöderweise das Ladegerät in der Hektik von der Platte gefegt. Prompt auf den Fliesen zerschellt. Wie erkläre ich das denn wieder?

Abschüssiger Weg runter zum See… immer etwas rutschig, wenn da ein Kaninchen über den Weg hoppelt… gut gegangen. Die Brücke ist bei Gegenverkehr ziemlich schmal, manchmal eiert da einer auch noch hin und her. Das Geländer ist  nur provisorisch abgesichert. Ist der See eigentlich tief? Vermutlich ertrinkt man nicht, sondern fällt nur unglücklich auf den Kopf.

Nieselregen, kann kaum noch was sehen, Brille abnehmen würde das Problem nicht wirklich entschärfen. Also Blindflug.

Es wird Zeit. Ob die  Armbanduhr stimmt? Sollte bald mal auf eine Funkuhr umstellen. 60 Minuten bis zur nächsten Bahn. Verspätung kann ich mir nicht leisten. Keine Arbeit, kein Geld.

Vor der Ampel viele Schüler, blockieren mit ihren Rädern den ganzen Weg. Ziehe ich vorn vorbei, kriegen sie garantiert grün, ich steck im Pulk fest und muss mit bis ins Schulviertel. Also durchquetschen. Klar, grün, von denen guckt jetzt keiner, Herdentrieb, alle einfach los, komme gerade noch durch.

Handy eingesteckt? Wieso muss ich das jetzt denken? Gerade jetzt kann ich das nicht überprüfen. Gleich erst, am Bahnhof. Solange ist es gefühlt zuhause geblieben.

Scherben auf dem Radweg. Seit Wochen. Kümmert sich keiner drum. Gut, ich auch nicht. Rad abstellen. Steht stabil, aber vermutlich kommt gleich noch irgendein Idiot, der seine ständerlose Schrottleeze dagegen lehnt.

Passend am Bahnhof. Der Zug ist noch nicht da. Müsste er auch nicht, trotzdem fehlt er mir jetzt schon. Könnte sein, dass er mal wieder ausfällt, wäre nicht das erste Mal. Müssten die Schranken nicht schon geschlossen sein? Immerhin, mein Handy Weiterlesen