Wehrlos

Foto: Elfie Voita

 

Unterwegs, um Abschied zu nehmen. Ein schwerer Gang, wie man so sagt. Umsteigen in der kleinen Stadt, in der ich meine Jugend verbracht habe. Eine halbe Stunde Aufenthalt. Ich schaue mich um, habe das Gefühl, mich hier auszukennen, wohl nur noch ein Gefühl, was weiß ich denn vom Leben in der Stadt, von den Menschen in der Stadt.

Dabei habe ich hier gelernt, wie sich Heimat anfühlt. Nein, nicht damals, sondern erst viel später, wenn ich als Besucher zurückkehrte. Für ein paar Tage, ein paar Stunden. Liebe geht angeblich durch den Magen, Heimat möglicherweise auch, ich spüre sie im Bauch. Nein, ich könnte den Punkt jetzt nicht benennen, nicht darauf zeigen, aber er ist da, reagiert sofort. Mein kleines, warmes Heimatgefühl, vielleicht so wie, nein, ganz anders, an einer anderen Stelle als das Glück, Weiterlesen

Werbeanzeigen

An allen Enden: Emden

Foto: Elfie Voita

Emden ist eine Hafenstadt. Fertig.

So, wie auch Hamburg eine Hafenstadt ist.

Das sind Informationen, die man im Lexikon nachschlagen kann, wenn man denn noch eins hat, aber Wikipedia weiß das auch, und Wikipedia muss ich nicht erst finden, um anschließend darin zu suchen.

Außerdem: Warum sollte ich Emden im Lexikon nachschlagen? Ich habe da mal gelebt. Als die Stadt noch rau und schmuddelig war.

Das sagt sich leicht, wenn man nur noch ab und zu als Tourist durch die Stadt geht Weiterlesen

Mein schönstes Ferienerlebnis

Bild: Manfred Voita

Zuverlässig wurde nach dem Ende der Sommerferien, das seltsamerweise immer mit dem Wiederbeginn der Schule zusammenfiel, eine äußerst unglückliche Koinzidenz, wie ich damals fand, uns Schulkindern ein Aufsatz abverlangt: Mein schönstes Ferienerlebnis. Obwohl mich diese Themenstellung während meiner gesamte Schulzeit begleitete, okay, lassen wir die Handelsschule und die Fachoberschule außen vor, überraschte sie mich immer wieder. Wie ein Komet aus einem anderen Sonnensystem, fremdartig und nicht vorhersehbar. Eigentlich eine Art Strafarbeit dafür, dass wir es gewagt hatten, Ferien zu beanspruchen. Sechs Wochen lang. Und nicht ein einziges Mal an die Schule zu denken.

Neue Schulbücher, die Anlass boten, vor dem ersten Schultag ein Sachbuch zur Hand zu nehmen, gab es nämlich nur zum Schuljahresbeginn. Zu meiner Zeit war das noch im Frühling. Ich war immer mächtig gespannt auf die neuen Bücher, die ich allerdings erst in die meist ungewaschenen Finger bekam, nachdem Mutter sie sorgfältig in die Schutzumschläge gesteckt oder in eine Folie einschlagen hatte.

Jedes Mal hohe Erwartungen – und jedes Mal wieder eine Enttäuschung. Für mich als begeisterten Leser war gerade mal das Lesebuch akzeptabel, aber selbst da fand sich nichts von Karl May. Erdkunde bot Weiterlesen

Schmerig grau Arten

Collage: Manfred Voita

Snirtjebraa, Grünkohl mit Pinkel, up drögt Bohnen, Blutwurst mit Sirup, Kohlwurst, Kassler, schmerig grau Arten, Bratkartoffeln, Rotkohl, frische Mettwürste, Bauchspeck; Salzkartoffeln, Grützwurst, Mehlpütt mit Vanillesoße… den Rest habe ich vergessen. Oder gegessen.

Nein, ich bin kein entschiedener Fleischesser. Ich komme inzwischen ziemlich gut ohne Fleisch aus, auch wenn ich mich nicht bewusst vegetarisch ernähre. Wir haben im vergangenen Jahr nicht gegrillt. Zugegeben, wir hatten es vor, es hat nicht geklappt. Große Mengen Fleisch stoßen mich eher ab, genau wie große Mengen Fisch. Überhaupt große Weiterlesen

Auf dem Fehn

Foto: Manfred Voita

Ja, es stimmt. In meinem letzten Beitrag ging es um Porzellan, allerdings um ein ganz bestimmtes Porzellan, das für eine ganze Region steht. Die dargestellte Tasse ist eine Teetasse, wie sie in Ostfriesland weit verbreitet ist, so weit, dass dieses Dekor als ostfriesische Rose bekannt wurde. Kaum eine Ostfriesin, ja sogar kaum ein Ostfriese, wird dieses Teetassen nicht kennen, die meisten haben oder hatten das entsprechende Teeservice im Schrank. Die Tasse in Verbindung mit der See stand also für einen Aufenthalt in Ostfriesland. Diesmal in Warsingsfehn, in Leer und in Aurich.

Warsingsfehn deshalb, weil uns Freunde eingeladen hatten, die dort leben. Warsingsfehn ist eines der vielen ostfriesischen Fehndörfer, die während der Erschließung der Hochmoore entstanden. Ein Hauptkanal, die Wieke, diente der Entwässerung und dem Abtransport des gewonnenen Torfs. Von diesem Hauptkanal gingen weitere Kanäle ab, zum Beispiel Weiterlesen

Gallimarkt in Leer

von Manfred Schilling Leer (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

„Radeau, Radeau, raditjes doe,

de Stadt, de hört de König toe,

radeau, radeau raditjes dum!

De Börgmester led vebeden,

dat nüms mag kopen of verkopen

bevör de Klocke negen sleit,

bi Verlüß van Goderen

un all wat over tein Pund weggt,

is na de Waage to brengen,

un darnaa dree Daag free Markt!“

 

Obwohl ich überhaupt kein Kirmesgänger bin, obwohl ich das Gedränge und Geschiebe nicht ausstehen kann: Wenn Gallimarkt in Leer ist, dann habe ich immer noch ein bisschen Heimweh. Okay, sonst auch.

 

Wasserfest (3)

von JonathanWinarske (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Teil 1

Teil 3

Fehn entwickelte sogar schon eine Hypothese: „Drei Möglichkeiten sehe ich. Erstens: Jemand will dem Wasserwerk schaden. Zweitens: Jemand will dem Geschäftsführer persönlich schaden. Drittens: Jemand will den Menschen in unserem Versorgungsgebiet schaden.“

Kolding nickte bedächtig. „Eins und zwei können wir getrost ausschließen. Ich habe keine Feinde und das Wasserwerk hat auch keine.“

„Dann bleibt also Fall drei. Vorsätzliche Verunreinigung von Trinkwasser um viele Menschen zu gefährden. Das ist…“ Fehn scheute sich, das Wort auszusprechen, Kolding übernahm das für ihn: „Terror! Jawohl. Bioterrorismus. Ich habe davon gelesen. Glaube ich jedenfalls.“

Janssen sah sich schon bei CNN. Ob sein Englisch reichen würde?

Die Sache war entschieden: Deutschland wurde nicht nur am Hindukusch verteidigt, Weiterlesen