Danke, reicht!

Foto: Elfriede Voita

Zwei Sätze, die ich in Zukunft vermeiden werde: „Schau mal, ein Reiher!“ und „Da, zwei Schwäne!“

Der Fischreiher oder Graureiher heißt in den Niederlanden übrigens blauwe reiger, obwohl er die gleiche Farbe hat. Was für die einen grau ist, ist für die anderen blau. Wer weiß, welche Farbe nächtliche Katzen für unsere westlichen Nachbarn haben. – Sie sind dort auch grau, hab ich gerade nachgesehen. Also nicht, ob in Holland die Katzen bei Nacht grau sind. Nur die Redensart.

Reiher sind zu groß, um von Katzen gefressen zu werden… obwohl: Als ich gerade auf dem Weg in die Stadt war, sah ich, wie eine Katze einem Pferd auflauerte. Vermutlich fragte sie sich nicht, ob sie das Biest reißen, sondern nur, ob sie es anschließend wegschleppen könnte.

Das Pferd war nicht grau, das heißt, ich weiß nicht wirklich, welche Farbe es hatte, ich will nur zurück zum Graureiher. Den es in den Niederlanden in wirklich beeindruckender Häufigkeit gibt. An einem Graben stand einer dieser Vögel und beaufsichtigte seine nächste Mahlzeit, als wir an ihm vorbeiradelten, anhielten und uns vorsichtig zurückbewegten, um ihn fotografieren zu können. Wir interessierten ihn nicht. Okay, als Mahlzeit kamen wir nicht in Frage, aber wir schienen auch nicht als mögliche Bedrohung eingestuft zu werden. Wir Weiterlesen

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Westkapelle

Westkapelle ist ein Dorf auf Walcheren. Walcheren ist eine der Inseln, die zu Zeeland gehören. Zeeland, so sagt man in den Niederlanden, ist gefühlt weit weg. Von uns aus ist es weit weg. Zeeland und Walcheren jedenfalls. Westkapelle war dann nicht so weit weg, was allerdings nur daran lag, dass wir schon in Domburg waren. Domburg liegt natürlich auch in Zeeland und auf Walcheren, direkt an der Küste, gleich hinter den Dünen. Wir wohnten dort für ein paar Tage in einem Hotel. Preiswert, Frühstück inbegriffen. Mit Gemeinschaftsbad und WC auf dem Flur. Also schon zur getrennten Benutzung, aber eben nicht im eigenen Zimmer. Obwohl: Das möchte ich jetzt auch nicht, Bad und WC im eigenen Zimmer. Eine separate Nasszelle, die hätte ich gern. Das weiß ich jetzt auch noch bestimmter. Trotzdem haben wir auf Terschelling wieder ein Hotel gebucht, in dem wir die gleiche Situation vorfinden werden. Aber mit Zeesicht, also Meerblick. Da konnte ich nicht wiederstehen.

Von Domburg aus war es jedenfalls, und darum ging es ja gerade, nicht weit nach Westkapelle. Man kann es bequem mit dem Fahrrad erreichen. Bequem war es jetzt nicht, es regnete und wir wollten auch nicht nach Westkapelle. Dennoch waren wir dann froh, als wir dort angekommen waren. Wegen des Regens. Der Leuchtturm ist schon von weitem zu sehen und fällt besonders auf, weil es eigentlich der Kirchturm der Willibrorduskirche war. Willibrord gilt als Apostel der Friesen. Und ist Schutzheiliger der Messdiener Luxemburgs. Falls das jemand wissen möchte. Westkapelle liegt nicht in Friesland und Willibrord hat nicht mal auf die ihm geweihte Kirche aufgepasst. Hoffen wir, dass er sich besser um die Messdiener Luxemburgs kümmert.

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Gestrandet

Eigenes Foto

Der Radweg endet in den Dünen, das letzte Stück zu Fuß, erst noch über einen befestigten Weg, dann durch den feinen weißen Sand. Die Brandung ist schon zu hören, ach, was heißt hier schon, die Nordsee ist allgegenwärtig auf der Insel. Wie kann etwas so lautes so beruhigend wirken? Dann öffnet sich der Blick auf das Wasser und es ist wieder anders als erwartet, größer, weiter, endlos. Nicht in Worte zu fassen.

Ein breiter Strand, nach rechts und links ist kein Ende in Sicht. Ein Strandpavillon: Vielleicht später Weiterlesen

Naturfotografie

Die Natur hat neben vielen Vorteilen, die mir jetzt nicht so schnell einfallen, auch eine Menge Nachteile. Sie ist ungeduldig. Gut, das gilt jetzt mehr für die belebte Natur und um es gleich noch weiter einzugrenzen, für die Fauna. Also die Tierwelt, um hier keine Verwechslungen mit der griechischen Götterwelt aufkommen zu lassen. Von wegen Faune und so.

Ja, ich weiß auch, dass nicht gleich die ganze Welt der Tiere ununterbrochen herum hüpft. Faultiere, Schildkröten und Schnecken sind vermutlich nicht allein mit ihrem Schongang. Aber gestern in, nein, um Deventer herum war die Fauna schon recht hektisch. Wir hatten uns eine Radtour ausgesucht, die Landgoederen fietsroute Deventer-Olst. Rittergüter und Herrenhäuser in reizvoller Landschaft. Wenn man weitgehend flaches Grünland für reizvoll hält.

Ich tue der Region damit unrecht, soweit man eine Landschaft beleidigen kann, die Weiterlesen

Lichtjahre entfernt

Deutsche Fotothek‎ [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons

Hauptstraßen und Einkaufsstraßen, den Bahnhof, ein paar Restaurants, Cafés, den Markt, viel mehr kennen wir kaum von Nachbarstädten, denen wir, wie vermutlich viele andere auch, weniger Aufmerksamkeit widmen, als Orten, die mehr Fremdheit, ein exklusiveres Reiseerlebnis versprechen. Für uns gehören Osnabrück und Bielefeld, Dortmund und Hamm oder eben auf der niederländischen Seite Enschede zu diesen Städten. Kennt man doch.

Kennt man natürlich nicht.

Über Enschede, die Niederländer machen sich über diese Aussprache lustig, aber wer Düblin statt Dablin sagt, wenn er Dublin meint, ach, ich habe keine Ahnung, was die Iren sagen, lassen wir das also, über Enschede, das die Niederländer so  aussprechen, schreibe ich hin- und wieder. Wir sind ja auch hin und wieder da. Und manchmal hin und weg. Obwohl die Stadt auf der Liste der schönen niederländischen Städte ungefähr an… nein, an keiner Stelle auftaucht. De Oude Markt, also der alte Marktplatz, der sich vom neuen dadurch unterscheidet, dass auf dem Oude Markt kein Markt mehr stattfindet, sondern ein Cafe neben dem anderen, ein Kroeg neben einem Restaurant darauf wartet, dass die Sonne und mit ihr die Kundschaft für die Außengastronomie kommt. Lekker een terrasje pakken, nennt das die niederländische Cousine.  Der Satz wird zu lang, also der Oude Markt ist so überfüllt, so laut, weil Enschede sich auf den Marathon vorbereitet.

Also biegen wir gleich wieder ab, in eine der schmalen Gassen, die keineswegs alle malerisch oder wenigstens nett sind. Manche aber doch. Da finden sich kleine Läden, Restaurants, die nicht überfüllt sind, ein kleines Cafe, in dessen Hinterhof  zwei, drei Tischchen und  Alltagsgeräuschen aus dem direkt nebenan gelegenen Friseurgeschäft.

Ein paar Schritte weiter eine Passage, Neubau, im Durchgang spricht uns ein Mann an, auf Deutsch. Sehr freundlich, überhaupt nicht aufdringlich und doch finden wir uns gleich darauf in seinem Laden wieder, weil er uns etwas zeigen will. Rico Pronk , wie ich inzwischen weiß. Wir haben nichts gekauft, sind nicht mit Weiterlesen

Die Treppe runter

Foto: Amelie Voita

In Enschede, in der Stadt, in der Brakman lange gelebt und gearbeitet hat, erinnert eine Treppe auf dem Gelände der Saxion-Hochschule an ihn. Es ist heiß und die Stadt voller Menschen, Google lotst mich mit lustig ausgesprochenen niederländischen Straßennamen durch die Gegend am Bahnhof, dann langsam raus aus der Einkaufsstadt und schließlich zur Saxion-Hochschule. Die Treppe, so heißt es, sei von der Straße aus zu sehen. An der Villa Serphos. Die Villa finde ich. Eine Treppe sehe ich . Zugang verboten. Auf der Treppe steht auch nichts. Also gehe ich weiter, links um die Ecke auf eine andere Straße, dann zweigt links die Galenstraat ab und führt zwischen Gebäuden der Hochschule hindurch. Die Treppe, da ist sie. „Die Philosopie deutet, die Wissenschaft erklärt, aber die Kunst zeigt, und zwar gerade das, was sie nicht sagen kann.“ Willem Brakman (1922 – 2008)

Das Brakman-Porträt auf der Treppe setzt sich, wählt man den richtigen Standpunkt, ordentlich zusammen. Das ist mit der Literatur Brakmans nicht immer so gewesen. Es reicht nicht, des Niederländischen mächtig zu sein, man braucht auch einiges an Geduld und Humor, um sich auf der Suche nach den Perlen durch sein Werk zu arbeiten. Aber dann sind da wieder Sätze und Ideen, für die sich die Mühe lohnt.

 

 

 

 

Das Land von Thorn

Eigenes Foto: Fenster in Thorn

 

Das Land Thorn? Nie gehört? Ich auch nicht, bis unsere Regionalzeitung eine Tagestour anbot. Die wir nicht gebucht haben, wir machen unsere Seniorenreisen auf eigene Faust. Im Süden der Niederlande, nicht weit von Aachen, liegt Thorn, das weiße Städtchen, wie es beworben wird.

Schön und gut, aber das, was heute als touristisches Highlight vermarktet wird, führte am 25. November 1797 zum Ende des Reichsfürstentums Thorn. Französische Revolutionstruppen lösten das Damenstift auf, vieles wurde beschlagnahmt, abgerissen, zweckentfremdet. Die hohen Damen flohen, die verarmten Dörfler wurden mit einer Steuer auf die Fenster belegt, nein, keine Gardinensteuer, wie sie immer als Begründung für die unverschleierten niederländischen Fenster genannt wird. Eine Fenstersteuer also, der die Thorner zu entkommen wußten, indem sie Fenster zumauerten. Nicht gleich alle, aber viele. Und weil das nicht gut aussah, wurde die Wand gleich neu gestrichen. Weiß. Das lässt sich immer noch gut sehen und verleiht dem Ort einen gewissen Reiz. Der nicht ausreicht, um dort hinzufahren.

Eigenes Foto

Die Geschichte des Ortes allerdings schon. Graf Ansfried und Hilsondis, seine Frau, gründeten  im 9. Jahrhundert ein Kloster, das nach der Regel Benedikts lebte, aus diesem Kloster entwickelte sich ein Damenstift, der weltliche und geistliche Macht verband. Die Äbtissin des Landes von Thorn war zugleich auch die Landesherrin, herrschte über rund 52 km² und ein paar Tausend Untertanen. Zum Vergleich: Warendorf dehnt sich auf üppigen 176 km² aus. Nur hochadlige Damen, die ihre Zugehörigkeit Weiterlesen