Berlinbesuch

Foto: Elfie Voita

Es gibt, habe ich gehört, Städte, die man liebt, weil sie so schön sind. Amsterdam zum Beispiel. Es gibt auch die Stadt, die man um seiner selbst willen liebt, weil sie Heimat ist und so vertraut wie die eigene Haut, die man, auch wenn sie mal Pickel oder Wunden hat, doch nicht verlässt. Das wäre ja mal eine ganz neue Definition von Reisen: aus der Haut fahren!

Dann sind da noch die Städte, die man gar nicht richtig sehen, nicht richtig spüren kann, weil sie so aufgeladen sind mit Geschichte, mit Erinnerungen, mit Bildern, die sich über die reale Stadt legen und sie fast unsichtbar machen. Städte, in denen man nicht zuhause ist und nicht zuhause sein kann, weil es sie überhaupt nicht gibt, weil es sie so, wie man sie im Kopf hat, nicht gibt und vielleicht auch nie gegeben hat.

Berlin ist so eine Stadt. Amsterdam nicht. Nicht, weil Amsterdam nur eine schöne Oberfläche, ein touristisches Gesicht besäße und keine Tiefe, oh doch, und ein bisschen davon weiß ich und kenne ich, aber es ist so schön, dass das allein schon reicht, dass ich immer wieder nur hinsehen muss, stehenbleiben muss und gucken und mich umdrehen und schau mal da und sieh mal dort sagen und fotografieren muss.

Berlin, da muss ich eigentlich überhaupt nicht hin. Das kenne ich schon, kannte ich, bevor ich da war und, obwohl ich nichts finde und überhaupt nicht weiß, was eigentlich wo ist, denke ich, so wird es sein und dann ist es auch so. Dagegen kann die Stadt überhaupt nicht an. Klar, sie kann mich begeistern, aber das Weiterlesen

Nach Hause gehen

von Bärwinkel,Klaus [GFDL oder CC BY 3.0 ], vom Wikimedia Commons

Jörn Klare ist nach Hause gegangen. Jedenfalls heißt das Buch so: Nach Hause gehen. Aber der Untertitel „Eine Heimatsuche“ macht klar, worum es geht.

Meine Töchter haben mir das Buch geschenkt, weil Jörn Klare nach Hohenlimburg gegangen ist. In Hohenlimburg bin auch ich geboren worden, es könnte also, so haben wohl meine Töchter gedacht, Übereinstimmungen geben.

Jörn Klare ging als junger Mann nach Berlin. Einundzwanzig war er, wenn ich mich recht erinnere. Meine Eltern haben die Möbel und mich eingepackt und sind von Hohenlimburg nach Hagen umgezogen. Ein Umzug, der heute so nicht mehr möglich wäre, weil Hohenlimburg inzwischen ein Stadtteil von Hagen ist. Aber in Wirklichkeit war es der Umzug aus einer kleinen Dachwohnung in einen Neubau, ein Mehrfamilienhaus, in dem mein Vater eine Werkswohnung bekam.

Jörn Klare denkt auf seiner Wanderung von Ost nach West über Weiterlesen

Mich fragt ja keiner

Im Online-Portal der Süddeutschen Zeitung nehmen verschiedenen Autoren Stellung zu der Frage, was denn nun eigentlich deutsch sei. Heute las ich ‚Wenn das tiefe Glockengeläut erklingt‘ von Martin Mosebach, Büchner-Preisträger und somit in der deutschen Gegenwartsliteratur geadelt. Nein, ich will nicht einsteigen in diese Diskussion – und doch bin ich natürlich sofort dabei. Dabei ist Mosebach interessant, auch interessant, um eigene Positionen zu überprüfen, sich an ihm zu reiben.

Bei Mosebach geht es – wie bei einem Schriftsteller wohl kaum anders zu erwarten – um Sprache. Natürlich auch um den Begriff der Nation, den Nationalismus, um… ach, wer es wissen will, soll es halt selber lesen. Er endet aber – und das war es, was mich überraschte – mit seinem Gefühl von Heimat. Ist das nicht etwas völlig anderes? Ist Heimat nicht für jeden von uns etwas sehr Persönliches, nicht an die Nation oder die Sprache, die Kultur oder die Geschichte Gebundenes? Hat den nur der Deutsche eine Heimat? Weiterlesen