Grauzone

Vorhin im Supermarkt. Ich hab nur eine Packung Parmesan in der Hand, zuhause kocht die Pasta schon, steht da plötzlich eine Schlange vor der Kasse. Gut, ich habe schon Schlimmeres gesehen, aber ganz vorn packt eine Frau ihren gut gefüllten Einkaufswagen aus.

Gleich hinter ihr dieser alte Mann, der sich jeweils langsam und mühsam zu seinem Wagen hinab beugt, ein Teil nach dem anderen auf das Förderband wuchtet, sorgfältig, Flasche neben Flasche, Packung auf Packung. Ein zwanghafter Pedant, jemand, der vermutlich zuhause sein Kleingeld stapelt.

Ein untersetzter Graukopf. Eisigel wäre die angemessene Bezeichnung für die Frisur. Rentner. Den ganzen Tag nichts vor, aber in der Stoßzeit, wenn wir Berufstätigen uns nach einem harten Tag mit dem Nötigsten versorgen müssen, dann muss es natürlich sein…

„Sie haben nur ein Teil? Dann gehen Sie doch gern vor.“
„Vielen Dank.“
Sieht doch eigentlich ganz freundlich aus, der ältere Herr. Sicher ein guter Nachbar.

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18 Gedanken zu “Grauzone

  1. Geduld und Menschenliebe hilft, dass man sich nicht aufreibt an der Langsamkeit der Älteren. Inzwischen zähle ich ja auch dazu, ärgere mich aber trotzdem manchmal wenn ein älterer Mitbürger an der Kasse ewig sein Kleingeld zusammenklaubt. Meine Strategie: Entschleunigung und ein nettes Gespräch, dann löst sich der Ärger meist in Nichts auf.

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    • Beruflich bin ich die Geduld persönlich, aber im privaten Bereich muss ich mich schon mal dazu zwingen, gerade in solchen Wartesituationen. Aber es stimmt schon, eigentlich muss man auch nur daran denken, dass man selber in das Alter kommt.

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  2. Die Deutschen haben keine Einkaufskultur. Drängeln, Körperkontakt, unhygienische Bekleidung, Unhöflichkeiten an der Kasse sind die Regel. Und was mich am meisten nervt, dass die Kassiererin jedesmal versucht, mich aus der Ruhe zu bringen und zu stressen, in dem sie hektisch und schnell die Ware über den Scanner zerrt und die Augen verleiert, wenn ich das Geld passend abzähle. Eine Katastrophe ist das in dieser Gesellschaft, alles muss schnell gehen, die Leute haben keine Zeit mehr und stressen andere mit puren Aktionismus. Echt, mir geht jedesmal beim einkaufen, das Messer in der Tasche auf. Ich habe mich sogar schon mal beim Verkaufsleiter beschwert, was der Scheiß an der Kasse soll. Die Deutschen müssen einfach mal entspannen, sich in Geduld üben und sich nicht so wichtig nehmen. Paradebeispiel sind für mich die Franzosen. Die sind beim Einkaufen die Ruhe in Person. Käufer und Verkäufer übrigens.

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  3. Ich habe mich schon oft über meine eigenen Einschätzungen (und Fehleinschätzungen!) von Supermarktkunden amüsiert. Ein Abwägen zwischen Warenmenge und geistiger Fitness der Käufer. Und dann glaubt man, man hätte den Durchblick, und die smarte junge Frau mit nur fünf Artikeln im Einkaufskorb fängt eine endlose Diskussion an über einen Preis, der anders am Regal stand als er im Kassensystem eingegeben ist, eine Kollegin wird gerufen, um nachzuschauen, dann die Aufsicht, um den Bon zu stornieren, …

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  4. Ein schönes Beispiel zu dem vorschnellen, inneren Vorurteils-Schubladen-Automaten-Quatschi in einem selbst. Und dann die Kehrtwende der Erkenntnis. An Supermarktkassen oder anderen menschenschlangenerzeugenden Einrichtungen (Käsetheke usw.) kann man herrliche Situationen erleben.

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