Das Land von Thorn

Eigenes Foto: Fenster in Thorn

 

Das Land Thorn? Nie gehört? Ich auch nicht, bis unsere Regionalzeitung eine Tagestour anbot. Die wir nicht gebucht haben, wir machen unsere Seniorenreisen auf eigene Faust. Im Süden der Niederlande, nicht weit von Aachen, liegt Thorn, das weiße Städtchen, wie es beworben wird.

Schön und gut, aber das, was heute als touristisches Highlight vermarktet wird, führte am 25. November 1797 zum Ende des Reichsfürstentums Thorn. Französische Revolutionstruppen lösten das Damenstift auf, vieles wurde beschlagnahmt, abgerissen, zweckentfremdet. Die hohen Damen flohen, die verarmten Dörfler wurden mit einer Steuer auf die Fenster belegt, nein, keine Gardinensteuer, wie sie immer als Begründung für die unverschleierten niederländischen Fenster genannt wird. Eine Fenstersteuer also, der die Thorner zu entkommen wussten, indem sie ihre Fenster zumauerten. Nicht gleich alle, aber viele. Und weil das nicht gut aussah, wurden die Wände gleich neu gestrichen. Weiß. Das lässt sich immer noch gut sehen und verleiht dem Ort einen gewissen Reiz. Der nicht ausreicht, um dort hinzufahren.

Eigenes Foto

Die Geschichte des Ortes allerdings schon. Graf Ansfried und Hilsondis, seine Frau, gründeten  im 9. Jahrhundert ein Kloster, das nach der Regel Benedikts lebte, aus diesem Kloster entwickelte sich ein Damenstift, das Damenstift, nicht der, der war noch nicht erfunden, das Damenstift also, das weltliche und geistliche Macht verband. Die Äbtissin des Landes von Thorn war zugleich auch die Landesherrin, herrschte über rund 52 km² und ein paar Tausend Untertanen. Zum Vergleich: Warendorf dehnt sich auf üppigen 176 km² aus. Nur hochadlige Damen, die ihre Zugehörigkeit Weiterlesen

Chor & more

Meine Frau war im Kloster. Nein, nicht meinetwegen, auch nicht zu Tagen religiöser Besinnungslosigkeit, sondern mit ihren Chorfrauen, was auch wieder nicht heißt, dass die Frauen sich im Chor der Klosterkirche trafen. Es waren ihre Chorschwestern, nein, auch das ist falsch. Chorschwestern waren nämlich, im Unterschied zu den Laienschwestern, häufig adlige Ordensfrauen, konnten lesen und schreiben und sprachen die lateinischen Gebete im Chor, dem Altarraum einer Kirche, der dem Adel und eben diesen Chorschwestern vorbehalten war.

Und genau dort, im Chor, wurde gesungen. Das Wort Chor ist griechischen Ursprungs und steht für Tanzplatz, später für den Tanz und eben auch für den Gesang im Altarraum. Also steht es auch für Chöre und wie ich gerade Weiterlesen