Ein Niederländer in Münster

Vor einiger Zeit hat ein Freund mir ein Buch geschenkt. Nun habe ich in meinem letzten Beitrag darüber berichtet, dass es mir schwerfällt, mich von Büchern zu trennen, bei Sachbüchern ließe ich aber mit mir reden. Okay, das wäre ein Selbstgespräch, nennen wir es lieber einen inneren Dialog. Das Geschenk war, wie inzwischen klar sein dürfte, ein Sachbuch. Begegnungen mit der deutschen Kultur. Niederländische – deutsche Beziehungen zwischen 1780 und 1920 von Meindert Evers. Wer bitte soll den sowas lesen?

Ich.

Das Buch stand rum und wartete auf seinen Einsatz. Der Krimi war durch, spannend aber sicher nicht von bleibendem Wert. Auf einem Regal im Arbeitszimmer, auch wenn ich Rentner bin, gönne ich mir ein Arbeitszimmer, Rentnerzimmer klänge blöd, stehen Bücher, die ich noch nicht oder noch nicht zu Ende gelesen habe. Evers stand da und war dran. Nach einem kurzen Abriss der niederländischen Geschichte/Kulturgeschichte geht es in sechs Kapiteln um Niederländer, die auf jeweils eigene Art Deutschland für sich entdeckten. Der erste in dieser Reihe ist Christiaan Winand Staring,  24 01.1767 bis 18.08.1840, von dem ich noch nie gehört hatte.

Staring hat in Göttingen studiert und später in Vorden in der niederländischen Provinz Gelderland gelebt. Vorden? Das liegt doch bei Ruurlo. Weiterlesen

Ausweglos

 

„Das Wunder von Wolbeck“ hieß ein Münster-Tatort. Der Münster-Tatort, den die Münsteraner vermutlich am wenigsten mochten, weil Wolbeck sich dort nicht wiedererkannte. Eine rheinische Kneipe, irgendein Großbetrieb, Kraftwerk oder was auch immer, der am Ortsrand liegt. Egal, ich, wir haben das Wunder von Wolbeck erfahren. Gestern.

Mit den Rädern waren wir von Everswinkel aus auf dem Weg nach Münster. Ab Alverskirchen geht es durch die münsterländer Parklandschaft. Flach, grün, schöne Höfe, Schafe, Ziegen, Kühe, Kornbrennereien, Kutschen, viele Radfahrer und nur wenige Autos. Die Sonne scheint, Rehe stehen auf einer Wiese am Wegesrand. Obstbäume säumen die schmale Straße, es duftet nach Äpfeln. Dann ein kurzes Stück entlang der Hauptstraße. Segelflugzeuge am Himmel, ein Bauer wirbelt eine Menge Staub auf, wir überqueren die Bundesstraße und sind in Wolbeck.

Wolbeck ist, wie inzwischen klar sein dürfte, ein ehemals ländlicher Stadtteil von Münster. Wir sind noch am Ortsrand. Nicht, dass wir uns hier nicht auskennen Weiterlesen

Ausgezählt

Aus. Vorbei. Das war’s.

Mein letzter Arbeitstag liegt hinter mir. Ein frei gewählter Abschied. Nein, es fällt keine Last von mir ab, meine Arbeit habe ich selten als Mühe empfunden, oft hat sie sogar Spaß gemacht. Dennoch: Es ist gut so. Jetzt will ich tun, was ich tun will, meinen Wecker stellen, weil ich aufstehen will und ein Buch zu Ende lesen, auch wenn es spät wird.

Noch fühlt es sich wie Urlaub an.

Seltsam war es schon, Dinge ein letztes Mal zu tun. Den letzten Eintrag im Klassenbuch vornehmen, das letzte Mal die Tafel putzen, letzte Fotokopien machen. Das letzte Mal den Weg zur Bahnhaltestelle Münster-Zentrum-Nord gehen. Wehmut? Nein. Keine Spur. Ferien für immer. Ach, bei der Gelegenheit habe ich auch gleich das Rauchen aufgegeben. War so geplant. Letzter Arbeitstag, letzte Zigarette.

Ich gehe einkaufen. Nein, das gehört Weiterlesen

Bach, Husten und Böller

Wie rettet man sich ins neue Jahr, wenn man mit Alkohol, Raketen und Kabarett durch ist? Selbst Dario Fo läuft nicht mehr im Theater. Was also dann? Einige Hundert Menschen in Münster haben einen Plan!

In der Apostelkirche in Münster findet das 29. Orgelkonzert in der Silvesternacht statt. Der Kantor Klaus Vetter stellt wie immer ein abwechslungsreiches Programm zusammen, das eine Stunde dauert und um 23 Uhr beendet ist. Ausverkauft. Eine akute Erkältungskrankheit stellt kein Hindernis für den Konzertbesuch dar, sondern gehört eher zu den Vergabekriterien für die Karten. Aber wenn stören Hustenattacken, wenn vor der Tür schon mal die Generalprobe für das Jahresabschlussfeuerwerk stattfindet?

Ein wenig irdisches Jammertal muss wohl sein, auch wenn an diesem Abend nicht gebetet oder gepredigt wird: Es ist kalt in der Kirche. Das ist vermutlich eine protestantische Grundbedingung dafür, Weiterlesen

Nanu, Sie hier?

Bei Wind und Wetter bin ich mit dem Fahrrad unterwegs. In einer Kleinstadt bietet sich das an, alles lässt sich schnell erreichen. Aber auch im benachbarten Münster ist das Fahrrad das Fahrzeug der Wahl, allerdings gelten die Radlerinnen und Radler dort als ein wenig rücksichtslos. Dem wird wohl auch so sein, was aber keineswegs bedeutet, dass Weiterlesen

Moore & more

Henry Moore: The Archer, Foto Beek100 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Henry Moore ist in Münster. Also eigentlich nicht. Er ist tot und vermutlich in England bestattet. Vermutlich, das schreibe ich nur, weil ich es nicht weiß, nicht, weil man nicht weiß, ob er bestattet wurde. Da fällt mir natürlich Rahel Varnhagen von Ense wieder ein, die nicht bestattet werden wollte, jedenfalls nicht in einem Grab. Erst 34 Jahre nach ihrem Tod wurde sie schließlich begraben. Und wusch… da wird der Assoziationsgenerator auch schon wieder angeworfen. Bestattung – Knochen. Unangenehmes Thema? Gut, Mittagessen – Knochen. Oder meinetwegen auch im Biologieunterricht. Knochen waren wohl eine Anregung für Henry Moore, sich von der naturalistischen Plastik zu lösen und doch Bezüge zum menschlichen, in der Regel wohl weiblichen Körper zu behalten. Weiterlesen

Augenfutter

Foto: Amelie Voita

Foto: Amelie Voita

Mittwochs und samstags ist Markttag in Münster. Vor dem Dom geht es bunt und lebendig zu und das Angebot ist vielfältig und verlockend. Und jetzt höre ich auf, sonst wird das ein Beitrag für das Stadtmarketing.