Pausenclown

Rasten, denke ich und sage ich auch gleich. Wir sind mit den Fahrrädern unterwegs, es ist noch haarscharf Februar, gerade noch so kalt, dass Handschuhe und Mützen gebraucht werden und so schön, so sonnig, dass wir trotzdem raus wollen. Aber nach einer angemessen langen, also eher kurzen Zeit steht mir der Sinn nach einer Rast, denn auch wenn es schön und kalt ist und Bewegung eine Art Pflicht ist… wieso gibt es eigentlich Grundrechte, aber keine Grundpflichten? Also… oh, gibt es ja, nennen sich zehn Gebote, sind aber nicht von den Eltern des Grundgesetzes zusammengestoppelt worden, sondern entbehren – würde man von Entbären sprechen, wenn man den Eisbären die Scholle unterm Hintern wegtaut? – jeglicher demokratischer Legitimation. Offenbar neige ich heute, wie ich gerade feststelle, zu einer schwer zu zügelnden Albernheit, egal. Sollten wir uns also auch mal Grundpflichten geben oder eher geben lassen? Artikel 1. Ohne Bewegung geht es nicht voran. Also rührt euch.

Artikel 2. Abgeben ist keineswegs nur eine Aufforderung an Fußballer und Teilen gibt es nicht nur als Grundrechenart. Wir haben auch für andere Menschen etwas übrig.

Artikel 4. Seht auch mal über etwas hinweg, also zum Beispiel über den fehlenden Artikel 3. Und nicht nur über eigene Fehler.

So in der Art?

Zurück zum Thema. Mir ist nach einer Rast, sogar den Füßen, die statt der Pedale auch Fußrasten zu schätzen wüssten. Bewegung ist gut, nehme ich an, sollte aber nicht in Rastlosigkeit ausufern, Rastlosigkeit ist nicht gut, obwohl ja rostet, wer rastet folglich sollte, wer rastlos ist, also auch rostfrei sein.

Jetzt muss ich aufpassen, dass ich mir meinen Wunsch nach einer Rast nicht selbst madig mache. Rasten also denke ich und sage ich und gleich denke ich weiter. Rasten meint ja so viel wie Pause machen, nur irgendwie hochwertiger. Eine Zigarettenrast wäre doch undenkbar, während ich mir die Zigarettenpause abgewöhnt habe, also eigentlich nicht die Pause, sondern die Zigaretten. Rasten hat was von einer Decke mit Picknickkorb im saftigem Gras, wärmender Sonne, aber auch Schatten, ein Bächlein plätschert im Hintergrund, Vögel singen, Bienen summen und niemand schmeißt seinen Müll einfach so in die Natur oder geht zum Pinkeln über diesen kleinen Trampelpfad bis hinter den nächsten Busch. Das wäre nämlich nur eine Pause. Rasten will ich, Ruhen, Ausruhen, nicht gleich die ewige Ruhe, aber dann verrutschen mir die beiden Ausrücke und aus Ausruhen und Rasten werden Ruhen und Ausrasten und die ganze Stille ist dahin.

Der Satz im Silbensee

Von WolfD59 – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37643605

Dass unsere Sprache lebt, ist so selbstverständlich, dass kaum jemand dieser Aussage widersprechen wird. Wobei ich persönlich noch nicht gesehen habe, dass bei einer nicht fachgerechten Silbentrennung Blut ausgetreten wäre oder Klammern nur von Medizinern bei mindestens  örtlicher Betäubung gesetzt würden.  Bußgelder wegen grob fahrlässiger Adjektivverwendung oder Überschreitung der maximalen Satzlänge sind mir auch noch nicht untergekommen. Ebenson weiß ich nichts über einer Assoziationskettenpflicht im Winter.

Dennoch: Die Sprache lebt, wie ich erst in den letzten Tagen wieder feststellen konnte/durfte/musste. Drei besonders schöne Wortschöpfungen, die mir persönlich zu Ohren kamen,  möchte ich hiermit auswildern, antreten lassen im großen Ringen der sprachenlichen Evolution, verbunden mit der Hoffung, ihnen nie wieder zu begegnen. Und hier sind sie:

ausgeklüngelt

abgekatert

Gefahr im Vollzug

Wie gut, dass es das Internet gibt, sonst hätte ich mir nie die Mühe gemacht, mir diese Überschrift auszudenken. Wie doof, dass es das Internet gibt, sonst hätte ich das nie erfahren, dass es die Überschrift, auf die ich so stolz war, schon als Buchtitel gibt.