Nie wieder!

[[File:Bundesarchiv B 285 Bild-04413, KZ Auschwitz, Einfahrt.jpg|Bundesarchiv B 285 Bild-04413, KZ Auschwitz, Einfahrt]]

Vor 75 Jahren befreite die Rote Armee die Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz. „Nie wieder“ steht, so fasse ich es auf, dafür, dass es nie wieder Judenverfolgung, allgemeiner, nie wieder religiös oder rassistisch begründete Verfolgung und Vernichtung anderer Menschen geben darf.

Juden müssen in Deutschland sicher leben können. Was für ein furchtbarer Satz, wie schrecklich ist es, dass wir 2020 diesen Satz noch oder wieder sagen müssen. Dabei geht es mir nicht um Religion, nicht darum, dass Menschen sich zum Judentum bekennen oder nicht, das war den Nazis auch egal. Ihnen genügte eine irgendwie konstruierte Verwandtschaft.

Deshalb müssen auch Moslems und Christen, Hindus und Buddhisten ihren Gott oder ihre Götter anbeten können, denn was uns trennt, sind vielleicht Religion und Parteien, aber was uns eint, ist die schlichte Tatsache unseres Menschseins. Wem das nicht genügt, um andere als gleichwertig und gleichberechtigt zu sehen, der verrät nicht seine „Rasse“ oder sein Land, der verrät die Menschheit.

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Eigenes Foto

 

Herinneringscentrum Kamp Westerbork

Einfach nur fahren, unterwegs sein, um dann anzukommen, ist langweilig. Dann sitzt man im Auto die Zeit ab. Beamen wäre praktischer. Der Reiz des Reisens liegt für mich aber auch darin, eben nicht einfach nur von A nach B zu fahren, sondern anzuhalten, einen Umweg zu machen, einem Ortsnamen oder einer Erinnerung zu folgen und zu sehen, wohin man kommt. Auf unserem Weg nach Leeuwarden waren Zwolle und Kampen Zwischenstationen, auf dem Rückweg haben wir uns für das Kamp Westerbork entschieden. Auschwitz, Dachau, Buchenwald, Bergen-Belsen, ich nenne Namen, die jeder kennt, Orte, die jeder besucht haben sollte. Besucht ist ein so falsches Wort dafür.

Aber ich war auch noch nicht an all diesen Orten und den vielen anderen Orten des Schreckens und der Grausamkeit, die ich nicht genannt habe, großen Lagern, Gestapohäusern, Gefängnissen. Manche davon sind weit entfernt, aber für Westerbork gilt das nicht. 200 Kilometer von Warendorf, 100 von Leer aus, wo ich lange gelebt habe. Es war immer erreichbar und jedes Mal, wenn ich auf der Autobahn das Hinweisschild sah, empfand ich es als eine Art Mahnung. Vielleicht ganz zu Recht. Vielleicht sollten wir uns verpflichtet fühlen, diese Orte zu sehen, uns dem auszusetzen, was diese Orte erzählen. Nun also Westerbork.

1939 richteten die Niederländer ein Lager für die überwiegende jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland ein. Nicht zu nah bei den Städten, nicht in der Nähe des königlichen Sommerpalastes, also bei Hooghalen in Drenthe, in der Nähe des Dorfes Westerbork, nicht weit von der deutschen Grenze. Die ersten Bewohner waren Menschen, Weiterlesen