Gans unvorsichtig

Quelle: Google

Heute ging die Meldung durch die Medien, dass die FDP ein neues Thema gefunden hat: Kanadagänse. Diese Vögel machen sich in NRW breit, in Düsseldorf sind sie inzwischen so lästig wie Lobbyisten. Da ich nicht in Düsseldorf lebe, gehöre ich nicht zu den unmittelbar Betroffenen, freue mich aber natürlich für die FDP. Drohnen, so hieß es, wolle sie einsetzen lassen, damit die Kanadagänse sich neue Futtergebiete suchen, Köln vielleicht. Weil die Meldung im WDR etwas verkürzt kam, googelt ich sogleich und fand die oben abgebildete Seite, die die Motive der Freien Demokraten doch recht zwielichtig, wenn nicht gar eigennützig erscheinen lässt.

Mir doch Latte

Von Andrea014 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59556364

Eine unserer Töchter ist umgezogen. Bei dieser Gelegenheit wollte – oder sollte? – sie einen großen Lattenrost statt der bisherigen zwei kleinen Lattenroste für ihr Bett bekommen. Okay, da wir ohnehin mit dem Anhänger zu ihr fuhren, ließ sich der Lattenrost – der große – gut transportieren. Bis wir ihn in die Hände von Umzugshelfern gaben, denen es gelang, die Latten, die, wie ich gerade feststelle, Leisten heißen… äh, Unterbrechung: Ich habe gerade gegoogelt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Lattenrost googeln könnte. Falsch, hätte ich das nicht gedacht, hätte ich es auch nicht versucht. Der Lattenrost heißt mit Hausnamen eigentlich Bettenrost, was nichts damit zu tun, dass, wer rastet oder ruht, rostet. Wikipedia sei Dank, durfte ich mich gerade an den Drahtrost oder auch Sprungfederrahmen erinnern. Sowas hatten meine Eltern mal.

Und da ist natürlich die Nähe zum Grillrost viel größer, denn der heutige Lattenrost eignet sich kaum als „tragfähiges horizontales Gitter, beispielsweise über oder unter einem Feuer“ . Wie Doppeldeutig ein Wortes sein kann, zeigt sich auch hier, denn im Allthochdeutschen, wer wüsste das nicht, steht rōst für den Grill, die Pfanne und den Scheiterhaufen, während das germanische raustaż eine „Vorrichtung zum Bräunen von Fleisch“ bezeichnet haben soll – was Grill und Scheiterhaufen in eine unangenehme Nähe rückt. Ende der Unterbrechung: Den Umzugshelfern, denen ich ansonsten übrigens sehr dankbar bin, gelang es also, die Leisten aus den Weiterlesen

Auf der Warteliste

Meistens lese ich mehrere Bücher gleichzeitig. Warum das so ist, weiß ich eigentlich nicht. Es hat sich eben so ergeben. Hier oben in meinem Arbeitszimmer, wenn man die Ecke mit PC und Büchern und Kabeln und Videos und Ordnern und Krimskrams ein Zimmer nennen will, liegen die Bücher herum, die noch gelesen werden wollen. Also nicht das es ihre Absicht wäre, ihr Wille, gelesen zu werden, es ist schon mein Wille, aber mit einem einfachen „mein Wille geschehe“ ist das ja nicht getan. Manche stehen da und müssen warten, werden sogar wieder zurückgestuft, wenn sie fast dran gewesen wären.

Das ist vermutlich hart für sie. Oder für ihre Autoren, die in dem betreffenden Moment sicher Herzstechen kriegen oder zumindest ein nervöses Zucken des linken Auges. Gut, vielleicht auch nicht, wie sollte es dann all den Autoren gehen, deren Bücher nicht mal das Lager des Großhändlers verlassen.

Arno Schmidt hat das in „Tina oder über die Unsterblichkeit“ allerdings genau anders herum gesehen. Bei ihm gilt nicht, dass wer schreibt, bleibt, sondern dass, wer gelesen oder besprochen oder auch beworben wird, bleiben muss. Bei Schmidt bleiben die unglücklichen Autoren nach ihrem Tod in einer unterirdischen Welt und hoffen darauf, endlich vergessen zu werden. Den meisten Autoren, die ich kenne, geht es allerdings so, dass sie darauf hoffen, endlich gelesen zu werden. Okay, ich geben zu, dass es sie nicht danach drängt, zu erfahren, ob ich sie endlich gelesen habe.

Obwohl das ja auch was hätte, wenn Deon Meyer, ein niederländischer Krimiautor, der mir völlig unbekannt ist, mich anriefe um sich zu erkundigen, warum ich sein Buch „De vrouw in den blauwe mantel“ noch nicht gelesen habe, obwohl es schon seit dem 15.06.2017 hier rumsteht. Ich weiß das genau, weil der Kassenzettel noch im Buch liegt. Das Buch selbst war ein Geschenk. Nein, ich gehe mit Geschenken nicht generell so um, das hier war eines anlässlich der „Woche des spannenden Buchs 2017“, Beifang beim Kauf eines anderen Buches sozusagen.

Deon Meyer muss noch warten, obwohl er jetzt gerade links neben der Tastatur liegt. Hoffnungsvoll. Aber rechts liegt „Drachenblut“ von Christoph Hein. Das ist dran. Und Meindert Evers „Begegnungen mit der deutschen Kultur.“ Je nach Laune lese ich auch Peter Wohlleben weiter „Das geheime Netzwerk der Natur“. Seit ein paar Tagen ist Elisabeth Etty mit „Minnebrieven aan Maarten“ dazugekommen.

Wie gesagt, meistens lese ich mehrere Bücher gleichzeitig. Sage ich so, stimmt abe nicht, ich lese sie nicht gleichzeitig, sondern ich lese einfach nicht erst das eine zu Ende und beginne dann mit dem nächsten. Manche sagen ja auch, sie hätten ein Buch aus gelesen. Klingt für mich, als sei das Buch jetzt alle. Leer. Fertig. Nein. Ich lese Bücher nicht aus. Ich lasse sie warten, ruhen, reifen um ihnen dann meine geteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

 

Bewegende Bilder

Als unsere erste Tochter gerade mal stehen konnte, kauften wir uns eine Videokamera. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Eine Videokamera des Jahres 1989 hat nichts zu tun mit den kleinen digitalen Camcordern, die man inzwischen auch kaum noch sieht, weil die meisten Videos einfach mit dem Handy aufgenommen werden. Es war ein Gerät groß wie ein Toaster, in das VHS-C-Kassetten eingelegt wurden, die wiederum mittels eines Adapters im Videorekorder abspielbar waren. Die Kamera ist längst entsorgt, einen Videorekorder besitzen wir noch, obwohl wir damit nichts mehr aufnehmen. Es gibt eine Kassette, die wir uns alljährlich in der Weihnachtszeit ansehen… wollen. Meistens kommen wir nicht dazu oder der Rekorder steht gerade neben meinem Rechner, so wie jetzt, weil ich die VHS-C-Kassetten digitalisieren will.

Seit vielen Jahren. Zweimal habe ich Hard- und Software dafür angeschafft, inzwischen ist die Technik so weit, dass das ganz gut geht. Leider sind Weiterlesen

Texte, schlaflosen Frauen in tiefer Nacht vorzutragen

Max Liebermann [Public domain]: Theodor Fontane

Manchmal schläft man nicht so gut. Ich schon, ich schlafe eigentlich immer gut, meistens schon, bevor mein Kopf das Kissen berührt. Meine Frau ist da anders, sie will es nicht, aber sie liegt manchmal da und wartet auf den Schlaf, der offenbar was anderes zu tun hat und nicht zu ihr kommen will. Das ist sicher blöd, weil sie jetzt gerade Zeit hätte und auch nichts anderes auf dem Programm steht. Das Büro ist zu, niemand will um drei Uhr in der Früh angerufen werden, nicht mal der lästigste Klient versucht es um diese Zeit. Warum eigentlich nicht? Wieso verabreden die Schlaflosen nicht nächtliche Sprechstunden, dann könnten sie am frühen Morgen, wenn der Schlaf dann endlich zu ihnen gefunden hat, noch etwas liegen bleiben. Aber nein, sie drehen sich wie Würstchen auf dem Rost, zupfen an der Bettdecke und denken.

Ich vermute, das Denken macht es nicht besser. Denken ist ohnehin lästig, bei Dunkelheit und einer der Schlaflosigkeit geschuldeten miesen Grundstimmung kennt es, so wurde mir berichtet, fast immer nur eine Richtung, die in die tiefere Dunkelheit. So werden alltägliche Sorgen zu schier unüberwindlichen Hindernissen aufgebläht. Der Schlaf, der vielleicht gerade irgendwo in der Nähe war, findet die Schlaflose hellwach aufrecht im Bett sitzend und zieht gleich wieder unverrichteter Dinge von dannen.

Das ist dann der Moment für meinen Auftritt. Sensibel wie ich nun mal bin, bemerke ich beim Blick auf den Wecker oder der Rückkehr von einem der Prostata geschuldeten nächtlichen Toilettenbesuch, dass meine Frau wach ist. Gut, ich bemerke es nicht, sie sagt es mir. Nun Weiterlesen