Osterbrink und das Betriebsfest

Dr. Averkamp starrte aus dem Fenster. Es war schon dunkel und selbst aus den oberen Etagen war nichts mehr zu sehen, was der Mühe wert gewesen wäre, nicht einmal für einen weitblickenden Mann wie den leitenden Polizeidirektor der Kreispolizeibehörde in Warendorf. Aber Averkamp wollte einfach nicht in die andere Richtung sehen, dort, wo Kommissar Osterbrink saß und Bericht erstattete.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Eine Belobigung hatte Osterbrink in all seinen Dienstjahren noch nicht erhalten und Dr. Averkamp war wirklich milde gestimmt, als er Osterbrink zu sich gebeten hatte. Doch dann hatte Osterbrink erzählt, wie er auf dem August-Wessing-Damm den Deckel seiner Thermoskanne verloren hatte, gerade als er in die Andreasstraße abbiegen wollte und als er sich eben danach bückte, war ihm der Schmerz so durch den Rücken geschossen, dass er Gas- und Bremspedal verwechselt und ein Auto gerammt hatte, das aus einer Querstraße angerast kam und sich anschließend als das Fluchtfahrzeug eines bundesweit gesuchten Gangsterpärchens erwiesen hatte. Hexenschuss, hatte Osterbrink seinen Bericht abgeschlossen.

„Schreiben Sie Ihren Bericht, aber lassen Sie bloß den Quatsch mit der Thermoskanne und dem Hexenschuss weg, sonst können Sie die Belobigung knicken und werden strafversetzt, ist das klar, Osterbrink?“

War es nicht, weil: Was sollte er denn nun berichten? Aber dieses Problem war gleich darauf  vergessen, denn bei dem ganzen Stress hatte Osterbrink das Betriebsfest völlig verdrängt. Weiterlesen

I CAN’T GET NO SCIENCE FICTION

„Der beißende Rauch wurde dichter und lag wie ein vielfarbiger Nebel über den Feldern. Am Horizont glühte etwas auf und verlosch, um sogleich wieder aufzuglühen. Es stank nach verbranntem Gummi, nach geschmolzenem Metall, es stank einfach unbeschreiblich. Eine lange, schnurgerade schwarze Spur zog sich in Richtung Freckenhorst. Kein Baum, nicht einmal ein Grashalm hatte der Hitze und den Flammen widerstehen können, selbst die Erde war hart und brüchig wie geborstenes Glas. Die kleine Gruppe ging noch langsamer, niemand von ihnen drängte sich danach, ihr Ziel zu erreichen.“

„Da vorne… ich glaube, da sind sie.“

„Wieso müssen wir da hin? Wieso müssen Weiterlesen

Osterbrink und das Abkratzen in Telgte

Immer wenn es spannend wurde, übernahmen die Kollegen aus Münster. Im Umkehrschluss bedeutete das wohl, dass es wieder mal um Killefitt ging. Kommissar Osterbrink trank den letzten Schluck Kaffee aus dem Pappbecher und stieg in Telgte aus dem Zug der Eurobahn. Nicht mal einen Dienstwagen hatte er bekommen, der Fall schien in seiner Dringlichkeit noch hinter der mutwilligen Verschmutzung der öffentlichen Toiletten am Marktplatz zu rangieren.

Die zwanzigminütige Bahnfahrt hätte natürlich gereicht, um sich mit den Details vertraut zu machen. Immerhin hatte Osterbrink die Mappe mit den Unterlagen in seiner Aktentasche. Ausgerechnet diesmal bekam er aber einen Sitzplatz mit Kopfhöreranschluss. Er hatte sich durch alle Sender geschaltet und war schließlich bei einer Reportage

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Angefressen

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Fast alle bekommen gern mal Besuch – und so erwarteten zu Ostern 1534 die Wiedertäufer, eine reformatorische Bewegung, die in Münster einen Gottesstaat geschaffen hatte, die Parusie, die Wiederkunft Christi. Daraus wurde – wie zu diversen anderen angekündigten Terminen – nichts. 1535 kam stattdessen der Fürstbischof mit seinem Heer und richtete ein Blutbad in der Stadt an, so dass die verbliebenen Münsteranerinnen und Münsteraner vermutlich durchaus eine Vorstellung vom jüngsten Gericht bekamen.

Die Wiedertäufer hatten ihre Wurzeln im niederländisch/norddeutschen Raum, zum berüchtigtsten Ausbruch kam es in Münster, aber auch Amsterdam blieb nicht unbeteiligt.

Am 11. Februar 1535 hatte sich dort während einer Täuferversammlung einer der Anwesenden demonstrativ ausgezogen Weiterlesen

Bild und Ton

Foto: Elfie Voita

Bild: Elfie Voita

Im Hauptbahnhof Lummerland, den Räumlichkeiten, die alltäglich von einer Initiative örtlicher Tagesmütter genutzt werden, begann am Freitag eine Ausstellung, die heute – am Sonntag – um 17:00 Uhr endete. Eine Warendorfer Malerin – Chris Dargel Kleman und zwei Künstlerkollegen – Klaus Feidicker und Swen Maximiliandt Bäumker- stellten ihre Bilder aus und hatten uns, die Schreibwerkstatt der Volkshochschule Warendorf, dazu eingeladen. Damit stellten sie sich in die Tradition einer leider eingeschlafenen Veranstaltungsreihe. Bis vor wenigen Jahren gab es in Warendorf nämlich die Kulturey, ein Forum für die örtliche Kunstszene, das alljährlich einen Kultursommer organisierte. Musik, Malerei, Schauspiel, Tanz und Literatur: Wer wollte, konnte sich mit einer selbst organisierten Veranstaltung einbringen. Es war schön, vielfältig und bunt, fand im Garten oder Wohnzimmer statt, im Hinterhof oder auf der Straße, vor hundert Zuschauern oder fünf. Es war wohl der Erfolg, der die Kulturey dann an ihre Grenzen brachte.
Ich versuche mal, als am Rande Beteiligter, zu beschreiben und zu interpretieren, was da passiert ist. Die Veranstaltungen wurden größer und es reichte nicht mehr, dass jeder seinen eigenen Beitrag organisierte. Jemand musste die gesamte Reihe im Blick behalten, Termine koordinieren, Plakate drucken lassen und was auch immer an zeitraubenden und vermutlich nervigen Aufgaben zu erledigen war. Umsonst war auch nur die eigene Arbeit… und an einem bestimmten Punkt reichte es den Hauptverantwortlichen: Aus. Das ist schade, aber verständlich. Es war wohl nie geplant, ein Festival professionell zu planen und durchzuführen – plötzlich wurde es aber erwartet, auch wenn diese Erwartungen vielleicht nicht so ausgesprochen wurden.
Früher hatten wir also die Kulturey – jetzt haben wir eine Lücke. Und genau deshalb war es gut, dass es am Wochenende diesen kleinen Ableger der Kulturey gab. Es hat Spaß gemacht, die Räume der Volkshochschule und den eigenen Schreibtisch zu verlassen und mit der Malerin und den Malern ins Gespräch zu kommen, den Besuchern der Ausstellung unsere Texte zu präsentieren und sich als Teil einer offenen, vielfältigen Kulturszene zu erleben.