Eifeltour

Wasserfall Dreimühlen
Foto: Manfred Voita

270 km nördlich oder 270 km südlich von Warendorf, ja, ich weiß, es ist keine Überraschung, dass es da erhebliche Unterschiede gibt. Oben im Nordwesten, genauer: auf Schiermonnikoog wird Niederländisch gesprochen. Oder Fries. Also eigentlich oder. Schiermonnikoog gehört zu den friesischen Watteninseln, allerdings haarscharf. Lauwersoog, der Fährhafen, liegt in der Provinz Groningen.

Schiermonnikoog wird größer, weil die Nordsee im Osten der Insel Sand anspült, das ist schön, aber auch kompliziert, denn damit wächst die Insel ins Groninger Land hinein. Folge: Ein Staatsvertrag zwischen den Provinzen Friesland und Groningen, damit die Insel verwaltungstechnisch Weiterlesen

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Kaltstart

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Halb sieben, ein heller Morgen im Juli. Sommer. Jedenfalls verspricht es, ein sommerlicher Tag zu werden (wer auch immer dieses es sein mag, das da etwas verspricht, vielleicht bleibt es auch besser anonym, denn oft genug werden solche Versprechen gebrochen). Eine Jacke? Eine Jacke! Vor der Tür ist es zwar auch mindestens genauso hell, aber längst noch nicht so warm.

Ein Graben trennt den schmalen Pfad von einer Wiese. „Amelandse Weg“. „Wägch“ sagen wir und es soll klingen wie in Holland, mit einem Krächzlaut am Ende. So ein Aufwand, dabei hat der Weg, das Pättken, wie die Leute hier sagen, wohl nicht einmal einen Namen. Doch das münsterländer Pättken ruft Erinnerungen auf, an Urlaube auf der friesischen Watteninsel mit Sonne und Wind, Fahrrädern mit Kindersitzen und schmale Radwegen durch die Dünen und an Weiden vorbei, an einen Geruch, einen Duft, nach frisch gemähtem Gras und all dem, was auf der Wiese noch so wächst, würzig und herb, und nach Tieren: Kühen und Pferden, die irgendwo in der Nähe weiden. Weiterlesen

Wassertreten

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Nach den Bedingungen der meisten Hausratversicherungen hat der Eigentümer eines Fahrrades, der für den Diebstahl dieses Rades eine Entschädigung von seiner Versicherung erhalten hat, die Pflicht, seiner Versicherung mitzuteilen, wenn das Fahrrad wieder aufgetaucht sein sollte. Das Wort ‚aufgetaucht‘ habe ich an dieser Stelle übrigens mit Bedacht gewählt. Weiterlesen

Ja, schön – und?

Foto: Elfie Voita

Schwäne zeigen uns die kalte Schulter – oder etwas in der Art

Foto: Elfie Voita

Der Bodensee… das muss ja wohl mal gesagt werden, geht überhaupt nicht. In so einer Randlage etwas so unverschämt Schönes. Zum Glück hatten wir auch ein paar Regentage, sonst wäre diese ganze Schönheit überhaupt nicht auszuhalten gewesen. Wasser, Landschaft, Dörfer und Städte. In der Schweiz eine Wiese, ein paar Bäume, der See – ein Zaun und ein Schild: Zutritt nur für Einheimische. Da bin ich doch gleich stolz darauf, kein Einheimischer zu sein und erinnere mich an Groucho Marx, „Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt.“ Ab hier gucke ich nicht mehr neidisch auf diese Prachtvillen in Traumlage (das ist zwar politisch korrekt, aber leider gelogen).

Dann diese Schweinepreise in der Schweiz. Das darf jetzt mein Schwager nicht lesen. Nein, der ist kein Schweizer, obwohl er Landwirt ist, aber mit Kühen hat er es nicht so. Ist das erklärungsbedürftig? Wieder so etwas, das man in meiner Generation noch kennt? Den Schweizer als Beruf? Als Melker? Weiterlesen

Rad Tor Tour

Gegen den Wind. Im strömenden Regen. Vorbei an der Müllverbrennungsanlage – der Nase nach. Es donnert. Eine schmale Straße, ausgeschildert als Radweg, auch als Radweg, nicht nur als Radweg. Zu viele, zu schnelle Autos. Kopf einziehen, weiter.

Wasser in den Schuhen. Abbiegen in einen Weg, kaum befestigt, durchweicht. Tropfnasses Gebüsch tropft nass. Flachland, ein Bahndamm am Horizont, jenseits davon Industrie. Vollgelaufene Gräben trennen Weideflächen. Möglicherweise Naturschutzgebiet. Tiere auf den Weiden, Rinder, Pferde, stehen still, den Kopf gegen den Regen gesenkt. Stoisch. Natur gegen Natur: Unentschieden.

Nur wir machen weiter, strampeln uns ab. Da lang. Vermutlich. Weiterlesen

Denkfietsen

Zwischenwegweiser_Rad.svg

Für zwei Tage bin ich Strohwitwer. Heute Morgen las ich noch einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, in dem vor den Gefahren durch die ständige Nutzung des Smartphones gewarnt wurde; achtundachtzig Mal am Tag, so hieß es dort, schauten wir auf das Display. Noch während ich las, fragte mich meine Tochter, die zuverlässig keine Zeitung liest, was denn das Feuilleton sei. Ich verwies natürlich reflexartig darauf, dass sie schließlich des Französischen mächtig sei, gab dann aber eine umständliche Erklärung dessen ab, was ich so unter Feuilleton verstand, während sie prompt ihren Gesundheitszustand zusätzlich gefährdete, indem sie Google fragte. Blättchen. Das heißt Feuilleton.

Warum ich das schreibe? Weil ich diesen Text mit Strohwitwer begann und selbstredend erst nachgeschlagen habe, woher denn nun diese Redensart wieder kommt. Nein, das erkläre ich jetzt nicht, sonst kommen wir hier nie weiter. Ich bin mir auch überhaupt nicht mehr sicher, ob das ein Fluch oder ein Segen ist. Permanent alles wissen zu wollen, schien mir immer eine grundsätzlich positive Eigenschaft, soweit sie sich nicht ausschließlich auf Klatsch und Tratsch beschränkte. Aber jetzt kann man eben auch jederzeit alles wissen, wenn man sich nur die Mühe macht. Weiterlesen

Kurzgeschichte: Entweiht

Die schmale Straße würde noch ein gutes Stück durch den Wald führen, es dämmerte schon, deshalb entschieden wir uns für die Abkürzung, jedenfalls nahmen wir an, dass es sich um eine Abkürzung handelte. Wir folgten einer noch schmaleren Straße, die rechts zu einem kleinen Industriegebiet führte. Ein großer Parkplatz lag verlassen da, jetzt, am Wochenende, war hier keine Menschenseele. Kurz vor dem mannshohen Gittertor, dass den Zugang zum Betriebsgelände verwehrte, stießen wir auf einen Waldweg, unbefestigt und kaum breit genug für einen Radfahrer, doch das Schild wies uns unmissverständlich in diese Richtung… über Stock und über Stein… Eine kurze Zeit lang sahen wir noch den Zaun, der das Gewerbegebiet umgab, dann war da nur noch Wald. Ein schmutziger kleiner Bach, nein, dafür war das Wort Bach nicht gemacht worden, ein Rinnsal querte unseren Weg, dann, endlich, Gebäude… ein Betriebshof, viel Holz, alles wirkte einsam, doch jetzt öffnete sich die Landschaft vor uns, wir verließen den Wald… und links von uns lag die entweihte Kirche. Weiterlesen