Ausgezählt

Aus. Vorbei. Das war’s.

Mein letzter Arbeitstag liegt hinter mir. Ein frei gewählter Abschied. Nein, es fällt keine Last von mir ab, meine Arbeit habe ich selten als Mühe empfunden, oft hat sie sogar Spaß gemacht. Dennoch: Es ist gut so. Jetzt will ich tun, was ich tun will, meinen Wecker stellen, weil ich aufstehen will und ein Buch zu Ende lesen, auch wenn es spät wird.

Noch fühlt es sich wie Urlaub an.

Seltsam war es schon, Dinge ein letztes Mal zu tun. Den letzten Eintrag im Klassenbuch vornehmen, das letzte Mal die Tafel putzen, letzte Fotokopien machen. Das letzte Mal den Weg zur Bahnhaltestelle Münster-Zentrum-Nord gehen. Wehmut? Nein. Keine Spur. Ferien für immer. Ach, bei der Gelegenheit habe ich auch gleich das Rauchen aufgegeben. War so geplant. Letzter Arbeitstag, letzte Zigarette.

Ich gehe einkaufen. Nein, das gehört Weiterlesen

Lohnt nicht

Was geschieht eigentlich auf unseren liberalisierten Arbeitsmärkten? Wir haben den Mindestlohn. 8,50 €, die zum Ende aller Beschäftigungsverhältnisse im Niedriglohnsektor führen würden, wie es uns immer wieder erklärt, wie es an den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der Hochschulen gelehrt wurde.

Der Himmel ist uns nicht auf den Kopf gefallen, die Gewinne sprudeln und drohen nur kurz vor den Tarifverhandlungen für immer zu versiegen. Jetzt ist also alles gut? Mal ganz abgesehen von der Höhe des Mindestlohnes, hat sich auf dem Arbeitsmarkt spätestens seit den Reformen der Agenda 2010 eine Wildwestmentalität ausgeprägt, die immer neue Sumpfblüten treibt. Wenn ich denke, den miesesten Trick zu kennen, dann kommt garantiert jemand und weiß noch einen mieseren.

Wir haben ein Arbeitszeitgesetz, weiß man ja. Seit der Einführung des Mindestlohnes müssen Arbeitszeiten erfasst werden, ein harter Schlag für so manches Unternehmen, bürokratische Hürde, nannte es die CSU, also ordnet man gern einmal- natürlich nicht schriftlich – an, dass Mehrarbeit nicht aufgeschrieben werden darf. Weiterlesen