Auf dem Fehn

Foto: Manfred Voita

Ja, es stimmt. In meinem letzten Beitrag ging es um Porzellan, allerdings um ein ganz bestimmtes Porzellan, das für eine ganze Region steht. Die dargestellte Tasse ist eine Teetasse, wie sie in Ostfriesland weit verbreitet ist, so weit, dass dieses Dekor als ostfriesische Rose bekannt wurde. Kaum eine Ostfriesin, ja sogar kaum ein Ostfriese, wird dieses Teetassen nicht kennen, die meisten haben oder hatten das entsprechende Teeservice im Schrank. Die Tasse in Verbindung mit der See stand also für einen Aufenthalt in Ostfriesland. Diesmal in Warsingsfehn, in Leer und in Aurich.

Warsingsfehn deshalb, weil uns Freunde eingeladen hatten, die dort leben. Warsingsfehn ist eines der vielen ostfriesischen Fehndörfer, die während der Erschließung der Hochmoore entstanden. Ein Hauptkanal, die Wieke, diente der Entwässerung und dem Abtransport des gewonnenen Torfs. Von diesem Hauptkanal gingen weitere Kanäle ab, zum Beispiel die Norderwieke oder die 1. und die 2. Westerwieke. An den Wieken wohnten die Fehntjer in ihren Fehnhäusern, zu denen meist recht große Grundstücke gehörten, denn neben der Arbeit im Moor war immer auch die Landwirtschaft notwendig, um bestehen zu können. Des Ersten Tod, des Zweiten Not, des Dritten Brot, so hieß es auf dem Fehn.

Tee verbreitete sich dort besonders schnell, so lautet jedenfalls eine gängige Erklärung, weil das Wasser im Moor schlecht schmeckte und ungesund war, also abgekocht werden musste. Durch den Zusatz von Tee ergab sich dann ein schmackhaftes Getränk. Jedenfalls verbreitete sich der Teekonsum in Ostfriesland so rasant, dass Friederich II. ihn schließlich sogar verbieten wollte. Den sogenannten Teekrieg verlor er allerdings.

Heute ist das Wasser in vielen Teilen Ostfrieslands so hervorragend, dass Ostfriesen es sogar in Kanistern mit auf Reisen nehmen, um ihren geliebten Tee auch in der Fremde genießen zu können.

Foto: Manfred Voita

 

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17 Gedanken zu “Auf dem Fehn

  1. Moin!
    Wie schön.
    Ich mag und schätze Ostfriesland mit ihren Bewohnern, ihrer Sprache und ihren Bräuchem, und neben meiner Lieblingsinsel Langeoog besonders die Fehnlandschaft Westgroßefehn und Spetzerfehn mit seiner Mühle. Ein Bloggerfreund von dort setzt seit Jahren täglich (!) ein aktuelles Foto von Spetzerfehn mit Mühle oder Wieke ins Netz: https://spetzerfehn.twoday.net/ – welches ich oft und gern mit einem Kommentar versehe.
    Wat mutt – dat mutt.
    Lieben Gruß!
    Lo

    Gefällt 2 Personen

    • Es gibt Orte, die man immer wieder besucht und immer wieder fotografieren muss. So geht mir das in Ostfriesland. Es ist der zum Scheitern verurteilte Versuch, auf einem Bild eine Landschaft festzuhalten, die eben nicht durch Sehenswürdigkeiten oder Besonderheiten geprägt wird, sondern einfach durch ihre Weite.

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  2. Danke für den sehr informativen Eintrag – besonders aber für den letzten Satz, denn ich hatte immer nur von dem guten Wasser gehört, ohne das der Friesentee nur halb so gut schmecken soll, und fragte mich schon, ob das Wasser eben gar nicht gut und ich einer Legende aufgesessen wäre. – Da ich die Rose nicht erkannt habe, habe ich mich nun ja wohl hinreichend als Nicht-Ostfriese geoutet.

    Gefällt 1 Person

  3. Ostfriesland ist mir als Schweizer seit der Schulzeit vor allem ein Begriff wegen der Witze, die noch dümmer waren als die über die Österreicher. Aber Dein Beitrag macht Lust, diese Gegend zu entdecken. Ich glaube, diese Atmosphärisch würde mir sehr entsprechen.

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  4. So ein Sonnenaufgang wie auf deinem schönen Foto adelt auch das Brackwasser eines Kanals. MIt Staunen lese ich vom guten ostfriesischen Trinkwasser. Das wird wohl aus Tiefbohrungen stammen. Der Wortbestanteil -fehn ist verwandt mit -venn, habe ich gerade gelesen, und bedeutet morastig-sumpfige Niederung oder Moor, In der Eifel gibt es das „Hatzevenn“, einen Ausläufer des belgischen „Hohen Venn“, das sich auf einem Felssattel gebildet hat. Dass die Ostfriesen ihr Wasser in Kanistern mit auf Reisen nehmen, lässt mich denken an den Witz: Was machen Ostfriesen, wenn sie einen Eimer heißes Wasser übrig haben? Einfrieren, heißes Wasser kann man immer gebrauchen.

    Gefällt 2 Personen

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