Arbeit & Vergnügen

Meine Frau hat Urlaub, das bedeutet, dass ich endlich zu den Dingen komme, die ich sonst immer vermieden habe. Nein, es ist nicht so, dass sie mir Aufgaben zuteilt, die ich dann unter Aufsicht zu erledigen hätte, sie fragt nur: „Und, was willst du denn nun machen?“

Mir fällt da gerade Loriot ein.  „Nichts“ oder „Sitzen.“ wären einfach keine adäquaten Antworten. Ich nehme an, dass sie sie akzeptieren würde, aber ich probiere es nicht aus. Nicht, dass ich mich fürchten würde oder mit Konsequenzen rechnen müsste. Es geht nur eben nicht. Also kündige ich an, die Raffstores zu reinigen. Die korrekt Raffstoren heißen, habe ich gerade festgestellt, aber wenn eh keiner weiß, wovon ich rede, wozu mache ich mir dann die Mühe, dass überhaupt zu überprüfen? Jedenfalls Weiterlesen

Mit anderen Augen

Von Michielverbeek – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5129016

Maarten t’ Hart, der niederländische Schriftsteller, der vor nicht allzu langer Zeit seinen 75. Geburtstag feierte, na, sagen wir: dessen 75. Geburtstag vor kurzem gefeiert wurde, er selbst ist wohl kein Mensch, der Feierlichkeiten schätzt, hat, was sollte ein Schriftsteller auch sonst tun, ein Buch geschrieben und seinen Leser*innen damit ein Geschenk gemacht. De Nachtstemmer heißt es und ist wohl noch nicht auf Deutsch erschienen. Es handelt von einem Mann, der Orgeln stimmt. Es handelt auch von einer Frau und ihrer Tochter. Es spielt, und das ist für mich der Anlass, diesen Text zu verfassen, in Maassluis.

Na und, wird fragen, wer weiß, dass Maarten t‘ Hart aus Maassluis stammt und gefühlt 90 Prozent seiner Romane und Kurzgeschichten dort angesiedelt sind. Wer weder Maarten t‘ Hart noch Maassluis kennt, darf trotzdem weiterlesen, denn es geht mir nicht um Maarten t‘ Hart und auch nicht um Maassluis. Es geht um den literarischen Kunstgriff, mit dem der Autor in diesem neuen Buch ein ganz anderes Maassluis kreiert.

Gabriel Pottjewijd, so heißt der Nachtstimmer, stammt nämlich

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nearer to thee

Riksarkivet (National Archives of Norway) from Oslo, Norway [No restrictions]

Wie nah kommt man einem toten Künstler? Ein Thema, das mich immer wieder mal bewegt. Eigentlich immer, wenn ich mich mit einem toten Künstler beschäftige. Bei lebenden Künstlern, das fällt mir gerade auf, stelle ich mir nie die Frage, wie ich ihnen nahe kommen könnte „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“ hat der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière mal gesagt. Soweit würde ich nicht gehen. Möglicherweise ist es so, dass es Antworten auf diese Frage gäbe, die mir nicht gefallen würden.

Zum Beispiel die, dass es möglich sein könnte, ihnen nahe zu kommen und aus der Frage, wie ich die Nähe herstellen kann, die Frage würde, was ich mit dieser Nähe anfangen möchte. Arno Schmidt ist tot, Rembrandt ist tot. Maarten t‘ Hart und Dirk de Keyzer leben. Ihre Anschriften sind zu ermitteln, es wäre möglich, zumindest Weiterlesen