Neben der Spur

Behzād [Public domain], via Wikimedia Commons

Im Auto unterwegs, eine Verkehrsmeldung im Radio: „Auf der A30 kommt es zu Verkehrsbehinderungen. Eine Fahrbahn ist wegen Massierungsarbeiten gesperrt.“

Und schon sehe ich ihn vor mir, den gesperrten Fahrstreifen: Stühle mitten auf der Straße, darauf kräftige Männer gesenkten Hauptes, deren verhärtete Nackenmuskeln von schwieligen Fingern nicht weniger harter Männer im Blaumann samt Warnweste und Helm geknetet und gelockert werden. Keine Ostfriesen unter ihnen, denn die würden mit der linken Hand noch eine Zigarette drehen, während sie widerspenstige Wirbel mit festem Griff einrenkten. Weiterlesen

Auf Trab kommen

Von Don-kun – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7982268

„Turnier für traditionelle Anspannung“ steht auf dem Flyer. Ich bin irritiert. Haben die Asiaten, also die Inder, die Chinesen oder wer auch immer sich im Fernöstlichen mit Religion und Kampfkunst – oder sind das etwa nur zwei Wörter für dasselbe Phänomen? – uns neben der traditionellen Medizin und dem Yoga, Tai-Chi und Qigong, neben all den beliebten Entspannungstechniken auch etwas anzubieten, was der von der 35-Stunden-Woche, endlosen Wochenenden samt Brückentagen, Weiterlesen

Ruhe

Foto: Elfie Voita

Dass Tecklenburg einen Besuch wert ist, habe ich schon an anderer Stelle deutlich zu machen versucht. Wir jedenfalls waren wieder einmal dort. Diesmal war die evangelische Stadtkirche offen, die Kirche, in der auch Dr. Johann Weyer (Wier) vermutlich bestattet wurde, der Arzt, der sich gegen die Hexenverfolgungen eingesetzt hatte. Habe ich schon erzählt, aber muss man solche Menschen nicht immer wieder erwähnen? In der Kirche gibt es mehrere Grabplatten, die sich heute an den Kirchenwänden befinden und die, um die es mir geht, leider so hinter einer Bank versteckt, dass sie sich nicht gut fotografieren ließ. Weiterlesen

Eine Augenweide

Ich gehöre zu den Menschen mit einem grünen Daumen.

Immer wieder mal und es ist mir keineswegs recht, denn dieser grüne Daumen ist ein sichtbarer Beweis meiner handwerklichen Ungeschicklichkeit. Ebenso wie mein schwarzer Handballen, mein gelber Mittelfinger oder mein roter Zeigefinger. Magenta, nicht rot. Steht auf der Packung. Deshalb soll ich Einmalhandschuhe tragen, wenn ich die Tintenpatronen meines Druckers auswechseln muss. Nützt nichts, ich bekleckere mich  dann eben, wenn ich die Handschuhe ausziehe.

Mein Drucker und seine Tinten haben in diesem Text allerdings nichts verloren, denn 1. wird er nicht gedruckt, sondern lediglich hochgeladen und 2. geht es nicht um Grün als Farbe sondern Grün als Naturprodukt. Produkt? Wie das Denken in betriebswirtschaftlichen Kategorien sich doch auch einschleicht, wenn BWL überhaupt nicht Thema ist. Ein Baum ist kein Naturprodukt, er ist eine Pflanze. Oder ist das eigentlich bedeutungslos? Ist es egal, Weiterlesen

Was wahr ist klar, denn nur der Klare sieht das Wahre

Ostwestfalen. Ein Konflikt in sich. Ein Ost-West-Konflikt. Wie der Rheinländer auf Westfalen, schaut der Westfale auf Ostwestfalen herab. Obwohl er eigentlich hinauf schauen müsste, schließlich bietet Ostwestfalen einiges mehr an Höhe. Und ganz ehrlich, wenn keiner zuhört oder mitliest, könnte ich vielleicht sogar eingestehen, dass es da keineswegs so geschmacklos, lieblos, öde und was auch immer ist, wie wir immer behaupten. Es ist, schaut man mal genauer hin, überwiegend natürlich geschmacklos, lieblos und öde – aber eben auch bildhübsch, idyllisch, ländlich. Mit dichten Wäldern und Bergen, die hoch genug sind, um ins Schwitzen zu geraten, wenn man daran denkt, dort mit dem Fahrrad unterwegs sein zu wollen. Dörfern mit viel Fachwerk.

Und mit Werther. Mit Werther-Arrode.

Das ist das Dorf, in dem Peter August Böckstiegel geboren wurde. Weiterlesen