Lichtjahre entfernt

Deutsche Fotothek‎ [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons

Hauptstraßen und Einkaufsstraßen, den Bahnhof, ein paar Restaurants, Cafés, den Markt, viel mehr kennen wir kaum von Nachbarstädten, denen wir, wie vermutlich viele andere auch, weniger Aufmerksamkeit widmen, als Orten, die mehr Fremdheit, ein exklusiveres Reiseerlebnis versprechen. Für uns gehören Osnabrück und Bielefeld, Dortmund und Hamm oder eben auf der niederländischen Seite Enschede zu diesen Städten. Kennt man doch.

Kennt man natürlich nicht.

Über Enschede, die Niederländer machen sich über diese Aussprache lustig, aber wer Düblin statt Dablin sagt, wenn er Dublin meint, ach, ich habe keine Ahnung, was die Iren sagen, lassen wir das also, über Enschede, das die Niederländer so  aussprechen, schreibe ich hin- und wieder. Wir sind ja auch hin und wieder da. Und manchmal hin und weg. Obwohl die Stadt auf der Liste der schönen niederländischen Städte ungefähr an… nein, an keiner Stelle auftaucht. De Oude Markt, also der alte Marktplatz, der sich vom neuen dadurch unterscheidet, dass auf dem Oude Markt kein Markt mehr stattfindet, sondern ein Cafe neben dem anderen, ein Kroeg neben einem Restaurant darauf wartet, dass die Sonne und mit ihr die Kundschaft für die Außengastronomie kommt. Lekker een terrasje pakken, nennt das die niederländische Cousine.  Der Satz wird zu lang, also der Oude Markt ist so überfüllt, so laut, weil Enschede sich auf den Marathon vorbereitet.

Also biegen wir gleich wieder ab, in eine der schmalen Gassen, die keineswegs alle malerisch oder wenigstens nett sind. Manche aber doch. Da finden sich kleine Läden, Restaurants, die nicht überfüllt sind, ein kleines Cafe, in dessen Hinterhof  zwei, drei Tischchen und  Alltagsgeräuschen aus dem direkt nebenan gelegenen Friseurgeschäft.

Ein paar Schritte weiter eine Passage, Neubau, im Durchgang spricht uns ein Mann an, auf Deutsch. Sehr freundlich, überhaupt nicht aufdringlich und doch finden wir uns gleich darauf in seinem Laden wieder, weil er uns etwas zeigen will. Rico Pronk , wie ich inzwischen weiß. Wir haben nichts gekauft, sind nicht mit Weiterlesen

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Die Treppe runter

Foto: Amelie Voita

In Enschede, in der Stadt, in der Brakman lange gelebt und gearbeitet hat, erinnert eine Treppe auf dem Gelände der Saxion-Hochschule an ihn. Es ist heiß und die Stadt voller Menschen, Google lotst mich mit lustig ausgesprochenen niederländischen Straßennamen durch die Gegend am Bahnhof, dann langsam raus aus der Einkaufsstadt und schließlich zur Saxion-Hochschule. Die Treppe, so heißt es, sei von der Straße aus zu sehen. An der Villa Serphos. Die Villa finde ich. Eine Treppe sehe ich . Zugang verboten. Auf der Treppe steht auch nichts. Also gehe ich weiter, links um die Ecke auf eine andere Straße, dann zweigt links die Galenstraat ab und führt zwischen Gebäuden der Hochschule hindurch. Die Treppe, da ist sie. „Die Philosopie deutet, die Wissenschaft erklärt, aber die Kunst zeigt, und zwar gerade das, was sie nicht sagen kann.“ Willem Brakman (1922 – 2008)

Das Brakman-Porträt auf der Treppe setzt sich, wählt man den richtigen Standpunkt, ordentlich zusammen. Das ist mit der Literatur Brakmans nicht immer so gewesen. Es reicht nicht, des Niederländischen mächtig zu sein, man braucht auch einiges an Geduld und Humor, um sich auf der Suche nach den Perlen durch sein Werk zu arbeiten. Aber dann sind da wieder Sätze und Ideen, für die sich die Mühe lohnt.

 

 

 

 

Lesbare Stadt: Enschede

Und wieder ein Mauergedicht aus Enschede, gut, diesmal nicht tatsächlich auf einer Mauer.

Ich versuche mal eine Übersetzung, für Korrekturen bin ich dankbar!

Packerei

Ein gewöhnlicher Dienstagabend und

betrunken schreitet es heimwärts:

– die Zukunft –

lässt von sich hören

Wir kümmern uns auch um persönliche

Entwicklung

– meine Dame –

Auf dem Boden eines jeden Glases

ein Plan

 

und da ist wieder ein Wackelkontakt

Überprüfung Jacke und Schlips

 

Die Zukunft

bewegt sich wohl schwankend.

Ausgeblüht

Foto: Elfie Voita

 

In Enschede gesehen: Bloemist Eeuwige Lente

Fotografiert, gerade weil die Blumenhandlung das Versprechen des ewigen Frühlings ganz offensichtlich nicht halten konnte und nun langsam von der Stadt und der Natur übernommen wird.

Enschede, Wilmink & Textilgeschichte

Komisch, wie nah und wie fern eine Stadt einem doch sein kann. Nah, weil Enschede, das ist die niederländische Stadt, um die es hier geht, gerade einmal 100 Kilometer von Warendorf entfernt liegt. Fern, weil ich, obwohl wir so oft dort waren, so wenig über diese Stadt weiß. Naja, jetzt weiß ich natürlich gerade mal wieder etwas mehr, weil wir, wie so oft, ein paar Stunden dort verbracht haben.

Enschede, von Willem Brakman als  ‚het onlieflijke stadje‘ (die unliebliche Stadt) bezeichnet, ist nicht schön, keine dieser putzigen niederländischen Städte, die eine kuschelige Mischung aus siebzehntem Jahrhundert und Coffeeshop zu sein scheinen. Weiterlesen

Enschede, Roombeek & Brakman

 

Wir waren in Enschede. Also wird es in diesem  Text um Willem Brakman gehen. Das wird auch Zeit, denn schließlich beziehe ich mich immer wieder einmal auf Brakman, sowohl in meinen Texten als auch in meinen Kommentaren. Von Brakman habe ich den Begriff des ‚denkfietsen‘, also des mit dem Fahrrad unterwegs sein und dabei auf Ideen kommen, gut, bei mir lautet der Satz: Wenn nichts mehr geht – geh ich. Was nichts anderes heißen soll, als dass ein Spaziergang den Kopf frei macht und mir meistens einen ganzen Satz Ideen abliefert.

Willem Brakman beschrieb sich selbst als barocken Schreiber und meinte damit, dass er, was er einmal geschrieben hatte, nicht mehr erneut las oder überarbeitete und an jedem Tag wieder vor einem weißen Blatt Papier saß. Er reiste aber – manchmal – auch zu den Orten, die für seine Erzählungen wichtig waren und erkundete sie genau. Im Unterschied zu Brakman muss ich überarbeiten und nicht nur das, ich tue es auch gern. Ach so: Enschede. Eine Stadt, quasi um die Ecke gelegen. Weiterlesen