Lächerlich

Foto: Manfred Voita

In einem Schaukasten am Bahnhof hängt dieses Plakat, hinter Glas, deshalb die Reflektionen auf dem Bild. Was will, so lautet natürlich die Frage, der Künstler uns mit diesem seinem Werk sagen?

Beginnen wir mit den Farben, da gibt es sehr klare Strukturen. Blau dominiert, mehr als die Hälfte des Bildes wird von dieser kalten Farbe, denn so wird ihre psychologische Wirkung beschrieben, bedeckt. Nüchtern, sachlich und vertrauensvoll, ohne viele Emotionen zu vermitteln. Schon klar, warum es die Lieblingsfarbe der Deutschen ist. Selbst die positiven Assoziationen, die mit dieser Farbe verbunden sind, gefallen nicht jedem, autoritär und stark zum Beispiel. Langweilig gehört Weiterlesen

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Möglicherweise sieben, diese aber nicht

Foto: Manfred Voita

 

 

Wann treffen wir drei wieder zusamm?

Um die siebente Stund‘, am Brückendamm.

Am Mittelpfeiler.

Ich lösche die Flamm.

Ich mit

Ich komme vom Norden her.

Und ich vom Süden.

Und ich vom Meer.

Hei, das gibt einen Ringelreihn,

Und die Brücke muß in den Grund hinein.

Und der Zug, der in die Brücke tritt

Um die siebente Stund’?

Ei, der muß mit.

Muß mit

Tand, Tand

Ist das Gebilde von Menschenhand!

Auszug aus Theodor Fontane: Die Brück’ am Tay

Der Friedhof von Prag, Eco und die Protokolle der Weisen von Zion

Foto: Elfie Voita

Die Protokolle der Weisen von Zion. Nie davon gehört? Das wäre ja mal ein gutes Zeichen.

Vermutlich gab es zu jeder Zeit Versuche, irgendwem die Schuld für den ganzen Schlamassel aufzudrücken. Der Homo Sapiens Sapiens, der erstmals einen Bezugsschein für eine Höhle ausfüllen musste, gab die Schuld dafür sicher dem Neandertaler, dem blöden Höhlenmenschen. Später wurden die, zu deren Religion oder Tradition der Sündenbock gehörte und die sich das Wort Schlamassel ausgedacht haben, zum Premiumfeind, zum Universalübel. Übrigens habe ich bis gerade nie darüber nachgedacht, dass in Schlamassel ja auch der Massel steckt, Schlamassel also einfach kein Massel ist. Manchmal hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech hinzu, wie es mal ein Bundesligaprofi formuliert hat.

Weil die Welt aber immer komplizierter wurde und immer mehr Menschen nicht verstanden, warum gerade sie nicht reich und berühmt wurden, dafür aber den Kopf für alles hinzuhalten hatten und anschließend auch noch einen Tritt in den Allerwertesten bekamen, bedurfte es einer Erklärung. Nein, nicht die von Herrn Marx. Die war auch kompliziert und hätte unangenehme Folgen für das Zusammenleben in der Gesellschaft gehabt. Weiterlesen

Abendlicht & 1 Gedicht

Bild: Manfred Voita

Wir gehen am Meer im tiefen Sand

Wir gehen am Meer im tiefen Sand,
Die Schritte schwer und Hand in Hand.
Das Meer geht ungeheuer mit,
Wir werden kleiner mit jedem Schritt.
Wir werden endlich winzig klein
Und treten in eine Muschel ein.
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn,
Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.

Max Dauthendey (1867 – 1918)

Sand in Sicht

Foto: Manfred Voita

Schiermonnikoog: die östlichste der bewohnten niederländischen Watteninseln.

Von Lauwersoog aus geht es mit der Fähre hinüber. 45 Minuten durch das Wattenmeer. Kreuz und quer, hin und her, wie die Fahrrinne es eben zulässt. Die Insel ist ganz nah. Zwei Leuchttürme, ein weißer und ein roter. Deich und Dünen, ein Dorf.

Ein Schiff voller Vorfreude. Ein Schiff voller Leben und Sommer. Das Meer, ja, die Nordsee! blitzt im Sonnenlicht, Segelschiffe… nein, die liegen im Schlick, können erst bei Flut weiter. Ehrlich gesagt riecht das Watt auch nicht gut. Ebbe eben. Aber dann ist die Insel da, die Zugbrücke wird heruntergelassen und los geht es.

Den Deich entlang, dann über schmale Wege in den Ort. Schiermonnikoog. Der einzige Ort auf der Insel. Die Insel der grauen Mönche. Zisterzienser haben hier gelebt, dann gab es verschiedene Herren und Herrschaften. Weiterlesen

Küs(s)te die Muse

Foto: Elfie Voita

Manch einen ruft der Berg, mich ruft die See.

Ich kann jetzt unmöglich hier sitzen und abwarten, bis es vorbei ist, bis die letzte Welle auf den Strand gelaufen ist.

Ich muss raus, muss mich bewegen, damit mein Denken in Bewegung gerät.

Am Strand entlang, ganz nah am Wasser, gegen den Wind und dann zurück, durchgepustet werden und den Kopf klar bekommen.

Durch den Sand stapfen, nicht suchen und doch zu finden hoffen, über einen Stein stolpern, der etwas ins Rollen bringt, einen Faden erwischen, an dem ich ziehen und einen dicken Fisch an Land hieven kann: der sich möglicherweise nach stundenlanger Arbeit als alter Hut entpuppt.

Wen schert’s?

Foto: Elfie Voita

Vor Stockholm liegen die Schären. Sie liegen da nicht, weil sie beim großen Aufräumen vergessen wurden, sondern sie liegen da, weil das große Aufräumen dafür gesorgt hat, dass es sie überhaupt gibt. Während einer Eiszeit, ich mache mir jetzt nicht die Mühe, den korrekten Zeitraum zu recherchieren, war nämlich Skandinavien von einer dicken Eisschicht bedeckt und als die Eiszeit fertig war und, wie sich das für Eis gehört, langsam wegtaute und an der Waffel runter lief, nein, falsches Bild, schob das Eis weg, was im Wege lag, machte platt, was platt zu machen war und schliff selbst Granit gnadenlos ab.

Manchmal blieb allerdings etwas stehen und als das Wasser kam, das wir als Ostsee, alle anderen als baltisches Meer kennen, ragten kleinere und größere Inselchen heraus. Weil aber der Druck des Eises weg war, stieg und steigt der Boden dort langsam an und es ist eine Frage der Zeit, dass wir nicht mehr mit dem Schiff, sondern mit dem Aufzug nach Stockholm fahren müssen. Aber das hat, Weiterlesen