Gans unvorsichtig

Quelle: Google

Heute ging die Meldung durch die Medien, dass die FDP ein neues Thema gefunden hat: Kanadagänse. Diese Vögel machen sich in NRW breit, in Düsseldorf sind sie inzwischen so lästig wie Lobbyisten. Da ich nicht in Düsseldorf lebe, gehöre ich nicht zu den unmittelbar Betroffenen, freue mich aber natürlich für die FDP. Drohnen, so hieß es, wolle sie einsetzen lassen, damit die Kanadagänse sich neue Futtergebiete suchen, Köln vielleicht. Weil die Meldung im WDR etwas verkürzt kam, googelt ich sogleich und fand die oben abgebildete Seite, die die Motive der Freien Demokraten doch recht zwielichtig, wenn nicht gar eigennützig erscheinen lässt.

Bewegende Bilder

Als unsere erste Tochter gerade mal stehen konnte, kauften wir uns eine Videokamera. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Eine Videokamera des Jahres 1989 hat nichts zu tun mit den kleinen digitalen Camcordern, die man inzwischen auch kaum noch sieht, weil die meisten Videos einfach mit dem Handy aufgenommen werden. Es war ein Gerät groß wie ein Toaster, in das VHS-C-Kassetten eingelegt wurden, die wiederum mittels eines Adapters im Videorekorder abspielbar waren. Die Kamera ist längst entsorgt, einen Videorekorder besitzen wir noch, obwohl wir damit nichts mehr aufnehmen. Es gibt eine Kassette, die wir uns alljährlich in der Weihnachtszeit ansehen… wollen. Meistens kommen wir nicht dazu oder der Rekorder steht gerade neben meinem Rechner, so wie jetzt, weil ich die VHS-C-Kassetten digitalisieren will.

Seit vielen Jahren. Zweimal habe ich Hard- und Software dafür angeschafft, inzwischen ist die Technik so weit, dass das ganz gut geht. Leider sind Weiterlesen

Texte, schlaflosen Frauen in tiefer Nacht vorzutragen

Max Liebermann [Public domain]: Theodor Fontane

Manchmal schläft man nicht so gut. Ich schon, ich schlafe eigentlich immer gut, meistens schon, bevor mein Kopf das Kissen berührt. Meine Frau ist da anders, sie will es nicht, aber sie liegt manchmal da und wartet auf den Schlaf, der offenbar was anderes zu tun hat und nicht zu ihr kommen will. Das ist sicher blöd, weil sie jetzt gerade Zeit hätte und auch nichts anderes auf dem Programm steht. Das Büro ist zu, niemand will um drei Uhr in der Früh angerufen werden, nicht mal der lästigste Klient versucht es um diese Zeit. Warum eigentlich nicht? Wieso verabreden die Schlaflosen nicht nächtliche Sprechstunden, dann könnten sie am frühen Morgen, wenn der Schlaf dann endlich zu ihnen gefunden hat, noch etwas liegen bleiben. Aber nein, sie drehen sich wie Würstchen auf dem Rost, zupfen an der Bettdecke und denken.

Ich vermute, das Denken macht es nicht besser. Denken ist ohnehin lästig, bei Dunkelheit und einer der Schlaflosigkeit geschuldeten miesen Grundstimmung kennt es, so wurde mir berichtet, fast immer nur eine Richtung, die in die tiefere Dunkelheit. So werden alltägliche Sorgen zu schier unüberwindlichen Hindernissen aufgebläht. Der Schlaf, der vielleicht gerade irgendwo in der Nähe war, findet die Schlaflose hellwach aufrecht im Bett sitzend und zieht gleich wieder unverrichteter Dinge von dannen.

Das ist dann der Moment für meinen Auftritt. Sensibel wie ich nun mal bin, bemerke ich beim Blick auf den Wecker oder der Rückkehr von einem der Prostata geschuldeten nächtlichen Toilettenbesuch, dass meine Frau wach ist. Gut, ich bemerke es nicht, sie sagt es mir. Nun Weiterlesen

Bücher

Von Alphonse de Neuville – Scanned from a recent edition of 20000 Lieues Sous les Mers by Rama, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40145

 

Der Platz reicht nicht mehr. Ich muss was wegschmeißen. Bücher. Das fällt mir so schwer. Geht aber nicht anders. Also fange ich mal an. Alte Lehrbücher, von denen kann ich mich trennen. Wenn sie nicht zu alt sind. Dann müssen sie natürlich aufbewahrt werden. Logisch ist das nicht, weil die, die ich wegschmeißen will, dann nicht mehr die Chance haben, so alt zu werden, dass ich sie aufbewahren will. Eigentlich bedeutet es mir auch nichts, dass ein Buch alt ist oder ein Original. Mich interessiert nur, ob ich daran hänge. Aus völlig rätselhaften Gründen. Also weil es alt ist oder selten. Oder weil ich es noch nicht gelesen habe. Oder weil ich es noch einmal lesen möchte. Irgendwann. Obwohl ich sicher nicht dazu kommen werde. Lehrbücher werde ich nicht wieder lesen. Die können weg.

Okay. Weiter. Sachbücher generell? Oder Sachbücher, die mir nicht gehören? Geliehen und nicht zurückgegeben, weil der Verleiher nicht mehr lebt. Oh, sowas Weiterlesen

Wege zur Kunst

Von Rembrandt – Unbekannt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=102286498

Ich lasse mir ja gern was erzählen. Hörbücher spielen gerade keine große Rolle, weil ich nicht mehr so oft mit dem Bus oder der Bahn unterwegs bin, aber wenn es möglich ist, höre ich mir Vorträge an, gerade vor ein paar Tagen über Rembrandt, den ich natürlich auch vorher schon kannte, so wie ich viele Namen kenne, ohne sehr viel mit ihnen zu verbinden. Jetzt bin ich baff, der Mann war ein Zeitgenosse Rubens, nur hat Rembrandt ein Selbstporträt nach dem anderen produziert, während Rubens da zurückhaltender war. Gut, kunstgeschichtlich sind das vermutlich nicht die wesentlichen Differenzen zwischen den beiden. Rembrandt lebte in Amsterdam, einer brausenden reformierten Weltstadt und Rubens in Antwerpen, einer brausenden katholischen Weltstadt. Wäre nett, wenn die sich mal getroffen hätten, The Battle Of The Painters, auf Arte übertragen oder Eurosport, von Axel Milberg kommentiert, der ist mit einer Kunsthistorikerin verheiratet, das reicht allemal.

Da wir schon beim Fernsehen sind: Eine gute Dokumentation im TV geht auch schon mal. Im niederländischen Fernsehen, Weiterlesen

Nein, bitte nicht!

Von יצרתי בעצמי – צילום נחום עסיס, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37156958

Interviews und Talkshows mit politischer Prominenz sind ein großes Vergnügen. Für viele Menschen, sonst würden sie ja nicht in so schöner Regelmäßigkeit präsentiert. Für mich nicht. Die Reduktion von  politischen Fragen auf persönliche Entscheidungen löst Würgereiz aus. Nein, ich will niemanden würgen, aber wenn immer aufs Neue die Frage variiert wird, ob Frau Esken und NoWaBo die GroKo brechen wollen und die beiden immer aufs Neue versichern, dass es darum nicht ginge, dann wird Sende- und Lebenszeit verschwendet. Warum kann man nicht über Inhalte reden? Ach ja, die sind für die Zuschauer einer politischen Talkshow vermutlich zu komplex oder einfach uninteressant. Wir wollen das Spektakel. Den Bruch vor laufenden Kameras und Anne Will möchte die Täter auf frischer Tat ertappen. Deshalb bohrt sie nach wie ein Kind, das so gern wissen möchte, was es zu Weihnachten gibt.  Dabei weiß sie, dass ihre Gesprächspartner ihr den Gefallen weder tun wollen noch können, wenn sie nach dem Ende der Sendung noch designierte Parteivorsitzende sein wollen. Doodgeverfde partijleiders, so nennen die Niederländer das. Totgefärbte Parteivorsitzende. Ich werde den Teufel tun und jetzt anfangen, das weiter zu erläutern, aber das Bild gefällt mir. Weiterlesen

Weihnachtsgeschäft

Ein Konzert in Bielefeld. In der Oetkerhalle. Dr. Oetker war jemand, dem man nicht vorwerfen konnte, sein Geld verpulvert zu haben. Ganz im Gegenteil. Nach seinem Sohn Rudolf wurde die Halle benannt. Also nicht Rudolf-Halle, sondern Rudolf-Oetker-Halle. Es sind nur etwa 50 Kilometer bis Bielefeld, aber wir sind eher selten dort. Münster, dann mit ziemlich großem Abstand Osnabrück, na, wohl eher Enschede, dann Osnabrück, nein, Düsseldorf, dann Osnabrück und dann immer noch nicht Bielefeld. Dabei liegt Bielefeld am Teutoburger Wald, also für unsere Verhältnisse im Gebirge. Die Halle soll eine hervorragende Akustik haben, nicht nur deutschlandweit, sondern weltweit für ihren guten Klang berühmt sein. Es ist ein Gebäude aus den zwanziger Jahren, nach dem Krieg wiederaufgebaut und modernisiert. Wir sind selten in städtischen Theatern oder Konzertsälen, eher mal im Kino oder in im Theater am Wall, einem ehemaliges Kino, das zu einem Veranstaltungsort ausgebaut wurde. Uns beeindrucken also Räumlichkeiten, die eine großbürgerliche Eleganz ausstrahlen.

Das Publikum hat sich entsprechend gekleidet. Nein, einige haben sich so angezogen, als gingen sie zu einer Weihnachtsgala. Nicht dass Weiterlesen