Küs(s)te die Muse

Foto: Elfie Voita

Manch einen ruft der Berg, mich ruft die See.

Ich kann jetzt unmöglich hier sitzen und abwarten, bis es vorbei ist, bis die letzte Welle auf den Strand gelaufen ist.

Ich muss raus, muss mich bewegen, damit mein Denken in Bewegung gerät.

Am Strand entlang, ganz nah am Wasser, gegen den Wind und dann zurück, durchgepustet werden und den Kopf klar bekommen.

Durch den Sand stapfen, nicht suchen und doch zu finden hoffen, über einen Stein stolpern, der etwas ins Rollen bringt, einen Faden erwischen, an dem ich ziehen und einen dicken Fisch an Land hieven kann: der sich möglicherweise nach stundenlanger Arbeit als alter Hut entpuppt.

Wen schert’s?

Foto: Elfie Voita

Vor Stockholm liegen die Schären. Sie liegen da nicht, weil sie beim großen Aufräumen vergessen wurden, sondern sie liegen da, weil das große Aufräumen dafür gesorgt hat, dass es sie überhaupt gibt. Während einer Eiszeit, ich mache mir jetzt nicht die Mühe, den korrekten Zeitraum zu recherchieren, war nämlich Skandinavien von einer dicken Eisschicht bedeckt und als die Eiszeit fertig war und, wie sich das für Eis gehört, langsam wegtaute und an der Waffel runter lief, nein, falsches Bild, schob das Eis weg, was im Wege lag, machte platt, was platt zu machen war und schliff selbst Granit gnadenlos ab.

Manchmal blieb allerdings etwas stehen und als das Wasser kam, das wir als Ostsee, alle anderen als baltisches Meer kennen, ragten kleinere und größere Inselchen heraus. Weil aber der Druck des Eises weg war, stieg und steigt der Boden dort langsam an und es ist eine Frage der Zeit, dass wir nicht mehr mit dem Schiff, sondern mit dem Aufzug nach Stockholm fahren müssen. Aber das hat, Weiterlesen

Schnüffler

von Komul (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Hanna Mandrello hatte 2015 unter http://mandrello.wordpress.com/  eine Schreibaufgabe gestellt, zu der ich einen einen Kurzkrimi verfasst habe. Hier ist er als leicht überarbeitete Wiederveröffentlichung:

„Nach Ihrer Frau ist Ihnen jetzt also auch noch Ihre Haushaltshilfe abhanden gekommen.“
Christiane Alsmann, die direkt hinter dem Staatsanwalt stand, hätte den Aktenstapel fast fallen lassen, so sehr schockierte sie Heimleins Bemerkung. Staatsanwalt Walgenburg hatte Heimleins Büro gerade erst betreten, da wollte er am liebsten schon wieder gehen, aber er brauchte Heimlein. Dieses eine Mal noch. Keine Ahnung, woher Heimlein seine Informationen bezog,  es gab jedenfalls niemanden, der eine vergleichbar hohe Aufklärungsquote hatte. Walgenburg riss sich also zusammen.

Hastig schob die Alsmann sich an Walgenburg vorbei und legte die Akten auf dem freien Schreibtisch ab, während Walgenburg sprach.
„Die Einbruchserie. Kaldenhofer hat sich krank gemeldet, Sie müssen übernehmen, Heimlein.“
„Offenbar hat er von seiner Krankheit gerade erst erfahren, so wütend, wie er da unten über den Parkplatz stapft.“
„Das geht Sie gar nichts an. Wer hier krank ist, bestimme immer noch ich.“ fauchte Walgenburg.

„Der Oberbürgermeister hat mich angerufen. Jetzt haben die Einbrecher ihn auch heimgesucht. Wir brauchen Resultate. Wie sieht denn das aus, die ganze Elite der Stadt wird nach und nach ausgeplündert – und die Polizei sieht tatenlos zu.“
„Nicht tatenlos, nur erfolglos.“ korrigierte ihn Heimlein.
Walgenburgs Mundwinkel zuckten, als er sich wieder der Tür zuwandte, bemüht, nicht die Beherrschung zu verlieren.
„Morgen will ich Ihren Bericht, Heimlein.“ Und leise, so leise, dass nur Christiane Alsmann ihn hören konnte, fügte er hinzu: „Mal sehen, ob du diesen Fall auch durch Handauflegen und Hellsehen löst, Klugscheißer.“ Weiterlesen

In nächster Instanz: Landgericht

Landgericht, der Roman von Ursula Krechel, hat es als Zweiteiler ins Fernsehen geschafft, bevor ich ihn gelesen habe. Gelesen stimmt nur zum Teil. Ich hatte Buch gekauft, die ersten Seiten gelesen, dann blieb es bei meiner Tochter liegen und als ich es zurückbekam, hatte ich längst mit einem anderen Buch begonnen. Es blieb liegen, bis ich die Hörbuchfassung in der Stadtbücherei sah, sie mitnahm und tatsächlich hörte. Bis auf den Schluss, da kamen mir die Ferien dazwischen.

Hörbücher bleiben bei mir dem ÖPNV vorbehalten, also hätte ich bis nach den Ferien warten müssen, zu lange für das bisschen Resttext. Also habe ich den Schluss gelesen. Die Fernsehfassung habe ich mir nicht angeschaut, eine Wiederholung würde ich mir vermutlich ansehen.

Als Anmerkungen zum Buch mag das einigen noch ein wenig dünn erscheinen, aber all dem ist ja schon zu entnehmen, dass ich es geschafft habe, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe. Das tue ich nicht immer, nicht mehr. Ich erlaube mir, bei Büchern, die mich nicht mitnehmen, sie auch nicht mehr mitzunehmen.

Krechel hat mich also nicht enttäuscht. Möglicherweise muss ich noch mehr von ihr lesen, denn ein Hörbuch funktioniert ja anders, selbst dann, wenn es um eine ungekürzte Lesung gehen sollte. Weiterlesen

Gartengast

Foto: Elfie Voita

Einer der schöneren Tage der Woche, nachmittags. Eine Tasse Kaffee auf der Terrasse. Also zwei Tassen, genaugenommen. Und Plätzchen. Selbstgebackene. Nicht von mir. Auf dem Kissen eine fette Fliege, die ich mit einem kurzen Klopfen auf das Kissen verscheuche. Nun sitzt sie auf dem Boden – und nur deshalb bemerken wir das grüne Insekt, das sich gerade zielstrebig – sage ich so, keine Ahnung, ob es ein Ziel hatte – am Tisch vorbei bewegt.

Wie an anderer Stelle schon berichtet, erhöht so ein Blog die Aufmerksamkeit auch für Kleinigkeiten, lässt uns genauer hinschauen und einfach mehr sehen. So auch diesmal, das grüne Wesen will allerdings nicht so recht fotografiert werden, ist richtig schnell, verdächtig schnell, fürchtet vielleicht die Identifizierung. Dann gelingt es doch, erst im Schatten, dann im Sonnenlicht. Und erst vergrößert auf dem Display zeigt sich, was für eine Schönheit wir da getroffen haben. Weiterlesen

Kurzgeschichte: Morgengrau

Es war eine Schnapsidee gewesen, mit gepacktem Koffer und Kreditkarte zum Flughafen zu fahren und das nächstbeste Last-Minute-Angebot zu nutzen.

Als mich die Stewardess weckte um mir zu sagen, dass ich mich für den Landeanflug anschnallen müsse, hatte ich längst wieder vergessen, wohin der Flieger überhaupt ging. Die Getränke an Bord waren mit im Preis gewesen, halfen gegen Flugangst – und ich hatte eine Menge Angst!

Der Busfahrer, der den Transfer zum Hotel übernahm, sprach nicht, jedenfalls nicht mit uns Reisenden und als uns die deutschsprachige Reiseleitung im Hotel begrüßte, gab es Cocktails, all inclusive eben.

Ich hatte das Standardpaket gebucht, Sommer, Sonne, Meer, Unterkunft und Verpflegung, Getränke inklusive. An die folgenden Tage habe ich keine konkreten Erinnerungen, es war ja Urlaub. Dann wachte ich auf, es war heiß, es war hart und es war draußen. Keine Ahnung, wo ich war oder wie ich da hingekommen war. Filmriss. Und dann stand da noch ein Esel und starrte mich tieftraurig an.

Plötzlich wurde es laut. Ein zorniger Bauer, dann ein Uniformierter, ein Palaver, immer wieder Hände, die auf den Esel deuteten, dann auf mich. Ein Baum, ein Seil, eine Schlinge, jemand pfiff die Melodie aus „Spiel mir das Lied vom Tod“. Irgendwie hatte ich plötzlich mein Portemonnaie in der Hand und… ja, nun stehe ich hier vor dem Hotel und frage mich, wie ich mit meinem Esel da rein komme.

Dünen

Foto: Manfred Voita

 

In den Emsauen bei Vohren liegen Dünen, die wohl 10.000 Jahre alt sind. Weil aber Wind und Wetter, wohl auch die Menschen, nicht zuletzt auch als Touristen, dazu beitragen, dass diese Dünen wieder abgetragen werden, entstehen seltsame Einblicke in die Wurzelstruktur der Bäume, die auf den Dünen gewachsen sind.