Grenzerfahrung

Eigenes Foto

Im Literaturmuseum Haus Nottbeck läuft eine Ausstellung unter dem Titel „Go east“. Zu dieser Ausstellung ruft das Museum dazu auf, Reisetexte zur Verfügung zu stellen. Die Bedingungen stehen auf der Seite des Museums. Mein kleiner Text ist schon dabei.

Grenzerfahrung

Als ich zum ersten Mal im Ausland war, war ich überhaupt nicht im Ausland. Nur im Sauerland, mit der Zündapp meines Vaters und eine Zündapp ist keine App für das  Smartphone, sondern ein Moped. Ich war total begeistert, im Ausland zu sein, machte mir aber zugleich Sorgen, weil wir kein sauerländisches Geld dabei hatten. Mein Vater, der vor mir saß, natürlich ohne Helm, lachte und erklärte mir, dass wir nur ein paar Kilometer von zuhause entfernt waren. Zuhause, das war Hagen, vielleicht sogar noch Hohenlimburg, das war Rauch und ein metallischer Geruch in der Luft, blinde Fenster in hohen, staubigen Gebäuden und Gleise, die über die Straße liefen.

Es dauerte noch zehn Jahre oder mehr, bis  ich die holländische Grenze erstmals überschritt, aber das zählte nicht, weil mein Onkel Weiterlesen

Magie für Anfänger

„Voorgevel - Amsterdam - 20021778 - RCE“ von Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 nl über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Voorgevel_-_Amsterdam_-_20021778_-_RCE.jpg#/media/File:Voorgevel_-_Amsterdam_-_20021778_-_RCE.jpg

„Voorgevel – Amsterdam – 20021778 – RCE“ von Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 nl über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Voorgevel_-_Amsterdam_-_20021778_-_RCE.jpg#/media/File:Voorgevel_-_Amsterdam_-_20021778_-_RCE.jpg

Amsterdam?

Jemand hier, dem diese Stadt nichts sagt?

Ich denke jetzt mal nicht an Grachtenfahrten, Coffee-Shops, Jaques Brel, Exilverlage, Anne Frank, den Jordaan, Ajax, de Wallen…doch, ich denke auch daran. Auch das ist mein Amsterdam.

Aber immer, wenn ich in dieser Stadt bin, ist da noch etwas vom magischen Zentrum, vom Geist der sechziger, siebziger Jahre. So, wie heute in jeder Großstadt am Bahnhof ein Flixbus steht – um nur eines der Fernbusunternehmen zu nennen – stand auf dem Museumplein in Amsterdam der Magicbus.

The Who haben mal einen Song geschrieben, der so hieß. Der Magicbus fuhr aber nicht nach Paderborn, sondern nach Kathmandu. Cat Stevens hat einen gleichnamigen Song aufgenommen, Peter Gabriel spielt darauf Flöte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich, wer Cat Stevens war, hatte aber noch nie von Peter Gabriel gehört.

Amsterdam war eine Haltestelle auf dem Weg in Orte, die so fremd und fern waren und klangen wie die Venus. Amsterdam lag auf dem Hippie-Trail. In Nepal war Haschisch legal zu erwerben und zu konsumieren, in Holland damals noch nicht.

Kathmandu reizte mich nicht. Mir wurde schon schlecht, wenn ich im Bus bis nach Bochum fahren musste. Per Anhalter nach Amsterdam ging. Und das war für mich wie eine Reise per Anhalter durch die Galaxis – übrigens erst Ende der siebziger Jahre erschienen. Aus der Kleinstadt in ein Hippiemärchen…

Historische Altstadt? Weltkulturerbe? Van Gogh? Rijksmuseum? Mir doch egal.

Damals.

Schließlich gab es das Paradiso. Da spielten Bands. Es nannte sich übrigens Kosmisches Entspannungszentrum. Pink Floyd spielte da und Deep Purple. Nicht, dass ich die da gesehen hätte. Ich hab mal Jess Roden da gesehen. JA. Ich weiß, dass niemand den kennt. Aber der war nicht schlecht. Wirklich nicht. Später mal Pere Ubu. JA, ich weiß, dass die auch keiner kennt. 1970 reichte mir die pure Gegenwart des Paradiso. Ich glaube, ich war leicht zu beeindrucken. Vor der Tür hat man mir mein Portmonee geklaut. Übernachtet habe ich im Sleep-In. Alles war gut.

Ach übrigens: Dieser Beitrag handelt von s‘-Hertogensbosch. Ich bin bloß nicht dazu gekommen.