Friesland (3): Angekommen

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Leeuwarden ist 2018 nicht nur die Hauptstadt der Provinz Friesland, sondern, wie schon an anderer Stelle geschrieben, Kulturhauptstadt Europas. Eine kleine Hauptstadt mit knapp 110.000 Einwohnern, aber eine Stadt, die auch ohne die Veranstaltungen, die 2018 über das Jahr verteilt für eine Menge Leben sorgen werden, bemerkenswert ist. Wohin? fragten mich manche, als wir unsere Tour planten. Die Stadt liegt etwa 270 Kilometer nordwestlich von Warendorf und harrt offenbar noch ihrer Entdeckung durch die deutschen Reisenden. Nein, es liegt wohl nicht am Fries, das dort gesprochen wird, einer Sprache, die auch für Niederländer weitgehend unverständlich ist. oersethelp.nl bietet sogar ein Übersetzungsprogramm Nederlands – Frysk und umgekehrt.

Bûter, brea, en griene tsiis; wa’t dat net sizze kin, is gjin oprjochte Fries.

Boter, roggebrood, en groene kaas, wie dat niet kan zeggen, is geen oprechte Fries.

Und zur Sicherheit die deutsche Übersetzung: Butter, Roggenbrot und grüner Käse, wer das Weiterlesen

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Friesland (2): Unterwegs

Eigenes Bild

Rund zwanzig Kilometer nördlich von Zwolle liegt die alte Hansestadt Kampen. Rund 50.000 Menschen leben in der angeblich dümmsten Stadt der Niederlande, über die bereits 1563 ganz Europa gespottet haben soll. Da muss etwas an mir vorbeigegangen sein. Aber jedes Land hat seine Stadt, seine Region, über die gespottet wird. Bei uns ist das Schilda, die fiktive Heimat der Schildbürger, es ist aber auch Ostfriesland mit den Ostfriesenwitzen. Ein Beispiel für die Witze Weiterlesen

Friesland (1): Unterwegs

Leeuwarden ist 2018 gemeinsam mit Valetta europäische Kulturhauptstadt. Amsterdam und Leeuwarden sind von Warendorf aus etwa gleichweit entfernt, Valetta liegt etwas ungünstiger, also läge es nahe, mal wieder nach Amsterdam zu fahren. Was soll man in Leeuwarden? Im Februar? Das Programm der Kulturhauptstadt hat gerade erst begonnen, König und Königin waren schon zu Gast, die meisten attraktiven Veranstaltungen beginnen erst im Sommer. Oder finden am Wochenende statt.

Also fuhren wir von montags bis donnerstags hin. Was konnte man da schon erwarten?

Das Hotel hatte ich vorher gebucht. Zentrale Lage, bis Mitte der siebziger Jahre im Besitz der königlichen Familie. 1564 erbaut.

Stadhouderlijk Hof

Doch der Reihe nach. Erster Halt auf dem Weg in die friesische Hauptstadt war Zwolle, Hauptstadt der Provinz Overijssel. Zwolle hat eine schöne alte Innenstadt, gut, das ist in den Niederlanden nichts besonderes. Außer natürlich besonders schön.

Dann ist da die Basiliek van Onze-Lieve-Vrouw-Tenhemelopneming, eine mächtige Kirche, die, betritt man sie, auf einmal gar nicht mehr so mächtig wirkt, weil sie einschiffig ist. Hoch und

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Lichtsicht in Bad Rothenfelde

Gradierwerk (1)

Bad Rothenfelde ist ein Kurort, der südlich von Osnabrück gerade noch in Niedersachsen liegt. Über Kurorte kann man vermutlich alles Mögliche erzählen, von Kurschatten und Fango und Tango, von Bäderärzten und Kurkliniken. Ich bin da völlig ahnungslos, habe nur gehört, dass es eine Krise der deutschen Kurorte gab, vielleicht auch noch gibt, weil Kuren nicht mehr so leicht bewilligt werden. Eigentlich kenne ich auch nur Menschen, die zur Reha fahren, niemanden, der eine Kur macht, wie das einst mein Vater noch getan hat. Oder hieß das damals nur Kur und heißt heute Reha? Egal.

Bad Rothenfelde, das auf mich nicht gerade einen betriebsamen Eindruck macht, was ein Kurort vielleicht auch nicht machen sollte, verfügt über eine bemerkenswerte Besonderheit, eine, die man allerdings nur alle zwei Jahre und dann auch nur in der dunklen Jahreszeit bestaunen kann: Eine Biennale, die unter dem Namen Lichtsicht internationalen Künstlern Projektionsflächen für ihre Projektionen bietet.

Und das geht so: Im Kurbereich des Ortes stehen das alte und das neue Gradierwerk. Das sind hohe hölzerne Konstruktionen, die mit Schwarzdorn vollgesteckt werden und über die Salzwasser läuft und verdunstet. Deshalb ist es durchaus gesund, die Gradierwerke entlang zu spazieren und die salzhaltige Luft einzuatmen. Raum genug ist dafür vorhanden, denn das alte Gradierwerk ist 420 Meter lang. Diese langen und hohen Flächen werden alle zwei Jahre zur Projektionsfläche, auf denen mit Hilfe diverser Projektoren Filme und andere Lichtkunstwerke gezeigt werden.

Gradierwerk (2)

2016 und 2018 haben wir uns die Lichtsicht angesehen, die jetzt noch bis zum 28.01.2018 stattfindet.

An einem Dienstagabend waren nicht gerade viele Menschen unterwegs. Es war kalt und es war dunkel. Kalt war jetzt nicht so schön, aber die dunkle Nacht trug dazu bei, dass die gezeigten Werke besonders gut zur Geltung kamen. Einige verfügen auch über Ton, also Musik oder Geräuscheffekte.

Die Wirkung ist nur schwer zu beschreiben. In Teilen wirkt es auf mich so, als würde ich an einer endlos langen Leinwand vorbeigehen, auf der ein Film läuft, der mir rätselhaft bleibt, weil ich immer nur Teile der Geschichte verfolgen kann, selbst wenn ich stehenbleibe, denn dann passiert wieder weiter vorn oder weiter hinten etwas, das sich meinem Blick entzieht. Macht aber nichts, es gibt ja auch Führungen, die etwas zu diesen Werken erklären.

Durch die Projektion auf die Schwarzdornflächen, die durch die ständige Berieselung wie von Eiskristallen überzogen aussehen, ergibt sich ein grobkörniges Bild, eine ganz eigene Struktur.

Gradierwerk (3)

Neben den Gradierwerken gibt es auch noch drei andere Lichtinstallationen im Ort. Einmal ein Gebäude, das unter großem akustischen Aufwand in seine einzelnen Steine zerlegt zu werden scheint, einen See, in dem ein PKW zu versinken droht, dessen auf die Scheiben projizierten Insassen um ihr Leben kämpfen und eine Wasserfontäne, auf der nacheinander drei verschiedene Projektionen gezeigt werden. Einmal sind es Porträtfotos, dann ein explosives Farbspektakel

Fotos: Manfred Voita

und schließlich der Waterdancer. Bei dieser Projektion wird zu Musik ein Tänzer in die Fontäne projiziert, der mal mehr, mal weniger deutlich in den Wassermassen zu erkennen ist und offensichtlich zu den Publikumsfavoriten gehört.

Fotos können zum einen wegen der Dimensionen der Originale, zum anderen aber wegen der fehlenden Bewegung nur andeuten, was da in Bad Rothenfelde zu sehen ist.

Auf dem Fehn

Foto: Manfred Voita

Ja, es stimmt. In meinem letzten Beitrag ging es um Porzellan, allerdings um ein ganz bestimmtes Porzellan, das für eine ganze Region steht. Die dargestellte Tasse ist eine Teetasse, wie sie in Ostfriesland weit verbreitet ist, so weit, dass dieses Dekor als ostfriesische Rose bekannt wurde. Kaum eine Ostfriesin, ja sogar kaum ein Ostfriese, wird dieses Teetassen nicht kennen, die meisten haben oder hatten das entsprechende Teeservice im Schrank. Die Tasse in Verbindung mit der See stand also für einen Aufenthalt in Ostfriesland. Diesmal in Warsingsfehn, in Leer und in Aurich.

Warsingsfehn deshalb, weil uns Freunde eingeladen hatten, die dort leben. Warsingsfehn ist eines der vielen ostfriesischen Fehndörfer, die während der Erschließung der Hochmoore entstanden. Ein Hauptkanal, die Wieke, diente der Entwässerung und dem Abtransport des gewonnenen Torfs. Von diesem Hauptkanal gingen weitere Kanäle ab, zum Beispiel Weiterlesen