Rainer Strobelt: Szene

 

Szene

 

Deutschland

2017

Juli

Supermarkt

Ein ca. einjähriges Kind im Kinderwagen, quängelnd

Die Mutter, eingehend

 

Was ist denn heute mit dir?

Jetzt gehen wir nach Hause.

Ich mach dir was Leckeres zu essen.

 

Dann hebt sich

auch deine Stimmung

 

ein bisschen.

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Rainer Strobelt: Der Zauber hält an, Erika!

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By Hajotthu (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Rainer Strobelt hat mir einen Text zum Thema „Der Zauber hält an, Erika!“ zur Verfügung gestellt. Hier ist er:

florentinerin beinah schon verBargt

geh nur in die heide
richtung Arno
und leide
mit

Schmidt

(Rainer Strobelt, 25.1.17)
Da ich Rainer heute noch sehen werde, sprechen wir bestimmt über diesen Text. Ich bin auch auch sehr neugierig darauf, wie die Millionen Leser, die sich hier regelmäßig tummeln, diesen Text verstehen.

Unbestritten: Strittig

Rainer Strobelt (c) Marie Strobelt

Rainer Strobelt
(c) Marie Strobelt

 

 

1.1.2017, 00:01 Uhr, der nörgler sucht schon

das neue jahr

ist so dermaßen jung

es herrscht jungfräuliche frühe

 

da findet er einfach noch kein haar

in dessen ungetrübter bouillon

wie er sie hasst eine jede klare brühe

 

Rainer Strobelt („Strittig“)
Heute morgen fand ich diesen Text von Rainer in meinem Mail-Account und dachte mir, das sei eine gute Gelegenheit, gleich sein neues Buch hier vorzustellen:

Warum schreibt einer keine Regionalkrimis, wenn er schon schreiben muss? Und schreiben muss Rainer Strobelt. Seit vielen Jahren notiert er, sammelt Eindrücke, Gedanken, Worte. Reist, ist aber auch mit Bus und Bahn in der Region unterwegs, gern auch mit dem Fahrrad. Betreibt quasi Feldforschung, saugt sich voll mit Bildern und Notaten und nimmt sich dann die Zeit, die es braucht, Abstand zu gewinnen, zu überdenken und schließlich zu formulieren. Reduziert und konzentriert sind seine Texte. Weiterlesen

Bademeister eigener Art

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Bademeister eigener Art
Als wir vom Fünfer sprangen, war ausgemacht, dass nur der mit dem Köpper im Leben was würde.

Die Gestalt gewordene Arschbombe unter uns ist dann aber derjenige, der diese hübsche Impression für alle über Wasser hält. Bei Ebbe. Und bei Flut.

(Rainer Strobelt, 25.10.16)

Im November oder Dezember erscheint im Segler-Verlag das neue Buch meines Freundes Rainer Strobelt.

Rainer kündigt seine Veröffentlichung so an:

Titel der Fetzen(den)Erzählung ist
Strittig: Seine literaturnahen Vollkostbrösel  (ISBN 978-3-931445-26-3)

reife kenner

reife kenner (EM 2016)

wir sitzen
obwohl wir noch stehen können

wir sehen Khedira
und denken doch an Briegel

wir halten es für richtig
dass Poldi und Schweini auf ewig die kegel aufstellen

wir schnalzen mit der zunge
(im doppelpass mit einem freistehenden zahn)

 

28.6.2016

Rainer Strobelt (Jahrgang 1947, jedes Turnier seit 1958 verfolgt, damals den Eltern spontan von der Fahne gegangen während des Familienspaziergangs im Kurpark von Bad Waldliesborn, hin zum Fernseher: Mein Gott, Pele!)

Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung von Rainer Strobelt.

Wenn man bei zeitgenössischer Lyrik auch Vorsicht walten lassen sollte, wenn es darum geht, die Intention des Autors zu ergründen, vermute ich einfach mal einen direkten Zusammenhang Weiterlesen

Stürenburg

Mechthild Großmann

 

Mechthild Großmann, Bild: Daniel Sadrowski

Mit Manfred Voita nach Nottbeck
Wir fahren zu einer Arno-Schmidt-Lesung.
Auf flachem Land.
Dort ragen die Wörter so.
Rainer Strobelt

 

Haus Nottbeck, das Museum für Westfälische Literatur, bietet zur Zeit die Sonderausstellung ‚Ich kann doch denken, was ich will!!!‘, die sich Arno Schmidt und Hans Wollschläger widmet, also gleich zwei großen Unbekannten. Die Arno-Schmidt-Stiftung, Bargfeld, fördert die Ausstellung und auch das Begleitprogramm. Irgendwer muss sich ja darum kümmern, dass Schmidt nicht vergessen wird, ich kann schließlich nicht alles alleine machen!

Nachdem ich die Eröffnungsveranstaltung mit Bernd Rauschenbach und Joachim Kersten verpasst hatte, nein, wir haben sie nicht gemeinsam verpasst, sondern ich habe die Veranstaltung verpasst, in der Rauschenbach und Kersten rezitierten, und Rainer Strobelt mich gefragt hatte, ob ich Lust auf die Lesung in Nottebeck hätte, stellte ich fest, dass genau das der Fall war.

Wie schon gesagt. Stürenburg. Das ist nicht die gewohnt expressionistische Sprache Schmidts, das sind nicht seine wütenden Attacken auf die Adenauer-Republik, das ist auch nicht sein avantgardistischer Umgang mit den Möglichkeiten der deutschen Sprache. Es sind kurze Texte. Vermessungsrat a.D. Friedrich Stürenburg, Mitte Siebzig, erzählt seinen Gästen kleine Anekdoten. Unspektakulär. Haus Nottbeck hat sich aber Mühe gegeben und Mechthild Großmann verpflichtet, die alle als Staatsanwältin aus dem Tatort Münster kennen. Wie das so ist mit dem Fernsehen, jeder kennt sie in dieser Rolle, eine Karriere außerhalb des Mediums wird kaum wahrgenommen.

Der Saal ist gut gefüllt, diesmal ist es der große Saal, nicht das Gartenhaus wie bei Jägersberg. Das liegt wohl eher an Frau Großmann als an den Herren Schmidt und Stürenburg, soll mir aber Recht sein. Walter Gödden, der wissenschaftliche Leiter des Hauses, im Hauptberuf Universitätsprofessor und Chef der Literaturkommission für Westfalen, nennt Schmidt einen der bedeutendsten deutschen Nachkriegsschriftsteller. Das musste auch mal gesagt werden, aber ich verkneife mir frenetischen Beifall. Frau Großmann beginnt zu lesen und es ist sofort klar, dass sie nicht nur eine markante Stimme besitzt, sondern eben auch, was heißt hier auch, Schauspielerin ist. Die Texte leben. Stürenburg wird lebendig und auch Hagemann, das Faktotum, kommt norddeutsch daher. Das Publikum ist amüsiert. Auch ich entdecke die Stürenburg-Geschichten neu für mich, habe extra darauf verzichtet, zuhause noch einmal in meine Ausgabe zu schauen. Natürlich gibt es Weiterlesen