Hamm: Sprotte und andere komische Vögel

Paula Modersohn-Becker [Public domain], via Wikimedia Commons

Künstlerkolonien wurden, was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man an das ausklingende 19. Jahrhundert denkt, fast ausschließlich von Männern gegründet. Dann zogen Frauen nach, als Malweiber, wie sie abschätzig genannt wurden. Groupies, dachte ich in Ermangelung eines passenderen Begriffs – und ebenso geringschätzig. Bis ich eines anderen, eines besseren belehrt wurde.

Bis heute hat sich wenig daran geändert, dass, wer eine Karriere als bildender Künstler anstrebt, eine möglichst renommierte Hochschule besucht und eine gediegene Ausbildung absolviert. Frauen war dieser Weg im 19. und frühen zwanzigsten Jahrhundert schlicht verwehrt. Die Alternative waren private Kunstschulen. Nun mag man sich durchaus die Frage stellen, ob die akademische Malerei jener Zeit, wie sie an den Kunstakademien gelehrt wurde, die Mühen eines Studiums wert war, doch darum geht es überhaupt nicht. Weiterlesen

Hamm. Lieblingsorte?

von Dirk Vorderstraße (Abriss Horten Hamm) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

von Dirk Vorderstraße (Abriss Horten Hamm) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Es hängt doch wieder alles mit allem zusammen. Man kann kaum einen Satz schreiben, ohne dass sich Bezüge auftun, die man nicht erwartet hatte.

Klaus Mann und sein Mephisto, also die Geschichte eines Schauspielers, der sich während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft um seiner Karriere willen bei den Mächtigen anbiederte und sogar die Freundschaft Görings suchte und fand, fallen mir ebenso ein wie Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker.

Doch der Reihe nach.

Im Gustav-Lübcke-Museum Hamm findet vom 18.Dezember 2016 bis 21.Mai 2017 die Ausstellung  „Von Worpswede bis Hiddensee, Lieblingsorte – Künstlerkolonien“ statt. Zu den Lieblingsorten zählt Hamm eher nicht. Hamm muss man nicht kennen, kennt man aber, wenn man von Nord nach Süd oder Ost nach West fährt, weil es ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist, vor allem dann, wenn man mit der Bahn unterwegs ist. Außerdem war ich dort lange berufstätig, ein weiterer Grund, Hamm nicht kennen zu müssen.

Es gibt Menschen, die diese Stadt lieben. Bestimmt gibt es die. Aber man muss schon eine ausgeprägte Leidensfähigkeit mitbringen oder aber den Blick für das Schöne, das Liebenswerte im Detail – und die Bereitschaft, dieses Detail lange zu suchen. Ich will nicht übertreiben, nach zehn Jahren in der Stadt habe ich wirklich auch einige hübsche Ecken entdecken können. Das Gustav-Lübcke-Museum gehört dazu. Nun sind wir nicht so kulturbeflissen, dass wir nach Hamm gefahren wären, um die aktuelle Ausstellung zu sehen, aber weil wir schon mal waren…

Sieben Malerkolonien, die um 1900 existierten, werden vorgestellt. Worpswede kennt eh jeder, schon wegen Paula. Hiddensee und Arenshoop, ja, sind mir schon mal untergekommen.  2011 in der Schweriner Ausstellung „Sommergäste“. Und nein, wir waren nicht wegen der Kultur in Schwerin, sondern wegen des Tages der Deutschen Einheit, was natürlich auch wieder nicht richtig ist, sondern nur wegen des Feiertags, also des freien Tags, den wir um ein paar Urlaubstage ergänzt zu einem Kurzurlaub in Boltenhagen genutzt haben. Aber muss ich denn wirklich alles erklären? Heikendorf, Schwan, Nidden und Ferch am Schwielowsee: Nie gehört! Und die meisten der 40 Maler, deren Bilder gezeigt werden, sind mir ebenfalls unbekannt. Was nicht gegen die Maler spricht. Das Plakat zur Ausstellung gibt es hier:

https://www.hamm.de/fileadmin//user_upload/Medienarchiv/Kultur/Gustav-Luebcke-Museum/Dokumente/Plakat_Kuenstlerkolonien.pdf

Und alles andere gibt es später.

Übrigens ist das Bild natürlich eine Unverschämtheit von mir. An Stelle des alten Kaufhauses steht jetzt das Heinrich-von-Kleist-Forum und diese Ecke ist eine der vorzeigbarsten der Stadt!

Im Kino mit Paula

Vielleicht sollte man sich meine Meinung zu Kinofilmen einfach schenken. Offenbar, nein, ganz sicher gehöre ich nicht zur relevanten Zielgruppe. Das wird mir jedes Mal schmerzhaft bewusst, wenn ich den Werbeblock vor dem Hauptfilm sehe. Ich bin gern pünktlich, anders gesagt, ich hasse es, unpünktlich zu sein, deshalb sitze ich auch brav auf meinen Platz, wenn das Licht ausgeht und die ersten eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen über die Leinwand, nein, nicht flackern oder flimmern, alles voll digital, rattenscharf.

Hey, denke ich, aber da wird aus dem ruhigen Blick auf eine faszinierende Hügellandschaft auch schon eine laute, schnell geschnittene Action-Szene. The Great Wall, wieder einmal geht es um das Schicksal der ganzen Menschheit, darunter tut es kaum noch jemand. Dann La La Land, bonbonfarbene gute Laune. Tut mir leid, aber aufwändige Musicalfilme im Kino sind ein sicherer Indikator für richtig miese Zeiten, Weltkriege oder so. Dann beginnt Paula – Mein Leben soll ein Fest sein. Es geht um Paula Modersohn-Becker. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich noch über Otto Modersohn geschrieben, einen soliden Landschaftsmaler, Weiterlesen