Viel versprechend

Von János Korom Dr. from Wien, Austria – 2013 Wien 0351a, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31440938

Er hatte ein neues Buch zu lesen begonnen, einen Autor, von dem er dachte, er könne so interessant sein, dass es sich lohnen würde, auch seine weiteren Bücher zu lese. Das enthöbe ihn nämlich der Mühe, in weihnachtlich vollen Buchhandlungen zwischen Hunderten von Büchern eine mehr oder weniger willkürliche Auswahl zu treffen und doch wieder eine literarische Enttäuschung zu erleben, obwohl er sich doch nach Klappentexten und Rezensionen richtete, ja viele Bücher und besonders CDs nur wegen der Kritiken gekauft hatte, nicht einmal in der Erwartung, dass seine Neuerwerbungen den Versprechungen der Kritik auch tatsächlich genügen könnten, nein, einfach deshalb, weil er den Stil eines Kritikers so mochte.

Jetzt, wo er darüber nachdachte, fiel ihm auch ein, dass das auch für das Kino galt. Wenn früher Lutz Gräfe, der Kinokritiker von WDR 5, einen Film in seiner lakonischen Art besprach, die immer etwas an Robert de Niro erinnerte, wenn er von Christian Brückner synchronisiert wurde, dann konnte er den Empfehlungen kaum widerstehen, Weiterlesen

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Schneit es noch?

Foto: Manfred Voita

Ja. Es schneit! Na toll. Es ist kalt draußen. Ich werde, wenn es so weitergeht, gleich auch noch mit dem Schneeschieber den Fußweg freimachen müssen.

Für Radfahrer ist es ein wahres Mistwetter, glatt und gefährlich, schlechte Sicht, weil die Brille keinen Scheibenwischer hat, weil der Schnee, im Unterschied zu einem ordentlichen Regenschauer, waagerecht auf einen zukommt. Und das unabhängig von der Richtung, in der man gerade unterwegs ist. Nicht lange, dann verwandelt sich die weiße Pracht in grauen Matsch, der natürlich ins Haus getragen wird und Spuren hinterlässt, die wieder beseitigt werden müssen.

Aber schön, ja, schön ist es schon.

Feuerlichkeiten (2)

von Rainer Halama (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

zu Teil 1

Teil 2 und Schluß

Weil es vielleicht keine Alternative gab, weil es vielleicht nur ein einziges Fernsehprogramm gab?

Der Kirchgang bildete die nächste Etappe auf dem Weg zur ersehnten Bescherung.  Der religiösen Dimension des Festgottesdienstes will ich gar nicht weiter nachspüren, zumal ich mich an keines der gesprochenen Worte erinnern kann. Dafür  weiß ich noch genau, dass gleich links an der Eingangstür um Spenden für die armen Negerkinder gebeten wurde. Auf dem Kästchen, in das die Spendengroschen fielen, saß ein „Mohrenkind“ – Nickneger genannt – und neigte bei jedem Münzeinwurf das lockige Köpfchen.

Die Kirche war voll, eng und warm. Vorn standen der Pfarrer und der Weihnachtsbaum. Mit Hilfe eines langen Stabes, an dessen Spitze wohl ebenfalls eine Kerze brannte,  entzündete der Küster die Kerzen an diesem hohen Baum, dann konnte der feierliche Teil beginnen. Der erhabene Klang der Orgel, der einstimmende Chor, der etwas schleppende, aber wuchtige Gesang der Gemeinde und die triumphierenden Blechbläser: Diesem geballten Gefühlsangriff weihnachtlicher Stimmungsmusik konnte wohl niemand standhalten. Irgendwann aber steuerte die Liturgie auf die Predigt hin, es wurde leiser, schließlich stand der Pfarrer auf der Kanzel und sagte, was von ihm erwartet wurde, während meine Gedanken zunächst abdrifteten.

Säulen, Balken, Fenster wurden gezählt, die Quersumme der Nummern der angeschlagenen Gesänge gebildet, bis mein Blick am Weihnachtsbaum hängen blieb. Immer, egal in welchem Jahr oder in welcher Kirche, gab es eine Kerze, die viel kürzer war, die viel schräger hing als alle anderen und deren Flamme bedrohlich nach dem nächstbesten Zweig leckte. Sofort war es Weiterlesen

Feuerlichkeiten (1)

Von Alexander Sharp, Illustrator. – The Project Gutenberg., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3206208

Da war nur ein Haus, dieses kleine Haus, gleich neben einer mächtigen schneebedeckten Tanne. Erste Zeilen, Bruchstücke von Liedern und Gedichten fielen mir ein.

„Von drauß vom Walde komm ich her…“.

Es schien Licht in dem Häuschen zu brennen,

„Still erleuchtet jedes Haus…“

Schnee, nun, was konnte der Schnee schon tun? Er rieselte natürlich leise. Doch es blieb nicht bei

„Scheeflöckchen, Weißröckchen“,

denn es begann stärker zu schneien, immer stärker, endlich tobte ein wahrer Schneesturm und das kleine Haus mit den heimelig erleuchteten Fenstern, gerade noch zum Greifen nahe, war kaum noch zu sehen und auch der Weihnachtsmann, der mit seinem Schlitten oben am Himmel seine Bahn zog, verschwand in den wirbelnden weißen Massen. Weiterlesen

Schwarze Listen

Von Anticommunist_Literature_1950s.tiff: anonymousderivative work:

Die EU hat sich dazu durchgerungen, eine schwarze Liste der Steueroasen zu veröffentlichen.  Der 17 Steueroasen, die nicht bereit sind, mit der EU zu kooperieren. Nicht der Steueroasen überhaupt. Das will keiner. Oder doch, schon, das wollen fast alle, nur die Steuerhinterzieher und die Politik hätten das nicht so gern. Es gibt auch eine graue Liste der 47 Länder, die kooperieren wollen und bei denen zu kontrollieren ist, ob sie sich ihren Versprechen gemäß verhalten. EU-Länder sind natürlich nicht auf einer der Listen, was nicht heißt, dass es innerhalb der EU keine Steueroasen gibt. Aber EU-Länder wissen selbstverständlich zu verhindern, dass sie in der EU an den Pranger gestellt werden.

Immerhin 92 Länder sollen von der EU überprüft worden sein. Offensichtlich, so wird von gewöhnlich gut unterrichteten Greisen erzählt, habe bereits diese Prüfung dazu geführt, dass sich Wohlverhalten ausgebreitet habe. Ich nehme an, dass das Gegenteil stimmt. Weiterlesen

Das Suchen hat eine Ende

Von The Opte Project – Originally from the English Wikipedia; description page is/was here., CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1538544

„HTTP 405 – Ende des Internet erreicht“

stand auf der Seite. Und:

„Sie haben das Ende des Internets erreicht.

Das kann mehrere Gründe haben, entweder sind Sie zu weit raus „gesurft“ oder Sie hat eine Strömung rausgezogen“

Eine schöne Idee, leider nicht von mir. Im Gespräch habe ich nicht gut zugehört oder jemand sprach undeutlich, jedenfalls verstand ich Ede Pfau statt EDV. Genau den habe ich dann gegoogelt und, wie sich das gehört, auch sofort gefunden. Der Text ist im Original etwas länger, wer mag, wird ihn zu finden wissen.

 

Nachts ist nichts

Warten Sie schon länger?

Was heißt schon länger? Eine gefühlte Ewigkeit.  Entschuldigen Sie meine mangelnde Präzision. Wie lang ist, wie lange dauert eine Ewigkeit? Ich wollte mit meiner unbedachten Äußerung keineswegs angedeutet haben, dass ich hier schon immer warte oder bereit wäre, bis ans Ende aller Zeiten weiterzuwarten.

So genau… ach, ich wollte eigentlich nur wissen, ob der Bus vielleicht schon weg ist.

Ja. Selbstverständlich. Es kommt jetzt allerdings darauf an, welchen Sie meinen. „Der Bus“ ist schon etwas allgemein ausgedrückt und ich kann ad hoc keine generelle Auskunft über Busse treffen. Manche sind weg. Ob „schon weg“ eine adäquate Formulierung wäre, da bin ich mir nicht sicher. Andere hingegen werden noch kommen, wobei Weiterlesen