Ruf nicht an

 Hl. Valentin Bischof von Terni mit Gefährten. Codex: Français 185, Fol. 210. Vies de saints, France, Paris, 14. Jahrhundert

Hl. Valentin Bischof von Terni mit Gefährten. Codex: Français 185, Fol. 210. Vies de saints, France, Paris, 14. Jahrhundert Quelle: Wikipedia

Ich bin kein direkter Rüpel, aber die Brennnessel unter den Liebesblumen

Karl Valentin

Kann man den Valentinstag, heute übrigens ein Valendienstag, einfach verstreichen lassen? Ohne Blumen? Äh.. ja! Ohne Text? Natürlich nicht!

Wie das so ist mit Heiligen, entweder hat es sie nicht gegeben bzw. es wird empfohlen, sie nicht mehr anzurufen – vermutlich kein Anschluss unter dieser Nummer, oder die Zeit hat dazu beigetragen, dass alles ein wenig unscharf wird, dass nicht mehr deutlich ist, was einst überhaupt nicht klar war. Valentin, das steht fest, hat es gegeben. Irgendeinen Valentin, ganz sicher. Ich kenne auch einen. Aber für den Valentinstag zuständig ist ein anderer, möglicherweise der Valentin von Terni, der in der dortigen Basilika bestattet ist. Der gute Mann hat ein recht umfangreiches Aufgabengebiet, dafür das er schon im Jahre 269 den Löffel abgab, Verzeihung, den Bischofsstab fallen ließ.

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reife kenner

reife kenner (EM 2016)

wir sitzen
obwohl wir noch stehen können

wir sehen Khedira
und denken doch an Briegel

wir halten es für richtig
dass Poldi und Schweini auf ewig die kegel aufstellen

wir schnalzen mit der zunge
(im doppelpass mit einem freistehenden zahn)

 

28.6.2016

Rainer Strobelt (Jahrgang 1947, jedes Turnier seit 1958 verfolgt, damals den Eltern spontan von der Fahne gegangen während des Familienspaziergangs im Kurpark von Bad Waldliesborn, hin zum Fernseher: Mein Gott, Pele!)

Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung von Rainer Strobelt.

Wenn man bei zeitgenössischer Lyrik auch Vorsicht walten lassen sollte, wenn es darum geht, die Intention des Autors zu ergründen, vermute ich einfach mal einen direkten Zusammenhang Weiterlesen

So nicht!

Ich bin noch ganz aufgewühlt.

Was sollte das denn gerade? Dabei bin ich sonst eher der bedächtige Typ. Also ruhig geblieben bin ich schon, ich hab ihm keine Szene gemacht, nicht rumgebrüllt oder Türen geschlagen, aber auf dem Heimweg hab ich es einfach nicht aus dem Kopf gekriegt. Wünscht er mir alles Gute. Ich kenne den Mann nicht. Habe ihn nie zuvor gesehen – und er wünscht mir alles Gute.

Ich darf doch wohl bitten. Geht’s denn noch?

Eine rein geschäftsmäßige Begegnung. Unterlagen abholen. Guten Morgen. Danke schön. Bitte schön. Und alles Gute für Sie.

Hä? Wieso? Sehe ich so aus, als hätte ich das nötig? Weiß der mehr als ich?

Wir sind hier doch nicht in Italien! Nicht das ich etwas gegen Italien hätte. Ich habe keine Ahnung von Italien, kann ja nicht mal Italienisch. Aber diese spontane Emotionalität… die verbindet man Weiterlesen

Kurzgeschichte: Aussteiger

 

Sieben Uhr elf stand auf dem Fahrplan, immer noch. Wie jeden Tag. Ich blickte auf die Bahnhofsuhr, dann kontrollierte ich sicherheitshalber noch einmal meine Funkarmbanduhr: Verspätung!
„Bitte steigen Sie ein. Die Türen schließen automatisch. Ihr Zug fährt jetzt ab.“
Überall Koffer. Kinder, die ihr Bestes taten, um verloren zu gehen, um sogleich die glückliche Wiedervereinigung mit den fast schon verzweifelten Eltern genießen zu können. Paare, die sich für Tage, Wochen oder Monate trennten.

Die obersten Stufen nahm ich im Sprint, erreichte im letzten Moment den Waggon, in dessen Tür der Schaffner stand und das Abfahrtsignal gab und fand mich gleich darauf auf einem der letzten freien Plätze. Sieben Uhr dreizehn, langsam setzte sich der Bahnsteig in Bewegung und glitt mit zunehmender Geschwindigkeit vor dem Fenster vorbei. Weiterlesen