Literatur & Co.

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„Ik ben makelaar in koffi, en woon op de Lauriergracht no. 37.“

„Ich bin Makler in Kaffee und wohne Lauriergracht Nr. 37.“ So beginnt Max Havelaar, der Roman von Multatuli. Hinter diesem Pseudonym verbarg sich der Autor Eduard Douwes Dekker. Der Roman, der in den Niederlanden zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Kolonialpolitik in Indonesien führte und bis heute als das wichtigste Buch der niederländischen Literatur gilt, hat zweifellos Spuren in der Wirklichkeit hinterlassen. Eine der witzigsten hat mich jetzt in Amsterdam beschäftigt. Allein im ersten Kapitel des Buches nennt uns Batavus Droogstoppel vier oder fünf Mal die Adresse Lauriergracht 37 und verweist darauf, dass er Kaffeemakler sei, am Ende dieses ersten Kapitels, das übrigens nicht länger als fünf Seiten ist, wissen wir zudem, dass er der Schwiegersohn des alten Last ist, das Co. in Last & Co. Das Kapitel endet mit einer Abbildung seiner Visitenkarte: Weiterlesen

Literarisches Amsterdam (8)

Multatuli schaut Marinus Pütz skeptisch über die Schulter Foto: Elfie Voita

Multatuli schaut Marinus Pütz skeptisch über die Schulter
Foto: Elfie Voita

Endspurt. Diesmal sollte es doch klappen mit dem letzten Beitrag zur literarischen Führung in Amsterdam. Allerdings nur, wenn es mir gelingt, diese Einleitung zügig abzuschließen. Die Tour liegt jetzt schon fast einen Monat hinter uns. Die Fotos von der Reise habe ich mir gerade noch einmal angesehen. Jetzt will ich wieder hin. Am liebsten sofort.

Dass in der Keizersgracht 569-571 bis Ende der neunziger Jahre das P.J. Meertens-Instituut voor Dialectologie, Volkskunde en Naamkunde seinen Sitz hatte, interessiert wohl nur diejenigen, die Voskuil gelesen haben oder lesen wollen. Es ist nämlich das Vorbild für das A.P. Beerta-Instituut, Schauplatz des Buches, der Bücher, genau genommen, denn es sind immerhin sieben Bände.

Und Multatuli? 

In der ersten Folge dieser Reihe habe ich über ihn geschrieben. Marinus Pütz hat uns zu seinem Denkmal geführt.

Ich hatte nicht gewusst, dass es dieses Denkmal gibt. Jedenfalls nicht bis zum Vortag, als wir zufällig davor landeten. Macht nichts. Marinus erklärt uns, dass es ein Multatuli-Museum in der Nähe gibt. Ich glaube, da will ich nicht hin. Nicht, bevor ich den Max Havelaar gelesen habe. Und nein, wir sind nicht so kultur- und literaturbeflissen, dass wir nicht auch Zeit für anderes gehabt hätten: Gut und schlechter essen, tropfnass werden in einem überraschenden Regenschauer, der sich zu einem echten Landregen entwickelt, von Mücken zerstochen werden, nach Abkürzungen suchen und Umwege finden, vor Schaufenstern stehen und in Geschäften stöbern, vor Radfahrern flüchten und glücklich auf eine stille Gracht im frühmorgendlichen Licht blicken.

Teil 7