
Von ChristianSchd – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34042765
Ich glaube, zwischen meinem sechsten und 16. Lebensjahr wurde das Geräteturnen nur ab und an von Schönschreiben abgelöst. Dabei bin ich bin unsportlich. Oh, ich hatte nichts dagegen, mich draußen zu bewegen, auch mal etwas schneller, lieber allerdings blätterte ich die Seiten eines Buchs um. Ich erinnere mich sogar, dass ich auf einer Wiese mal in eine Mannschaft gewählt wurde, vermutlich, weil jemand gestorben war. Damals wusste ich gerade, dass man beim Fußball einen Torhüter brauchte und drei Ecken als ein Tor zählten. Was genau eine Ecke war, hatte mir niemand erklärt. Offenbar wurden die Regeln gleich welcher Sportart als Teil der männlichen DNA betrachtet und bedurften deshalb auch keiner weiteren Erläuterungen.
Sportlehrer besaßen eine Trillerpfeife und einen untrüglichen Blick für Luschen. Ich war groß, schlaksig, ängstlich und ahnungslos, mit zu wenigen Muskeln und zu vielen Knochen. Meine Sportnote stand wahrscheinlich schon fest, wenn wir die Matten in die Halle trugen. Wenn ich nur daran denke, wie die Turnhalle roch, nein, es wäre zu schwach, würde ich sagen, dass ich den Sportunterricht nicht gemocht habe. Ich habe ihn gehasst. Später dann, als mein Onkel mich mit zum Fußball nahm, Germania Leer gegen Frisia Loga oder den VfR Heisfelde, keine Ahnung, bekam ich mit, dass es viel mehr Spaß machte, anderen bei ihren gekonnten Bewegungen zuzuschauen, als mir selbst blaue Flecken zu holen.
Und nun? Ich stehe morgens auf und habe Kopfschmerzen. Was tue ich? Nehme ich etwa eine Kopfschmerztablette? Nein, ich googele, was man da tun kann und finde natürlich eine Seite, ein Youtube-Video, einen hageren, durchtrainierten Mann in weißer Anstaltskleidung mit strengem Blick, der mir sagt, wie ich meinen Kopf, na, besser meine Nackenmuskulatur dehnen kann – und was soll ich sagen, es hilft. Okay, wenn ich die Übungen mit etwas Wasser einnehmen könnte, wären sie mir vermutlich noch lieber, aber ich mache freiwillig etwas, das mit körperlicher Bewegung zu tun hat und nicht Spaziergang oder Radfahren heißt. Gut, dass mein alter Sportlehrer das nicht mehr erleben muss.
Mir ging es als Kind ähnlich: einerseits mochte ich mich gerne bewegen, aber Turnen in der Schule hatte auch immer etwas mit sich umziehen müssen zu tun. Oftmals fehlte mir das richtige Turnzeug, weil schlicht kein Geld dafür da war. So schämte ich mich meistens für meine billigen Stoffturnschuhe oder der nicht mehr so ganz weißen Unterhemden.
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Sport sollte einfach kein benotetes Fach sein, Kinder sollten ausprobieren und sehen, was sie mögen. Aber Sportunterricht war eine Art vormilitärische Erziehung. Leibesertüchtigung.
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Ich Geräteturnen auch erlitten.
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Die Mannschaftssportarten waren nicht viel besser. Völkerball zum Beispiel.
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Yepp; aber Geräte und Boden war definitiv das schlimnste
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Freilich, das schönste Sportgerät ist der Fußball: rund wie die Erde, freifliegend wie ein Vogel, glücklichmachend im Tor (des Gegners).
Neben dem Ballspiel war Seil hoch an die Turnhallendecke und dann die ganze Unterrichtsstunde oben bleiben mein Lieblingsturnen.
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Daß die beiden größten Sportskanonen sich abwechselnd ihre Mannschaften zusammenstellen durften, war eine Übung in Sadismus und Demütigung. Ich war nur froh, nicht zu den Dicken zu gehören, die waren ganz besonders gearscht.
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Ja. Ich war zumindest groß und hatte Freunde, die fit und sportlich waren.
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Ich bedaure heute noch, daß bis zur Oberstufe meine nur für Jungs war.
Hätte wahrscheinlich immer die Mädchenmannschaft gewählt; das Glück!
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Dehnen ist das A und O, lieber Manne. Und wann läufst du deinen ersten Marathon? 😉
Mein Vater war eine Sportskanone (Fußballer, Handballer) was mich geprägt hat. Er hat mich schon als Kleinkind mit aufs Feld und ins Stadion genommen. Deshalb treibe ich auch heute mit 52 Jahren intensiv Sport (Laufen, Schwimmen, Kraft, Gymnastik, Balance) Mir macht das Spaß und ich fühle mich fit ☺️
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Gegen vorsichtige Bewegungen habe ich ja nichts. Aber schon meine Mutter war eine ganz hervorragende Sitzerin. Und es mag sein, dass ich ab und zu zu weit gehe, aber ein Marathon wird das nie!
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Was nützt es uns, wenn wir uns im Kopf fit fühlen aber die Knochen sind steif, krumm und verschoben. Wenn du Glück hast, dann kommst du noch von der Küche bis zum Schreibtisch.
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Ein schöner Weg! Aber im Ernst: Du hast natürlich völlig Recht!
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Ich mochte es. Bis ich bemerkt habe, dass ich wie ein Sack am Reck oder Stufenbarren hing. Ab da nicht mehr. 😉
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