Eine Stimme aus der Vergangenheit

Musikkassetten gehören zu den Medien, die aus unserem Alltag verschwinden, wenn sie nicht sogar schon fast vollständig verschwunden sind. Meine Töchter kennen sie noch, haben als Kinder noch selber Kassetten besprochen und Musik aufgenommen. Vielleicht sogar so, wie man das in den siebziger Jahren mit dem Kassettenrecorder und dem Mikrophon tat.

Natürlich quatschte dann während der Aufnahme jemand rein. Schlimm genug, wenn das der Moderator war, der den Namen der Band oder des Titels zur Sicherheit noch mal wiederholte, viel schlimmer, wenn es ein Elternteil war, das mit der Aufforderung, sofort das Chaos in der Küche zu beseitigen, die perfekte Aufnahme versaute. Manche Leute kauften Musik auf Kassette, okay, wer heute seine Musik als MP3 auf dem Smartphone hört, wäre auch mit dem Klang eines Walkman zufrieden gewesen.

Ein Freund machte mich während des Studiums auf den Kassettenbrief Weiterlesen

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Wehrlos

Foto: Elfie Voita

 

Unterwegs, um Abschied zu nehmen. Ein schwerer Gang, wie man so sagt. Umsteigen in der kleinen Stadt, in der ich meine Jugend verbracht habe. Eine halbe Stunde Aufenthalt. Ich schaue mich um, habe das Gefühl, mich hier auszukennen, wohl nur noch ein Gefühl, was weiß ich denn vom Leben in der Stadt, von den Menschen in der Stadt.

Dabei habe ich hier gelernt, wie sich Heimat anfühlt. Nein, nicht damals, sondern erst viel später, wenn ich als Besucher zurückkehrte. Für ein paar Tage, ein paar Stunden. Liebe geht angeblich durch den Magen, Heimat möglicherweise auch, ich spüre sie im Bauch. Nein, ich könnte den Punkt jetzt nicht benennen, nicht darauf zeigen, aber er ist da, reagiert sofort. Mein kleines, warmes Heimatgefühl, vielleicht so wie, nein, ganz anders, an einer anderen Stelle als das Glück, Weiterlesen

An allen Enden: Emden

Foto: Elfie Voita

Emden ist eine Hafenstadt. Fertig.

So, wie auch Hamburg eine Hafenstadt ist.

Das sind Informationen, die man im Lexikon nachschlagen kann, wenn man denn noch eins hat, aber Wikipedia weiß das auch, und Wikipedia muss ich nicht erst finden, um anschließend darin zu suchen.

Außerdem: Warum sollte ich Emden im Lexikon nachschlagen? Ich habe da mal gelebt. Als die Stadt noch rau und schmuddelig war.

Das sagt sich leicht, wenn man nur noch ab und zu als Tourist durch die Stadt geht Weiterlesen

Marktplatz der Ideen

Foto: Manfred Voita

Giordano Bruno?  Schon mal gehört?

Als wir in Rom waren, hatte ich mir vorgenommen, zu seinem Denkmal zu gehen. Weil ich, so dachte ich, da gewesen sein muss. Seinetwegen und meinetwegen. Obwohl ihm das egal gewesen sein dürfte.

Am 17. Februar 1600 starb er auf dem Campo de Fiori. Auf einem Marktplatz, der wohl einst ein Blumenfeld war. Mir war es wichtig. Ich kann nicht genau sagen, warum ich an so einen Ort muss. Katastrophentourismus ist es eher nicht, nach 418 Jahren gibt es keine Spuren des Feuers mehr, in dem er starb. Hätten die Freimaurer dort nicht ein Denkmal errichtet, würde nichts an ihn erinnern. Es ist auch nicht gerade so, dass wir täglich auf Giordano Bruno stoßen würden.

Vielleicht hat es mit Respekt zu tun, dass ich an diesem Ort stehen muss. Dass mir solche Orte etwas näher bringen. Ach, das ist wohl auch überhaupt nichts besonderes, dass geht uns ja allen so. Wir stehen vor Bildern, Weiterlesen

Am offenen Herzen

Puh, gerade noch mal gut gegangen. Als mutiger Einzelkämpfer stelle ich mich ja seit den späten achtziger Jahren der Marktmacht des amerikanischen Giganten Apple entgegen. Schöne Geräte, klar. Übersichtliche Displays. Bemerkenswert schnell.

Aber, wie gesagt, amerikanischer Gigant, mach ich nicht mit, da bin ich lieber bei einer kleinen Softwareschmiede geblieben, praktisch ein Garagenbetrieb, hab ich bereits auf meinem ersten PC genutzt, damals noch mit Disketten. Floppy Disk. Das waren noch Zeiten. Ich weiß nicht, ob sich noch jemand an den Namen des Unternehmens erinnert, ist ja alles lange her. Microsoft? Oh, doch?

Na, jedenfalls haben die, wohltätig und menschenfreundlich wie sie sind, zu ihrem Betriebssystem Windows 10 gerade mal wieder ein Update rausgehauen. Verschenkt! Na, Apple? Da guckst du aber, nicht?

Man zittert ja immer ein bisschen, wenn man die Kontrolle über ein Gerät

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Heiß

Bild: Manfred Voita

Es ist heiß. Ein Gewitter kündigt sich an, ist eigentlich auch längst angekündigt. Aber die Wetter-App liegt schon seit Tagen daneben. Vielleicht sind es auch die Gewitter, die danebenliegen. Hier kommt nichts an. In Münster Blitz und  Donner, auf dem Weg hierher gießt es, hier: Null.

Gelbes Licht, dichtes grünes Laub vor tiefdunklem Himmel. Dramatisches Wolkenspiel. Großartige Ouvertüre, dann fernes Grummeln und ein paar Regentropfen. Die Vorstellung ist abgesagt.

Kurze Nächte mit wenig Schlaf. Erst zu warm, um einzuschlafen, dann zu laut, um auszuschlafen.  Singvögel? Schreihälse! Woher holen diese kleinen Krakeeler eigentlich die Töne? Die Lautstärke! Da ist doch kaum Körper, kaum Klangkörper. Okay Google?  Also es sind Luftsäcke im Vogelkörper. Deshalb singt und atmet das Tier gleichzeitig und kann ordentlich Druck machen. Bis es erschöpft ist. Dann geht es zum Feierabend wieder weiter.

Alles nur Sopranistinnen und Countertenöre. Weiterlesen