Im Kino mit Paula

Vielleicht sollte man sich meine Meinung zu Kinofilmen einfach schenken. Offenbar, nein, ganz sicher gehöre ich nicht zur relevanten Zielgruppe. Das wird mir jedes Mal schmerzhaft bewusst, wenn ich den Werbeblock vor dem Hauptfilm sehe. Ich bin gern pünktlich, anders gesagt, ich hasse es, unpünktlich zu sein, deshalb sitze ich auch brav auf meinen Platz, wenn das Licht ausgeht und die ersten eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen über die Leinwand, nein, nicht flackern oder flimmern, alles voll digital, rattenscharf.

Hey, denke ich, aber da wird aus dem ruhigen Blick auf eine faszinierende Hügellandschaft auch schon eine laute, schnell geschnittene Action-Szene. The Great Wall, wieder einmal geht es um das Schicksal der ganzen Menschheit, darunter tut es kaum noch jemand. Dann La La Land, bonbonfarbene gute Laune. Tut mir leid, aber aufwändige Musicalfilme im Kino sind ein sicherer Indikator für richtig miese Zeiten, Weltkriege oder so. Dann beginnt Paula – Mein Leben soll ein Fest sein. Es geht um Paula Modersohn-Becker. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich noch über Otto Modersohn geschrieben, einen soliden Landschaftsmaler, Weiterlesen

Friedenstauben? Vergriffen!

Wie geht es weiter? Die Kommentatoren teilen uns mit, nach den Anschlägen von Paris habe sich die Welt verändert, so wie sie uns das auch schon nach den Angriffen auf das World Trade Center 2001 gesagt haben. Es gibt immer ein ‚vorher‘ und ein ’nachher‘. Was sich tatsächlich ändert, das wissen wir in ein paar Monaten, vielleicht erst in ein paar Jahren, in der Rückschau. Aber was wollen wir ändern? Was muss sich ändern? Sind wir zu liberal, zu weltoffen, zu großzügig?

Die Werte der Französischen Revolution werden jetzt zu europäischen Leitbildern ausgerufen, die es zu verteidigen gilt – und dazu seien auch Einschränkungen unserer Freiheit notwendig. Gut: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Haben wir sie verwirklicht? Manche Probleme, die der reiche Westen mit dem armen Süden hat, gäbe es dann nicht. Pegida gäbe es dann nicht. Brüderlich teilen gehört nicht gerade zu unseren Stärken. Und Gleichheit heißt nicht, dass uns alles gleich ist, gleichgültig.

Bevor wir den Krieg ausrufen, lasst uns die Werte verwirklichen, die wir verteidigen wollen, die es zu verteidigen lohnt. Den Krieg kann man ausrufen, Frieden muss man schaffen.