Waldspaziergang

 

Geschlagenes Holz Bild: Elfie Voita

Geschlagenes Holz
Bild: Elfie Voita

Diesmal wieder ein Bild, ganz unbearbeitet, einfach nur ein Schnappschuss, der während eines Waldspaziergangs in Aurich entstanden ist. Totes Holz, geschlagene Bäume, die am Wegesrand liegen und auf denen sich das Leben ausbreitet. Dazu fällt mir ein, dass es in Münster eine sehr alte und sehr schöne Rotbuche gab, die, obwohl zum Naturdenkmal erklärt, irgendwann trotzdem den Anforderungen, die in der Stellenbeschreibung für einen Baum genannt werden, nicht mehr genügte. Statt die einstmals so stolze Rotbuche aber nun einfach zu entsorgen, ließ die Stadt einen Zaun um den sterbenden Baum ziehen – zur Sicherheit der Bürger, die, wie bei jedem Unglück, gern stehen bleiben und zuschauen. Der Baum verfällt nun langsam, wird von Pilzen besiedelt, von Insekten bewohnt und hat alle Zeit der Welt, um sich vom Boniburger Wald, dort steht er nämlich, zu verabschieden.

So besinnlich war dieser Beitrag überhaupt nicht geplant. Eigentlich wollte ich… aber was spielt das schon für eine Rolle. Es ist gut so, wie es ist.

 

Sitzen geblieben

Goethe scheint für die Menschen seiner Zeit ein Mittelding zwischen der Jungfrau Maria und einem Megastar gewesen zu sein. Ein noch so kurzes Erscheinen, eine Übernachtung oder der Kauf von Schinken oder Wein, alles wurde sorgfältig dokumentiert und ist Jahrhunderte später immer noch so bedeutsam, dass aus diesen Anlässen Gedenktafeln angebracht und historische Feste gefeiert werden. Gut, Maria pflegte bei ihrem gelegentlichen Erscheinen keinen westfälischen Schinken zu kaufen.

Für Goethe selbst waren diese Reisen – wenn sie denn nicht nach Italien oder Frankreich führten – keineswegs so bemerkenswert, manche Erinnerungen, so auch die an seinen Aufenthalt in Westfalen, hielt er mit dreißigjähriger Verzögerung fest. Vor dreißig Jahren war ich…Moment, 2015 – 30 = 1985, ich frag mal meine Frau, ja, im Winter 85/86 waren wir Weiterlesen

Draußen

Der Prinzipalmarkt in Münster

Der Prinzipalmarkt in Münster (Foto: Elfie Voita)

In Münster erscheint – wie in vielen Städten – eine Obdachlosenzeitung. In Münster heißt sie „Draußen“. Münster ist immer wieder einmal mein Thema, weil ich dort berufstätig bin, jedenfalls teilweise. Nein, das stimmt so nicht, ich bin nicht teilweise berufstätig, sondern nur zum Teil in Münster, zum anderen Teil in Ahlen. Wobei ich selbstverständlich auch nur teilweise berufstätig bin. Das gilt natürlich für jeden, denn wer arbeitet schon 24 Stunden am Tag? Aber so ist das mit der Teilzeit ja auch nicht gemeint. Bei mir hat sich das einfach so ergeben, Erwachsenenbildung ist ein seltsames Geschäft und unterliegt allerlei Einflüssen – und so arbeite ich ich mal etwas weniger und ein ander Mal noch weniger.

Aber das wollte ich überhaupt nicht erzählen. Sondern: Diese Obdachlosenzeitung, die „Draußen“, die wird natürlich von Obdachlosen verkauft, ich kriege das oft mit, weil – wie gesagt – ich ja oft in Münster bin, wir haben da früher auch gewohnt und deshalb kenne ich manche der Obdachlosen schon seit vielen Jahren. Weiterlesen

Draußen vor der Tür

Unbenannt

Worüber, so mag man sich fragen, denkt dieser Mann nach? Sinnt er darüber nach, wieso er im Eingang einer Kirche in Münster steht, dem Lärm und den Abgasen der Stadt ausgesetzt? Die Antwort darauf wäre einfach: Als Protestant gehört er natürlich nicht in diese katholische Kirche, drei Männer, die es mit ihrem Protest gegen die katholische Kirche – weit vor seiner Zeit – nun, man darf wohl sagen, übertrieben hatten, hängen heute noch in Käfigen vom Turm dieser Kirche. Nein, inzwischen sind die Käfige leer, niemand muss sich noch die Knochen ansehen, die Käfige reichen als Mahnung, als Drohung für die Zweifler, Rebellen und Protestanten. Doch zurück zu unserem Denker, der sich auch fragen könnte, wieso er, dessen Haltung zum Christentum mit der Haltung, die er auf dem Bild einnimmt, schon ganz gut beschrieben sein könnte, überhaupt mit einer Kirche verbunden worden ist. Oder denkt er vielleicht darüber nach, ob er mal in die Kirche gehen sollte?

Sie und ich, wir wissen natürlich, dass dieser Mann überhaupt nicht nachdenkt. Dieser Mann ist schließlich ein Stein und Steine, nehme ich zumindest an, denken nicht. Eine ganz andere Frage stellt sich: Wieso hat ihn die Kirche dort aufgestellt? Als Beleg dafür, dass, auch wenn wir nichts mit ihr zu tun hatten, sie uns immer noch vereinnahmen kann, sobald wir uns nicht mehr dagegen wehren können?

 

Fietsen

Mein nächstes Projekt hat zunächst einmal nichts mit Texten zu tun, aber das weiß man ja eigentlich immer erst hinterher – und wann genau hinterher ist, weiß man auch erst, wenn es dann doch zu einem Text wurde. Vielleicht aber auch nicht, weil man sich nicht mehr daran erinnert. Bevor das hier ausufert: Es geht um meinen Urlaub. Um unseren Urlaub natürlich.

Wir haben den Fahrradurlaub für uns entdeckt. Ein paar hundert Kilometer fahren wir vorher schon mit dem Auto, bevor wir dann auf unsere Räder steigen. Sonst könnte man ja denken, dass wir uns eine richtige Reise nicht leisten können.

Diesmal radeln wir in Ostfriesland und den angrenzenden Niederlanden, also der Region zwischen Winschoten und Groningen auf der niederländischen Seite und Leer, Aurich, Norden und Emden einschließlich der Krummhörn auf der deutschen Seite. Wer meinen Blog kennt, weiß, dass wir die Niederlande sehr mögen. Ein wenig kennen wir uns da schon aus, trotzdem sind wir immer dankbar für gute Tipps

In jener fernen Vergangenheit, in der deutsche und niederländische Fußballer sich noch bespuckten und die Geschäfte samstags noch um 13:00 Uhr schlossen, habe ich mal Niederländisch gelernt. Leider sehen die Niederländer das nicht ein. Also spreche ich nicht mit ihnen – oder wenn, dann halt auf Deutsch. Dafür höre ich dann heimlich hin, wenn sie sich auf Niederländisch über uns lustig machen, damit sind wir quitt.

Aber in der Folge meiner Bemühungen um die niederländische Sprache und Kultur habe ich es zu schätzen gelernt, niederländische Autoren im Original zu lesen – und es gibt einige, bei denen sich das lohnt. Um die zu hören, wäre es vermutlich klüger, einfach zuhause zu bleiben, denn früher oder später lesen sie im niederländischen Seminar der Uni Münster. Maarten ’t Hart, Geert Mak und Thomas Rosenboom – um nur einige zu nennen, die in Münster lasen – haben es ja auch in die deutschen Buchhandlungen geschafft.

Also werden wir in Groningen oder wo auch immer wir eine Buchhandlung finden… daran vorbei gehen, weil wir nämlich keinen Platz für Ballast haben (ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal über Bücher sagen würde.) Folglich werden wir ins Museum gehen, da kann man gucken, darf aber nichts mitnehmen. Ich kann nämlich in einer Buchhandlung nicht Bücher gucken gehen, man geht doch auch nicht zum Bäcker, um sich dort Brote anzusehen. Jedenfalls nicht zu einem holländischen Bäcker.

Kurzgeschichte: Stillgelegt

Still ist es hier, mitten in der Stadt. Ab und zu ein Auto, dann zwitschern wieder die Vögel, rauschen die Blätter.

Große Bäume spenden Schatten, hier und da liegt jemand in der Sonne. Manche haben sich eine Decke mitgebracht, andere liegen schon länger hier, die haben einen Stein.

Begraben wird aber schon lange nicht mehr, hier auf dem alten Hörster Friedhof.