Ausgezählt

Aus. Vorbei. Das war’s.

Mein letzter Arbeitstag liegt hinter mir. Ein frei gewählter Abschied. Nein, es fällt keine Last von mir ab, meine Arbeit habe ich selten als Mühe empfunden, oft hat sie sogar Spaß gemacht. Dennoch: Es ist gut so. Jetzt will ich tun, was ich tun will, meinen Wecker stellen, weil ich aufstehen will und ein Buch zu Ende lesen, auch wenn es spät wird.

Noch fühlt es sich wie Urlaub an.

Seltsam war es schon, Dinge ein letztes Mal zu tun. Den letzten Eintrag im Klassenbuch vornehmen, das letzte Mal die Tafel putzen, letzte Fotokopien machen. Das letzte Mal den Weg zur Bahnhaltestelle Münster-Zentrum-Nord gehen. Wehmut? Nein. Keine Spur. Ferien für immer. Ach, bei der Gelegenheit habe ich auch gleich das Rauchen aufgegeben. War so geplant. Letzter Arbeitstag, letzte Zigarette.

Ich gehe einkaufen. Nein, das gehört Weiterlesen

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Süß

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Anfang Dezember. Ein Hochdruckgebiet über Skandinavien beschert uns eine klare, kalte Nacht. Falls man 18 Uhr als Nacht bezeichnen kann. Die Straßenbeleuchtung in der Siedlung reicht gerade aus, damit man nicht gegen die Laternenmasten läuft.  Immerhin kommt die mehr oder weniger aufwändige Weihnachtsbeleuchtung der Nachbarn so besser zur Geltung.

Lange Schlange an der Kasse im Supermarkt. Endlich fast geschafft. Ganz vorn ein Kind, vermutlich im schulpflichtigen Alter. Für uns Rentner sehen die ja alle gleich aus. Ohne Einkaufswagen oder Korb, nur einen Schokoladenweihnachtsmann im Arm. Wenn dem mal nicht zu warm wird, wenn der mal nicht zum Schokoldadenschweißnassmann wird.

Zweineunundneunzig, sagt die Kassiererin. Und guten Abend. Weiterlesen

Grauzone

Vorhin im Supermarkt. Ich hab nur eine Packung Parmesan in der Hand, zuhause kocht die Pasta schon, steht da plötzlich eine Schlange vor der Kasse. Gut, ich habe schon Schlimmeres gesehen, aber ganz vorn packt eine Frau ihren gut gefüllten Einkaufswagen aus.

Gleich hinter ihr dieser alte Mann, der sich jeweils langsam und mühsam zu seinem Wagen hinab beugt, ein Teil nach dem anderen auf das Förderband wuchtet, sorgfältig, Flasche neben Flasche, Packung auf Packung. Ein zwanghafter Pedant, jemand, der vermutlich zuhause sein Kleingeld stapelt.

Ein untersetzter Graukopf. Eisigel wäre die angemessene Bezeichnung für die Frisur. Rentner. Den ganzen Tag nichts vor, aber in der Stoßzeit, wenn wir Berufstätigen uns nach einem harten Tag mit dem Nötigsten versorgen müssen, dann muss es natürlich sein…

„Sie haben nur ein Teil? Dann gehen Sie doch gern vor.“
„Vielen Dank.“
Sieht doch eigentlich ganz freundlich aus, der ältere Herr. Sicher ein guter Nachbar.