Gallimarkt in Leer

von Manfred Schilling Leer (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

„Radeau, Radeau, raditjes doe,

de Stadt, de hört de König toe,

radeau, radeau raditjes dum!

De Börgmester led vebeden,

dat nüms mag kopen of verkopen

bevör de Klocke negen sleit,

bi Verlüß van Goderen

un all wat over tein Pund weggt,

is na de Waage to brengen,

un darnaa dree Daag free Markt!“

 

Obwohl ich überhaupt kein Kirmesgänger bin, obwohl ich das Gedränge und Geschiebe nicht ausstehen kann: Wenn Gallimarkt in Leer ist, dann habe ich immer noch ein bisschen Heimweh. Okay, sonst auch.

 

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Versetzt

von Unknown Master, German (active at the end of 16th century in Nuremberg) (Web Gallery of Art: Image Info about artwork) [Public domain], via Wikimedia Commons

Früher, so hieß es immer, gab es Bedienungsanleitungen, die komplett unverständlich waren. Heute stieß ich auf eine Produktbeschreibung, die alles in den Schatten stellt, was mir bisher untergekommen ist. Ich habe die ersten paar Zeilen weggelassen, da war noch zu erahnen, um welches Produkt es geht, so fair wollte ich einfach nicht sein. Der folgende Text – wörtlich zitiert – hat einen sehr eigenen sprachlichen Reiz. Ach ja, noch ein Hinweis: Es geht natürlich nicht um ein Telefon!

  • Unsere Produkte sind in-kind Schießen, aufgrund von Licht und Kamera Probleme verwendet werden ein wenig Farbe.
  • Stent-Stil antike Telefonhalterung, wird die Halterung nach einem gewissen Bereich des Schüttelns installiert werden, die der Hersteller ist, um das Prinzip des Hebelhebels zu vermeiden, um das Telefon so absichtlich entworfen zu vermeiden, kein Qualitätsproblem hat keinen Einfluss auf die Verwendung Hat keinen Einfluss auf die.
  • Ein Teil der antiken Telefon Klingeltöne nur eine, kann nicht ersetzen die Klingeltöne, außer wie erwähnt.Sie ??können nicht die SIM-Karte

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Lächerlich

Foto: Manfred Voita

In einem Schaukasten am Bahnhof hängt dieses Plakat, hinter Glas, deshalb die Reflektionen auf dem Bild. Was will, so lautet natürlich die Frage, der Künstler uns mit diesem seinem Werk sagen?

Beginnen wir mit den Farben, da gibt es sehr klare Strukturen. Blau dominiert, mehr als die Hälfte des Bildes wird von dieser kalten Farbe, denn so wird ihre psychologische Wirkung beschrieben, bedeckt. Nüchtern, sachlich und vertrauensvoll, ohne viele Emotionen zu vermitteln. Schon klar, warum es die Lieblingsfarbe der Deutschen ist. Selbst die positiven Assoziationen, die mit dieser Farbe verbunden sind, gefallen nicht jedem, autoritär und stark zum Beispiel. Langweilig gehört Weiterlesen

Anschluss

von anonymous Russian artist (http://www.zeller.de) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wir haben einen Bahnhof. Also jetzt nicht gleich ein Bahnhofsgebäude. Das ist abgebrannt. Vor zwanzig Jahren, ungefähr. Aber es ist trotzdem ein Bahnhof. Ich habe nachgeschaut.

Nein, nicht am Bahnhof, sondern im Internet.

Ein Bahnhof unterscheidet sich von einem Haltepunkt dadurch, dass dort rangiert werden kann bzw. Züge einander passieren können. Das ist bei uns möglich. Obwohl es eigentlich nicht passiert. Also das Passieren.

Es gibt zwei Bahnsteige, eine Uhr und einen Monitor, der die aktuellen Daten zu den Zügen anzeigt, die zu erwarten sind. Dieser Monitor befindet sich natürlich nicht dort, wo sich die Reisenden aufhalten, sondern am Ende des Bahnsteigs. Zu viel Information ist ja auch manchmal nur schwer zu verarbeiten.

Wir haben auch Lautsprecher auf den Bahnsteigen. Sie funktionieren, Weiterlesen

Heute auf dem Kreuzweg

Graham Crumb/Imagicity.com [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Ich lass sie zappeln.

Sollen sie doch denken, ich hätte es vergessen.

Oder hätte was Besseres vor. Mein Altpapier nach Formaten sortieren. Die Seiten meines Collegeblocks vorsorglich mit Lochverstärkungsringen ausstatten. Die Stacheln unserer Kakteen mit Schutzhäubchen versehen.

Aber dann, kurz vor achtzehn Uhr, wenn sie sich schon freuen, dass ich nicht da war, dann komme ich, gebe meine Stimme ab und entscheide die Wahl.

Ein Subkontinent als Filmstar

Mittwochabend. Kino in Warendorf. Der Film läuft schon seit einer Woche. Vermutlich hat man im kleinen Kino schon nicht mehr geglaubt, dass noch jemand den Film sehen will. Wir sind zunächst allein in dem Saal, in dem vorn neben der Leinwand ein großer alter Projektor steht. Ja, die gute alte Zeit, in der noch die Wochenschau vor dem Hauptfilm die Funktion einer Nachrichtensendung übernahm, weil es sonst keine bewegten Bilder zu sehen gab. Wochenschaubilder sind auch Teil des Hauptfilms: Der Stern von Indien. Die guten alten Zeiten waren nicht nur bei uns nicht gut, sie waren es auch in Indien nicht. Wieder bin ich überrascht von meiner eigenen Ahnungslosigkeit. Klar, Indien war mal britische Kolonie. Gandhi, Nehru… ja, erkenne ich an der Kleidung.

Der Film beginnt mit einem Satz: Die Sieger schreiben die Geschichte. Die Regisseurin Gurinder Chadha hat sich ganz offensichtlich das Ziel gesetzt, diese Geschichtsschreibung, in dem Fall die britische Lesart der indisch-pakistanischen Geschichte, zu ergänzen, zu korrigieren. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich hier erzähle, dass am Ende des Films zwei Staaten entstanden sind: Indien und Pakistan.

Wie dramatisch diese Teilung abläuft, welche Folgen das für Millionen von Menschen hat, das zeigt der Film sehr eindrucksvoll, ohne zu einem Kriegsfilm, einem Katastrophenfilm zu werden. Wochenschaubilder aus dem Jahre 1947, schwarzweiß, zeigen die Zerstörungen und Weiterlesen