Küs(s)te die Muse

Foto: Elfie Voita

Manch einen ruft der Berg, mich ruft die See.

Ich kann jetzt unmöglich hier sitzen und abwarten, bis es vorbei ist, bis die letzte Welle auf den Strand gelaufen ist.

Ich muss raus, muss mich bewegen, damit mein Denken in Bewegung gerät.

Am Strand entlang, ganz nah am Wasser, gegen den Wind und dann zurück, durchgepustet werden und den Kopf klar bekommen.

Durch den Sand stapfen, nicht suchen und doch zu finden hoffen, über einen Stein stolpern, der etwas ins Rollen bringt, einen Faden erwischen, an dem ich ziehen und einen dicken Fisch an Land hieven kann: der sich möglicherweise nach stundenlanger Arbeit als alter Hut entpuppt.

Wen schert’s?

Foto: Elfie Voita

Vor Stockholm liegen die Schären. Sie liegen da nicht, weil sie beim großen Aufräumen vergessen wurden, sondern sie liegen da, weil das große Aufräumen dafür gesorgt hat, dass es sie überhaupt gibt. Während einer Eiszeit, ich mache mir jetzt nicht die Mühe, den korrekten Zeitraum zu recherchieren, war nämlich Skandinavien von einer dicken Eisschicht bedeckt und als die Eiszeit fertig war und, wie sich das für Eis gehört, langsam wegtaute und an der Waffel runter lief, nein, falsches Bild, schob das Eis weg, was im Wege lag, machte platt, was platt zu machen war und schliff selbst Granit gnadenlos ab.

Manchmal blieb allerdings etwas stehen und als das Wasser kam, das wir als Ostsee, alle anderen als baltisches Meer kennen, ragten kleinere und größere Inselchen heraus. Weil aber der Druck des Eises weg war, stieg und steigt der Boden dort langsam an und es ist eine Frage der Zeit, dass wir nicht mehr mit dem Schiff, sondern mit dem Aufzug nach Stockholm fahren müssen. Aber das hat, Weiterlesen

Gartengast

Foto: Elfie Voita

Einer der schöneren Tage der Woche, nachmittags. Eine Tasse Kaffee auf der Terrasse. Also zwei Tassen, genaugenommen. Und Plätzchen. Selbstgebackene. Nicht von mir. Auf dem Kissen eine fette Fliege, die ich mit einem kurzen Klopfen auf das Kissen verscheuche. Nun sitzt sie auf dem Boden – und nur deshalb bemerken wir das grüne Insekt, das sich gerade zielstrebig – sage ich so, keine Ahnung, ob es ein Ziel hatte – am Tisch vorbei bewegt.

Wie an anderer Stelle schon berichtet, erhöht so ein Blog die Aufmerksamkeit auch für Kleinigkeiten, lässt uns genauer hinschauen und einfach mehr sehen. So auch diesmal, das grüne Wesen will allerdings nicht so recht fotografiert werden, ist richtig schnell, verdächtig schnell, fürchtet vielleicht die Identifizierung. Dann gelingt es doch, erst im Schatten, dann im Sonnenlicht. Und erst vergrößert auf dem Display zeigt sich, was für eine Schönheit wir da getroffen haben. Weiterlesen

Dünen

Foto: Manfred Voita

 

In den Emsauen bei Vohren liegen Dünen, die wohl 10.000 Jahre alt sind. Weil aber Wind und Wetter, wohl auch die Menschen, nicht zuletzt auch als Touristen, dazu beitragen, dass diese Dünen wieder abgetragen werden, entstehen seltsame Einblicke in die Wurzelstruktur der Bäume, die auf den Dünen gewachsen sind.

Architektur: mal als Klotz, mal als Detail

 

 

By Luekk (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Wort Einschüchterungsarchitektur hat mir schon immer gut gefallen, weil man sich sofort vorstellen kann, was damit gemeint ist. In Düsseldorf habe ich jetzt ein geradezu vollkommenes Beispiel dafür gefunden: den Stahlhof. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ der Stahlwerksverband sich diese Zentrale bauen, eine wahre Kathedrale des Kapitalismus, in der die mächtigen Stahlbarone ihr Stahlsyndikat unterbrachten. Thyssen, Krupp und wer auch immer noch dabei war, zeigten ihre Bedeutung, ihre Weiterlesen

Erst Ruhe, dann Stille, dann wieder Ruhe

Foto: Elfie Voita

Holzhäuser, wie man sie in Schweden erwartet. Rot, blau, gelb. Hügel, Flachland, Wald, Wiesen, Dörfer, Städte, menschenleere Gegenden, dann wieder ein Radweg neben dem Kanal. Ein Hof am Horizont. „We dicided it’s a piggery“. Die Engländer haben es auch gerochen. Man kann den Betrieb besser riechen als sehen, obwohl: besser?

Manchmal regnet es, manchmal weht der Wind ziemlich frisch. Macht nichts. Auf dem Brückendeck sitzt man unter einer Kunststoffdecke wie auf einem Ausflugsdampfer. Bestimmt gibt es ein seemännisches Fachwort für dieses Partyzelt, so wie Brückendeck ja auch nur sagt, dass dieser Teil des Schiffs eben hinter der Brücke liegt, dem kleinen Zimmerchen, in dem über das Wohl und Wehe des Schiffs entschieden wird. Falls das nicht doch die Küche ist.

Nichts ist los, aber auch überhaupt nichts. Nur Ruhe und eine undramatische Landschaft. Selbst die Schären in den Seen oder in der Ostsee sind einfach nur schön. Wie bitte soll man denn über so etwas schreiben? Weiterlesen