Sand in Sicht

Foto: Manfred Voita

Schiermonnikoog: die östlichste der bewohnten niederländischen Watteninseln.

Von Lauwersoog aus geht es mit der Fähre hinüber. 45 Minuten durch das Wattenmeer. Kreuz und quer, hin und her, wie die Fahrrinne es eben zulässt. Die Insel ist ganz nah. Zwei Leuchttürme, ein weißer und ein roter. Deich und Dünen, ein Dorf.

Ein Schiff voller Vorfreude. Ein Schiff voller Leben und Sommer. Das Meer, ja, die Nordsee! blitzt im Sonnenlicht, Segelschiffe… nein, die liegen im Schlick, können erst bei Flut weiter. Ehrlich gesagt riecht das Watt auch nicht gut. Ebbe eben. Aber dann ist die Insel da, die Zugbrücke wird heruntergelassen und los geht es.

Den Deich entlang, dann über schmale Wege in den Ort. Schiermonnikoog. Der einzige Ort auf der Insel. Die Insel der grauen Mönche. Zisterzienser haben hier gelebt, dann gab es verschiedene Herren und Herrschaften. Weiterlesen

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Morgengrau

Es war eine Schnapsidee gewesen, mit gepacktem Koffer und Kreditkarte zum Flughafen zu fahren und das nächstbeste Last-Minute-Angebot zu nutzen.

Als mich die Stewardess weckte um mir zu sagen, dass ich mich für den Landeanflug anschnallen müsse, hatte ich längst wieder vergessen, wohin der Flieger überhaupt ging. Die Getränke an Bord waren mit im Preis gewesen, halfen gegen Flugangst – und ich hatte eine Menge Angst!

Der Busfahrer, der den Transfer zum Hotel übernahm, sprach nicht, jedenfalls nicht mit uns Reisenden und als uns die deutschsprachige Reiseleitung im Hotel begrüßte, gab es Cocktails, all inclusive eben.

Ich hatte das Standardpaket gebucht, Sommer, Sonne, Meer, Unterkunft und Verpflegung, Getränke inklusive. An die folgenden Tage habe ich keine konkreten Erinnerungen, es war ja Urlaub. Dann wachte ich auf, es war heiß, es war hart und es war draußen. Keine Ahnung, wo ich war oder wie ich da hingekommen war. Filmriss. Und dann stand da noch ein Esel und starrte mich tieftraurig an.

Plötzlich wurde es laut. Ein zorniger Bauer, dann ein Uniformierter, ein Palaver, immer wieder Hände, die auf den Esel deuteten, dann auf mich. Ein Baum, ein Seil, eine Schlinge, jemand pfiff die Melodie aus „Spiel mir das Lied vom Tod“. Irgendwie hatte ich plötzlich mein Portemonnaie in der Hand und… ja, nun stehe ich hier vor dem Hotel und frage mich, wie ich mit meinem Esel da rein komme.

Ootmarsum, Kunst, de Keyzer & Korinthen

Dirk de Keyzer Foto: Elfie Voita

Dirk de Keyzer: La Grande Guide des Voyages
Foto: Elfie Voita

Ootmarsum, mit langem o, Betonung auf dem mar und einem u, das ü gesprochen wird: Eine kleine Stadt in den Niederlanden, westlich von Nordhorn und nördlich von Enschede gelegen, die zur Gemeinde Dinkelland gehört. Ootmarsum hat  rund 4.500 Einwohner und liegt in der Provinz Overijssel.  Der Fluss, der den Namen der Provinz prägt, die Ijssel, entspringt als Issel im Münsterland, wie übrigens auch die Dinkel und die Vechte. Ootmarsum, besonders der ältere Teil, also Oudootmarsum, ist bemerkenswert hübsch. Das ist nichts Besonderes in den Niederlanden, es finden sich viele Dörfer, aber auch kleine und große Städte, deren mittelalterliche Kerne erhalten geblieben sind.

Ootmarsum ist anders. Es ist deshalb anders, weil es die Heimat des niederländischen Maler Ton Schulten ist. Diese Tatsache hatte weitreichende Folgen. Ton Schulten ist auch in Deutschland mit seinen Bildern bekannt geworden. Farbenfroh und dekorativ, als Original oder als Kalender. Ich nehme an, dass sich seine Kunst gut verkauft, denn in Ootmarsum gab es bald eine Galerie mit diesen Bilder, Chez-Moi Ton Schulten Galerie International, dann einen kleinen Garten, der den klangvollen Namen Place de la Fontaine bekam – ein ummauerter Hinterhof – und inzwischen ein ganzes Museum. Weil deshalb noch mehr Touristen nach Ootmarsum kamen, als das schon zuvor der Fall war, siedelten sich weitere Galerien an und inzwischen ist die Galerie die typische Nutzungsform für einen Laden im Ort.

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Außerdem prägen viele weitere Kunstwerke den öffentlichen Raum. Wie das mit Kunst ist, man muss nicht alles mögen, was da gezeigt wird, es gibt, wie kaum anders zu erwarten, auch eine Tendenz zum Dekorativen, aber wir haben uns schon lange in die Plastiken von Dirk de Keyzer verguckt. De Keyzer ist ein belgischer Künstler und leider viel zu teuer für uns. Als er noch preiswerter war, war er auch schon zu teuer für uns.

Seine ersten Arbeiten sahen wir in  Ton Schultens Galerie, natürlich in Ootmarsum. Einige seiner Werke sind heute im Ort zu sehen.

Foto: Elfie Voita

Dirk de Keyzer: Siepelvrouwtje Foto: Elfie Voita

Falls jemand völlig resistent gegen Kunst sein sollte: In Ootmarsum gibt es auch noch overheerlijke krentewegge, also ein Korinthenbrot. Eins, das sich von unseren Rosinenbroten dadurch unterscheidet, dass der Bäcker es beim Hinzufügen von Rosinen oder Korinthen ernst meint. Mit etwas Butter und einem Kaffee dazu…

Literarisches Amsterdam (2)

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Viele Menschen reisen gern, ich reise gern an. Gern auch langsam. Morgens von Warendorf nach Münster, frühmorgens, kurz nach sechs, Hochnebel. Noch ist es kühl draußen. Man sollte öfter mal so früh los, die Natur gibt sich alle Mühe und kaum einer schaut hin.

Rehe auf den Feldern.

In Münster parken, umsteigen in den Flixbus. Pünktliche Abfahrt, unterwegs durch die Hoge Veluwe, ein Heide- und Waldgebiet, neben dem Utrechtse Heuvelrug: Sozusagen ein Höhepunkt der niederländischen Landschaft.

Wieder mal eine Brücke. Weil sich das Lesen nicht abstellen lässt, konsumiere ich den Text auf einem der Brückenpfeiler „Ecoduct…“ Da war doch was… na klar, habe ich in einem Fernsehbeitrag schon mal gesehen. Eine Autobahnbrücke für die Tiere, die ab und an auch mal die Seite wechseln möchten, begrünt, bewaldet.

Pünktliche Ankunft in Amsterdam- Sloterdijk. Sagt mir nichts. Sloterdijk schon. Peter Sloterdijk. Der hatte einen niederländischen Vater, womit das jetzt auch geklärt wäre. Amsterdam-Sloterdijk entspricht weder dem Bild oder dem Vorurteil, das wir von Amsterdam oder niederländischen Städten haben. Stattdessen Hochhäuser und ein Vorortbahnhof, gebaut für Pendler, die hier arbeiten sollten. Weiterlesen