Sternzeit

Von Tacuinum sanitatis XVe – Scan book „Le vin au moyen-âge“, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22478404

„Die erste Begegnung“ steht auf dem Programm. Klingt nach einem Science-Fiction-Film. Die unheimliche Begegnung der dritten Art. Ist aber eher ein Biopic, wie man sowas heute nennt. Die weibliche Hauptrolle: sie, die männliche Nebenrolle: ich. Sie betritt den Raum, ich bin schon da. Oder: Ich betrete den Raum, sie ist schon da.

Doch, wir machen das so rum, weil sie nämlich gleich wieder gehen wird. Das weiß das Publikum noch nicht, ich wusste es damals auch nicht. Wäre aber blöd, wenn sie gerade mal angekommen wäre und dann schon wieder gehen müsste. Viel mehr Handlung gibt es leider nicht. Eher ein Kurzfilm, so kurz, dass sich das Publikum nicht mal fragen wird, ob sie sich am Ende kriegen oder ob am Ende Krieg ist.

Wir brauchen noch ein Setting: Ein schöner Septemberabend des Jahres 1978 in Ostfriesland. In Leer springt die Straßenbeleuchtung an. Für wen auch immer.

Früher lernten Menschen einander am Arbeitsplatz, beim Schützenfest oder in der Kneipe kennen. Manche Leute schalteten auch Kontaktanzeigen, andere vertrauten ihr Lebensglück einem Eheanbahnungsinstitut an. Was für ein Wort. Da ist doch sogar Scheidungsanwalt schöner. Kein Internet. Kein Parship. Kein Tinder.

Wie viele Zufälle, Entscheidungen oder durchkreuzte Pläne es brauchte für genau diesen einen Moment! Sogar ein Weltkrieg war nötig, damit sich meine Eltern begegnen konnten. In China musste ein Sack Reis umfallen und ein Schmetterling mindestens einmal mit den Flügeln schlagen. Weichen Weiterlesen