Reinheitsgebot

Von Credit Line & Copyright Adam Block/Mount Lemmon SkyCenter/University of Arizona – https://www.adamblockphotos.com/cw-tauri.html, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=85833056

„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“

  1. Gesetz, Arthur C. Clarke

Nicht ist schneller als das Licht… es sei denn, man kennt eine Abkürzung.

Der gelbe Sprinter mit dem roten Logo stand mit laufendem Motor vor Jepsens Haustür.
„Morgen. Steinfelds sind nicht zuhause. Nehmen Sie ein Paket für sie an?“ Gelangweilt hielt der Mann einen braunen Karton in der Hand, auf dem in großen Buchstaben der Name eines bekannten Internethändlers stand.
„Okay. Geben Sie her.“ Sabrina Jepsen quittierte auf dem kleinen Display, das sie immer an die Zaubertafel ihrer Kindheit erinnerte und nahm das Paket entgegen. Damit war die kritische Masse erreicht, was Sabrina natürlich nicht ahnen konnte.
„Ganz schön staubig!“ stellte sie fest.
„Ja, weiß auch nicht, was die für ein Problem in ihrem Versandzentrum haben.“
*
Manchmal half Weggucken nicht. Hinschauen auch nicht. Was für die Unendlichkeit gemacht schien, kollidierte mit der Endlichkeit. Bald gäbe es niemanden mehr, der sich an Unvergessliches hätte erinnern können.  Auch die Ewigkeit würde bald vorbei sein. Galaktische Katastrophen nahmen keine Rücksicht auf individuelle Befindlichkeiten und wissenschaftliche Berechnungen. Sie traten ein. Manchmal schneller als erwartet. Dann musste man handeln. Das galt auch für die Bewohner des Planeten Azamon.
*
„Was heißt eigentlich DHL?“ fragte Robert, als er später das Paket sah.
„Deutsche… Haushaltslogistik? Könnte sein, oder?“ rätselte Sabrina.  Das Thema war damit auch durch, es gab anderes und Weiterlesen

Von den Socken

Von The_Admiralty from Witney, UK – Socks and sandals – mmmm nice look, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63373044

Als Beitrag zur Bekämpfung der aktuellen Krise habe ich tief gegraben und bin fündig geworden. Geschichtenrecyling ist zudem sich auch im Sinne der Umwelt, denn wo soll all die Energie, all die Kreativität herkommen, die es braucht, um die Menschheit zu bespaßen? Irgendwann ist das doch mal alle und dann? Hier also in einer glanzvollen Wiederaufnahme:

Von den Socken

Er löschte das Licht und zog sich aus. Das Geräusch aus dem Hauswirtschaftsraum hörte er, maß ihm aber keine Bedeutung zu. Häuser machten eben ihre eigenen Geräusche. Er hätte auch beim besten Willen nicht ahnen können, dass sich während seines Urlaubs eine feindlich, extraterrestrische Spezies dort angesiedelt hatte und nun in der Wäschetonne darauf lauerte, ihn zu verschlingen und dann, gestärkt und ausgeruht, den Planeten Haus für Haus zu übernehmen.

Nun stand er im Schlafanzug da, die stinkigen Socken in der Hand. Liegenlassen bis morgen früh ging nicht, das Licht noch mal an machen aber auch nicht: Energiesparlampen mochten es nicht, mal kurz an und gleich wieder aus gemacht zu werden. Also tappste er durch das dunkle Haus, rumpelte kurz gegen die Säule mit dem Telefon und erreichte schließlich den Hauswirtschaftsraum.

Er nahm den Deckel der Wäschetonne ab und sah das weit aufgerissene Maul und die gifttriefenden Fangzähne des Aliens natürlich nicht, viel zu dunkel dafür. So warf er ihm seine Socken direkt ins Maul. Ohne noch einmal zu zucken oder zu zischen verschied das Biest und löste sich auf in einen grünlichen Schleim, der später zu überraschenden Waschergebnissen führen würde.
Seine Socken waren durch die in ihnen konzentrierte Kombination von Geruchsstoffen und Schmutzpartikeln zur weltweit einzigen Waffe gegen die tödliche Bedrohung aus dem All geworden. Noch Jahre später würden Männer, ernsthafte Forscher und hochdekorierte Militärs, in aufopferungsvollen Selbstversuchen daran arbeiten, genau diese Wirkstoffkombination erneut zu kreieren.

 

Weltliteratur: ungelesen

Eigenes Foto

Bei einem Spaziergang bemerkte ich den oben abgebildeten Briefkasten. Utopia. Gleich musste ich an ein Buch denken, das ich vor Jahrzehnten gekauft und noch nicht gelesen habe. Utopia von Thomas Morus. Ich hoffe, es steht noch im Regal… Oh oh, ich habe es nicht gefunden. Muss ja nichts heißen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass mir die Utopien abhanden gekommen sind. Obwohl, möglich wäre es schon.

Ha, gefunden. Unter M, wie sich das gehört. Goldmanns Gelbe Taschenbücher. Gemeint war damals der gelbe Rücken des Buches, inzwischen sind die Blätter auch gelblich. Eine Ausgabe aus dem Jahr 1960, kostete damals 1,90. DM natürlich, nicht Euro. In Leder 10,80 DM. Kann jetzt eigentlich wieder ins Regal. Gekauft habe ich das Buch natürlich nicht 1960, sondern vermutlich um 1970 herum. Ich hatte Orwell gelesen und Aldus Huxley, Lem und H. G. Wells. Das waren ungefähr meine Erwartungen. SF-Literatur.

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