Nanu, Besuch?

Bild: Elfie Voita

Bild: Elfie Voita

Christel Lechners Alltagsmenschen: Der Leser

Wenn Sie schon mal hier sind, bleiben Sie doch ein paar Minuten. Warum? Das sollen Sie auf dieser und den folgenden Seiten erfahren!
Aktuelle Termine, Veröffentlichungen und andere Kleinigkeiten, ohne die sich die Welt nicht weiter drehen kann, finden hier in den unendlichen Tiefen des Netzes ihren Raum.

 

Schwarzweißfilm

By NASA; restored by Adam Cuerden [Public domain], via Wikimedia Commons

Nach dem zweiten Weltkrieg brach ein neuer Konflikt zwischen den Guten und den Bösen aus, der unter der Bezeichnung kalter Krieg läuft. In den späten fünfziger, frühen sechziger Jahren konkurrierten die UdSSR und die USA nicht nur um die Weltherrschaft, sondern auch um die Vorherrschaft im Weltraum. Die „Russen“ legten mit dem Sputnik und Laika, später dem Kosmonauten Juri Gagarin vor. Die Amerikaner mussten, einerseits weil sie sich aus dem All bedroht fühlten und andererseits aus Prestigegründen, so schnell wie möglich nachziehen und dann in Führung gehen.

Computer wurden nach 1945 wichtiger, waren allerdings noch hochsensible Röhrengeräte mit einem enormen Platzbedarf. Für den Einsatz in den Raumkapseln waren sie völlig ungeeignet, zunächst wurde die Zuverlässigkeit ihrer Berechnungen auch in Frage gestellt. Es brauchte menschliche Arbeitskraft, menschliche Intelligenz, um komplizierte Berechnungen durchzuführen. Es fanden sich Menschen, die genau die gesuchten Qualifikationen besaßen, die ihren Job erfolgreich erledigten, die Amerikaner brachten Menschen ins All und auf den Mond. Ende gut, alles gut. Weiterlesen

Gute Karten, schlechte Karten

von B. P. Schulberg Productions, Preferred Pictures (The New Zealand Film Archive) [Public domain], via Wikimedia Commons

„In welchen Film wollen wir denn?“ frage ich so in den Raum hinein.

Blöde Frage, denn natürlich weiß ich, in welchen Film wir wollen – nur nicht, wie er heißt. Und bei uns in der Kleinstadt werden zwar außen in den Glaskästen die Plakate der Filme ausgehängt, aber am Kassenhäuschen steht nichts, nur der Preis. Und manchmal der Zuschlag für Überlänge. Natürlich auch die Preise für die Erfrischungsgetränke und das Popcorn.

„Hidden Figures“ sagt der Mann im Kassenhäuschen.

Nein, es ist nicht so einfach, wie man jetzt denken könnte, es läuft nicht nur ein Film. Wir haben hier nämlich ein Kino mit zwei Sälen. Also Räumen eher. Das muss man schon wissen, um meine Verblüffung zu verstehen. Sieht man mir oder uns schon an, in welchen Film wir wollen – oder in welchen wir definitiv nicht gehören? Weiterlesen

Gestalttherapie

„Hast du schon eine Idee, als was du nächstes Jahr gehen möchtest?“ hatte mich die Frau gefragt, die ich bei der Prunksitzung der Schwarzgelben Funken kennengelernt hatte. Darüber hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht, ich entschied das immer sehr kurzfristig. Aus Gründen, die ich selbst nicht mehr nachvollziehen kann, antwortete ich dennoch ganz spontan. „Als Einhorn!“ Sie hatte mir später auf mein alkoholinduziertes Drängen hin sogar ihre Telefonnummer gegeben, aber ich war nicht dazu gekommen, sie auch anzurufen. Ehrlich gesagt, ich hatte nicht einmal darüber nachgedacht. Ich erinnerte mich kaum daran, wie sie ausgesehen hatte. Eine Maske, irgendwas mit viel Glitzer und Silber, kleine Flügel auf dem Rücken, eigentlich ganz niedlich.

Das Päckchen, das ein Jahr später, die Prunksitzung stand kurz bevor, an meiner Türklinke baumelte, überraschte mich deshalb schon sehr. Keine Paketmarke, kein Hinweis auf irgendeinen Paketdienst. Weiterlesen

Auch Käse im Angebot: Wahlen in den Niederlanden

In den Niederlanden wird gewählt. Geert Wilders, Vorsitzender und einziges Mitglied der PVV (Partei für die Freiheit), geht mit einem Programm in diese Wahlen, das auf eine Seite passt. Ich versuch mich mal an einer Übersetzung:

Konzept Wahlprogramm Partei für die Freiheit 2017 – 2021

Niederlande wieder unser!

Millionen Niederländer haben genug von der Islamisierung unseres Landes. Genug von Massenimmigration und Asyl, Terror, Gewalt und Unsicherheit.

Hier ist unser Plan: Anstelle der Finanzierung der ganzen Welt und von Menschen, die wir hier nicht wollen, geben wir das Geld für den normalen Niederländer aus. Weiterlesen

Ein Bild von einem Abend

 

Foto: Elfie Voita

Gruselig, schön, idyllisch, stimmungsvoll, kitschig, ich weiß es doch auch nicht. Es ist kein schöner grüner Mond von Mahagonny und auch kein oh moon of Alabama. Mehr so eine Mischung aus  „Der Mond ist aufgegangen“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“.

 

 

 

Moore & more

Henry Moore: The Archer, Foto Beek100 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Henry Moore ist in Münster. Also eigentlich nicht. Er ist tot und vermutlich in England bestattet. Vermutlich, das schreibe ich nur, weil ich es nicht weiß, nicht, weil man nicht weiß, ob er bestattet wurde. Da fällt mir natürlich Rahel Varnhagen von Ense wieder ein, die nicht bestattet werden wollte, jedenfalls nicht in einem Grab. Erst 34 Jahre nach ihrem Tod wurde sie schließlich begraben. Und wusch… da wird der Assoziationsgenerator auch schon wieder angeworfen. Bestattung – Knochen. Unangenehmes Thema? Gut, Mittagessen – Knochen. Oder meinetwegen auch im Biologieunterricht. Knochen waren wohl eine Anregung für Henry Moore, sich von der naturalistischen Plastik zu lösen und doch Bezüge zum menschlichen, in der Regel wohl weiblichen Körper zu behalten. Weiterlesen

Hamm: Sprotte und andere komische Vögel

Paula Modersohn-Becker [Public domain], via Wikimedia Commons

Künstlerkolonien wurden, was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man an das ausklingende 19. Jahrhundert denkt, fast ausschließlich von Männern gegründet. Dann zogen Frauen nach, als Malweiber, wie sie abschätzig genannt wurden. Groupies, dachte ich in Ermangelung eines passenderen Begriffs – und ebenso geringschätzig. Bis ich eines anderen, eines besseren belehrt wurde.

Bis heute hat sich wenig daran geändert, dass, wer eine Karriere als bildender Künstler anstrebt, eine möglichst renommierte Hochschule besucht und eine gediegene Ausbildung absolviert. Frauen war dieser Weg im 19. und frühen zwanzigsten Jahrhundert schlicht verwehrt. Die Alternative waren private Kunstschulen. Nun mag man sich durchaus die Frage stellen, ob die akademische Malerei jener Zeit, wie sie an den Kunstakademien gelehrt wurde, die Mühen eines Studiums wert war, doch darum geht es überhaupt nicht. Weiterlesen