Ohne Ochs und Esel

Weil wider Erwarten immer noch nicht Weihnachten ist, habe ich noch einen weiteren Text herausgekrammt, der, wenn er auch an Qualität nicht gewonnen haben sollte, so doch wenigstens nicht an Aktualität verloren hat. Die Überschrift habe ich allerdings etwas zugespitzt.

Saustall ohne Ochs und Esel

„Wir kommen wegen der Wohnung.“
Der Mann maß sie mit Blicken und es war nicht schwer zu erkennen, zu welchem Ergebnis er kam. Aus dem Haus erklang leise ein Weihnachtslied.
„Sie sind nicht von hier, oder?“
„Wenn ich jetzt ja sage, dann sagen Sie, das die Wohnung schon weg ist, oder?“ fragte der junge Mann, der einen Arm schützend um seine Begleiterin gelegt hatte.
„Nun werden Sie mal nicht gleich frech! Das ist ein freies Land und ich kann meine Wohnungen immer noch vermieten an wen ich will.“
„Maria – das ist meine Frau – sie… wir erwarten ein Kind.“

Wortlos verschwand der Mann in der Wohnung und knallte die Tür hinter sich zu. Das Pärchen starrte ihm nach und während dicke Schneeflocken vom Himmel zu fallen begannen, rollte eine Träne über die Wange der jungen Frau.
„Stopp! So geht das nicht!“
Die Tür öffnete sich, mürrisch trat der Vermieter wieder heraus.

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Viel versprechend

Von János Korom Dr. from Wien, Austria – 2013 Wien 0351a, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31440938

Er hatte ein neues Buch zu lesen begonnen, einen Autor, von dem er dachte, er könne so interessant sein, dass es sich lohnen würde, auch seine weiteren Bücher zu lese. Das enthöbe ihn nämlich der Mühe, in weihnachtlich vollen Buchhandlungen zwischen Hunderten von Büchern eine mehr oder weniger willkürliche Auswahl zu treffen und doch wieder eine literarische Enttäuschung zu erleben, obwohl er sich doch nach Klappentexten und Rezensionen richtete, ja viele Bücher und besonders CDs nur wegen der Kritiken gekauft hatte, nicht einmal in der Erwartung, dass seine Neuerwerbungen den Versprechungen der Kritik auch tatsächlich genügen könnten, nein, einfach deshalb, weil er den Stil eines Kritikers so mochte.

Jetzt, wo er darüber nachdachte, fiel ihm auch ein, dass das auch für das Kino galt. Wenn früher Lutz Gräfe, der Kinokritiker von WDR 5, einen Film in seiner lakonischen Art besprach, die immer etwas an Robert de Niro erinnerte, wenn er von Christian Brückner synchronisiert wurde, dann konnte er den Empfehlungen kaum widerstehen, Weiterlesen