Texte, schlaflosen Frauen in tiefer Nacht vorzutragen

Max Liebermann [Public domain]: Theodor Fontane

Manchmal schläft man nicht so gut. Ich schon, ich schlafe eigentlich immer gut, meistens schon, bevor mein Kopf das Kissen berührt. Meine Frau ist da anders, sie will es nicht, aber sie liegt manchmal da und wartet auf den Schlaf, der offenbar was anderes zu tun hat und nicht zu ihr kommen will. Das ist sicher blöd, weil sie jetzt gerade Zeit hätte und auch nichts anderes auf dem Programm steht. Das Büro ist zu, niemand will um drei Uhr in der Früh angerufen werden, nicht mal der lästigste Klient versucht es um diese Zeit. Warum eigentlich nicht? Wieso verabreden die Schlaflosen nicht nächtliche Sprechstunden, dann könnten sie am frühen Morgen, wenn der Schlaf dann endlich zu ihnen gefunden hat, noch etwas liegen bleiben. Aber nein, sie drehen sich wie Würstchen auf dem Rost, zupfen an der Bettdecke und denken.

Ich vermute, das Denken macht es nicht besser. Denken ist ohnehin lästig, bei Dunkelheit und einer der Schlaflosigkeit geschuldeten miesen Grundstimmung kennt es, so wurde mir berichtet, fast immer nur eine Richtung, die in die tiefere Dunkelheit. So werden alltägliche Sorgen zu schier unüberwindlichen Hindernissen aufgebläht. Der Schlaf, der vielleicht gerade irgendwo in der Nähe war, findet die Schlaflose hellwach aufrecht im Bett sitzend und zieht gleich wieder unverrichteter Dinge von dannen.

Das ist dann der Moment für meinen Auftritt. Sensibel wie ich nun mal bin, bemerke ich beim Blick auf den Wecker oder der Rückkehr von einem der Prostata geschuldeten nächtlichen Toilettenbesuch, dass meine Frau wach ist. Gut, ich bemerke es nicht, sie sagt es mir. Nun Weiterlesen

Hilmar Klute

„Phönix voran!“ heißt ein Gedicht von Peter Rühmkorf und die ersten beiden Zeilen lauten:

„Was dann nachher so schön fliegt.  .  .
wie lange ist darauf rumgebrütet worden.“

Peter Rühmkorf, dessen Vater ein reisender Puppenspieler war, so was kann man nicht erfinden, spielt eine Rolle in Hilmar Klutes Roman „Was dann nachher so schön fliegt“. Es war der Titel, den ich natürlich nicht kannte, nicht auf Rühmkorf beziehen konnte, der mich dazu veranlasste, die Lesung im Kulturgut Haus Nottbeck zu besuchen. Wir hatten online die Karten gekauft, wäre nicht nötig gewesen, war aber dennoch gut besucht. Walter Gödden sprach einleitende Worte.

Oft nervt mich so ein  Vortrag vor dem Vortrag, Gödden plauderte aber fachkundig, ach was, super belesen und kompetent. War ja auch sein Thema. Hilmar Klute hat einen Roman über einen angehenden Dichter geschrieben, Volker Winterberg, der in den achtziger Jahren im Ruhrgebiet Zivildienst leistet, seine Texte schreibt und zu einem Treffen für Nachwuchslyriker nach Berlin eingeladen wird. Die Gruppe 47, der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, Heiner Müller, natürlich Peter Rühmkorf, wir begegnen der literarischen Prominenz. Habe ich Böll erwähnt? Grass? Ein Schwerpunkt liegt auf der westfälischen Literatur, für die Walter Gödden als Leiter der Literaturkommission für Westfalen, gern als LIKO abgekürzt, LKW wäre auch nett gewesen, und wissenschaftlicher Leiter des Museums für westfälische Literatur Weiterlesen