Eine Augenweide

Ich gehöre zu den Menschen mit einem grünen Daumen.

Immer wieder mal und es ist mir keineswegs recht, denn dieser grüne Daumen ist ein sichtbarer Beweis meiner handwerklichen Ungeschicklichkeit. Ebenso wie mein schwarzer Handballen, mein gelber Mittelfinger oder mein roter Zeigefinger. Magenta, nicht rot. Steht auf der Packung. Deshalb soll ich Einmalhandschuhe tragen, wenn ich die Tintenpatronen meines Druckers auswechseln muss. Nützt nichts, ich bekleckere mich  dann eben, wenn ich die Handschuhe ausziehe.

Mein Drucker und seine Tinten haben in diesem Text allerdings nichts verloren, denn 1. wird er nicht gedruckt, sondern lediglich hochgeladen und 2. geht es nicht um Grün als Farbe sondern Grün als Naturprodukt. Produkt? Wie das Denken in betriebswirtschaftlichen Kategorien sich doch auch einschleicht, wenn BWL überhaupt nicht Thema ist. Ein Baum ist kein Naturprodukt, er ist eine Pflanze. Oder ist das eigentlich bedeutungslos? Ist es egal, Weiterlesen

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Gute Karten, schlechte Karten

von B. P. Schulberg Productions, Preferred Pictures (The New Zealand Film Archive) [Public domain], via Wikimedia Commons

„In welchen Film wollen wir denn?“ frage ich so in den Raum hinein.

Blöde Frage, denn natürlich weiß ich, in welchen Film wir wollen – nur nicht, wie er heißt. Und bei uns in der Kleinstadt werden zwar außen in den Glaskästen die Plakate der Filme ausgehängt, aber am Kassenhäuschen steht nichts, nur der Preis. Und manchmal der Zuschlag für Überlänge. Natürlich auch die Preise für die Erfrischungsgetränke und das Popcorn.

„Hidden Figures“ sagt der Mann im Kassenhäuschen.

Nein, es ist nicht so einfach, wie man jetzt denken könnte, es läuft nicht nur ein Film. Wir haben hier nämlich ein Kino mit zwei Sälen. Also Räumen eher. Das muss man schon wissen, um meine Verblüffung zu verstehen. Sieht man mir oder uns schon an, in welchen Film wir wollen – oder in welchen wir definitiv nicht gehören? Weiterlesen

Ein Bild von einem Abend

 

Foto: Elfie Voita

Gruselig, schön, idyllisch, stimmungsvoll, kitschig, ich weiß es doch auch nicht. Es ist kein schöner grüner Mond von Mahagonny und auch kein oh moon of Alabama. Mehr so eine Mischung aus  „Der Mond ist aufgegangen“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“.

 

 

 

Alles wird gut. Oder auch nicht.

Was hättest du denn getan? fragte eine Freundin. Wir diskutierten die Weltlage, das Aufkommen neuer nationalistischer Parteien und die ungerechte Weltordnung. Flüchtlinge und Islam. Plötzlich waren wir vom Allgemeinen zum Konkreten gekommen, zur Judenverfolgung während des Nationalsozialismus. Zur Reichspogromnacht. Und dann ist alles so nah. Die Kneipe, in der sich die SA versammelte, bevor es losging. Die geschändeten Gräber auf dem jüdischen Friedhof. Die Stolpersteine vor den Häusern, in denen einst jüdische Mitbürger lebten.

In der Stadt war das so, auf dem Land war es kaum anders, da, wo doch die sozialen Bindungen scheinbar enger waren, wo man den Nachbarn kannte. War man einfach Antisemit, so wie man katholisch oder evangelisch war? War man gleichgültig? Das kann ich nicht glauben. Traute Weiterlesen