Leipzig. Zwei

Der Sonntag. Ich habe einen Plan. Ein Plänchen. Gut, am Vorabend waren meine Vorhaben grandios gescheitert, aber, um es mit dem Alt-Bundestrainer Helmut Schön zu sagen: So schnell lasse ich den Hochmut nicht sinken.

Wie sich das für ein langfristiges Konzept gehört, schaue ich im Bus noch mal in das Veranstaltungsverzeichnis und finde gleich zwei Programmpunkte. Also nach einer kurzen Orientierung in den Hallen zunächst einmal zu Michael Fehr.

Die Lesung hat noch nicht begonnen, noch diskutiert die ägyptische Autorin Mai Khaled mit ihrem Publikum, allerdings nicht ihren Roman, sondern die aktuelle politische Lage in Ägypten. Dann kommt Michael Fehr und liest aus seinem Roman Simeliberg. Fehr ist Schweizer, stark sehbehindert und liest deshalb nicht wirklich vor, sondern hört den Text über Kopfhörer und spricht ihn dann. Beim Bachmann-Preis in Klagenfurt hat er das ähnlich gemacht und die Jury sehr beeindruckt. Uns beeindruckt er auch. Fehr kommt aus der Spoken-Word-Szene und schreibt seine Texte offenbar ganz bewusst für den Vortrag.

Wir lassen uns Zeit, springen nicht auf, um rechtzeitig bei Denis Scheck zu sein. Wie sich dann zeigt, hätte es wohl auch nichts genutzt. Denis Scheck, der mit „Druckfrisch“ ein unterhaltsames und kluges Literaturmagazin im Fernsehen präsentiert, stellt seine Buchempfehlungen vor und alle wollen ihn hören und sehen. Er sieht so aus wie im Fernsehen und klingt auch so, was weder für noch gegen ihn spricht. Es gibt Monitore, auf denen man ihn gut sehen kann. So gut, als wäre man zuhause geblieben.

Nach Fehr und Scheck – klingt übrigens wie eine Zeitschrift für Produkttests heißen könnte: FairCheck oder, weniger freundlich, ein möglicher Dudeneintrag für eine danebengegangene Buchkritik: vercheckt, schlimmer noch, voll vercheckt – stehen jetzt die Verlage auf dem Programm, die in ihren Anthologien auch meine Kurzgeschichten veröffentlicht haben.

Keine schlechte Quote, von fünf Verlagen sind drei in Leipzig vertreten.

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Torsten Low (Bild: Elfie Voita)

Ein Port mit Torsten Low, einmal drücken bei Ingrid Pointecker vom Ohneohren Verlag

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Ingrid Pointecker (Bild: Elfie Voita)

und ein Plausch mit Marion Schneider am Stand des Größenwahn Verlags

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Marion Schneider (Bild: Elfie Voita)

und das Gefühl, auf der Buchmesse jetzt auch ein wenig zuhause zu sein.

Mein Plan? Genau wie wir irgendwann erledigt.

Ohne Ohren? ohneohren!

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http://www.ohneohren.com/

2013 war ich, wie schon berichtet, auf der Suche nach Ausschreibungen, nach Wettbewerben, an denen ich mich beteiligen könnte. Viele kleine Verlage suchten Beiträge, nicht alles interessierte mich, aber der Verlag Ohneohren aus Wien war einen zweiten Blick wert: Intergalaktisches Seemannsgarn sollte gesponnen werden. Da sollte doch etwas gehen. Ich begann Ideen zu sammeln, schrieb Anfänge, verwarf sie wieder und die Zeit verrann. Hatte ich schon angemerkt, dass es nur eine recht knapp bemessene Teilnahmefrist gab? Außerdem schrieb Ingrid Pointecker, die Verlegerin und Gründerin des Verlags, ein zweites Thema aus, das mir gefiel und an dem ich arbeiten wollte.

Auf den letzten Drücker fiel mir endlich ein, dass ich irgendwo in meinen Notizen ein Science-Fiction-Thema aufgegriffen, aber noch nicht zu Ende gebracht hatte. Ein klarer Verstoß gegen meine eigene Grundregel: Wenn du eine Geschichte anfängst, bring sie auch zu Ende. Man weiß ja nie, was da unterwegs noch alles passieren kann. Manchmal geht einem mitten im Tunnel ein Licht auf oder da ist ganz plötzlich ein überraschender Schluss für eine Geschichte: überraschend nicht nur für den Leser, sondern auch für mich als Autor. So ähnlich muss es gewesen sein, denn die kleine Geschichte, die ich schließlich mailte, setzte sich im Auswahlprozess durch.

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Die Veröffentlichung erfolgte zunächst als E-Book, im Sommer 2014 kam dann aber auch noch eine Druckausgabe hinzu – und ich liebe Druckausgaben, E-Books machen im Regal einfach nichts her.
Falls Sie Probleme damit haben sollten, Ihre Texte einem Kleinverlag anzuvertrauen, dann schauen Sie sich mal http://www.ohneohren.com/ oder https://www.facebook.com/Verlagohneohren an.

Ingrid Pointecker scheint über unerschöpfliche Energien und eine grenzenlose Begeisterungsfähigkeit zu verfügen, sie ist überall dort, wo es wichtig für den Verlag ist und hat trotzdem immer ein offenes Ohr für ihre Autorinnen und Autoren.

Und hier gibt es Kritiken zu der Anthologie:

http://www.lovelybooks.de/autor/Daniel-Schlegel/Intergalaktisches-Seemannsgarn-1076545811-w/leserunde/1073128567/