Verpusten

Verpusten

In der Nachbarschaft übt jemand ein Blasinstrument. Welches, das kann ich nicht erraten, aber er übt, das erkenne ich auch als Laie, mit großem Enthusiasmus.  Ein Stück nach dem anderen, jedenfalls nehme ich an, dass es sich um Werke aus der Literatur handelt. Zu meiner Zeit, also als ich noch singen sollte, ja, singen musste, weil es um Noten ging, Singen für, nicht nach Noten, also in der Schule – was für ein blöder Satzanfang übrigens: zu meiner Zeit. Lesen könnte man es vielleicht auch noch nach meiner Zeit, schreiben kann ich aber nach meiner Zeit gewiss nicht. Also: Zu einer Zeit, die auch meine Zeit war, die aber schon ein wenig zurückliegt, war für das Singen die Mundorgel unverzichtbar. Vielleicht gibt es für die Bläser ja den Pustekuchen.

So ein langer Anlauf für einen müden Gag!

Der Nachbar spielt anscheinend durch, was man ihm vorlegt. Bisher hatte ich angenommen, dass man Teile,  die man noch nicht so gut beherrscht, wiederholt, bis man sie beherrscht, aber mein Nachbar hat gewiss schon beim ersten Mal gemerkt, dass er ein bestimmtes Stück oder den Teil zwischen der ersten und der letzten Note nicht so recht kann, so dass er sich nicht weiter damit belasten muss und gleich zum nächsten Kracher übergehen kann.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich genieße tatsächlich, was ich da höre. Es stimmt mich milde und gibt mir den Glauben an die Menschheit zurück. Wo so etwas möglich ist, so ein zweckfreies Getute, ist alles möglich. Zuverlässig am nächsten passenden Ton vorbei, voller heiterer Unbekümmertheit gegenüber der Welt und den Komponisten, dass ich lächelnd lausche. Selbst die Hühner sind nicht mehr zu hören und das liegt nicht daran, dass ihre akustische Nische besetzt wäre und sie sich deshalb aufs Eierlegen konzentrieren würden. Windeier würden das, die Hühner gehören besagtem Nachbarn. Vielleicht sitzen sie aufgereiht auf ihrer Stange und grinsen.

Beitragsbild von Oliver Abels (SBT) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24982702

Anfassen verboten

Von Cent9 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26354898

Wieder einmal greife ich auf einen älteren Text zurück, der unbeachtet und vergessen in den Tiefen des Netzes schlummerte. Also, Fanfaren, Tusch und was sonst noch dazu gehört:

Anfassen verboten

Natürlich ist unser Haushalt perfekt organisiert. Finden wir. Oder eigentlich ich. Weiterlesen

Komischer Vogel

Natur ist ja schön.

Was für ein blöder Anfangssatz. Da ergeben sich doch sofort zwei Fragen: Was heißt hier Natur? Und: Ist Natur per se schön? Diese beiden Fragen möchte ich im Folgenden nicht beantworten. Darum geht es nämlich nicht.

Es geht um den Vogel des Jahres 2014, ich bin also spät dran und kann mich nicht mit anderen Themen aufhalten. Gut, der Vogel des Jahres 2015 ist der Habicht, für alle, die die verbleibenden paar Tage noch nutzen wollen, um dem nächstbesten Habicht zur erfolgreichen Wahl zu gratulieren. Für 2016 steht schon der Stieglitz fest. Ich hatte bisher immer gedacht, das sei ein Stadtteil Weiterlesen