Architektur: mal als Klotz, mal als Detail

 

 

By Luekk (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Wort Einschüchterungsarchitektur hat mir schon immer gut gefallen, weil man sich sofort vorstellen kann, was damit gemeint ist. In Düsseldorf habe ich jetzt ein geradezu vollkommenes Beispiel dafür gefunden: den Stahlhof. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ der Stahlwerksverband sich diese Zentrale bauen, eine wahre Kathedrale des Kapitalismus, in der die mächtigen Stahlbarone ihr Stahlsyndikat unterbrachten. Thyssen, Krupp und wer auch immer noch dabei war, zeigten ihre Bedeutung, ihre Weiterlesen

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Ey, Dix!

von Frank Vincentz (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Was brachte den Sachsen Otto Dix nach Düsseldorf? Offenbar war er in Dresden wirtschaftlich nicht sehr erfolgreich, Conrad Felixmüller, ein Malerkollegen aus Dresden, vermittelt ihm den Kontakt zur  Düsseldorfer Avantgarde-Gruppe Junges Rheinland – und empfiehlt ihn bei Johanna Ey. Und wenn ich auch über Otto Dix schreiben will, ich muss von Johanna Ey erzählen.

Mitte Vierzig ist sie, geschieden, 12 Kinder hat sie zur Welt gebracht, von denen 8 gestorben sind – und nun nimmt sie ihr Leben in die Hand. Weiterlesen

Otto Dix

By Leoni1234 [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

„Der böse Blick“, eine Otto-Dix-Ausstellung, ist noch bis zum 28.05. im K20 in Düsseldorf zu sehen.

Es ist durchaus interessant zu wissen, was diese Ausstellung nicht ist und was Otto Dix nicht war. Beides war mir nicht so klar, wie ich es hier gern behauptet hätte.

Erstens ist es keine Gesamtschau seines Werks, gut, das wäre auch eine sehr große Veranstaltung geworden. Gezeigt werden Arbeiten aus  seiner Düsseldorfer Zeit, die vom Herbst 1922 bis zum November 1925 währte. Das ist ein Ausschnitt seines Werks, aber dieser Ausschnitt ist faszinierend genug, groß genug, um Stunden mit diesen Bildern zu verbringen.

Zweitens, und das war für mich überraschender und ich hätte es besser wissen können, ist Dix kein Pazifist gewesen oder geworden, seine Bilder, soweit sie den Krieg thematisieren, sind keine Antikriegsbilder, sondern es sind Bilder vom Krieg, so, wie sie nur ein Kriegsteilnehmer schaffen konnte. Weiterlesen

Kurzgeschichte: Vorstellungsrunde

„Da kommen und gehen sie – Männer, Frauen, Deutsche und Ausländer, Gäste, Besucher … und niemand kennt sie. Ich kenne sie. Ein Blick – hübsch, wenn man sich ein bisschen mit Psychologie abgegeben hat. Ich blättere in den Leuten wie in aufgeschlagenen Büchern.
Kurt Tucholsky: In der Hotelhalle

Irgendwer übernachtete immer in einem Flughafen. Manche strandeten dort, weil sich ihr Anschluss verzögerte, andere, weil sie mit Verspätung eingetroffen waren und den Anschlussflug verpasst hatten. Wenn ein Vulkan oder ein Streik ausbrach, sah es hier allerdings noch ganz anders aus. Dann blieb kein Fleckchen frei, auf dem sich jemand ausstrecken konnte. Marco Leutner glaubte alle Typen von Reisenden zu kennen, denn seine Monitore im Kontrollraum zeigten die Bilder aller Überwachungskameras, die im Abflugbereich des Flughafens installiert waren – und die erfassten jeden, der sich dort aufhielt.

„Die da…“ Marco deutete auf den Monitor rechts oben. „Die Rothaarige.“
„Okay!“ Sabrina Hoppe, Produktmanagerin Videoüberwachung, ließ das Handbuch für einen Moment sinken und warf einen Blick auf die Frau.
„Stephan? Bist du dabei?“ Marco sah zu seinem Kollegen hinüber, der die Monitore im Ankunftsbereich beaufsichtigte.
„Klar. Wen haben wir denn da? Rote Haare… der erste Rothaarige der Bibel war Esau, der sein Erstgeburtsrecht für einen Teller Linsengericht – rote Linsen natürlich – an Jakob verkaufte. Rothaarige sind irgendwie anders, unsere Unbekannte… Kerstin… Ist Kerstin überhaupt eine echte Rothaarige?“ Weiterlesen