Fannys Zweifel

BR, Montag, 25.2.2019, 19:30: Dahoam is Dahoam

„Fanny befürchtet, dass für Gregor der Familienurlaub in Neuseeland keine Erholung wird, da er schon bei der Planung in Stress gerät. Wird er die Reise alleine antreten?“
Quelle: TV piccolino 4/19 S. 83

„Fanny!“

Es ist eine Produktion des Bayerischen Rundfunks und leider ist mir keine Folge aus dieser Serie bekannt. Nur die Tatsache, dass Söder, der damals noch Ministerpräsident werden wollte, dort mal einen Auftritt hatte, führte dazu, dass ich überhaupt von… Markus Söder, jetzt weiß ich den Vornamen wieder, Entschuldigung, ich wollte mich nicht unterbrechen… also: nur seinetwegen weiß ich, dass es diese Serie gibt. Heimatfernsehen. Vermute ich einfach mal. Wir denken uns also die landestypische Sprachfarbe hinzu, nein, nicht die vom Söder, der ist Franke, soweit ich weiß. Schon etwas guttural Bayerisches.

Doch wenden wir uns wieder Gregor zu, der bisher vergeblich Gehör einforderte. Fanny ist seine Frau. Wir schaffen hier möglicherweise gerade alternative Fakten, aber Fanny und Gregor haben gemeinsame Kinder, es ist schließlich Vorabendprogramm und nicht die Lindenstraße, eine Patchworkfamilie schließe ich aus. Kinder… sagen wir zwei. Familie ohne Kinder geht nicht, mehr als zwei Kinder… ach was, Kinder erschweren Dreharbeiten. Ja, zugegeben, ich weiß nichts über Dreharbeiten. Aber über Kinder. Die wachsen zum Beispiel. Da passt die Kleidung nach dem zweiten Drehtag schon nicht mehr. Also zwei Kinder, nicht zu klein, schon wegen des langsameren Wachstums. Ein Junge und ein Mädchen. Wie gesagt, es ist Bayern, da kann man sowas schon mal machen.

Gregor sitzt jedenfalls vor seinem Laptop.

Wieso drängt sich mir gerade eine Lederhose auf? Ich verweigere mich ab jetzt ganz entschieden der Einmischung der CSU… jetzt hatte ich doch glatt CSD geschrieben. Christopher Street Day? CSU und CSD, Patchworkfamilien, vielleicht doch besser die Lindenstraße? Nee, die lief schon am Samstag und die Folge hieß schlicht und einfach „Plötzlich neu“. Was bitte soll man damit anfangen? Nein, jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Gregor drückt noch einmal die Entertaste.

Früher brauchte man als ungebetener Gast einen Enterhaken, um an Bord eines Schiffes zu gelangen. Heute braucht man als ersehnter Gast nur noch eine Entertaste, um die Buchung abzuschließen. Hat Gregor gerade gebucht? Und wohin soll es gehen? Gut, in der Ankündigung heißt es Neuseeland. Aber kriegt das der gestresste Gregor hin? Oder wird es New York? Allein zum CSD? Zu früh im Text für einen Cliffhanger. Weiterlesen

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Hamm. Lieblingsorte?

von Dirk Vorderstraße (Abriss Horten Hamm) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

von Dirk Vorderstraße (Abriss Horten Hamm) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Es hängt doch wieder alles mit allem zusammen. Man kann kaum einen Satz schreiben, ohne dass sich Bezüge auftun, die man nicht erwartet hatte.

Klaus Mann und sein Mephisto, also die Geschichte eines Schauspielers, der sich während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft um seiner Karriere willen bei den Mächtigen anbiederte und sogar die Freundschaft Görings suchte und fand, fallen mir ebenso ein wie Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker.

Doch der Reihe nach.

Im Gustav-Lübcke-Museum Hamm findet vom 18.Dezember 2016 bis 21.Mai 2017 die Ausstellung  „Von Worpswede bis Hiddensee, Lieblingsorte – Künstlerkolonien“ statt. Zu den Lieblingsorten zählt Hamm eher nicht. Hamm muss man nicht kennen, kennt man aber, wenn man von Nord nach Süd oder Ost nach West fährt, weil es ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist, vor allem dann, wenn man mit der Bahn unterwegs ist. Außerdem war ich dort lange berufstätig, ein weiterer Grund, Hamm nicht kennen zu müssen.

Es gibt Menschen, die diese Stadt lieben. Bestimmt gibt es die. Aber man muss schon eine ausgeprägte Leidensfähigkeit mitbringen oder aber den Blick für das Schöne, das Liebenswerte im Detail – und die Bereitschaft, dieses Detail lange zu suchen. Ich will nicht übertreiben, nach zehn Jahren in der Stadt habe ich wirklich auch einige hübsche Ecken entdecken können. Das Gustav-Lübcke-Museum gehört dazu. Nun sind wir nicht so kulturbeflissen, dass wir nach Hamm gefahren wären, um die aktuelle Ausstellung zu sehen, aber weil wir schon mal waren…

Sieben Malerkolonien, die um 1900 existierten, werden vorgestellt. Worpswede kennt eh jeder, schon wegen Paula. Hiddensee und Arenshoop, ja, sind mir schon mal untergekommen.  2011 in der Schweriner Ausstellung „Sommergäste“. Und nein, wir waren nicht wegen der Kultur in Schwerin, sondern wegen des Tages der Deutschen Einheit, was natürlich auch wieder nicht richtig ist, sondern nur wegen des Feiertags, also des freien Tags, den wir um ein paar Urlaubstage ergänzt zu einem Kurzurlaub in Boltenhagen genutzt haben. Aber muss ich denn wirklich alles erklären? Heikendorf, Schwan, Nidden und Ferch am Schwielowsee: Nie gehört! Und die meisten der 40 Maler, deren Bilder gezeigt werden, sind mir ebenfalls unbekannt. Was nicht gegen die Maler spricht. Das Plakat zur Ausstellung gibt es hier:

https://www.hamm.de/fileadmin//user_upload/Medienarchiv/Kultur/Gustav-Luebcke-Museum/Dokumente/Plakat_Kuenstlerkolonien.pdf

Und alles andere gibt es später.

Übrigens ist das Bild natürlich eine Unverschämtheit von mir. An Stelle des alten Kaufhauses steht jetzt das Heinrich-von-Kleist-Forum und diese Ecke ist eine der vorzeigbarsten der Stadt!

Im Kino mit Paula

Vielleicht sollte man sich meine Meinung zu Kinofilmen einfach schenken. Offenbar, nein, ganz sicher gehöre ich nicht zur relevanten Zielgruppe. Das wird mir jedes Mal schmerzhaft bewusst, wenn ich den Werbeblock vor dem Hauptfilm sehe. Ich bin gern pünktlich, anders gesagt, ich hasse es, unpünktlich zu sein, deshalb sitze ich auch brav auf meinen Platz, wenn das Licht ausgeht und die ersten eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen über die Leinwand, nein, nicht flackern oder flimmern, alles voll digital, rattenscharf.

Hey, denke ich, aber da wird aus dem ruhigen Blick auf eine faszinierende Hügellandschaft auch schon eine laute, schnell geschnittene Action-Szene. The Great Wall, wieder einmal geht es um das Schicksal der ganzen Menschheit, darunter tut es kaum noch jemand. Dann La La Land, bonbonfarbene gute Laune. Tut mir leid, aber aufwändige Musicalfilme im Kino sind ein sicherer Indikator für richtig miese Zeiten, Weltkriege oder so. Dann beginnt Paula – Mein Leben soll ein Fest sein. Es geht um Paula Modersohn-Becker. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich noch über Otto Modersohn geschrieben, einen soliden Landschaftsmaler, Weiterlesen