Auch Käse im Angebot: Wahlen in den Niederlanden

In den Niederlanden wird gewählt. Geert Wilders, Vorsitzender und einziges Mitglied der PVV (Partei für die Freiheit), geht mit einem Programm in diese Wahlen, das auf eine Seite passt. Ich versuch mich mal an einer Übersetzung:

Konzept Wahlprogramm Partei für die Freiheit 2017 – 2021

Niederlande wieder unser!

Millionen Niederländer haben genug von der Islamisierung unseres Landes. Genug von Massenimmigration und Asyl, Terror, Gewalt und Unsicherheit.

Hier ist unser Plan: Anstelle der Finanzierung der ganzen Welt und von Menschen, die wir hier nicht wollen, geben wir das Geld für den normalen Niederländer aus. Weiterlesen

Kaltstart

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Halb sieben, ein heller Morgen im Juli. Sommer. Jedenfalls verspricht es, ein sommerlicher Tag zu werden (wer auch immer dieses es sein mag, das da etwas verspricht, vielleicht bleibt es auch besser anonym, denn oft genug werden solche Versprechen gebrochen). Eine Jacke? Eine Jacke! Vor der Tür ist es zwar auch mindestens genauso hell, aber längst noch nicht so warm.

Ein Graben trennt den schmalen Pfad von einer Wiese. „Amelandse Weg“. „Wägch“ sagen wir und es soll klingen wie in Holland, mit einem Krächzlaut am Ende. So ein Aufwand, dabei hat der Weg, das Pättken, wie die Leute hier sagen, wohl nicht einmal einen Namen. Doch das münsterländer Pättken ruft Erinnerungen auf, an Urlaube auf der friesischen Watteninsel mit Sonne und Wind, Fahrrädern mit Kindersitzen und schmale Radwegen durch die Dünen und an Weiden vorbei, an einen Geruch, einen Duft, nach frisch gemähtem Gras und all dem, was auf der Wiese noch so wächst, würzig und herb, und nach Tieren: Kühen und Pferden, die irgendwo in der Nähe weiden. Weiterlesen

Surf songs

von New York Public Library (https://www.flickr.com/photos/nypl/4055707313/) [No restrictions], via Wikimedia Commons

von New York Public Library (https://www.flickr.com/photos/nypl/4055707313/) [No restrictions], via Wikimedia Commons

Surfen…kaum schreibe ich das Wort, denke ich Beach Boys, eine vielleicht altersbedingte Assoziationskette. Eigentlich hatte ich an das Surfen im Internet gedacht, möglicherweise drängen sich die Beach Boys dennoch nicht ganz so zufällig auf, sondern gehören genau hier her, nur eben nicht an diese Stelle. Blöde Beach Boys, jetzt sind sie schon das dritte Mal in diesem Text und nein, das lasse ich denen nicht durchgehen. Hinten anstellen. Vielleicht, aber nur vielleicht, kriegt ihr noch eure Chance. Aber ich glaube eher nicht, die habt ihr vertan, Vordrängler.

Ich hatte Musik gehört und wie das jetzt oft so geht, Musik, die ich auf anderen Blogs gefunden habe, Musik, auf die ich gestoßen bin, weil ich dann einfach weitergehört habe. Springsteen, der Woody Guthrie spielt oder Chimes of Freedom von Bob Dylan. Einer der besten Songs, die je über die menschliche Freiheit geschrieben wurden, kündigt Bruce seine Coverversion an. Die Fassung gefällt mir, aber die von den Byrds erreicht mich ganz anders, drückt irgendwo auf einen Knopf und etwas passiert. Die ist 1965 veröffentlich worden. Dylan hat den Song schon 1964 herausgebracht. Seine Aufnahme, das Original, habe ich erst später kennengelernt. Weiterlesen

Gut gemeint

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von Jebulon (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

Durch CETA, vielleicht erinnert sich noch jemand, das Abkommen, das uns ungeheures Wachstum und mindestens ewigen Wohlstand bringen wird, durchgedrückt von Gabriel und der EU, sahen 20 % der Befragten eher Vorteile für Deutschland, der Rest erwartete Nachteile, hatte keine Meinung oder sogar noch nie etwas von CETA gehört. Unklare Haltung nennt das ZDF so etwas.

Das ZDF-fragte ebenfalls, wie es in Deutschland um die soziale Gerechtigkeit bestellt ist. 2 % der Befragten waren der Auffassung, dass es in Deutschland sehr gerecht zugeht, 43 % meinten immerhin, es gehe gerecht zu. Ebenfalls 43 % glaubten allerdings, dass es sozial ungerecht zugeht und 11 % fanden es sogar sehr ungerecht. Mit anderen Worten: 54 % der Befragten sagten, dass es in Deutschland nicht gerecht zugeht.

Im Januar 2017 hat das ZDF die Bundesbürger danach gefragt, ob bei uns genug zum Schutz vor Terror getan wird. Der Anschlag in Berlin lag noch nicht lange zurück, so ist es kaum verwunderlich, dass 51 % meinten, es werde nicht genug getan.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Befragungen haben offenbar lustige Auffassungen zu allen möglichen Dingen und der Politik und den Medien gehen diese Auffassungen in den allermeisten Fällen auch am Barsch vorbei. Es gab keinen Aufstand, nein, auch nicht in der CSU, weil 54 % nach mehr sozialer Gerechtigkeit fragen. Weiterlesen

Aufgemerkt und weggehört

Eckenstehender Nante kehrt immer wieder. Viele Berliner Strassenecken waren mit einem steinernen "Prellbock" gesichert.

Bundesarchiv, Bild 146-1976-141-11 / Hoffmann / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons

Lunapark von Volker Kutscher war durch. Ich war zu Beginn der Reihe, in deren Mittelpunkt der Kriminalpolizist Gereon Rath steht und die während der Weimarer Republik und zur Zeit der Nazidiktatur spielt, sehr angetan.

Natürlich kannte ich schon die Berlin-Trilogie von Philip Kerr, die inzwischen, wie ich gerade feststelle, deutlich angewachsen ist. Vaterland von Robert Harris dachte den Nazi-Staat weiter, spielte mit der Frage, wie die Gegenwart aussehen könnte, wenn Deutschland den Krieg gewonnen hätte.

Ich nahm immer an, dass für einen deutschen Autoren der Umgang mit der NS-Zeit komplizierter sein müsste, einfach, weil wir keinen einfachen Umgang mit der Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts haben könnten. Dachte ich. Inzwischen geht da einiges, der Horror ist komödienreif geworden. Auch wenn mir davon Weiterlesen

Nase voll

Photo by Michel Marcon

Photo by Michel Marcon

„Wir gehen eigentlich nur noch ganz selten zu einem Bäcker“, sage ich zu Elfie, während wir die lange Ausfahrt nehmen, die eigentlich schon ein  landwirtschaftlicher Nutzweg ist. Wir haben Eier gekauft, frisch ab Hof. Eine Klingel neben dem kleinen Laden, der links vor dem Wohnhaus in einem Nebengebäude untergebracht ist. Das Wort Laden ruft falsche Bilder auf,  es ist nur ein besserer Lagerraum mit ein paar Regalen, einem Kühlschrank, Tisch und einer Kasse. Eine Klingel, damit man jemanden aus dem Haus, ja, im wahrsten Sinne des Wortes, herausklingeln kann.

Vorneweg der Hofhund mit gefletschten Zähnen. Der junge Mann, möglicherweise der Bauernsohn behauptet, dass der Hund grinst. Mag sein, bei Alice im Wunderland grinst schließlich auch eine Katze. Jedenfalls will er gestreichelt werden, der Hund, nicht der Sohn. Und ich muss dann später auch nicht an den Bäcker denken, weil ich den mal wieder streicheln müsste. Sondern weil wir so unsystematisch einkaufen, einfach immer darauf setzen, dass der Supermarkt ein paar Häuser weiter schon offen hat, und so kann man auf dem Land nicht einkaufen.

Aber einen Bäcker gibt es da, nicht gleich beim Bauern, schon ein Stück entfernt im Dorf. Da bekommt man vielleicht auch noch eine Tüte Milch und ein halbes Pfund Butter. Das wäre auch gut so, denn einen Lebensmittelladen gibt es nicht mehr im Dorf . Und dann erinnert sich Elfie an den Bäcker in Holland, vielleicht in Coevorden, vielleicht auch in Zwolle, ich frage nicht nach, es ist eine Erinnerung, die wir nicht teilen, eine aus ihrer Kindheit, wenn sie ihre Tante in Holland besuchte und dann war da dieser Bäcker, zu dem sie so gern ging, weil das ganze Geschäft so nach frischem Brot duftete. Weiterlesen