Schulkinder im Kreis Gütersloh

 

Mama, wir dürfen nicht in die Schule! Warum darf Onkel Tönnies das denn bestimmen, will er denn nicht, dass wir noch mehr über die lieben Schweine lernen? Die sind uns doch so ähnlich, hat die Lehrerin gesagt.

Vielleicht will er gar nicht, dass wir lernen, wieviel Aua das macht, wenn die ermordet werden.

Aber wir wollen das alles wissen und auch wieder in die Schule. Onkel Tönnies ist vielleicht gar kein lieber Onkel.

Och, Mama!

 

Rainer Strobelt, 17.6.20

weltmeister sind eigentlich geldgeister

weltmeister sind eigentlich geldgeister

 

als die 54er das wort weltmeister erschufen

grummelten am horizont der ballsicheren zukunft

schon einige 18er indem sie insistierten

sie würden sich ja wohl einen reichhaltigeren reim

auf die dinge gemacht haben mit dem wort

geldgeister

 

(Rainer Strobelt für den Voita-Blog, Juni 2018)

Rainer Strobelt: Der Zauber hält an, Erika!

bargfeld_postmoor_09

By Hajotthu (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Rainer Strobelt hat mir einen Text zum Thema „Der Zauber hält an, Erika!“ zur Verfügung gestellt. Hier ist er:

florentinerin beinah schon verBargt

geh nur in die heide
richtung Arno
und leide
mit

Schmidt

(Rainer Strobelt, 25.1.17)
Da ich Rainer heute noch sehen werde, sprechen wir bestimmt über diesen Text. Ich bin auch auch sehr neugierig darauf, wie die Millionen Leser, die sich hier regelmäßig tummeln, diesen Text verstehen.

Unbestritten: Strittig

Rainer Strobelt (c) Marie Strobelt

Rainer Strobelt
(c) Marie Strobelt

 

 

1.1.2017, 00:01 Uhr, der nörgler sucht schon

das neue jahr

ist so dermaßen jung

es herrscht jungfräuliche frühe

 

da findet er einfach noch kein haar

in dessen ungetrübter bouillon

wie er sie hasst eine jede klare brühe

 

Rainer Strobelt („Strittig“)
Heute morgen fand ich diesen Text von Rainer in meinem Mail-Account und dachte mir, das sei eine gute Gelegenheit, gleich sein neues Buch hier vorzustellen:

Warum schreibt einer keine Regionalkrimis, wenn er schon schreiben muss? Und schreiben muss Rainer Strobelt. Seit vielen Jahren notiert er, sammelt Eindrücke, Gedanken, Worte. Reist, ist aber auch mit Bus und Bahn in der Region unterwegs, gern auch mit dem Fahrrad. Betreibt quasi Feldforschung, saugt sich voll mit Bildern und Notaten und nimmt sich dann die Zeit, die es braucht, Abstand zu gewinnen, zu überdenken und schließlich zu formulieren. Reduziert und konzentriert sind seine Texte. Weiterlesen

Bademeister eigener Art

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Bademeister eigener Art
Als wir vom Fünfer sprangen, war ausgemacht, dass nur der mit dem Köpper im Leben was würde.

Die Gestalt gewordene Arschbombe unter uns ist dann aber derjenige, der diese hübsche Impression für alle über Wasser hält. Bei Ebbe. Und bei Flut.

(Rainer Strobelt, 25.10.16)

Im November oder Dezember erscheint im Segler-Verlag das neue Buch meines Freundes Rainer Strobelt.

Rainer kündigt seine Veröffentlichung so an:

Titel der Fetzen(den)Erzählung ist
Strittig: Seine literaturnahen Vollkostbrösel  (ISBN 978-3-931445-26-3)

reife kenner

reife kenner (EM 2016)

wir sitzen
obwohl wir noch stehen können

wir sehen Khedira
und denken doch an Briegel

wir halten es für richtig
dass Poldi und Schweini auf ewig die kegel aufstellen

wir schnalzen mit der zunge
(im doppelpass mit einem freistehenden zahn)

 

28.6.2016

Rainer Strobelt (Jahrgang 1947, jedes Turnier seit 1958 verfolgt, damals den Eltern spontan von der Fahne gegangen während des Familienspaziergangs im Kurpark von Bad Waldliesborn, hin zum Fernseher: Mein Gott, Pele!)

Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung von Rainer Strobelt.

Wenn man bei zeitgenössischer Lyrik auch Vorsicht walten lassen sollte, wenn es darum geht, die Intention des Autors zu ergründen, vermute ich einfach mal einen direkten Zusammenhang Weiterlesen

Stürenburg

Mechthild Großmann

 

Mechthild Großmann, Bild: Daniel Sadrowski

Mit Manfred Voita nach Nottbeck
Wir fahren zu einer Arno-Schmidt-Lesung.
Auf flachem Land.
Dort ragen die Wörter so.
Rainer Strobelt

 

Haus Nottbeck, das Museum für Westfälische Literatur, bietet zur Zeit die Sonderausstellung ‚Ich kann doch denken, was ich will!!!‘, die sich Arno Schmidt und Hans Wollschläger widmet, also gleich zwei großen Unbekannten. Die Arno-Schmidt-Stiftung, Bargfeld, fördert die Ausstellung und auch das Begleitprogramm. Irgendwer muss sich ja darum kümmern, dass Schmidt nicht vergessen wird, ich kann schließlich nicht alles alleine machen!

Nachdem ich die Eröffnungsveranstaltung mit Bernd Rauschenbach und Joachim Kersten verpasst hatte, nein, wir haben sie nicht gemeinsam verpasst, sondern ich habe die Veranstaltung verpasst, in der Rauschenbach und Kersten rezitierten, und Rainer Strobelt mich gefragt hatte, ob ich Lust auf die Lesung in Nottebeck hätte, stellte ich fest, dass genau das der Fall war.

Wie schon gesagt. Stürenburg. Das ist nicht die gewohnt expressionistische Sprache Schmidts, das sind nicht seine wütenden Attacken auf die Adenauer-Republik, das ist auch nicht sein avantgardistischer Umgang mit den Möglichkeiten der deutschen Sprache. Es sind kurze Texte. Vermessungsrat a.D. Friedrich Stürenburg, Mitte Siebzig, erzählt seinen Gästen kleine Anekdoten. Unspektakulär. Haus Nottbeck hat sich aber Mühe gegeben und Mechthild Großmann verpflichtet, die alle als Staatsanwältin aus dem Tatort Münster kennen. Wie das so ist mit dem Fernsehen, jeder kennt sie in dieser Rolle, eine Karriere außerhalb des Mediums wird kaum wahrgenommen.

Der Saal ist gut gefüllt, diesmal ist es der große Saal, nicht das Gartenhaus wie bei Jägersberg. Das liegt wohl eher an Frau Großmann als an den Herren Schmidt und Stürenburg, soll mir aber Recht sein. Walter Gödden, der wissenschaftliche Leiter des Hauses, im Hauptberuf Universitätsprofessor und Chef der Literaturkommission für Westfalen, nennt Schmidt einen der bedeutendsten deutschen Nachkriegsschriftsteller. Das musste auch mal gesagt werden, aber ich verkneife mir frenetischen Beifall. Frau Großmann beginnt zu lesen und es ist sofort klar, dass sie nicht nur eine markante Stimme besitzt, sondern eben auch, was heißt hier auch, Schauspielerin ist. Die Texte leben. Stürenburg wird lebendig und auch Hagemann, das Faktotum, kommt norddeutsch daher. Das Publikum ist amüsiert. Auch ich entdecke die Stürenburg-Geschichten neu für mich, habe extra darauf verzichtet, zuhause noch einmal in meine Ausgabe zu schauen. Natürlich gibt es Weiterlesen

leichte athletik

leichte athletik: Launige Gedichte – das neue Buch von Rainer Strobelt ist vor ein paar Tagen erschienen. Mir hat er ein, nein zwei Exemplare geschenkt. Ich bin überzeugt, dass er viele weitere Bücher verschenken möchte, aber auch Lyriker mögen es, wenn ihre Bücher gekauft werden.

leichte athletik
Peter Segler Verlag
ISBN: 978-3931445249

Leseproben gibt es unter Rainer Strobelt

So ein Gedichtband sollte – und meine Meinung ist hier genauso maßgeblich wie die von Hans und Franz – wie eine Schachtel Pralinen genossen werden: Nicht alles auf einmal. Rainer schreibt, wie ich an anderer Stelle schon angemerkt habe, sehr kurze Gedichte. Keine Zeit ist also keine Ausrede.

Im Bücherregal stünde Rainer gleich neben August Stramm – keine schlechte Gesellschaft für einen Lyriker und ein guter Grund gleich auch noch ein wenig Stramm zu kaufen, falls der Platz neben Strobelt noch frei sein sollte. Stramms Dissertation über das Welteinheitsporto würde ich an dieser Stelle nur den ganz hart gesottenen Lesern empfehlen wollen, seine expressionistischen Gedichte hingegen… aber bleiben wir bei Rainer Strobelt. Rainer hat einen ausgeprägten Sinn für Humor, das zeigt sich nicht erst in seinem neuen Buch, hier aber ganz besonders. Er kommt aber nicht als anbiedernder Gebrauchslyriker mit zertifizierter Massentauglichkeit daher, sondern zieht das leise Lächeln vor, das Vergnügen auf den zweiten Blick.

Übrigens: Das hier ist keine Verkaufsveranstaltung, man kann die Seite auch wieder verlassen, ohne Lösegeld zahlen zu  müssen.

PS: Danke an Jules vom Teestübchen Trithemius: Jetzt habe ich endlich kapiert, wie man Links nicht so tollpatschig einbaut.

 

Lyrik von Rainer Strobelt

Jeff Beck, ein Gitarrist, an den sich nur noch wir Silberfüchse, Graubärte und Faltenböcke erinnern, soll über Jimi Hendrix (den hoffentlich noch jeder kennt) geäußert haben, er täte genau das, was auch Beck wolle, nur könne er – Beck – das leider nicht. So geht es mir meistens, wenn ich einen Text von Rainer Strobelt lese – und sei es auch nur eine Mail. Nun hat Rainer sich darauf festgelegt, Gedichte zu schreiben, er tritt also in einer anderen Liga an. Das ist nett von ihm.

Lyrik erfährt aber nur selten die Aufmerksamkeit, die sie verdient, weshalb ich hier – also quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit – darauf hinweisen möchte, dass es bald wieder ein neues Buch von Rainer gibt. In der Zwischenzeit bietet die Seite Fixpoetry aber die Chance, Rainer Strobelt zu erlesen. Seine Gedichte sind kurz, die Zeit reicht also, um schnell mal rüber zu wechseln:

http://www.fixpoetry.com/texte/text-des-tages/rainer-strobelt/retourkutsche

Was andere sagen: Kritiken

Wer schreibt, will meistens auch gelesen werden. Damit setzt man sich natürlich auch dem Urteil der Leserin / des Lesers aus. Klingt nicht gut, ist aber, gerade für uns, deren Leserschaft eher begrenzt ist, spannend und wichtig. Natürlich lieben wir es, wenn unsere Texte ankommen, wenn es Beifall gibt. Natürlich hassen wir es, wenn uns jemand nicht nur be-, sondern auch verurteilt. Da verkennt jemand unser Talent, versteht die Absicht nicht, hat keinen Humor… und hat uns doch wenigstens gelesen und sich die Mühe gemacht, seine Meinung aufzuschreiben.

Aus den Mitteilungen der Verlage kann ich entnehmen, dass mittlerweile einige hundert Leserinnen und Leser zumindest ein Buch besitzen, in dem eine meiner Kurzgeschichten steht. Die rühren sich einfach nicht, schicken weder Fanpost noch Drohbriefe – und ich habe auch nichts anderes erwartet. Mache ich ja auch nicht. Umso dankbarer bin ich für die Kritiken, die ich lesen konnte.

So äußert sich z. B. mein Freund Rainer Strobelt – natürlich völlig neutral und unbefangen:

„Das Märchen „Recht und billig“ von Manfred Voita schlage ich als Lesestück eines Schullesebuchs vor.
Von der Sache her wird es ganz junge Menschen in Erstaunen versetzen. Hatten manche vorher gar nicht recht gewusst, dass es so etwas wie Großzügigkeit auf Erden gibt, so wissen sie nun, dass ein einfaches, unspektakuläres, in Ruhe erdachtes, dabei pfiffiges Konzept angebracht, gar erfolgreich sein kann.
Außerdem dürfte es manche der Jungen stutzig machen, dass jugendliche Frechheit nicht ohne weiteres siegt, dass auch Opa noch ganz vernünftige Sachen hinbekommt.
Von der Sprache werden sie das Wort „billig“ von einer ganz anderen, gleichsam seiner wertvollen Seite kennenlernen.
Rainer Strobelt“

An anderer Stelle habe ich schon auf die Rezensionen des Intergalaktischen Seemannsgarns bei Lovelybooks bzw. Amazon hingewiesen. Hier sind jetzt die Beiträge der Leserinnen und Leser, die vom ohneohren-Verlag mit einem Rezensionsexemplar versehen wurden und ihre Meinung – unter anderem auch zu meiner Kurzgeschichte „Starthilfe“ kundtaten:

„eami
Ein Genetiker wird auf einem fremden Planeten vergessen, was macht er als „Alles deutet auf mich“ Mensch der ganz alleine ist? Liebe Zeit wer denkt sich so was aus? 🙂

Jeamie:
Ein Genetiker wird versehentlich auf einem fremden Planeten zurückgelassen, was macht er? Wow-Effekt – Super!

LadySamira091062:
hihi die Entstehungsgeschichte einmal anders erzählt genial!

Erdbeer-Torte
Eine interessante Idee der Entstehungsgeschichte.

Tinka-Wallenka
Die Pointe hat mir sehr gut gefallen. Erst verspürte ich Mitleid mit ihm, doch als er zum Schluß seinen Namen nannte, war alles klar. =)

Zsadista
Lustig … nun bekomm ich das nimmer aus dem Hirn, warum die Erde blauer Planet heisst … und Prost!!! ^^
Witzige Geschichte. ^^

PMelittaM
Fängt schon mal gut an, schon der erste Satz bringt mich zum Lachen. Ja und auch die Pointe hat mir gefallen

Mira123
Hier kam ich leider nicht so ganz mit.

ClaudiaKolla schreibt am 22.04. um 14:12 Uhr:
Mein Favourit dieser Anthologie.
Warum? Das Ende ist überraschend und unvorhersehbar. Ich musste wirklich lachen. Es war einfach nur genial!
Kompliment an den Autor!“

Und gerade entdeckt: Der phantastische Bücherbrief, Ausgabe 620.

Erik Schreiber berichtet über Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt:

Martin Witzgall und Felix Woitkowski STILLE
Titelbild: Chris Schlicht
Torsten Low Verlag (11.10.2014) 324 Seiten 13,90 €
ISBN 978-3-940036-28-5 (TB)
http://www.verlag-torsten-low.de

Das Thema Stille ist etwas Besonderes. Es gibt nichts, was man damit nicht in Verbindung setzen kann. Angefangen von einer Stille, wie sie die Natur bietet, bis hin zum elektronischen Schweigen der Unterhaltungselektronik. Manch Einer wird die Stille des Kosmos der lauten Erde vorziehen.
In den vorliegenden Geschichten geht es immer um diesen Begriff, wird umgesetzt, in unterschiedlichen Formen und Erscheinungsweisen. Dementsprechend wir ein breites Spektrum an Themen abgedeckt.

Günter Wirtz Namu
Daniel Schlegel Verbindungsabbruch
Vanessa Kaiser & Thomas Lohwasser Der Gesang der Engel
Christian J. Meier Orthan entdeckt die Stille
Corinna Schattauer Die Ruhe vor dem Sturm
Joachim Tabaczek Ohne Worte
Arndt Waßmann Tage der Stille, Tage des Klangs
Sebastian Illigens Das lautlose Lied
Michael Edelbrock Von Äpfeln und Feen
Thomas Heidemann Helfen Sie der Vigilanz!
Victor Boden Lärm
Marc Suter Allein
Günther Kienle Die schwebenden Mönche
Frank Tischmann Ihr Schweigen
Ute Walenski Die Stille und das Licht
Marco Ansing Die Stimme aus der Stille
S. A. Benz Erinnerungen an meinen Körper
Markus Cremer Archibald Leach und der Angriff der Stille
Dahlia von Dohlenburg Der Ruf der Stille
Manfred Voita Ausgehorcht
Sibylle Biedermann Ich bin immer da
Kristina Kesselring In der Spinne
Tina Stäbler Todesstille
Raphael Dagen Die Gabe der Vorhersehung
Susann Obando Amendt Der Wassermann vom schwarzen Weiher
Claudia Heyder Stillleben
Markus Unger Die Maschine
Regine Schineis Der Preis der Stille
Martina Schiller-Rall Die Schaukel

29 Kurzgeschichten werden uns hier präsentiert, wunderbar beschrieben und sehr schön zu lesen. Lässt man sich auf die Geschichten ohne Wenn und Aber ein, erhält man ein interessantes Kopfkino. Dieses Buch macht absolut Lust, mehr Kurzgeschichten zu lesen. Und da bietet Torsten Low als Verleger einiges an. Die Nische Phantastik wird mit dem Mauseloch Kurzgeschichten so voll gepackt, dass man gar nicht weiss, wo man mit lesen beginnen soll. Jede Geschichte hat eine andere Sicht auf den Begriff Stille. Wobei Sicht nicht treffend ist, denn Stille ist etwas, was man nicht hören kann. Die Erzählungen lassen sich leicht und flüssig lesen. Ein gelungenes Buch das ich gern empfehlen kann. Insgesamt ein Buch, welches einen an manchen Stellen innehalten lässt und man sich denkt „So habe ich das noch nie gesehen.” Und manche Geschichten sind einfach nur dafür da, um diese zu lesen und in eine unbekannte Traumwelt hinüber zu gleiten.
Nicht alle Storys sind vollkommen, aber das tut dem Unterhaltungswert keinen Abbruch. Die vielfältigen Kurzgeschichten präsentieren dem Leser Geschichten und Geschichtchen, in denen diverse Fantasiewesen eine große Rolle spielen. Mich haben die 29 unterschiedlichen Geschichten gut unterhalten. 

http://www.starlightunion.de/8.html

Schreibwerkstatt

Wer braucht schon eine Schreibwerkstatt? Im deutschsprachigen Raum kann man schließlich in Hildesheim, Leipzig, Wien und Bern kreatives Schreiben studieren! Zudem gibt es diverse Fernkurse. Und da bietet doch einfach die Volkshochschule in Warendorf, selbstverständlich nicht nur, aber eben auch hier, eine Schreibwerkstatt an. Kein Mensch liest noch, aber alle wollen schreiben. Schreiben ist etwas sehr individuelles, das man nicht in Gruppen erledigen kann, außerdem ist es ein Talent, das man hat, man lernt das nicht in einer Schreibwerkstatt… Moment, mir fallen bestimmt noch mehr Vorurteile ein.

Meine Erfahrungen sehen so aus: In Warendorf – und wohl auch in anderen Städten – sind es mehrheitlich Frauen, die das Schreiben für sich entdeckt haben. Jugendliche sind seltener dabei. Viele Teilnehmer engagieren sich für mehrere Semester. Im Vordergrund stehen eigene Texte, die bei kleinen Übungen während des Kurses oder als „Hausaufgabe“ anhand eines vorgegebenen Themas geschrieben werden. Reinhild Essing, die Gründerin und Leiterin der Schreibwerkstatt „Seitenweise“ in Warendorf, streut das notwendige Fachwissen ein, das meistens unmittelbar an eigenen Texten ausprobiert wird.

Wer bisher nur für die Schublade oder das Internet geschrieben hat, kann die Wirkung seiner Texte an lebenden Menschen ausprobieren. Tierversuche sind in diesem Fall völlig unergiebig. In der Gruppe werden Texte vorgelesen, besprochen und ja, auch kritisiert. Ein wenig Kritikfähigkeit kann nicht schaden, aber wer seine Texte bei einer Lesung einem größeren Publikum – und seien es nur fünf Zuhörer – vortragen möchte, tut gut daran, vorher die sachliche und vorsichtige Kritik der Gruppe gehört zu haben. Dazu habe ich den kleinen Text „Wortmeldung“ geschrieben.

Meine Texte haben sich durch die Schreibwerkstatt verändert, weil ich mehr über das Schreiben, auch mehr über mein eigenes Schreiben weiß. Ganz wichtig sind mir auch die „Hausaufgaben“, die immer wieder Anreize gegeben, immer terminiert sind – ich gehöre zu den Menschen, denen dieser Druck guttut.
Aus meiner Anfangszeit in der Schreibwerkstatt stammt ein Text, der unter http://rainer-strobelt-literatur.de/manfred-voita/ nachzulesen ist.

Anmerkung: Dort steht er noch immer, ich habe diesen Text inzwischen aber auch unter Kurzgeschichten hier im Blog eingebunden.