Nanu, Besuch?

Bild: Elfie Voita

Bild: Elfie Voita

Christel Lechners Alltagsmenschen: Der Leser

Wenn Sie schon mal hier sind, bleiben Sie doch ein paar Minuten. Warum? Das sollen Sie auf dieser und den folgenden Seiten erfahren!
Aktuelle Termine, Veröffentlichungen und andere Kleinigkeiten, ohne die sich die Welt nicht weiter drehen kann, finden hier in den unendlichen Tiefen des Netzes ihren Raum.

 

Literarisches Amsterdam (3)

Besucht man eine Stadt häufiger, dann ist bei jedem weiteren Besuch immer mehr von dieser Stadt präsent, reichert sich quasi im Gedächtnis an und schafft ein Bild, dass weit über alles hinausgeht, was man gerade sieht und erlebt. So geht es mir mit der Warmoesstraat, die parallel zum Damrak verläuft, der vom Hauptbahnhof direkt zum Schloss und Nationalmonument auf dem Dam führt.

Die Rückseite der Häuser der Warmoesstraat sind links am anderen Ufer eines Gewässers zu sehen, für das ich gerade keinen Namen zur Hand habe. Aber in Amsterdam muss man sich auch nicht über die Gegenwart von Wasser wundern, sondern eher darüber, wie es möglich ist, dass all diese Gebäude hier stehen. Weiterlesen

Literarisches Amsterdam (2)

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Viele Menschen reisen gern, ich reise gern an. Gern auch langsam. Morgens von Warendorf nach Münster, frühmorgens, kurz nach sechs, Hochnebel. Noch ist es kühl draußen. Man sollte öfter mal so früh los, die Natur gibt sich alle Mühe und kaum einer schaut hin. Rehe auf den Feldern.

In Münster parken, umsteigen in den Flixbus. Pünktliche Abfahrt, unterwegs durch die Hoge Veluwe, ein Heide- und Waldgebiet, neben dem Utrechtse Heuvelrug: Sozusagen ein Höhepunkt der niederländischen Landschaft.

Wieder mal eine Brücke. Weil sich das Lesen nicht abstellen lässt, konsumiere ich den Text auf einem der Brückenpfeiler „Ecoduct…“ Da war doch was… na klar, habe ich in einem Fernsehbeitrag schon mal gesehen. Eine Autobahnbrücke für die Tiere, die ab und an auch mal die Seite wechseln möchten, begrünt, bewaldet.

Pünktliche Ankunft in Amsterdam- Sloterdijk. Sagt mir nichts. Sloterdijk schon. Peter Sloterdijk. Der hatte einen niederländischen Vater, womit das jetzt auch geklärt wäre. Amsterdam-Sloterdijk entspricht weder dem Bild oder dem Vorurteil, das wir von Amsterdam oder niederländischen Städten haben. Stattdessen Hochhäuser und ein Vorortbahnhof, gebaut für Pendler, die hier arbeiten sollten. Weiterlesen

Kuckuck & Seidenspinner

Gestern habe ich Raffstoren geputzt. Die heißen wirklich so, ich habe das überprüft. Diese Kunststoffteile, Lamellen hätte ich früher gesagt, die außen an der Fassade aufgehängt werden und zur Beschattung und Verdunklung dienen. Und ja, der Plural lautet Storen. Während der Plural von Story Storys ist. Auf Storen wäre da ja auch niemand verfallen. Weil ich einige Raffstoren zu putzen hatte, wir machen das regelmäßig, also genau genommen habe ich diese Regelmäßigkeit gestern begründet, dauerte das und so hatte ich wohlweislich – klingt übrigens wie ein naher Verwandter des Kohlweißlings – meine Kopfhörer aufgesetzt und mein Hörbuch weitergehört. Storen und Storys eben.

Eine Freundin hatte mich mit Robert Galbraith versorgt. Weil ich ja nicht so schnell mal etwas richtig mache, habe ich den ersten Roman ‚Der Ruf des Kuckucks‘ erst gehört, nachdem ich den zweiten ‚Der Seidenspinner‘ schon kannte. Der dritte, ‚Die Ernte des Bösen‘, ist seit einigen Monaten ebenfalls zu haben. Da werde ich wohl warten müssen, bis ich den vierten Teil gehört habe.

Robert Galbraith ist, woran ich mich sofort erinnerte, nachdem unsere Weiterlesen

Delfter Blau

Bild: Amelie Voita

Bild: Amelie Voita

Meine Tochter brachte mir ein Foto aus Delft mit. Einige Zeilen aus einem Gedicht. Kann man ja nicht abheften, muss man ja schon mal googeln. „Nacht“, so heißt das Gedicht, das Hubert Poot über den Delfter Sternenhimmel verfasste.

Slechts ik, dus vroeg eens opgestaen / Zie ’t ryzend licht der schoone maen / Op gevels blikkeren en torens. / Zy meet het blaeu met elpe schreen; / En scheurt, in koelen moedt, met haere zilvre horens, / De donkerheid vanëen

Ein Bauer war er, Weiterlesen

Literarisches Amsterdam (1)

Noch ein paar Tage, dann sind wir wieder einmal in Amsterdam. Ein literarischer Rundgang steht an. Was werden wir sehen und hören? Literatur und Amsterdam, da gibt es so einiges. Wikipedia listet 33 Autorinnen und Autoren auf, die in Amsterdam gelebt und gearbeitet haben. Ergänzen, denke ich, lasse es aber. Wo anfangen? Joost van den Vondel fehlt, einer der bedeutendsten Autoren des goldenen Zeitalters der Niederlande.

Aber wie gesagt: Wo anfangen? Kein Vorwurf an den oder die Verfasser des Eintrags, es waren und sind sehr viele, die in Amsterdam geschrieben haben.

Janwillem van de Wetering hat zwar auch in Amsterdam gelebt, seine Kriminalromane entstanden aber in Maine. Ha… man sollte doch nichts recherchieren, das bringt einem nur Arbeit ein. Jetzt habe ich doch gerade nachgeschaut, wo genau van de Wetering gelebt hat, in Surry im Hancock County (Maine) nämlich. Bei der Gelegenheit musste ich jedoch gleich ein Vorurteil revidieren, ich nahm nämlich an, er habe seine Bücher auf Englisch geschrieben, Weiterlesen

Vor der Morgenröte

Wir waren im Kino. Im Schloßtheater in Münster. Das schreibt sich noch mit ‚ß“, im Unterschied zum Schlossplatz, aber der heißt auch noch nicht so lange Schlossplatz. Obwohl das Schloss da schon seit 1787 steht, das Schloßtheater hingegen gibt es erst seit 1953. Es steht auch nicht am Schlossplatz. Das ist, wegen der vertrackten Schreibweisen, wohl auch besser so.

1942, gerade einmal elf Jahre zuvor, hatte sich Stefan Zweig in Brasilien das Leben genommen. 11 Jahre, was sind schon elf Jahre? 2005. Was war da? Das Arbeitslosengeld II wurde eingeführt, Angela Merkel Bundeskanzlerin. 2005 erst? Und Hans Dieter Hüsch starb. Immer ist irgendwas. Und immer ist es gerade am schlimmsten. Jedenfalls erleben wir es so. Wie verhält man sich zu den herrschenden Verhältnissen? Was kann man tun, was muss man tun, müsste man tun? Weiterlesen

Gedankenfreiheit oder Gedankenlosigkeit?

Wieso sind wir eigentlich immer einer Meinung?

Ich neige ja dazu, quer im Stall zu stehen, wie man das im Münsterland sagt, wenn einer nicht ganz ins System passt. Aber dann lese ich die Zeitung und wir sind einer Meinung, wir haben Recht.

Wobei? Nur ein paar Beispiele!

Wir wissen viel besser als die Amerikaner, wer der neue Präsident werden soll, bzw. die neue Präsidentin und wir verstehen überhaupt nicht, dass offenbar Millionen Amerikaner ganz anderer Auffassung sind. Idioten. Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Ich will hier nicht eine Lanze für Herrn Trump brechen. Huch, wo kommt denn diese kriegerische Ausdrucksweise her? Egal.

Wir sind uns auch einig darin, dass Herr Erdogan in der Türkei übertreibt. Ich war noch nie in der Türkei, ich habe allerdings schon oft mit Türken geredet. Allerdings noch nicht nach dem Putschversuch. Ich vermute jedoch stark, dass die Türken oder türkischstämmigen Deutschen, die ich kenne, auch eher zum Kreis der Erdogan-Fans zu zählen sind. Aber wir wissen es ja besser. Das der IS schlecht für die Welt ist, für Ost und West und natürlich auch für die Moslems, das wissen wir auch. Landesweit. Wieso sind wir eigentlich plötzlich alle Experten in arabischer Innen- und Außenpolitik und in Fragen des Islam? Döner essen zählt nicht. Und Badeurlaub in Antalya auch nicht. Weiterlesen