Weihnachtsbraten

Weil es gerade wieder einmal passt: Ein Text, den ich hier vor vier Jahren vorgestellt habe, für alle, die ihn noch nicht kennen oder wieder vergessen haben.

 

Weihnachtsbraten

Die Schiffssirene heulte noch einmal, jetzt bereits aus großer Entfernung, dann verschwand der festlich erleuchtete Dampfer hinter dem Horizont.

Nach Einbruch der Dunkelheit scharrten sie sich um das Feuer, zusammengekauert, Schutz suchend, nicht vor der Kälte der Nacht, sondern weil da etwas war, das stampfte durch den Busch, zerbrach Zweige, knickte Äste ab, trat nieder, was sich ihm in den Weg stellte, doch die lodernden Flammen ließen die Finsternis, die wie ein dunkles Tuch auf die Insel herabsank, nur noch tiefer wirken.

Waren wirklich erst wenige Stunden vergangen, seit man sie hier ausgesetzt hatte? Auf einem Eiland, weit ab von jeder Zivilisation mit nichts als einem Wohnwagen und einem Dixieklo, der Minimalausstattung für einsamkeitsliebende Ornithologen, die im Sommer im Auftrag einer australischen Universität monatelang hier hausten, um seltenen Vögeln beim Aussterben zuzuschauen.

Die Frauen hatten Feuerholz gesammelt,

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Wen schert’s?

Foto: Elfie Voita

Vor Stockholm liegen die Schären. Sie liegen da nicht, weil sie beim großen Aufräumen vergessen wurden, sondern sie liegen da, weil das große Aufräumen dafür gesorgt hat, dass es sie überhaupt gibt. Während einer Eiszeit, ich mache mir jetzt nicht die Mühe, den korrekten Zeitraum zu recherchieren, war nämlich Skandinavien von einer dicken Eisschicht bedeckt und als die Eiszeit fertig war und, wie sich das für Eis gehört, langsam wegtaute und an der Waffel runter lief, nein, falsches Bild, schob das Eis weg, was im Wege lag, machte platt, was platt zu machen war und schliff selbst Granit gnadenlos ab.

Manchmal blieb allerdings etwas stehen und als das Wasser kam, das wir als Ostsee, alle anderen als baltisches Meer kennen, ragten kleinere und größere Inselchen heraus. Weil aber der Druck des Eises weg war, stieg und steigt der Boden dort langsam an und es ist eine Frage der Zeit, dass wir nicht mehr mit dem Schiff, sondern mit dem Aufzug nach Stockholm fahren müssen. Aber das hat, Weiterlesen