Wahlsieg!

Von František Dostál – František Dostál´s archive, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24947808

Wie schön es doch ist, die eigenen Ideen einem großen Publikum präsentieren zu können und dafür Anerkennung zu erhalten.

So einen Satz wollte ich immer schon mal schreiben. Leider ist es mir bisher nichts gelungen, was ihn rechtfertigen könnte und wenn ich es mir recht überlegen, dann hat der gestrige Abend daran auch nichts geändert. Obwohl ich natürlich mit hoch erhobenem Kopf das Theater verließ.

Gut, der Reihe nach. Wir waren, wie man dem bisher gesagten ja schon entnehmen kann, mal wieder im Theater, diesmal gab es eine Varietévorstellung. Young & Fresh, mehrere Artisten und ein Conferencier, der mit Comedy und Zauberei durch den Abend führte. So weit, so gut. Denn gut war das, was ich Weiterlesen

Platt

Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / „Rosendahl, Darfeld — 2014 — 9385“ / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

 

Plattdeutsches Theater. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dafür an einem sonnigen Samstagnachmittag inmitten einer aufgekratzten Seniorenhundertschaft, gut, ein paar jüngere, sogar junge Menschen waren auch dabei, die aber vermutlich durch persönliche Beziehungen zu den Mitwirkenden entschuldigt waren, im ersten Stockwerk des Bahnhofs Darfeld sitzen würde.

„LANDEIE – Buuen söökt Fraulüh“ heißt das Stück, das von der Spielschar Darfeld aufgeführt wird. Zweimal an diesem Sonntag. Ein Dutzend Aufführungen wird es insgesamt geben. Jedes Jahr in der Fastenzeit wird ein neues Stück uraufgeführt. Niederdeutsches Theater gehört seit 2014 zum immateriellen Kulturerbe. Diesen Eindruck muss man nicht unbedingt haben, wenn der Vorhang aufgeht und den Blick auf eine dörfliche Kneipe freigibt. Frederik Holtkamp, das Pseudonym eines Autors, der sonst andere Genres bedient, hat das Stück verfasst. Heinz Schwering hat die Bearbeitung für die Spielschar Darfeld übernommen und lokale und persönliche Anspielungen eingebaut, die man hier versteht. Einige kapiere sogar ich, denn Freunde haben uns eingeladen, Freunde, die natürlich auch mit den Künstlern verbunden sind.

Wie sonst auch sollte man im Bahnhof Darfeld landen? Mit dem Zug jedenfalls nicht, der hält hier schon lange nicht mehr. Die ehemalige Bahntrasse ist zu einer Fahrradpiste umgebaut worden, im April gibt es hier wieder Kaffee und Kuchen für die Radler. Die Spielschar hat sich das Ziel gesetzt, etwas für den Erhalt der plattdeutschen Sprache zu tun, Menschen die Gelegenheit zu verschaffen, auf der Bühne zu stehen und nicht zuletzt auch das dörfliche Leben zu bereichern, den Bahnhof zu einem kulturellen Zentrum zu machen.

Dafür sitze ich auch gern einmal zwei Stunden in einer fremdsprachlichen Veranstaltung. Aber was heißt schon Fremdsprache? In manchen Gegenden Deutschlands wird ein Platt gesprochen, dass den Ortsfremden ausschließt, aber auf der niederdeutschen Bühne wird es fast immer zu einer freundlichen lokalen Klangfarbe. Wie im Ohnsorgtheater, das ich als Kind im Fernsehen gesehen und geliebt habe.

Die Handlung der Geschichte gebe ich nicht wieder, das Stück läuft seit Jahren bundesweit, wer mag, wird es finden. Es ist derb und laut, spielt mit den bekannten Mann-Frau und Stadt-Land-Klischees, mit Alkohol und Sexualität, aber es bleibt in einem Rahmen, der für den Samstagnachmittag geeignet ist. Familienunterhaltung. Boulevardkomödien funktionieren kaum anders, sind mit etwas Glück geschliffener, geistreicher, wollen aber, was die Spielschar Darfeld auch will: unterhalten.

Zum Schluss stehen drei junge Männer nur mit Unterhosen bekleidet auf der Bühne, eine Pfanne in jeder Hand und liefern eine Tanzeinlage ab. Aus. Langanhaltender Beifall. Und warum nicht? Es hat Spaß gemacht und ehrlich: Ich konsumiere sonst nicht ununterbrochen Hochkultur.

Niederdeutsches Theater hat zumindest das UNESCO-Gütesiegel.

Kurzgeschichte: Kartentrick

Die Silvestervorstellung im Theater war wie immer ausverkauft und Gisbert Spieß besaß zwei Eintrittskarten. Er kaufte jedes Jahr zwei Karten im Vorverkauf, voller Hoffnung auf einen gemeinsamen Theaterbesuch. Aber es gab niemanden, den er hätte fragen wollen. Gut, wenn Gisbert ehrlich war – und zu wem, wenn nicht zu sich selber, sollte er denn ehrlich sein – hatte es immer jemanden gegeben, den… die er hätte fragen wollen, aber es ging dann eben nicht. Es lag nicht daran, dass er sich vor Frauen fürchtete, es war das Leben, das ihm Angst machte… und natürlich die Frauen. Und so hatte er die Karten alljährlich wieder an der Abendkasse abgegeben.

Die Wände zwischen den Büros waren dünn, so dünn, dass er jedes Wort hören konnte, dass nebenan gesprochen wurde. Fast hätte Gisbert das vergessen, weil das Nachbarbüro so lange leer gestanden hatte. Dann hatte Frau Eisler dort ihren Arbeitsplatz zugewiesen bekommen. Gisbert Spieß hatte ihre Stimme gehört und war hin und weg gewesen… er hatte sich Hals über Kopf… hm… wie hieß eigentlich das akustische Äquivalent zum Vergucken? Verhören doch wohl kaum, oder? Weiterlesen