Münster

Es mag am Herbst liegen, dass mir das Thema Friedhöfe ständig wieder in den Sinn kommt. Nein, es liegt nicht daran, dass ich mich intensiv mit den Themen Leben und Tod auseinander setzen würde. Wozu? Ich lebe – und sterben werde ich auch. Gibt es dazu mehr zu sagen? Na klar, es wird zum Beispiel erzählt, dass die Münsteraner nicht unbedingt in den Himmel, aber auf jeden Fall auf den Zentralfriedhof wollen. Wobei der Weg vom Zentralfriedhof in den Himmel vermutlich nicht sehr weit ist, denn der Friedhof liegt an der Himmelreichallee. Außerdem liegt er in der Nähe des Aasees, der im letzten Münster-Tatort zu besichtigen war, was jetzt aber nicht gegen den See verwendet werden sollte.

Am Aasee lässt es sich gut und teuer wohnen, das Gelände wurde schon zum schönsten Park Deutschlands und zum schönsten Park Europas gekürt. Warum ich das erzählen muss? Wo ich doch nicht mal mehr in Münster wohne? Weil uns immer wieder mal das Heimweh packt – dabei bin ich nicht mal in Münster geboren.

Es gibt auch ganz viele Gründe, nicht nach Münster zu ziehen, einer davon ist die fortschreitende Gentrifizierung. Am alten Kanalhafen, ein ehemals ziemlich schmuddeliges und verlassenes Stück Stadt, ist ein Kreativkai entstanden, mit Theater, Hotjazzclub, Kneipen… und nicht zu vergessen: Wasser. So weit, so gut. Oder doch nicht? Die neue Nutzung verändert natürlich die Mietsituation. Billiger Wohnraum verschwindet und schicke neue Häuser entstehen. Aber es hat was. Und so geht das weiter. Mietshäuser, die in den fünfziger Jahren mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden, werden nach und nach in Eigentumswohnungen umgewandelt und wer nicht so gut verdient, findet sich an den Stadtrand gedrängt.

So, genügend kritische Anmerkungen gemacht, jetzt darf ich auch etwas schwärmen. Der Prinzipalmarkt, der, wie große Teile der Innenstadt, im Krieg fast vollständig zerstört wurde, wird auch als gute Stube Westfalens bezeichnet. Kopfsteinpflaster, die Lambertikirche mit den Käfigen der Wiedertäufer, Giebelhäuser und das historische Rathaus, in dem 1648 der westfälische Frieden geschlossen wurde: Jovel!

Dom und Bäume

Prinzipalmarkt Ecke Lamberti

DomFotos: Elfie Voita