Alles wird gut. Oder auch nicht.

Was hättest du denn getan? fragte eine Freundin. Wir diskutierten die Weltlage, das Aufkommen neuer nationalistischer Parteien und die ungerechte Weltordnung. Flüchtlinge und Islam. Plötzlich waren wir vom Allgemeinen zum Konkreten gekommen, zur Judenverfolgung während des Nationalsozialismus. Zur Reichspogromnacht. Und dann ist alles so nah. Die Kneipe, in der sich die SA versammelte, bevor es losging. Die geschändeten Gräber auf dem jüdischen Friedhof. Die Stolpersteine vor den Häusern, in denen einst jüdische Mitbürger lebten.

In der Stadt war das so, auf dem Land war es kaum anders, da, wo doch die sozialen Bindungen scheinbar enger waren, wo man den Nachbarn kannte. War man einfach Antisemit, so wie man katholisch oder evangelisch war? War man gleichgültig? Das kann ich nicht glauben. Traute Weiterlesen

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Foto;: Elfie Voita

Foto;: Elfie Voita

Osnabrück ist, aus dem westfälischen Münsterland betrachtet, eine Stadt, die man nur besucht, wenn in NRW ein arbeitsfreier Tag ansteht, den die Niedersachsen nicht genießen dürfen. Ansonsten: Für uns sind es 35 km nach Münster und 43 nach Osnabrück.

Muss man nach Osnabrück? Mal abgesehen davon, dass es ein Kaufhaus gibt, dass dienstags ein Reibekuchenbuffet anbietet? Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal! Natürlich haben wir Reibekuchen gegessen, aber weil es nicht Dienstag war, gab es auch kein Buffet.

Jedenfalls nicht im Ratskeller, denn dorthin hatte es uns verschlagen. Altstadt. Matjes mit Reibekuchen stand auf der Speisekarte. Klang für mich hinreichend exotisch. Es gab 1 Matjes und 1 Reibekuchen. Also schon pro Person. Aber das war eine angemessene Portionsgröße für einen Tag, an dem man ohnehin noch einen Kaffee trinken geht und irgendwo ein Stück Kuchen isst. Matjes und Reibekuchen entpuppten sich übrigens als hervorragende Kombination. Weiterlesen