Auspacken

Jean de Vaudetar presents his gift of a book to Charles V of Franc

Ich habe ein neues Buch geschenkt bekommen.
Es ist nicht Weihnachten und ich habe auch nicht Geburtstag.
Darum geht es also nicht.
Es geht darum, dass ein Buch ein ganz besonderes Geschenk ist, eins, das man nicht auspackt und sagt: Oh, ein Buch!
Sondern etwas, das man geschenkt bekommt und das dann Seite für Seite ein Geschenk ist. Nicht immer natürlich. Manchmal. Wenn es ist, wie es sein sollte.
Dann ist es ein Geschenk, wie es sonst wohl keines gibt, weil in diesem Buch etwas wartet, vielleicht eine Welt, vielleicht ein Abenteuer, eine Idee, eine Reise in einen anderen Kopf und eine Begegnung mit dem eigenen Kopf.
Was für ein Geschenk.

Auf der Warteliste

Meistens lese ich mehrere Bücher gleichzeitig. Warum das so ist, weiß ich eigentlich nicht. Es hat sich eben so ergeben. Hier oben in meinem Arbeitszimmer, wenn man die Ecke mit PC und Büchern und Kabeln und Videos und Ordnern und Krimskrams ein Zimmer nennen will, liegen die Bücher herum, die noch gelesen werden wollen. Also nicht das es ihre Absicht wäre, ihr Wille, gelesen zu werden, es ist schon mein Wille, aber mit einem einfachen „mein Wille geschehe“ ist das ja nicht getan. Manche stehen da und müssen warten, werden sogar wieder zurückgestuft, wenn sie fast dran gewesen wären.

Das ist vermutlich hart für sie. Oder für ihre Autoren, die in dem betreffenden Moment sicher Herzstechen kriegen oder zumindest ein nervöses Zucken des linken Auges. Gut, vielleicht auch nicht, wie sollte es dann all den Autoren gehen, deren Bücher nicht mal das Lager des Großhändlers verlassen.

Arno Schmidt hat das in „Tina oder über die Unsterblichkeit“ allerdings genau anders herum gesehen. Bei ihm gilt nicht, dass wer schreibt, bleibt, sondern dass, wer gelesen oder besprochen oder auch beworben wird, bleiben muss. Bei Schmidt bleiben die unglücklichen Autoren nach ihrem Tod in einer unterirdischen Welt und hoffen darauf, endlich vergessen zu werden. Den meisten Autoren, die ich kenne, geht es allerdings so, dass sie darauf hoffen, endlich gelesen zu werden. Okay, ich geben zu, dass es sie nicht danach drängt, zu erfahren, ob ich sie endlich gelesen habe.

Obwohl das ja auch was hätte, wenn Deon Meyer, ein niederländischer Krimiautor, der mir völlig unbekannt ist, mich anriefe um sich zu erkundigen, warum ich sein Buch „De vrouw in den blauwe mantel“ noch nicht gelesen habe, obwohl es schon seit dem 15.06.2017 hier rumsteht. Ich weiß das genau, weil der Kassenzettel noch im Buch liegt. Das Buch selbst war ein Geschenk. Nein, ich gehe mit Geschenken nicht generell so um, das hier war eines anlässlich der „Woche des spannenden Buchs 2017“, Beifang beim Kauf eines anderen Buches sozusagen.

Deon Meyer muss noch warten, obwohl er jetzt gerade links neben der Tastatur liegt. Hoffnungsvoll. Aber rechts liegt „Drachenblut“ von Christoph Hein. Das ist dran. Und Meindert Evers „Begegnungen mit der deutschen Kultur.“ Je nach Laune lese ich auch Peter Wohlleben weiter „Das geheime Netzwerk der Natur“. Seit ein paar Tagen ist Elisabeth Etty mit „Minnebrieven aan Maarten“ dazugekommen.

Wie gesagt, meistens lese ich mehrere Bücher gleichzeitig. Sage ich so, stimmt abe nicht, ich lese sie nicht gleichzeitig, sondern ich lese einfach nicht erst das eine zu Ende und beginne dann mit dem nächsten. Manche sagen ja auch, sie hätten ein Buch aus gelesen. Klingt für mich, als sei das Buch jetzt alle. Leer. Fertig. Nein. Ich lese Bücher nicht aus. Ich lasse sie warten, ruhen, reifen um ihnen dann meine geteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

 

Leseerfahrung

Ich wollte nicht schreiben. Jedenfalls nicht, wenn es bedeutete, einen Griffel in die Hand zu nehmen und damit Zeichen auf eine Schiefertafel zu kratzen. Aber Sechsjährigen hört ja niemand wirklich zu. Der spätere Übergang auf den Füllfederhalter machte mir das Schreiben auch nicht leichter, denn dieses Schreibgerät, das regelmäßig aus einem kleinen Tintenfässchen betankt werden konnte Kleckse produzieren, nein, hinterließ ganz zuverlässig Kleckse.
Hätte ich damals schon von Murphys Law gewusst, mir wäre klar gewesen, dass Tinte immer erst ganz am Ende der Seite aufs Papier tropft., dann nämlich, wenn die ellenlange Hausaufgabe so gut wie fertig geschrieben ist. Die großflächigen blauen Sprenkel auf meinen Arbeiten hinderten meine Lehrer jedoch keineswegs daran, noch ihre eigenen Anmerkungen daneben zu setzen.
Ob ich damals wohl daran gedacht habe, nur noch mit roter Tinte zu schreiben, weil alle anderen, die sich mit meinen schriftlichen Leistungen befassten, das ja auch taten?
Kurz gesagt, ich schrieb weder schön noch richtig. Weiterlesen