Friesland (8): Zurück

Eigenes Foto

 

Herinneringscentrum Kamp Westerbork

Einfach nur fahren, unterwegs sein, um dann anzukommen, ist langweilig. Dann sitzt man im Auto die Zeit ab. Beamen wäre praktischer. Der Reiz des Reisens liegt für mich aber auch darin, eben nicht einfach nur von A nach B zu fahren, sondern anzuhalten, einen Umweg zu machen, einem Ortsnamen oder einer Erinnerung zu folgen und zu sehen, wohin man kommt. Auf unserem Weg nach Leeuwarden waren Zwolle und Kampen Zwischenstationen, auf dem Rückweg haben wir uns für das Kamp Westerbork entschieden. Auschwitz, Dachau, Buchenwald, Bergen-Belsen, ich nenne Namen, die jeder kennt, Orte, die jeder besucht haben sollte. Besucht ist ein so falsches Wort dafür.

Aber ich war auch noch nicht an all diesen Orten und den vielen anderen Orten des Schreckens und der Grausamkeit, die ich nicht genannt habe, großen Lagern, Gestapohäusern, Gefängnissen. Manche davon sind weit entfernt, aber für Westerbork gilt das nicht. 200 Kilometer von Warendorf, 100 von Leer aus, wo ich lange gelebt habe. Es war immer erreichbar und jedes Mal, wenn ich auf der Autobahn das Hinweisschild sah, empfand ich es als eine Art Mahnung. Vielleicht ganz zu Recht. Vielleicht sollten wir uns verpflichtet fühlen, diese Orte zu sehen, uns dem auszusetzen, was diese Orte erzählen. Nun also Westerbork.

1939 richteten die Niederländer ein Lager für die überwiegende jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland ein. Nicht zu nah bei den Städten, nicht in der Nähe des königlichen Sommerpalastes, also bei Hooghalen in Drenthe, in der Nähe des Dorfes Westerbork, nicht weit von der deutschen Grenze. Die ersten Bewohner waren Menschen, Weiterlesen

Friesland (6): Drachten & De Stijl

Theo van Doesburg [Public domain], via Wikimedia Commons

Von Leeuwarden aus unternahmen wir einen Ausflug nach Drachten. Man muss nicht in Drachten gewesen sein, jedenfalls nicht wegen Drachten. Die Drachtener mögen das anders sehen, es gibt jedenfalls außergewöhnlich viele Fotos aus Drachten auf der entsprechenden Wikipediaseite. Je mehr ich von diesen Bildern betrachte, umso trauriger werde ich.

Wieso wir dann hinfuhren?

Weil ich es mir vorgenommen hatte.

Unterwegs nach Drachten, es war ein kalter, windiger Tag, fuhren wir über eine wenig befahrene, ziemlich neue Straße. Ich mag es, wenn das Navi nicht mehr weiß, wo wir gerade sind und uns einen Punkt im Nichts anzeigt, zwischenzeitlich kurz wieder einen Straßennamen aufgreift, um gleich darauf wieder in unerforschter Wildnis auf jede weitere Anweisung zu verzichten. Wir kamen trotzdem an. Eine endlose Straße führte in die Stadt, die inzwischen die zweitgrößte friesische „Stadt“ geworden ist, trotzdem aber nicht zu den elf Städten Frieslands gezählt wird. Selbst Sloten mit seinen 740 Einwohnern darf sich zu dieser Elite Frieslands zählen, zu den Städten, die das Stadtrecht erhielten. Alles andere sind Gemeinden, Dörfer, zufällige Ansiedlungen. Drachten war ein Weiterlesen

Friesland (5): Frau Zelle

Margaretha Geertruida Zelle? Nie gehört? Im Frühjahr des Jahres 1905 wurde aus der in Leeuwarden geborenen jungen Frau die exotische Tänzerin Mata Hari. Auch wenn sie mit ihren Auftritten europaweiten Ruhm erlangte, wäre sie wohl längst vergessen, doch ihr Tod sorgte dafür, dass sie Menschen bis heute beschäftigt. Sachbücher und Romane, Dokumentationen und Spielfilme widmen sich ihrer Geschichte, das Friese Museum in Leeuwarden zeigt gerade eine große Ausstellung.

Die Ausstellung fügt dem, was man über Mata Hari weiß, wenig hinzu. Was nicht heißen soll, dass die Ausstellung schlecht ist. Sie ist etwas für Leser, für Menschen, die sich die Zeit nehmen, dem Leben der Frau zu folgen, die als Weiterlesen

Friesland (4): Leeuwarden

Eigenes Bild: Oldehove, schief und krumm

Ich kann nicht über Leeuwarden schreiben, ohne das Wahrzeichen der Stadt, den Oldehove zu erwähnen. Was hiermit geschehen ist. Weil er aber seit 1533 schief und krumm in der Stadt steht und dort wohl auch stehen bleiben wird, erzähle ich lieber von einer Ausstellung im Fries Museum, die dort gerade gezeigt wird. Es war kalt in Leeuwarden, wir waren den Vormittag über mit einer Karte aus dem VVV, dem Fremdenverkehrsverein, einmal kreuz und quer durch die Altstadt gelaufen und hatten alle Punkte, die auf der Karte als sehenswert markiert waren, getreulich abgehakt. Es lohnt sich, die Stadt ist Weiterlesen

Friesland (3): Angekommen

Eigenes Foto

Leeuwarden ist 2018 nicht nur die Hauptstadt der Provinz Friesland, sondern, wie schon an anderer Stelle geschrieben, Kulturhauptstadt Europas. Eine kleine Hauptstadt mit knapp 110.000 Einwohnern, aber eine Stadt, die auch ohne die Veranstaltungen, die 2018 über das Jahr verteilt für eine Menge Leben sorgen werden, bemerkenswert ist. Wohin? fragten mich manche, als wir unsere Tour planten. Die Stadt liegt etwa 270 Kilometer nordwestlich von Warendorf und harrt offenbar noch ihrer Entdeckung durch die deutschen Reisenden. Nein, es liegt wohl nicht am Fries, das dort gesprochen wird, einer Sprache, die auch für Niederländer weitgehend unverständlich ist. oersethelp.nl bietet sogar ein Übersetzungsprogramm Nederlands – Frysk und umgekehrt.

Bûter, brea, en griene tsiis; wa’t dat net sizze kin, is gjin oprjochte Fries.

Boter, roggebrood, en groene kaas, wie dat niet kan zeggen, is geen oprechte Fries.

Und zur Sicherheit die deutsche Übersetzung: Butter, Roggenbrot und grüner Käse, wer das Weiterlesen

Friesland (2): Unterwegs

Eigenes Bild

Rund zwanzig Kilometer nördlich von Zwolle liegt die alte Hansestadt Kampen. Rund 50.000 Menschen leben in der angeblich dümmsten Stadt der Niederlande, über die bereits 1563 ganz Europa gespottet haben soll. Da muss etwas an mir vorbeigegangen sein. Aber jedes Land hat seine Stadt, seine Region, über die gespottet wird. Bei uns ist das Schilda, die fiktive Heimat der Schildbürger, es ist aber auch Ostfriesland mit den Ostfriesenwitzen. Ein Beispiel für die Witze Weiterlesen

Friesland (1): Unterwegs

Leeuwarden ist 2018 gemeinsam mit Valetta europäische Kulturhauptstadt. Amsterdam und Leeuwarden sind von Warendorf aus etwa gleichweit entfernt, Valetta liegt etwas ungünstiger, also läge es nahe, mal wieder nach Amsterdam zu fahren. Was soll man in Leeuwarden? Im Februar? Das Programm der Kulturhauptstadt hat gerade erst begonnen, König und Königin waren schon zu Gast, die meisten attraktiven Veranstaltungen beginnen erst im Sommer. Oder finden am Wochenende statt.

Also fuhren wir von montags bis donnerstags hin. Was konnte man da schon erwarten?

Das Hotel hatte ich vorher gebucht. Zentrale Lage, bis Mitte der siebziger Jahre im Besitz der königlichen Familie. 1564 erbaut.

Stadhouderlijk Hof

Doch der Reihe nach. Erster Halt auf dem Weg in die friesische Hauptstadt war Zwolle, Hauptstadt der Provinz Overijssel. Zwolle hat eine schöne alte Innenstadt, gut, das ist in den Niederlanden nichts besonderes. Außer natürlich besonders schön.

Dann ist da die Basiliek van Onze-Lieve-Vrouw-Tenhemelopneming, eine mächtige Kirche, die, betritt man sie, auf einmal gar nicht mehr so mächtig wirkt, weil sie einschiffig ist. Hoch und

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Maarten `t Hart

Mit Bedauern wurde mir bewusst, dass ich nur noch wenige Seiten der Kurzgeschichtensammlung von Maarten `t Hart zu lesen hatte. Jeder, der gern liest, kennt das wohl. Ein Buch geht zu Ende und man muss man Abschied nehmen von einer Welt, die immer vertrauter wurde. Kurzgeschichten verursachen dieses Gefühl gewöhnlich nicht in so starkem Maße, aber „De moeder van Ikabod“ ist sehr autobiografisch geprägt, so dass jeder, der nicht nur „Das Wüten der ganzen Welt“ gelesen hat, in eine bekannte Gedankenwelt eintritt.

Typisch für diesen Autor ist ein meist humorvoller, angenehm selbstironischer, aber auch eigensinniger Blick auf das moderne Leben, auf die Niederlande, aber auch auf den Literaturbetrieb, den Maarten `t Hart mit bösem Spott begegnet.

Kurt Vonnegut hat mit 75 seinen letzten Roman verfasst, der eigentlich auch nicht mehr so recht funktioniert hat. Wie lange schreibt Maarten `t Hart noch, frage ich mich und schaue in seine Biografie. Jahrgang 1944. Vor kurzem habe ich noch ein sehr resigniert wirkendes Interview mit ihm gelesen. Sein Garten verwildert, seine Gesundheit angeschlagen. Und „De moeder von Ikabod“ berichtet aus den letzten Jahrzehnten, von einem Schwedenbesuch Mitte der achtziger Jahre zum Beispiel.

Notiz an mich selbst: Es gibt einen guten Grund, noch mal ganz von Weiterlesen

Sand in Sicht

Foto: Manfred Voita

Schiermonnikoog: die östlichste der bewohnten niederländischen Watteninseln.

Von Lauwersoog aus geht es mit der Fähre hinüber. 45 Minuten durch das Wattenmeer. Kreuz und quer, hin und her, wie die Fahrrinne es eben zulässt. Die Insel ist ganz nah. Zwei Leuchttürme, ein weißer und ein roter. Deich und Dünen, ein Dorf.

Ein Schiff voller Vorfreude. Ein Schiff voller Leben und Sommer. Das Meer, ja, die Nordsee! blitzt im Sonnenlicht, Segelschiffe… nein, die liegen im Schlick, können erst bei Flut weiter. Ehrlich gesagt riecht das Watt auch nicht gut. Ebbe eben. Aber dann ist die Insel da, die Zugbrücke wird heruntergelassen und los geht es.

Den Deich entlang, dann über schmale Wege in den Ort. Schiermonnikoog. Der einzige Ort auf der Insel. Die Insel der grauen Mönche. Zisterzienser haben hier gelebt, dann gab es verschiedene Herren und Herrschaften. Weiterlesen

Enschede, Wilmink & Textilgeschichte

Komisch, wie nah und wie fern eine Stadt einem doch sein kann. Nah, weil Enschede, das ist die niederländische Stadt, um die es hier geht, gerade einmal 100 Kilometer von Warendorf entfernt liegt. Fern, weil ich, obwohl wir so oft dort waren, so wenig über diese Stadt weiß. Naja, jetzt weiß ich natürlich gerade mal wieder etwas mehr, weil wir, wie so oft, ein paar Stunden dort verbracht haben.

Enschede, von Willem Brakman als  ‚het onlieflijke stadje‘ (die unliebliche Stadt) bezeichnet, ist nicht schön, keine dieser putzigen niederländischen Städte, die eine kuschelige Mischung aus siebzehntem Jahrhundert und Coffeeshop zu sein scheinen. Weiterlesen

Geschenke mit Preisschildern

By CDU [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons

Ach, waren das noch Zeiten, als man an der Wahlurne gleich die gesamte abendländische Kultur retten konnte. Jetzt retten wir nur noch die FDP, die Grünen oder die Linken, alle anderen Parteien sind nicht mehr zu retten, nein, falsch ausgedrückt: haben sich längst in Sicherheit gebracht.

Vor dem Hintergrund der gewaltigen Umverteilung von unten nach oben, die in diesem Lande stattgefunden hat, in Anbetracht der Armut der meisten Gemeinden, Städte und Kreise, die zu immer neuen Leistungseinschränkungen bzw. zum selbstverständlichen Verzicht auf eigentlich notwendige Angebote führt (ich verzichte mal auf die Beispiele), unter Berücksichtigung all dessen sehe ich Wahlplakate, in denen die Union mehr Straßen, die FDP bessere Schulen und mehr Polizisten fordert.* Weiterlesen

Auch Käse im Angebot: Wahlen in den Niederlanden

In den Niederlanden wird gewählt. Geert Wilders, Vorsitzender und einziges Mitglied der PVV (Partei für die Freiheit), geht mit einem Programm in diese Wahlen, das auf eine Seite passt. Ich versuch mich mal an einer Übersetzung:

Konzept Wahlprogramm Partei für die Freiheit 2017 – 2021

Niederlande wieder unser!

Millionen Niederländer haben genug von der Islamisierung unseres Landes. Genug von Massenimmigration und Asyl, Terror, Gewalt und Unsicherheit.

Hier ist unser Plan: Anstelle der Finanzierung der ganzen Welt und von Menschen, die wir hier nicht wollen, geben wir das Geld für den normalen Niederländer aus. Weiterlesen

Vlöggeln

 

By Tubantia (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

By Tubantia (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

In Ootmarsum ist, wie schon berichtet, einiges an Kunst zu sehen, zum Beispiel eine Figurengruppe neben dem Eingang der Simon und Judaskirche. Augen zu und durch. Wäre mal wieder einfacher gewesen. Aber nein, ich muss ja wieder gucken.

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Weil die Informationstafel zu dieser Gruppe ziemlich unleserlich ist, wird sie gleich mit fotografiert und anschließend ausgewertet. Die Künstlerin heißt Kiny Copinga-Scholten, das Werk „De Poaskearls“, denn so spricht man in Twente, Paaskerels wäre Niederländisch. Paas steht für Pasen, Ostern, wie wir sagen. Pasen ist viel näher am Original, dem jüdischen Pessach- oder auch Passahfest. Das interessiert mich zwar, aber nicht jetzt, nicht hier.

By Proborc (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

By Proborc (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Poaskearls, die Osterkerle, wie man sie übersetzen könnte, sind nämlich eine Besonderheit, es gibt sie tatsächlich nur in Ootmarsum und sie gehören zum nationalen kulturellen Erbe der Niederlande. Der Brauch, der mit ihnen und von ihnen gepflegt wird, heißt Vlöggeln und ist vermutlich sehr alt, nachweisbar allerdings erst seit 1840. Acht katholische Junggesellen ziehen am ersten und zweiten Ostertag durch Ootmarsum, dabei werden zwei Lieder gesungen. Weiterlesen

Ootmarsum, Kunst, de Keyzer & Korinthen

Dirk de Keyzer Foto: Elfie Voita

Dirk de Keyzer: La Grande Guide des Voyages Foto: Elfie Voita

Ootmarsum, mit langem o, Betonung auf dem mar und einem u, das ü gesprochen wird: Eine kleine Stadt in den Niederlanden, westlich von Nordhorn und nördlich von Enschede gelegen, die zur Gemeinde Dinkelland gehört. Ootmarsum hat rund 4.500 Einwohner und liegt in der Provinz Overijssel. Der Fluss, der den Namen der Provinz prägt, die Ijssel, entspringt als Issel im Münsterland, wie übrigens auch die Dinkel und die Vechte. Ootmarsum, besonders der ältere Teil, also Oudootmarsum, ist bemerkenswert hübsch. Das ist nichts Besonderes in den Niederlanden, es finden sich viele Dörfer, aber auch kleine und große Städte, deren mittelalterliche Kerne erhalten geblieben sind.

Ootmarsum ist anders. Es ist deshalb anders, weil es die Heimat des niederländischen Malers Ton Schulten ist. Diese Tatsache hatte weitreichende Folgen. Ton Schulten ist auch in Deutschland mit seinen Bildern bekannt geworden. Farbenfroh und dekorativ, als Original oder als Kalender. Ich nehme an, dass sich seine Kunst gut verkauft, denn in Ootmarsum gab es bald eine Galerie mit diesen Bilder, Chez-Moi Ton Schulten Galerie International, dann einen kleinen Garten, der den klangvollen Namen Place de la Fontaine bekam – ein ummauerter Hinterhof – und inzwischen ein ganzes Museum. Weil deshalb noch mehr Touristen nach Ootmarsum kamen, als das schon zuvor der Fall war, siedelten sich weitere Galerien an und inzwischen ist die Galerie die typische Nutzungsform für einen Laden im Ort.

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Außerdem prägen viele weitere Kunstwerke den öffentlichen Raum. Wie das mit Kunst ist, man muss nicht alles mögen, was da gezeigt wird, es gibt, wie kaum anders zu erwarten, auch eine Tendenz zum Dekorativen, aber wir haben uns schon lange in die Plastiken von Dirk de Keyzer verguckt. De Keyzer ist ein belgischer Künstler und leider viel zu teuer für uns. Als er noch preiswerter war, war er auch schon zu teuer für uns.

Seine ersten Arbeiten sahen wir in Ton Schultens Galerie, natürlich in Ootmarsum. Einige seiner Werke sind heute im Ort zu sehen.

Foto: Elfie Voita

Dirk de Keyzer: Siepelvrouwtje Foto: Elfie Voita

Falls jemand völlig resistent gegen Kunst sein sollte: In Ootmarsum gibt es auch noch overheerlijke krentewegge, also ein Korinthenbrot. Eins, das sich von unseren Rosinenbroten dadurch unterscheidet, dass der Bäcker es beim Hinzufügen von Rosinen oder Korinthen ernst meint. Mit etwas Butter und einem Kaffee dazu…

Tumbas

Von Hpschaefer www.reserv-art.de - File:Nooteboom,-Cees Koeln 170311.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21981457

Von Hpschaefer http://www.reserv-art.de – File:Nooteboom,-Cees Koeln 170311.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21981457

„Die meisten Toten schweigen. Sie sagen nichts mehr. Sie haben – buchstäblich – alles gesagt. Das gilt nicht für Dichter.“

Cees Nooteboom

Promis gucken auf dem Friedhof? Klingt, wenn man es so formuliert, nach einer seltsamen Marotte. Einer, zu der ich mich auf diesen Seiten schon mehrfach bekannt habe. Nun habe ich festgestellt, dass ich mich da in guter Gesellschaft befinde. Cees Nooteboom, ein auch in Deutschland nicht unbekannter niederländischer Lyriker und Reiseschriftsteller, war mit der Fotografin Simone Sassen unterwegs zu den letzten Ruhestätten vieler Geistesgrößen. Ich nenne nur mal Borges, Dante, Flaubert und Goethe.

115 Schwarzweißfotos zeigen Grabsteine, Inschriften, manchmal eine Gruft. Mag sein, dass Schwarzweißfotos künstlerisch oft interessanter sind, mag auch sein, dass es dem Gegenstand geschuldet ist. Nooteboom stellt die Großen manchmal nur mit einem kurzen Auszug aus ihrem Werk vor, ein anderes Mal trägt er ein eigenes Gedicht bei Weiterlesen

Nase voll

Photo by Michel Marcon

Photo by Michel Marcon

„Wir gehen eigentlich nur noch ganz selten zu einem Bäcker“, sage ich zu Elfie, während wir die lange Ausfahrt nehmen, die eigentlich schon ein  landwirtschaftlicher Nutzweg ist. Wir haben Eier gekauft, frisch ab Hof. Eine Klingel neben dem kleinen Laden, der links vor dem Wohnhaus in einem Nebengebäude untergebracht ist. Das Wort Laden ruft falsche Bilder auf,  es ist nur ein besserer Lagerraum mit ein paar Regalen, einem Kühlschrank, Tisch und einer Kasse. Eine Klingel, damit man jemanden aus dem Haus, ja, im wahrsten Sinne des Wortes, herausklingeln kann.

Vorneweg der Hofhund mit gefletschten Zähnen. Der junge Mann, möglicherweise der Bauernsohn behauptet, dass der Hund grinst. Mag sein, bei Alice im Wunderland grinst schließlich auch eine Katze. Jedenfalls will er gestreichelt werden, der Hund, nicht der Sohn. Und ich muss dann später auch nicht an den Bäcker denken, weil ich den mal wieder streicheln müsste. Sondern weil wir so unsystematisch einkaufen, einfach immer darauf setzen, dass der Supermarkt ein paar Häuser weiter schon offen hat, und so kann man auf dem Land nicht einkaufen.

Aber einen Bäcker gibt es da, nicht gleich beim Bauern, schon ein Stück entfernt im Dorf. Da bekommt man vielleicht auch noch eine Tüte Milch und ein halbes Pfund Butter. Das wäre auch gut so, denn einen Lebensmittelladen gibt es nicht mehr im Dorf . Und dann erinnert sich Elfie an den Bäcker in Holland, vielleicht in Coevorden, vielleicht auch in Zwolle, ich frage nicht nach, es ist eine Erinnerung, die wir nicht teilen, eine aus ihrer Kindheit, wenn sie ihre Tante in Holland besuchte und dann war da dieser Bäcker, zu dem sie so gern ging, weil das ganze Geschäft so nach frischem Brot duftete. Weiterlesen